Veröffentlicht am 2016-10-29 In Leben im Bündnis

Bündniskultur – Lass uns voll Zuversicht mit ihm gehen

Rektor Egon M. Zillekens •

Im entscheidenden Moment hat niemand ein Foto gemacht. Und das ist gut, denn darum wurde gesucht und ein Foto gefunden, das vielleicht besser als jedes andere ausdrückt, was  die Lebens- und Entscheidungsträger des territorialen Priesterbundes in Deutschland, Schweiz, Portugal,  Tschechien in ihrer am Vormittag des 25. Oktober zu Ende gegangenen jährlichen Landeskonferenz erlebt haben und woraus der dortige Priesterbund das kommende Jahr leben will. Das Foto zeigt den Propheten (Eigentümer der kleinen Figur ist Pater Josef Fleischlin), der geht, vor dem Hintergrund von Haus Marienau und dem Kanaan-Patris-Heiligtum, das im Februar nächsten Jahres 25 Jahre alt wird, getragen vom Leben an der Quelle. Der Prophet geht mit festem, schnellem Schritt. Wie die Bundespriester, die über das Jahr 2016/2017 geschrieben haben:

Bündniskultur – Lass uns voll Zuversicht mit ihm gehen

Geglückte Erfahrungen, denn geklagt wird überall genug

Allein die Tatsache, dass Priester, die in der Mehrzahl  voll im Leben der XXL-Pfarrverbände eingespannt sind, die Zeit finden, zu einer solchen Tagung zu kommen und sich dort in einer frohen, offenen und brüderlichen Atmosphäre einbringen, ist eine rundum geglückte Erfahrung. Mit dem Austauschen von persönlichen und apostolischen geglückten Erfahrungen begann am Sonntagabend, 23. Oktober, dann auch die Landeskonferenz. Geklagt wird überall genug. Dieser Austausch öffnet und prägt das Grundklima für die Arbeit der beiden folgenden Tage.

Auf die Stimmen von Zeit und Seele hören

Sehr viel Zeit nahmen sich die Bundespriester dann am Montag, um zunächst persönlich, dann in Kleingruppen und schließlich im Plenum auf die Stimmen von Zeit und Seele zu hören. Wer die reale Welt nicht kennt, kann sie nicht gestalten. Die Stimmen der Zeit – aus dem Weltgeschehen, aus der Kirche, aus Schönstatt, aus der eigenen Gemeinschaft – sind wesentliche Erkenntnisquelle und Grundvoraussetzung für das Handeln aus dem praktischen Vorsehungsglauben. Drei mal drei Fragen leiteten das persönliche und gemeinschaftliche Forschen:

  • Was ist in Welt, Kirche, Priesterbund?
  • Wie will ich in all dem als Bundespriester leben?
  • Was will Gott mit all dem?

Auf dem Hintergrund wahrgenommener Entsolidarisierung, Entheimatung, Angst, Unsicherheit, Zerrissenheit, Ungerechtigkeit, Manipulation, Entscheidungsstau in Welt und Kirche sowohl Desinteresse an der Gottesfrage kamen Aufbrüche in den Blick: die Kundgebung des Miteinander für Europa in München etwa, Papst Franziskus, die Ökumene. Jemand fasste seine Wahrnehmung in die Spannung von „Unmenschlichkeit und Barmherzigkeit“. Sehr nüchtern wurde die Situation des Priesterbundes in Deutschland, Tschechien, Portugal und der Schweiz gesehen, mit freudigem Staunen und Dank die Entwicklung weltweit – in Afrika und Indien, in Südamerika und in der Karibik. Ein Kandidatenkurs mit fünf jungen Priestern in Deutschland/Tschechien und einem gerade gefundenen hochaktuellen und dynamischen Kursideal ist besonderer Grund zu Freude und Hoffnung.

