Encuentro

Veröffentlicht am 2022-09-26 In Projekte, Werke der Barmherzigkeit

Unsere Stadt mit anderen Augen sehen wollen

SPANIEN, Fátima Alvarado •

Man sagt, dass große Träume bei einem Bier in einer Bar mit Freunden geboren werden. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber was ich sagen kann, ist, dass vor mehr als 10 Jahren inmitten von Gelächter und Witzen in der Bar das geboren wurde, was wir heute als Proyecto Encuentro Acoge (Projekt Begegnung nimmt auf) kennen. Wir waren eine Gruppe von Freunden und Bekannten, die von etwas anderem träumten. —

Man denkt immer, dass man in die Dritte Welt gehen muss, um der Armut und Ausgrenzung näher zu kommen, weil man nicht weiß, was sich neben dem eigenen Haus befindet oder wie man seine Stadt mit anderen Augen sehen kann. Angesichts des Wunsches, etwas für unsere Stadt zu tun, und zwar heute und nicht erst im kommenden Sommer mit irgendeinem Tag für Geschenke, haben wir beschlossen, einen Aufruf zu starten und dabei die Weihnachtszeit zu nutzen, in der jeder eher bereit ist, seine Zeit zu verschenken. Wir schickten eine Nachricht an unsere Kontakte und riefen am 22. Dezember 2011 dazu auf, auf die Straßen Madrids zu gehen, um durch unsere Viertel zu ziehen und Essen und eine gute Unterhaltung mitzubringen. Die Dinge liefen aus dem Ruder, denn plötzlich tauchten mehr als 50 Personen auf, und wir mussten uns in Gruppen von 5-6 Personen aufteilen und uns auf den Weg machen, um verschiedene Stadtteile Madrids zu erkunden und die Geschichten der Menschen kennenzulernen, die in unseren Städten leben und unter der größten Armut leiden, die es heute gibt: Einsamkeit.

Jeder ist aus einem anderen Grund auf der Straße gelandet

Wir gingen ohne jegliche professionelle Vorbereitung mit unseren Picknickkörben los und lernten die verschiedenen Realitäten der Straßensituation kennen, einfach mit dem Wunsch zu helfen. Wir wussten nicht, dass diese vorweihnachtliche Initiative uns einen Anlass geben würde, unsere Stadt mit anderen Augen zu sehen und aus diesem Blickwinkel zu handeln. Wir entdeckten viele Realitäten, die in Verbindung mit einer persönlichen Krise dazu führen, dass eine Person nicht mehr weiß, wie sie mit ihren Grundbedürfnissen umgehen soll, und auf der Straße landet (Migration, psychische Störungen, Drogenabhängigkeit, Depression, Armut…).

Und so kam das Projekt zustande! Wir beschlossen, diese Touren wöchentlich durchzuführen, um den Menschen, die wir getroffen hatten, näher zu kommen. Einige von ihnen erzählten uns schnell ihre Geschichten und andere, misstrauisch, weil sie sie nicht kannten, grüßten uns nicht einmal. Von da an verstanden wir, wie wichtig es ist, dass wir bei unseren Besuchen ein festes Intervall haben, so dass wir durch Nähe und Zuhören, ohne zu urteilen entdecken können, was sich hinter dem Schlafsack und den auf dem Boden liegenden Kartons verbirgt.

Madrid, Palma de Mallorca, Barcelona

Es waren Jahre, in denen wir viel gelernt haben, denn die Realität der Straße ist sehr unbekannt und es gibt viele Vorurteile. Aber je mehr wir uns in ihre Geschichten vertieften, desto mehr wollten wir etwas beitragen, auch wenn wir nicht wussten, wie wir es tun sollten.

Im Laufe der Jahre lernten wir, mit verschiedenen Situationen umzugehen und die Stellen zu kontaktieren, die in unseren autonomen Gemeinschaften vorhanden sind, um in gewisser Weise eine Brücke zwischen denen zu sein, die alles verloren haben, einschließlich ihrer Würde.

Wir wuchsen an Routen und Städten (Madrid, Palma de Mallorca und schließlich Barcelona) und beschlossen im September 2019, dass es vielleicht an der Zeit sei, ein Verein zu werden, um auf mehr Ressourcen zugreifen zu können und unseren eigenen Stempel und Auftritt zu haben. Wir wollten Engel in der Nacht sein, Menschen, die sich inmitten der Dunkelheit der Realität nähern, die uns umgibt und die wir nicht kennen, und ein Bindeglied zu den gesellschaftlichen Einrichtungen sein, die versuchen, etwas Licht zu bringen. Wir wollen uns mit dem Einfachen begnügen: etwas zu essen, ein paar Decken und vor allem Zeit, um zuzuhören und vom Zuhören ausgehend den Weg zu finden, den wir gemeinsam mit ihnen gehen können, indem wir ihre Freiheit und ihre Zeit respektieren, die nicht die unsere ist.

Begleitung, aktives Zuhören und Brücken zu gesellschaftlichen Einrichtungen sein

Indem wir von ihren Geschichten lernten, haben wir unsere Identität als Gruppe geschaffen und versucht, uns nach und nach in der komplexen Welt der auf der Straße lebenden Menschen zurechtzufinden. Und wir haben uns engagiert, zunächst bei ihnen und dann bei den verschiedenen Institutionen, die wir durch ihre Geschichten kennengelernt haben.

Kurz gesagt, wir sind alle Freiwillige, die jede Woche ein wenig Zeit opfern, um die Art und Weise, wie wir unsere Umgebung betrachten, zu verändern und in realen Geschichten zu konkretisieren, welche Richtung wir einschlagen und welche Einrichtung die verschiedenen Realitäten, die wir entdecken, am besten begleiten kann, da keine von ihnen der anderen gleicht. Unsere Schlüssel sind nichts weiter als Begleitung, aktives Zuhören und Brücken zu gesellschaftlichen Einrichtungen.

Wir brauchen mehr engagierte Menschen, um mehr Geschichten und mehr Ecken der Welt kennenlernen zu können, daher können wir nur sagen: „Trauen Sie sich?“

„Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“.

Encuentro

Quelle: periodicodebaleares.es Mit Genehmigung.

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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