Joseph Challenge

Veröffentlicht am 2021-01-08 In Josefsjahr

Vater im Schatten

JOSEFS-CHALLENGE 2021 | Klaus Wittmann, Deutschland•

The Joseph Challenge 2021 von Schoenstatt.org, only for men (Die Josef-Challenge 2021 von schoenstatt.org, nur für Männer): Männer aus verschiedenen Berufungen im Liebesbündnis, aus verschiedenen Ländern und Generationen lassen sich herausfordern durch den Brief von Papst Franziskus, Patris Corde, über Josef, seinen „Überlegungen zu dieser außergewöhnlichen Gestalt, die einem jeden von uns menschlich so nahe ist.“ Sie lassen sich darauf ein, zu erzählen, was sie an der Gestalt des heiligen Josef und dem Brief des Heiligen Vaters über ihn am meisten beeindruckt und motiviert. Heute ist es Klaus Wittmann aus Deutschland, aktiv bei der Internationalen Kentenich-Akademie für Führungskräfte (IKAF); er hat Punkt 7 – Vater im Schatten – für sich entdeckt.

Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man. Und man wird zum Vater nicht einfach dadurch, dass man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, dass man sich verantwortungsvoll um es kümmert. Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übt er ihm gegenüber in einem gewissem Sinne Vaterschaft aus.

Ich denke daran, wie ich Vater geworden bin – Es war eine Herausforderung! Ich wollte nichts falsch machen und doch ist mir einiges entglitten. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich komplett überfordert war: Das Kind schrie, obwohl ich schon alles Mögliche probiert hatte. Ich war allein und wusste mir nicht zu helfen – da hab ich es geschüttelt. Eine Sache die ich mir bis heute nicht verzeihe.

Ich habe die Verantwortung für die Kinder vom ersten Tag an gespürt und bereue keinen Tag, an dem ich mich um sie kümmern durfte.

Vater zu sein bedeutet, das Kind an die Erfahrung des Lebens, an die Wirklichkeit heranzuführen.
Nicht, um es festzuhalten, nicht, um es einzusperren, nicht, um es zu besitzen, sondern um es zu Entscheidungen, zur Freiheit, zum Aufbruch zu befähigen.
Vielleicht aus diesem Grund spricht die Tradition Josef nicht nur als Vater an, sondern fügt hier noch das Wort „keusch“ hinzu. Dies ist nicht eine rein affektive Angabe, sondern drückt eine Haltung aus, die man als das Gegenteil von „besitzergreifend“ bezeichnen könnte. Keuschheit ist die Freiheit von Besitz in allen Lebensbereichen.
Nur wenn eine Liebe keusch ist, ist sie wirklich Liebe. Die Liebe, die besitzen will, wird am Ende immer gefährlich, sie nimmt gefangen, erstickt und macht unglücklich. Gott selbst hat den Menschen mit keuscher Liebe geliebt und ihm die Freiheit gelassen, Fehler zu machen und sich gegen ihn zu stellen.

Freiheit, das ist mein Thema – deshalb spricht mich auch diese Stelle so an. Mein eigener Freiheitsdrang war schon in der Jugend übergroß. Als Vater will ich diesen Wert vorleben und an meine Kinder weitergeben. Das ist leichter gesagt als getan (umgesetzt).
Unsere Kinder sind jetzt junge Erwachsene, die momentan viel tun, um nicht angepasst zu sein, sondern anders – durch Frisur, Kleidung, Ziellosigkeit, Lethargie, etc.

Immer wieder verfalle ich dem Abgleich meiner Wertvorstellung mit dem Leben (dem IST-Zustand) meiner Kinder.  Eigentlich müsste ich aber sagen,  dass es ja nicht der IST-Zustand ist, sondern das, was ich wahrnehme und wovon ich glaube, dass ich die volle Realität überblicke. Was für eine Anmaßung und was für ein Trugschluss!
Immer wieder passiert es mir, dass ich offen oder zwischen den Zeilen meine Kinder kritisiere ob ihres Lebenswandels oder ihres Äußeren im Vergleich zu dem, was ich als Maßstab anlege. Das sind manchmal auch kleine Dinge – aber warum reiß ich mich nicht am Riemen und spreche nur Wohlwollendes, Emporbildendes aus?
Eine echte Josefsliebe ist dann wohl, wie P. Josef Kentenich gesagt hat, die selbstlose Erziehung zu festen, freien (priesterlichen) Charakteren.

