Veröffentlicht am 2020-05-24 In Kolumne - Ignacio Serrano del Pozo

Warum eine erneute Krönung in Bellavista?

Von Ignacio Serrano del Pozo •

Ich beginne diese Kolumne mit dem Geständnis, dass es für mich nicht leicht war, mich der Krönungsströmung anzuschließen, die seit einigen Jahren die Schönstattfamilie in Chile zu mobilisieren scheint. Es gibt viele Gründe dafür, doch ich fasse sie hier in drei Punkten zusammen.—

Erstens.

Es scheint mir, dass die Sorge um die Rückgabe der Krone, die am 18. Januar aus dem Heiligtum von Bellavista gestohlen wurde, während Papst Franziskus das Land besuchte, – um es im Klartext zu sagen – fehl am Platz und ein völliger Unsinn war. Die Kirche in Chile und Schönstatt in Chile befanden sich in der größten Krise unserer Geschichte, einer Krise, in der die Unschuld der Schwächsten mit Füßen getreten wurde und die starke Gesten der Anerkennung und Vergebung erforderte, so dass es nicht angebracht war, sich um Wiedergutmachung für diese kriminelle Tat zu sorgen.

So bedeutsam das entwendete Symbol auch war, es verdiente nur ein wenig Wut und Trauer. Symbole für den 31. Mai haben wir genug.

Zweitens.

Meine Unzufriedenheit mit diesem Impuls zur Krönung rührte daher, dass dieser gegen eine andere Strömung antrat, die sich stark herauszubilden begann und der ich mich mit Begeisterung anschloss, nämlich die von „Schönstatt auf dem Weg nach draußen“. Ich hatte schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass unsere Bewegung eine gewisse Selbstvergessenheit überwinden und diesen Rausch des Feierns und Gedenkens an jedes Ereignis der Vergangenheit beenden muss, um bei der Verankerung der Schönstatt-Botschaft in der Welt, die sich in dieser Zeit gestaltet, voranzukommen, und zwar kraftvoll.

Der praktische Vorsehungsglaube sollte uns dazu bewegen, mit der Gegenwart und nicht mit der Vergangenheit im Einklang zu sein. Die Wiederherstellung einer Krone, die Pater Josef Kentenich 1949 angebracht hatte, erschien mir wie ein Feiern des 70. Jahrestages der Sendung durch einen Blick in den heimischen Spiegel.

Drittens.

Mein Misstrauen rührte von einer ziemlichen Skepsis gegenüber den rein frommen Strömungen her, die in der Schönstattfamilie so gut ankommen. Wenn wir uns die großen Strömungen des Lebens post mortem fundatoris anschauen, wie die Pilgernde Gottesmutter, die Madrugadores, die Hausheiligtümer und die Strömung der Verbundenheit mit dem Vater und Gründer, so zeichnen sie sich gewöhnlich durch ihre religiöse Treue aus.

Beim Blick auf sie ist es jedoch angebracht, nach der Unzulänglichkeit der Strömungen der intellektuellen, kulturellen, moralischen und sozialen Erneuerung zu fragen. Es gibt keine schönstättischen Denkschulen, die die pädagogische oder psychologische Praxis prägen könnten (wie viel könnte man auf diesem Gebiet beitragen!), und soziale Initiativen wie María Ayuda oder das FORTA-Programm der Ehebegleitung sind eher rar. Für Josef Kentenich ist Schönstatt sicherlich eine Bewegung der religiösen Erneuerung, aber auch der Weltgestaltung, in dem, was sie von der Welt hat. Warum ist es für uns so schwierig, uns auf diese Strömungen der säkularen Erneuerung einzulassen oder sie anzunehmen? Vielleicht gerade wegen der damit verbundenen Kosten.

P. Kentenich im Heiligtum in Bellavista, 20.05.1949

„In der Krone unsere Umkehr für die Mission!“

Doch die Ereignisse der letzten Monate, die soziale Krise in Chile, vor allem aber die globale Pandemie haben meine Wahrnehmung allmählich ein wenig verändert. Wahrscheinlich, weil sie – wie viele bemerkt haben – die enorme menschliche Zerbrechlichkeit und die dringende Notwendigkeit gezeigt hat, in der Kraft Gottes und unter dem Schutz der Jungfrau Maria Zuflucht zu finden. Aber auch, weil ich es ungeheuer aufschlussreich fand, dass das Organisationskomitee für die Krönung am 31. Mai die Krönung mit dem Sinn der Umkehr verbunden hat. „In der Krone unsere Umkehr für die Mission!“

Tatsächlich lädt uns diese Krone nicht nur dazu ein, göttliches Eingreifen zu erflehen, sondern uns für die verwandelnde Kraft der Gnade zu öffnen. In diesem Sinne wage ich es, auf drei Merkmale hinzuweisen, die für diese Zeit in Betracht gezogen werden sollten, damit dies nicht nur eine weitere Krönung oder im schlimmsten Fall ein neuer Kultritus der intimen Frömmigkeit ist.

An erster Stelle:

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Krönung vor allem ein Eingeständnis unserer Schwäche ist. Aber nicht wegen unserer allgemeinen Schwäche aufgrund unseres Zustands als Geschöpf – das ist sehr philosophisch oder theoretisch -, sondern es ist die Anerkennung dessen, was an konkreten Versäumnissen und Sünden das leuchtende Charisma Schönstatts verdunkelt hat.

