CMT

Veröffentlicht am 2022-06-11 In Gefängnispastoral, Haus Madre de Tuparenda

Zu Besuch bei Miguel

PARAGUAY, CMT – Pater Pedro Kühlcke •

Ein Straßenkind mit jahrelangem Elend, Einsamkeit, Drogen, Diebstahl… Jetzt, dank Casa Madre de Tupãrenda (CMT), verwirklicht er den schönen Traum, den Gott für ihn hatte: einen festen Job, ein eigenes kleines Haus, eine schöne Familie: ein würdevolles Leben, das er sich nie vorgestellt hätte! —

Stolz zeigt er seine CMT-Zertifikate

PPK: Nun, hier bin ich mit Miguel, besuche ihn in seinem schönen Haus, mit seiner schönen Familie und erinnere mich an alte Zeiten. Erzähl mir ein bisschen, wie war dein Leben vorher, Miguelito?

Miguel: Um die Wahrheit zu sagen, Pa’i Pedro, es war… Seien wir ehrlich: Mein Leben war ein Elend, weil ich in der Sucht gelebt hab. Lange Zeit war ich auf der Suche nach Drogen. Ich war lange Zeit „chespirito“ (ein Crack-Raucher, eine der schlimmsten Drogen); ich habe nur dafür gestohlen. Ich war zweimal im Gefängnis für Erwachsene. Ich war auch im Jugendgefängnis…

Einsamkeit

PPK: Was hat dich zu den Drogen getrieben?

Miguel: Meine Einsamkeit!

PPK: Einsamkeit?

Miguel: Ja, ich war einsam, niemand wollte mit mir zusammen sein. Ich hatte keine Familie.

PPK: Wo hast du gelebt?

Miguel: Auf der Straße.

PPK: Nur auf der Straße… Wie lange?

Miguel: Viele Jahre! Fünf, sechs Jahre oder so. Von meinem 12. bis zu meinem 18. Lebensjahr oder so.

PPK: Immer allein?

Miguel: Ja, ich war immer allein.

PPK: Und Drogen waren…?

Miguel: Drogen waren mein einziger Freund, angeblich.

PPK: Angeblich.

Miguel: Aber es hat mich jedes Mal umgebracht.

PPK: Es hat dich mehr und mehr umgebracht.

Miguel: Ja!

Woher kam die Veränderung?

PPK: Und wie hast du dich entschieden, etwas zu ändern?

Miguel: Und eines Tages habe ich mir gesagt: „Genug, genug, genug davon, so herumzulaufen!“ Da sie mir in Casa Madre de Tupãrenda eine Chance gegeben haben, habe ich mich zusammengerissen und gesagt: „Ich werde weiterkommen, ich werde weiterkommen, ich kann es! So bin ich dann nach Casa Madre de Tupãrenda gekommen und habe mit Sozialkompetenz angefangen, das war eine ziemliche Herausforderung.

PPK: War es schwierig mit der Lehrerin Lourdes? Sie ist sehr anspruchsvoll.

Miguel: Es war sehr schwierig, ja, aber ich habe sie immer sehr geschätzt. Und dann habe ich bei Victor Gartenbau studiert, was das Beste war! Er hat viel mit mir geredet und mir auch viel beigebracht. Ich bin allen Lehrerinnen und Lehrern im Casa Madre de Tupãrenda sehr dankbar. Denn dank ihnen und meinem Einsatz bin ich weitergekommen. Jetzt habe ich meine Familie, ich habe mein eigenes Haus, ich habe einen festen Job und ich mache immer noch weiter.

Drogen werden dich umbringen

PPK: Und wie sieht es jetzt mit der Drogenproblematik aus?

Miguel: Drogen, das gibt es bei mir nicht, ich will die nicht einmal riechen.

PPK: Wie lange bist du schon clean?

Miguel: Drei, ungefähr drei Jahre jetzt.

PPK: Das ist gut, wie hast du das geschafft?

Miguel: Wichtig ist, dass es meine eigene Entscheidung war. Viele Leute sagen, sie können es nicht, aber du kannst es! Das Leben besteht nicht nur aus Drogen, aber du musst selbst denken: Du wirst nicht lange auf Drogen sein, denn Drogen werden dich umbringen.

Eine Familie gründen

PPK: Und konntest du eine Familie gründen?

Miguel: Ja, ich konnte eine Familie gründen.

PPK: Du leidest nicht mehr unter dieser Einsamkeit…

Miguel: Nein, nein, nein! Ich habe meine Familie; ich muss jetzt für meinen Sohn weiterkommen, und ich will nicht, dass er das durchmachen muss, was ich durchgemacht habe.

PPK: Was hast du durchgemacht?