Eine Vaterschaft, die der Versuchung widersteht, das Leben der Kinder zu leben, eröffnet immer neue Räume.
Jedes Kind trägt ein Geheimnis in sich, etwas noch nie Dagewesenes, das nur mit Hilfe eines Vaters zur Entfaltung gebracht werden kann, der seine Freiheit respektiert; eines Vaters, der sich bewusst ist, dass sein erzieherisches Handeln erst dann zum Ziel kommt und dass er erst dann sein Vatersein ganz lebt, wenn er sich „nutzlos“ gemacht hat, wenn er sieht, dass das Kind selbständig wird und allein auf den Pfaden des Lebens geht, wenn er sich in die Situation Josefs versetzt, der immer gewusst hat, dass das Kind nicht seines war, sondern einfach seiner Obhut anvertraut worden war.

Wie schön ist es, die Selbständigkeit der Kinder zu sehen, und wie stolz macht es mich als Vater, wenn sie sich etwas selbst „erobert“ haben. Meine Ermutigung hat etwas unterstützt.

Aktuell spricht unser Sohn davon, für einige Jahre in die USA zu gehen. Im ersten Moment sind wir als Eltern von dem Neuen überrumpelt und auch ängstlich.

Doch wir spüren seinen Eifer und seinen Mu,t für sich Neues zu entdecken. Wir unterstützen ihn. Er wird dann weg sein aus meiner Obhut und in großen Teilen kann ich ihm dann nicht mehr nützen. Ich werde der Vater im Schatten.

Im Grunde ist es das, was Jesus zu verstehen gibt, wenn er sagt: »Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel« (Mt23,9).
Unter allen Umständen müssen wir bei der Ausübung von Vaterschaft immer darauf achten, dass sie nie besitzergreifend ist, sondern zeichenhaft auf eine höhere Vaterschaft verweist.
In gewisser Weise sind wir alle immer in Josefs Lage: Wir sind „Schatten“ des einen Vaters im Himmel, der seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte (vgl. Mt 5,45); und wir sind „Schatten“ in der Nachfolge des Sohnes.

Ich denke an den Roman von William Paul Young „Die Hütte“. Der Protagonist Mackenzie hatte ein gebrochenes Verhältnis zu seinem irdischen Vater. Wie schwer es ihm in der Geschichte fiel, mit dem Vater-Gott in Verbindung zu treten.

Hier sehe ich ebenfalls eine ganz besondere Verantwortung für Väter. Welches Vaterbild lebe ich meinen Kindern vor, sodass sie Gottes Liebe, Güte und Barmherzigkeit annehmen können, weil sie einen liebenden Vater tatsächlich erlebt haben.

Freude und glückliche Momente mit meinen erwachsenden Kindern entstehen, wenn es gelingt, etwas von dieser göttlichen Väterlichkeit durchwirken zu lassen – wenn ich als Vater Schatten des Vaters im Himmel sein konnte.

 

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2 Responses

  1. Franz Appel sagt:

    Herzlichen Dank Klaus für Deine Gedanken!
    Als Vater von vier Kindern kann ich Deine Gedanke sehr gut nachvollziehen.
    Für mich ist das Bild des Kruges sehr wichtig, wo ich das Erleben meiner Grenzen und auch meiner Fehler als Vater in die Hände meines himmlischen Vaters und der uns geschenkten Gottesgebährerin legen kann.

    Übrigens ein kleiner Hinweis bzw. Frage an die Redaktion: der Name lautet Wittmann nicht Wittmanns,, oder?

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