Cristo amigo

Veröffentlicht am 2021-05-15 In Themen - Meinungen

„Dieses Buch will junge Menschen bei ihrer Suche nach dem Evangelium begleiten.“

Ein Interview mit Juan Molina, Argentinien, über sein erstes Buch •

Am 11. Mai erschien  „Cristo Amigo“(„Christus der Freund“), ein Buch von Juan Molina,  Mitglied der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres, der in den nächsten Monaten zum Priester geweiht wird. Es richtet sich an Jugendliche mit dem Ziel, ihnen eine Begegnung mit Jesus von altersgerechten Themen her anzubieten. Es mischt die Tiefe verschiedener Texte des Evangeliums mit aktuellen Suchvorgängen. In diesem Interview erzählt uns Juan, worum es bei „Christus der Freund“ geht und was dahintersteckt. —

Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?

Juan Molina

Juan Molina

Die Idee für das Buch entstand rund um „MTA“, eine der Sommermissionen, die wir mit den Jugendlichen der Bewegung machen, und zwar auf Anregung von Pater Tommy Dell’Oca. Ich mag es zu schreiben und Tommy ist ein großer Motivator. Jede Mission mobilisiert uns, sie bringt uns neues Leben und auch Einladungen von Gott. Es ist sozusagen kein Buch, das auf meinem Schreibtisch geboren wurde, sondern es ist die Frucht von Gesprächen mit den Jungen, mit den Patres, mit der gemeinsamen Realität. Wir sahen junge Frauen und Männer, die mehr und mehr auf der Suche nach einem Glauben, einer Spiritualität waren, die ihr tägliches Leben, ihre Suche und ihre Sorgen besser beleuchten konnte. In diesen Dialogen mit Tommy teilten wir einen gewissen Schmerz und die Sorge, dass die menschlichsten, existenziellen und alltäglichen Fragen aus einer kalten Doktrin heraus beantwortet wurden und nicht aus der warmen Nähe von Jesus. Deshalb war die Idee, ein Buch zu schreiben, das einen Jesus zeigt, der nah dran ist an den Sorgen, Suchen, an dem, was junge Menschen leben.

Woher  kommt der Titel?

Eigentlich hat Joaquín Lobos, ein Kursbruder, den vorgeschlagen. In gewisser Weise ist es das Ergebnis eines Prozesses der geistlichen Bekehrung, den wir durchlaufen, um Jesus als Freund immer näher zu kommen. Wir haben als Kurs als Diakonatsweihespruch „Ich will dein Freund sein, Jesus Christus!“ gewählt. Das bedeutet, dass wir erleben, dass Jesus dich in allem, was du lebst, begleitet, dass er nahe ist, dass er treu ist, dass er bei dir ist in dem, was du lebst. Obwohl also jedes Kapitel sein eigenes Thema hat, ist der Hintergrund derselbe: Christus den Freund zu zeigen.

Wie war der Prozess, das Buch zu schreiben?

Ich begann sehr zaghaft, indem ich einige Gespräche und Themen sammelte, die mich bei den Missionen „gestochen“ hatten. Genauer gesagt, habe ich Mitte 2019 angefangen zu schreiben, ein Kapitel pro Monat. Ich habe versucht zu vergessen, dass ich ein Buch schreibe, um den Druck wegzunehmen. Ich dachte auch, dass es in Zeiten der Vorherrschaft von Bildern, Emojis und Show ziemlich gewagt sei, ein Buch zu schreiben, das die Betrachtung des Evangeliums anstrebt, das meinen Zeitgenossen gewidmet ist. Ich gebe nicht vor, Formeln oder magische Rezepte zu geben. Ich behaupte nicht, dass ich das Schießpulver erfunden habe. Tatsächlich habe ich mich bei mehr als ein paar Gelegenheiten gefragt, ob dieses Buch nicht in Wirklichkeit Wasser in den Rhein schütten würde. Schreiben bedeutet in vielen Fällen, einer Reihe von Ideen, die immer vorläufig sind, einen endgültigen Ton zu geben. Allerdings habe ich am Ende jedes Kapitels einige Freunde, zu denen ich Vertrauen habe, gebeten, mir Feedback zu geben. Sie motivierten mich mit ihren großzügigen, sehr persönlichen und scharfen Kommentaren zum Weitermachen. Das Endprodukt des Buches sammelt einen guten Teil dieser Rückmeldungen. Und so wurde ich immer aufgeregter, bis ich es Mitte 2020 fertig hatte, aber der Beginn der Pandemie schien nicht der beste Zeitpunkt zu sein, um damit weiterzumachen.

Wie hast du die Themen und Figuren ausgewählt, die jedes Kapitel prägen?