Miguel: Und ich war auf der Straße, ich war in sehr schwierigen Situationen. Mir war sehr kalt, ich hatte Hunger und es regnete. Ich hatte nichts, womit ich mich hätte zudecken können. Diskriminierung, Ablehnung … Ich habe auf der Straße ein bisschen von allem erlebt.

Und jetzt der beste Papa der Welt

Juan Miguel CMTPPK: Erinnerst du dich daran, dass wir oft darüber gesprochen haben, dass du eines Tages der beste Vater der Welt sein wirst und dass dein Kind nie das erleiden wird, was du erlitten hast?

Miguel: Ja, ich erinnere mich.

PPK: Und jetzt erfüllst du das?

Miguel: Das erfülle ich jetzt!

PPK: Kümmerst du dich gut um deinen Sohn?

Miguel: Ich kümmere mich gut um meinen Sohn!

PPK: Ihm all die Umarmungen geben, die du nie bekommen hast?

Miguel: Ja, es fehlt ihm an nichts.

PPK: Ein Vorbild für ihn sein?

Miguel: Ja, ich will ein Vorbild sein!

Und jetzt bin ich Bäcker

PPK: Und wie ist dein Job?

Miguel: Also es ist ein bisschen kompliziert, aber ich mache weiter.

PPK: Ist es hart?

Miguel: Es ist ein harter Kampf! Es ist nicht leicht, Bäcker zu sein.

PPK: Und sauberes Geld zu verdienen…

Miguel: Und ich verdiene sauberes Geld!

PPK: … es ist schwer. Es ist wenig Geld, aber es ist Geld, das du im Schweiße deines Angesichts verdient hast, nicht wahr?

Miguel: Ganz genau!

PPK: Ist es ganz anders als früher, als es nur um schmutziges Geld ging, um Verbrechen?

Miguel: Ganz anders, genau! Denn das ganze schmutzige Geld… Früher ging alles in die Drogen, jetzt nicht mehr. Egal wie viel man gestohlen hat, es war nach kurzer Zeit alles weg.

PPK: Es war sinnlos.

Miguel: Es war sinnlos.

PPK: Und jetzt, im Schweiße deines Angesichts, hast du dein kleines Stück Land und dein kleines Haus bezahlt!

Miguel: Ganz genau!

PPK: Und es ist dein eigenes?

Miguel: Meins! Meins und das meiner ganzen Familie!

PPK: Ganz genau! Und du gibst deinem Sohn das Dach über dem Kopf, das du nicht hattest.

Miguel: Ja!

PPK: Und die Wärme der Familie, und die Zuneigung…

Miguel: …die ich nie hatte.

Man muss sich entscheiden

PPK: Und was würdest du den Jugendlichen sagen, die darüber nachdenken, nah Casa Madre de Tupãrenda zu gehen, um zu sehen, ob es sich lohnt, dafür die Drogen aufzugeben?

Miguel: Und… die Wahrheit ist, dass sie ihre Entscheidung treffen müssen. Sie müssen die Droge beiseitelegen und darüber hinaus denken. Sie dürfen nicht nur auf das schauen, was direkt vor ihnen liegt. Sie müssen über das hinausschauen, was vor ihnen liegt, denn manche sagen: „Ich kann die Drogen nicht aufgeben, ich kann sie nicht aufgeben!“ Wir werden alle dazu in der Lage sein; du musst nur deine eigene Entscheidung treffen und bei allem, was du tust, ehrlich sein. Denn es wird viele Gelegenheiten geben, in denen du in Versuchung gerätst und fällst, aber du musst nicht umkehren. Das tue ich nicht! Ich muss mein Versprechen einhalten, ich muss vorankommen!

PPK: Und du kommst super gut voran.

Miguel: Ja, mit meiner ganzen Familie!

Gott in deinem Herzen haben

PPK: Und wenn du Gott in deinem Herzen hast, hilft das?

Miguel: Das hilft!

PPK: Sind die Dämonen weg?

Miguel: Ja!

PPK: Das freut mich! Bist du stolz auf dich?

Miguel: Ja, natürlich bin ich das!

PPK: Ist es schön, so zu leben?

Miguel: Es ist zu schön, so zu leben!

PPK: Auch wenn es jeden Tag eine Anstrengung und ein Kampf ist… Und manchmal reicht das Geld nicht, oder?

Miguel: Manchmal ist es gar nicht genug, aber ich mache trotzdem weiter! Wie das Sprichwort schon sagt: „Gott drückt, aber er erdrückt nicht“.

PPK: Ganz genau! Vielen Dank, Miguelito! Möge Gott dich segnen und mögest du weiter so kämpfen! Und dein Leben wird immer schöner, stimmt’s?

Miguel: Ja!

PPK: Und dein Sohn, ist er glücklich mit der Familie, die er bekommen hat?

Miguel: Ganz genau!

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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