Veröffentlicht am 2020-05-25 In Solidarisches Liebesbündnis in Zeiten von Coronavirus, Themen - Meinungen

Christliche Lebensweise „Leib Christi“

Bischof Francisco Javier Pistilli Scorzara, Encarnación, Paraguay •

Wir alle, die wir die Gabe des Glaubens und die erlösende Gnade der Taufe teilen, sind in einem Leib vereint, dem mystischen Leib Christi, wie der heilige Paulus in seinem Brief an die Korinther lehrt (1. Kor 12,13). Wenn ein Mitglied leidet, haben alle Anteil an seinem Leiden. Wenn ein Mitglied gesund ist, freuen sich alle. Verwundete Glieder werden nicht amputiert, stattdessen wird ihnen Unterstützung und Hilfe bei der Heilung gewährt.—

Die COVID-19-Pandemie betrifft uns alle, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Manchmal beeinträchtigt sie die Einheit dieses geheimnisvollen Leibes, wenn die Furcht vor Ansteckung irrationale Reaktionen, verbale, physische und soziale Aggressionen hervorruft und den anderen in Vergessenheit und Gleichgültigkeit geraten lässt.

Als seien sie ein Last

Können wir Gesunden die Kranken ignorieren oder sie verachten, indem wir sie als „unrein“ bezeichnen? Können wir das Gesundheitspersonal mit Worten und Gewalttaten schikanieren und angreifen, weil sie in Krankenhäusern dienen und sich einer Ansteckung aussetzen? Können wir Straßen und Stadtviertel sperren und Familien und Kinder, die Schutz brauchen, ihrem Schicksal überlassen? Können wir die über 65-Jährigen und diejenigen, die an Krankheiten leiden, die sie zu den schwersten Formen von COVID-19 prädisponieren, einfach bitten, unter keinen Umständen zur Messe zu kommen und ihnen den Rücken zukehren, als ob sie eine Last wären?

Die christliche Haltung drückt sich nie in dieser Art und Weise aus: Wenn du leidest, dein Problem, lass mich damit in Frieden. Viel weniger so im Weg: Ich will nichts von dir wissen, bleib, wo der Pfeffer wächst!

ER ist für die Kranken gekommen

Diejenigen, die zu der gefährdeten Gruppe gehören, d.h. die über 65-Jährigen und diejenigen, die an einer Krankheit leiden, die sie zu den schwersten Formen von COVID-19 prädisponiert, sowie diejenigen, die krank sind oder mögliche Träger des Coronavirus sind, sind Glieder des Leibes Christi und müssen die Leiden des Herrn tragen. Können wir ihnen sagen, dass sie nicht mit uns kommunizieren können, nicht an unserer Liebe teilhaben können, nicht von der Gnade des Brotes des Lebens erfüllt sein können? Werden wir die Gnade der Gesundheit und der rettenden Gnade nur den Mitgliedern vorbehalten, die behaupten, vorerst zumindest, gesund zu sein?

Jesus sagt uns, dass er besonders für die Kranken gekommen ist, dass die Gesunden keinen Arzt brauchen (vgl. Matthäus 9,12). Wir wissen, dass diese Brüder und Schwestern diejenigen sind, die sich am meisten danach sehnen, an der Eucharistie teilnehmen zu können, sich in der Gemeinschaft getragen zu fühlen. Es sollte uns nicht in den Sinn kommen, ihnen die Gnade zu entziehen, das Brot des Lebens zu teilen, und ihnen die Liebe zu verweigern, die sie verdienen.

 

Einander unterstützen, weiterhin, gerade jetzt

Was ist dann zu tun? Was ist das Richtige? Um verantwortungsbewusst für die persönliche Gesundheit aller zu sorgen, brauchen wir das Verständnis und die Zusammenarbeit aller, um die Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern und die schwersten Fälle so weit wie möglich zu verhindern. Daraus ergibt sich die Forderung, vorübergehend auf eine persönliche Teilnahme an den Eucharistischen Versammlungen zu verzichten, Wege zu finden, wie man mit Respekt und mit vernünftigen Maßnahmen, die alle durchführen können, miteinander in Beziehung treten und sich weiterhin gegenseitig unterstützen kann.

Das, was Verzicht und seelische Belastung für alle bedeutet, trifft die Gruppe der Brüder und Schwestern, die von der Krankheit, von ihrer Arbeit in der Nähe der Kranken oder von ihrem verletzlichen Zustand betroffen sind, noch tiefer. Es sind sie, die im mystischen Leib Christi wirklich leiden. Im Glauben müssen wir sie ermutigen, dieses Leiden zu verstehen, indem wir ihre Leiden auf eine sehr enge Weise mit dem leidenden Herrn vereinen, der als unschuldiges Opfer gelitten hat, wie es die Kirche seit ihren frühesten Tagen versteht: „Denn wie wir an den Leiden Christi reichlich teilhaben, so ist durch Christus unser Trost reichlich vorhanden“, 2 Korinther 1,5. Nichts eint die Jünger Christi mehr, als dieses menschlich gesehen unerwünschte Privileg, an seinem Kreuz teilzuhaben.

Trauen Sie sich, sie zu verachten und ihnen den Rücken zu kehren? Sind wir nicht alle am Kreuz gerettet worden? Könnten Sie sich damit als frommer und strenggläubiger Christ bezeichnen? Indem Sie sich vom Gekreuzigten abwenden, trennen Sie sich von dem Körper, in dem das wahre Leben ist.

Die „Gesunden“ werden nicht gerettet, wenn sie die Kranken abweisen

In der Gemeinschaft der Glieder Christi müssen sich die Gesunden verpflichten, die Kranken wie ein Simon von Cyrene zu begleiten, mit Gebet, Nächstenliebe und der erforderlichen und möglichen umsichtigen Hilfe, um jene Wahrheit zu verwirklichen, die der Apostel Paulus uns vermittelt: „Leidet ein Glied? Alle anderen leiden mit ihm. Ist ein Mitglied erhaben? Alle anderen haben Anteil an seiner Freude“ (1 Kor 12,26). Vor allem müssen sie wahre Frömmigkeit zeigen, wie Maria, die nicht nur den verwundeten und toten Körper ihres eigenen Fleisches hält, sondern den umarmt, dem sie das Leben geschenkt hat, und der sein Leben für sie gegeben hat.

Die „Gesunden“ werden nicht gerettet, wenn sie diese Kranken ablehnen, die leiden, indem sie ihre Leiden vereint mit Christus darbringen und in ihrem Leib das Opfer des Herrn vollenden. Diese vermeintlich gesunden Mitglieder sind diejenigen, die der Herr am Ende der Zeit von ihrer Gemeinschaft trennen wird, weil sie denjenigen beiseite ließen, der hungrig, durstig, krank oder verlassen war, einen Fremden oder Gefangenen, den, der ohne Liebe gestorben ist. Weil sie kein Erbarmen hatten.

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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