Veröffentlicht am 21. Juli 2018 In Solidarisches Bündnis

Mit der ganzen Kirche beten wir für Nicaragua

NICARAGUA, Agentur Fides und Redaktion •

Die Spannung in Nicaragua ist nicht weniger geworden seit dem 39. Jahrestag der sandinistischen Revolution, die das Ende des Diktators Anastasio Somoza bedeutete. Bei den Feierlichkeiten am 19. Juli waren, wie in den vergangenen Jahren, keine großen Menschenmengen anwesend; Präsident Daniel Ortega beschrieb in seiner Ansprache eine völlig realitätsfremde Konfliktsituation, indem er die Bischöfe von Nicaragua der „Konspiration“ anklagte und sie „Putschisten“ nannte;.—

Danach griff der Präsident die Katholiken direkt an. „Niemals haben sie friedliche Demonstrationen gemacht, und wenn die Polizei in die Kirchen gegangen ist, so deshalb, weil diese Kasernen sind, wo Waffen versteckt werden.“.

Seit dem 18. April gibt es in Nicaragua Proteste gegen Präsident Daniel Ortega,im Amt seit 2007 und im Jahr 2016 in einer von der Opposition stark angezweifelten Wahl wiedergewählt. Schon im Jahr 2014 hatte die Nationalversammlung ihm eine unbegrenzte Wiederwahl zugesichert. Die Demonstrationen im Land sind von Polizei und Paramilitärs niedergeschlagen worden – zurüc bleiben über 300 Tote.

Obwohl die Kirche als Vermittlerin im von Ortega einberufenen nationalen Dialog mitwirkt, griffen am 9. Juli der Regierung nahestehende Gruppen Kardinal Leopoldo Brenes, den Apostolischen Nuntius Waldemar Stanislaw Sommertag und Bischof Silvio Báez bei einem Besuch in einer Gemeinde tätlich an und verletzten alle drei.

Das Erzbistum Managua teilte mit, dass Paramilitärs und Polizei in der Nacht vom 14. Juli stundenlang die Pfarrkirche Divina Misericordia angriffen; dort hatten einige Studenten Zuflucht gesucht. Am Morgen war ein Student tot, viele verletzt, das Allerheilligste auf dem Boden verstreut, Tabernakel und Statuen kaputtgeschlagen…

Am Tag danach wurde der Wagen des Bischofs von Estelí,  Abelardo Mata, von regierungsnahen Krawallmachern angegriffen. Der Bischof suchte Zuflucht in einem nahegelegenen Haus und konnte nur nach einer Intervention von Kardinal Brenes in seine Diözese zurückkehren.

Nicaragua

Am 22. Juli beten wir alle für Nicaragua

Die Katholiken reagierten weltweit: Verschiedene Bischofskonferenzen haben Gebets-und Fastentage für Nicaragua angesagt, CELAM hat alle Kirchen Lateinamerikas aufgerufen, den Sonntag, 22. Juli, als Tag des Gebets für Nicaragua zu begehen: „Am nächsten Sonntag, 22. Juli ist es unser Wunsch und unsere Bitte, dass in all unseren Gottesdiensten, in allen Glaubensgemeinschaften in all unseren Ländern sich ein besonderes Gebet für das Volk von Nicaragua erhebt“, heißt es in einem Fides zugesandten Text. Zahlreiche katholische Organismen haben ihre Solidarität mit der katholischen Kirche und dem Volk zum Ausdruck gebracht: Fides hat u.a. die Meldungen der Lateinamerikanischen Gesellschaft von Ordensleuten (CLAR) erhalten, sowie von verschiedenen Orden und Kongregationen, wie den Redemptoristen, die Missionare im Land haben, die das Leid des Volks von Nicaragua in einigen Gemeinden teilen, wo sie angegriffen wurden.

Wir können den Aufruf von P. José Luis Correa und der Schönstattfamilie von Costa Rica hinzufügen, die schon vor Wochen aufgerufen haben, sich in den Heiligtümern weltweit am Gebet um Frieden für Nicaragua zu verbinden – mit diesem Land, das noch so neu ist auf der Landkarte Schönstatts und in dem sich gerade die erste Gruppe von Ehepaaren auf das Liebesbündnis vorbereitet. Wir hoffen, dass dieser Aufruf nicht verhallt.

 

Dieses Bild macht derzeit in Nicaragua die Runde: „Das Heiligste Herz Jesu  und die Unbefleckte Empfängnis bergen unser Vaterland und unsere Bischöfe der Bischofskonferenz von Nicaragua, die in der ihnen aufgetragenen Hirtensendung das Volk begleiten und ohne Angst Hoffnung verkünden und Unrecht anklagen.“

Costa Rica öffnet die Arme  für Flüchtlinge aus Nicaragua

Auf politischer Ebene haben sich mehrere Länder für die Vermittlung der Bischöfe ausgesprochen, damit der demokratische Weg des Dialogs und eine friedliche Lösung gefunden werden kann. Auch die Organisation der Amerikanischen Staaten teilt diese Ansicht (s.Fides 19/07/18).
Bedauerlicherweise hält die Gewalt seitens der Regierung an; in einigen Orten zwingt sie zu Terror und Angst; das geht soweit, dass viele Familien als letzte Möglichkeit überlegen das Land zu verlassen. Costa Rica, der Nachbarstaat von Nicaragua, hat zwei Auffangstellen für die wachsende Zahl von Migranten aus Nicaragua eröffnet. Laut Außenminister Epsy Campbell sind in der vergangenen Woche täglich „zwischen 100 und 150 Personen zum ersten Mal nach Costa Rica gekommen“.

Im solidarischen Bündnis mit Nicaragua – von Costa Rica aus „und vielleicht noch darüber hinaus“

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