Syria

Veröffentlicht am 2022-01-13 In Themen - Meinungen, Zeitenstimmen

Leiden in der Stille

Maria Fischer •

„Suffering In Silence“, Leiden in der Stille, so nennt die Hilfsorganisation CARE ihren einmal im Jahr zusammengestellten Bericht über die vergessenen Katastrophen der Menschheit. Nicht etwa, weil die Opfer schweigend leiden, sondern weil die Medien ihr Leid verschweigen, ignorieren und vergessen. Die Medienanalyse listet zum sechsten Mal zehn Krisen auf, die mindestens eine Million Menschen betroffen haben und am wenigsten in internationalen Online-Medien genannt wurden. Und was nicht in den Medien erscheint, das nehmen nur Menschen wahr, die sehr achtsam und sehr initiativ beobachten. Menschen wie Papst Franziskus etwa, der schon einige Tage vor dem CARE-Bericht beim – durchaus medienwirksamen – Weihnachtssegen Urbi et Orbi diese und noch weitere Leidensgebiete dieser Erde in den Blick holte. —

Das Medienverhalten löst bei den Autoren des CARE-Berichts Verwunderung aus: „Die globale Gewichtung der Berichterstattung lässt uns bei allem Verständnis und Wissen über Nachrichtenfaktoren dann doch staunen. So gab es in Online-Medien mehr als 360.000 Berichte über das Interview von Prinz Harry und seiner Frau Meghan mit Oprah Winfrey. Über die mehr als eine Million Menschen in Sambia, die unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden, hat es gerade einmal 512 Veröffentlichungen gegeben“.

Eine Währung, die über Leben und Tod entscheiden kann

Dabei sorgt die mediale Präsenz für unmittelbare Konsequenzen in den Krisenländern. Sie ist eine Währung, die über Tod oder Leben entscheiden kann. „Wenn Krisen Aufmerksamkeit bekommen, dann bekommen sie politische Aufmerksamkeit und werden entsprechend in den politischen Foren behandelt“, sagt CARE-Kommunikationschefin Wilke.

Auch schauten Geber für Hilfsleistungen darauf, welche Krisen besonders wahrgenommen würden. „Wir merken es immer wieder, dass man im Gespräch mit Gebern erst einmal erklären muss, warum denn Sambia? Da haben wir gar nichts von gehört in diesem Jahr. Und so gibt es eine sehr direkte Logik: weniger Aufmerksamkeit, weniger finanzielle Mittel, weniger Möglichkeiten Leid zu lindern.“

Und warum steht nicht noch viel mehr über die sozialen Projekte Schönstatts auf schoenstatt.org?

Die Parallele zu den Leidensgebieten, in denen Schönstätter sich für Kinder aus Elendsvierteln, für strafgefangene Jugendliche, für Obdachlose, für Migranten und Flüchtlinge, für Schwerkranke, für Schwangere in Notsituationen… einsetzen, ist mehr als deutlich. Wenn wir nicht darüber berichten – und wir können es nur, wenn wir davon erfahren!- , und wenn wir das nicht immer und immer wieder tun, dann ist das nicht nur ein Einsatz in der Stille, sondern bleibt für die Kinder, Jugendlichen, Obdachlosen… viel zu oft ein Leiden in der Stille. Nicht nur wegen ausbleibender Gebete und Spenden. Auch weil jede fehlende Geschichte aus diesen Leidensgebieten verhindert, dass irgendwo sonst auf der Welt zwei oder drei Schönstätter sagen: Wir auch. Hier auch.

Und noch ein Schmerz: es bleibt auch ein sozial engagiertes Schönstatt in der Stille. Die Frage: Was tut Schönstatt für uns, für die Benachteiligten, für die Armen, für die Flüchtlinge, für die Misshandelten, für die Hungernden, Obdachlosen, Gefangenen… bleibt unbeantwortet.

Die Verantwortlichen großartiger Projekte des solidarischen Bündnisses wissen, wie oft wir von schoenstatt.org sie mit unseren Bitten um Geschichten, Zeugnisse, Erfahrungen quälen.

Seien Sie sicher: Wir tun das immer und immer wieder. Denn das ist unser Versprechen an die Ärmsten und Schutzlosesten. Und an das Schönstatt, von dem wir träumen und an das wir glauben.


Suffering in Silence (deutsch)

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