Genau bezogen auf das, was ich vorher gesagt habe, war die Erfahrung der Freundschaft mit Jesus Christus für mich keine Erfahrung in der Einsamkeit, sondern eine, die sich in einem Netz von Beziehungen, Freundschaften, Bindungen vollzieht. Deshalb entsteht ein guter Teil der Themen und Figuren, die jedes Kapitel prägen, aus Dialogen, Begegnungen und gemeinsamen Suchen mit ihnen. Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass das Buch eine Menge über mich aussagt. Ich bin ein bisschen der Petrus, der sich seinen Ängsten stellen muss, ich bin der Blinde von Bethsaida, der gegen die Ergebnisangst ankämpft, um Prozesse in Gang zu setzen, ich bin Bartimäus, der provoziert wird, sich auf den Weg zu machen, ich bin die entmutigte Samariterin und ich bin auch Nathanael, der überrascht ist, weil Jesus ihm immer wieder etwas mehr zeigt. Kurzum, es gibt viele Themen und Figuren aus dem Evangelium, die mich auf meinem Weg begleiten. Deshalb ist das Buch, wie ich in der Einleitung sage, nicht von jemandem geschrieben, der schon alles klar hat, sondern von jemandem, der auf  auf der Spur ist, aber nicht unbedingt in der Spur.

Juan Molina Cristo amigo


Welches ist das Kapitel, das am persönlichsten ist?

Cristo amigoEs gibt eines, das sehr persönlich ist und das sich auf das Leiden der Guten bezieht. Es ist eine existenzielle Frage und ich denke, sie ist sehr aktuell, für die harten Zeiten, in denen wir leben. Ich denke, das ist eine Frage, die über die Jugend hinausgeht und eine sehr menschliche Frage ist. Für mich wurde es sehr persönlich, weil es die enorme, tiefe Reflexion enthält, die die lange Krankheit und der anschließende Verlust meines besten Freundes aus dem Priesterseminar, Christian Abud, in mir auslöste. In keiner Weise gebe ich eine endgültige Antwort, obwohl ich mich selbst ermutige, das mitzuteilen, was Gott mir in dieser Zeit gezeigt hat, in Gesprächen mit ihm. Deshalb hielt ich es für angemessen, ihm auch für das Buch zu danken.

Und welches ist das Kapitel, das die von dir erwähnte gemeinsame Suche am meisten einfängt?

Es ist schwer, sich für eines zu entscheiden, aber ich entscheide mich für zwei. Eines der Kapitel entwickelt sich aus der Figur der ehebrecherischen Frau und will die Suche nach mehr und besserer Liebe beleuchten. Ursprünglich war das Gerüst dieses Kapitels Teil von Exerzitien, die ich bei den MTA-Missionen gehalten habe. Ein wenig wegen dieses Themas und wegen der Mission selbst, war ich beeindruckt, wie viel Gesprächsstoff es gab, für gemeinsames Nachdenken auch über die Exerzitien und die Mission selbst hinaus. Mir wurde klar, dass ich eine Faser berührt hatte, die nicht nur meine war, sondern auch die von vielen, die dort waren. Am Ende kommt die Liebe und die Suche nach Liebe nie aus der Mode. Ein weiteres Kapitel, mit dem mir so etwas passiert ist, war das erste von allen, das sich auf Nikodemus bezieht, um die zu erleuchten, die Gott suchen. Ich erkenne, dass die gegenwärtige Zeit, weit entfernt von dem, was sie auf den ersten Blick scheinen mag, eine Zeit des großen Suchens, des großen Durstes nach Gott ist. Auch bei jungen Menschen. Es stimmt, dass dies in einigen Sektoren nicht zu explizit gemacht wird oder diese Namen genannt werden, aber ich bin beeindruckt zu sehen, dass es eine Suche nach Spiritualität gibt, nach einer gemeinsamen Innerlichkeit.

Jetzt ganz persönlich: Was bedeutet es für Dich, dass dieses Buch zu diesem Zeitpunkt herauskommt?

Beginnend mit dem Elementarsten, ist es eine große Freude. Es ist wie ein wahr gewordener Traum, obwohl ich auch sagen muss, dass es nur die Hälfte des Traums ist: Jetzt hoffe ich, dass dieses kleine Buch ein Beitrag zur Begegnung mit Jesus ist. Auf der anderen Seite markiert die Nähe zur Priesterweihe auch eine Verbindung der Dinge, die nicht zufällig ist: In gewisser Weise legt das Buch offen, was meine persönlichste Reise während dieser Jahre der Vorbereitung gewesen ist. Sie ermöglicht etwas, was unserer Berufung, unserem Weg sehr eigen ist: Wir wollen nicht, dass die Erfahrung der Begegnung mit Jesus in unserer eigenen Intimität stirbt, sondern dass sie für viele andere zur Nahrung wird.


Das Buch wurde von Patris Argentina herausgegeben und ist in der Buchhandlung des Confidentia-Heiligtums in der Stadt Buenos Aires (Riobamba 1050) und beim Stadtheiligtum in Córdoba (Av. Rafael Núñez 3524), Argentinien, erhältlich. Darüber hinaus kann die Lieferung an andere Orte per Mail an [email protected] angefordert werden. Wir hoffen auf eine Ausgabe als E-Book.

Das Buch wird am kommenden Dienstag, den 18.5. um 21 Uhr Ortszeit Argentinien über Instagram auf den Accounts @patrisargentina und @jm.argentina vorgestellt.

Mitarbeit: Claudia Echenique @schoenstatt.org

 

Juan Molina Cristo amigo

 

Original: Spanisch, 14.05.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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