„Was nicht angenommen wird, wird nicht erlöst“, pflegte Pater Kentenich zu wiederholen, indem er den heiligen Irenäus zitierte. Die Krise der Kirche ist Schönstatt nicht fremd; die Krise der chilenischen Kirche verdankt sich vor allem der Untreue gegenüber der Sendung des 31. Mai (Vaterschaft und Bindungen). Und eben dieser gesellschaftliche Aufruhr sollte auch der chilenischen Bewegung nicht fremd sein, da er in großem Maße der Untätigkeit von uns Laien zu verdanken ist.

An zweiter Stelle:

Wir müssen uns bewusst sein, dass die Krone des Christen vor allem die Dornenkrone ist. Wir können nicht erwarten, dass sich nach diesem Krönungsakt die Dinge auf magische Weise ändern, dass wir unsere Gesundheit wiedererlangen, dass die Bewegung endlich der Gesellschaft ihren Stempel aufdrückt oder dass sich unsere Wünsche erfüllen.

Vielleicht können wir nur auf eine langsame und stille Fruchtbarkeit unserer Opfer am Kreuz hoffen.

Vielleicht können wir nur auf eine langsame und stille Fruchtbarkeit unserer Opfer am Kreuz hoffen. In der Tat bin ich davon überzeugt, dass, wenn wir Gott in dieser mehr als 70 Jahre währenden Geschichte etwas zeigen können, es der Schmerz so vieler ist, die ihre Krankheit oder ihre Ängste in aller Stille geopfert haben und die ihr apostolisches Versagen oder ihre familiären Frustrationen auf sich genommen haben, ohne eine Opferrolle zu zelebrieren, im Vertrauen darauf, dass Gott selbst sie mit der Dornenkrone krönte. So sollte die Krone des 31. Mai mit dem Krebs von Mario, der Krankheit von P. Hernan, dem väterlichen Schmerz von Cedric Moeller sowie dem liebevollen Opfer so vieler Ordensleute und Laien verschmolzen werden, die Zeugnis ablegen von der „Mittelklasse der Heiligkeit“, jener Heiligkeit der täglichen Beständigkeit, die Papst Franziskus neu in den Blick gerufen hat.

An dritter und letzter Stelle

Ich halte es für grundlegend, daran zu denken, dass diese Krönung am Pfingstfest stattfinden wird. Das bedeutet, dass die folgende Zeit durch Wagemut, durch Glaubenssprünge gekennzeichnet sein muss, denn wie Benedikt XVI. sagte: „Das Zeichen der Gegenwart des Geistes ist die Abwesenheit von Furcht.“

Wir müssen in einem Schönstatt ohne Angst vorankommen, außerhalb der Komfortzone oder jenseits des süßen Geschwätzes über Solidarität.

Ich würde es wagen zu behaupten, dass dies die erste größere Umstellung ist. Ein Schönstatt, das es wagt, vor den neuen Herausforderungen kreative Antworten zu geben, oder besser noch, die Schritte zu unternehmen, die diese Antworten möglich machen.

Jeder kennt die Ängste, die einer neuen Gesellschaftsordnung im Wege stehen: Für den einen mag es der fehlende Mut sein, das Niveau seiner Ausgaben und Gehälter zu senken, um den Arbeitsplatz seiner Mitarbeiter zu erhalten, für den anderen mag es das fehlende Wagnis sein, die Familie zu vergrößern, für einen jungen Schönstätter mag es die Angst sein, sich ja nicht auf die diskreditierte Politik einzulassen, für einen älteren, den Verlust der Autonomie als sein wertvollstes Gnadenkapital abzulehnen. „Habt keine Angst, Christus willkommen zu heißen und seine Macht anzunehmen“, so lauteten die Worte Johannes Paul II. zu Beginn seines Pontifikats. So ähnlich könnte unser Dialog mit Maria klingen.

Sind wir bereit, sie unter diesen Bedingungen zur Königin zu machen? Sich diese Frage zu stellen, ist von elementarer Bedeutung vor einer neuen Krönung.

Original: Spanisch, 20. 05. 2020. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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1 Responses

  1. Ja, warum eine neue Kroenung. Drei Tage nun vorher, habe ich mich immer noch nicht mit der Kroenung abgefunden. Warum?

    Sollten wir Schoensttaetter nicht besser erst mal eine Mission nach Innen machen???
    Ich erlebe immer und immer wieder, das wir einander noch nicht einmal zuhoeren koennen. Hab ich mein Argument vorgetragen, gibt es keinen Moment Ruhe zur Aufnahme, Verinerlichung. Unmittelbar nach dem letzten Wort – vielleicht schon Sekunden vorher – kommen schlagartig selbstformulierte Gegenargumente. Und ich erlebte noch vor kurzem, dass nicht auf Sachargumente geantwortet, sondern ich quasi ‚erpresst‘ wurde mit Argumenten, die nichts mit der SACHE zu tun hatten. Z.B. haenderingend antwortete jemand: „XX, ich flehe Dich an…!“
    Es ist oft leichter nach aussen, an die Raender, als nach innen zu gehen.
    Unser Vater hat in den letzten Jahren des oefteren gesagt: „Mit dem Gedanken der Suehne, stehe ich allein auf der Buehne.“
    Auch in unserer Kirche gilt das Wort WANDLUNG als ein zentralen, aber…

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