Aus dem Wahrnehmen der Realität entstehen die Schwerpunkte, die der Priesterbund sich neu setzt: Seelsorge vor Verwaltung in den Pfarreien, die Eucharistiefeier als Quelle der Freude, die Balance zwischen Arbeit, Gebet und Freizeit, die Solidarität aller Getauften, das Kundschafter-Ideal und das Kirchenbild unseres Vaters, vor allem die Freude an der Föderativität des Bundes und am „Bundsein“.

Dabei wird auch die Frage nach der lokal gebundenen und global vernetzten Struktur des Priesterbundes als eine der Bundesgemeinschaften in Schönstatt  gestreift, die beim internationalen Delegiertentreffen in Bujumbura / Burundi  im August des Jahres Thema war. Dort wurden die neue Gestalt der Welt in den Blick genommen, die neue kulturelle Konfiguration, der neue Typ von horizontalen Bindungen, mehr mitverantwortlich und mehr mitbestimmend, so wie sie Pater Kentenich früh geschaut und nach Dachau verstärkt gekündet hat. Jemand sagt das jetzt ungefähr so: „Der“ Bund, das ist so etwas wie die UNO, nur dass es funktioniert, weil alle diese „UNO“ wollen und sie beseelt und nicht mechanisch, sondern aufgrund des freien und föderativen Zusammenschlusses der Länder (Regionen) gebildet wird. Darum habe der Bund auch keine internationale Leitung im herkömmlichen Sinne, sondern im Gremium der Leiter der Regionen eine Art internationales Generalsekretariat, das sich einen „Generalsekretär“ sucht, der einfach manche Arbeit tut und den Bund im Generalpräsidium vertritt. Die eigentliche Größe des Bundes ist und bleibt die autonome Regio. – Da kommt doch richtig Freude auf, Freude am Bund!

Und jetzt herausgehen

Am Montagnachmittag steht eine Besichtigung der unerwarteten Baustelle Marienau an. Schon seit einiger Zeit gibt es im Priesterbund einen Arbeitskreis „Langfristige Zukunft Marienau“. Dessen Überlegungen sind nun durch die Überschwemmungsschäden in der unteren Etage noch beschleunigt worden. Die jetzt notwendige Komplettrenovierung der unteren Etage und das Einspielen auf den Gästebetrieb nur in der ersten Etage bestätigen neue, vorher vielleicht nicht in diesem Maße denk- oder machbare Perspektiven.

Dann geht es an die Suche nach der Jahreslosung. Das Banner mit dem Motto der deutschen Schönstatt-Bewegung „Bündniskultur – Er kam hinzu und ging mit ihnen“ steht nicht nur materiell im Raum. Es sollen aber auch vorkommen: Mut und Föderativität, Bündniskultur und Umgang mit Spannungen, Bündnis mit dem Vater, Pendelsicherheit, Freiheit, Kundschaftersein, Reformationsgedenken, der Vorrang des Lebens vor den Strukturen, Seine Sinnerklärung, nachdem etwas gestorben ist. In der Formulierung setzt dann der Priesterbund D-CH-CZ-P eigene Akzente und sagt: Bündniskultur – Lass uns voll Zuversicht mit ihm gehen.

Priesterliche Gemeinschaft

Am Morgen des 25. Oktober sammeln sich die Teilnehmer der Landeskonferenz in der Dreifaltigkeitskirche und feiern, um den Altar der letzten heiligen Messe Pater Kentenichs versammelt, ein feierliches Hochamt. Das erinnert ein wenig an diese ganz besondere Atmosphäre der Männerklöster, in denen sich die Priester in ihren liturgischen Gewändern zum Chorgebet versammeln. Eine einige, fromme, frohe, priesterliche Gemeinschaft. Als solche geht diese Priestergemeinschaft dann zum Grab Pater Kentenichs und dann hinaus in die vorher so intensiv angeschaute Welt und Kirche:

Bündniskultur – Lass uns voll Zuversicht mit ihm gehen

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