Veröffentlicht am 2016-11-09 In Schönstätter, Urheiligtum

Mein Leben war ein Abenteuer – an der Mutter Hand

Maria Fischer •

Mein Leben war ein Abenteuer – an der Mutter Hand.

Weil es ein Abenteuer war, bin ich niemandem böse,

für alle bete ich,

allen wünsche ich Erkenntnis

und ein seliges Sterben und Auferstehen.

Dreifaltiger Gott, sei ewiglich gepriesen

für alles Große, das Du mir erwiesen!

So steht es in dem ungewöhnlichen Totenbildchen von Pastor Heinz Künster, das die Menschen, die am frühen Nachmittag des 8. November in die wie eigens zu seinem Toten- und Auferstehungsgottesdienst neu gestaltete Hauskapelle der Marienau, „seiner“ Marienau strömen, gerne und nicht nur für sich selbst mitnehmen. Ungewöhnlich ist es im Format (quer statt wie sonst immer hoch), ungewöhnlich schön mit den beiden Fotos vom Hüter des Vatersymbols im Urheiligtum und dem Vatersymbol selbst, ungewöhnlich durch die schlichte, starke Botschaft aus dem Testament, in der Pastor Heinz Künster noch einmal selbst zu allen spricht. Man hört ihn wirklich fast sprechen, in diesem seinen unverkennbaren Tonfall. Und er ist es, der in diesem schönen Gottesdienst und der anschließenden Beisetzung zu Wort kommt – in dem, was andere über ihn sagen: Weihbischof Peters, Rektor Zillekens, die vielen, die anlässlich seines Todes etwas von dem erzählt oder geschrieben haben oder die durch ihr Hiersein ohne Worte davon sprechen, was Pastor Künster ihnen bedeutet hat. Manche sind viele hundert Kilometer gefahren, um ihm auf seinem letzten Weg zu begleiten und ihm Ehre zu erweisen, allerdings nicht die letzte – denn jemand, der so tiefe Spuren hinterlassen hat wie Pastor Künster, jemand, der ein Vatersymbol für das Urheiligtum und eine „Peregrina“ Pater Kentenichs gehütet hat, lebt weiter in Erinnerungen und Dank und in vielen Herzen.

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Dank für 64 Jahre priesterlichen Dienst

Gut 20 Priester stehen mit Weihbischof Jörg Michael Peters um den Altar in der Kapelle der Marienau, und sie stehen auch um den Sarg von Pastor Heinz Künster, der mit den Symbolen seines priesterlichen Wirkens geschmückt ist. „Wie gerne wäre ich gekommen, um die ‚Peregrina del Padre‘ an seinen Sarg zu stellen“, schreibt Monina Crivelli aus Argentinien, bei der dieses kostbare Bild – Geschenk von Joao Pozzobon an Pater Kentenich und von Pastor Künster in Obhut genommen  – gerade weilt. Jetzt betet sie in Buenos Aires zeitgleich mit der Trauer- oder vielleicht auch Festgemeinde in Schönstatt für ihren Herrn Pastor und dankt mit ihm und für ihn. „Kein anderer Ort käme in Frage, um das Sterbeamt, das Auferstehungsamt für unseren lieben Mitbruder zu feiern“, zitiert Weihbischof Jörg Michael Peters aus einem Gespräch mit Rektor Zillekens. So hat Heinz Künster es in seinem Testament gewünscht. Der Weihbischof hat alles in Bewegung gesetzt, um trotz wichtiger anderer Termine an diesem Nachmittag dabei zu sein. „Ich stehe hier, um im Namen von Bischof Stefan Ackermann und persönlich Dank zu sagen für den treuen  priesterlichen Dienst, den Pastor Künster durch 64 Jahre hindurch der Kirche von Trier geschenkt hat“, sagt er. Der Tag seines Heimgangs von Allerheiligen auf Allerseelen sei ein schönes Zeichen, das von der Transparenz seines priesterlichen Lebens hin auf Jesus Christus spreche.

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Das Geheimnis seines Lebens: an der Mutter Hand

Ausgehend von Pastor Heinz Künsters Testament, das in der kurzen Lebensbeschreibung enthalten ist, die zusammen mit den Totenbildchen am Eingang der Kapelle ausliegt (originell auch diese im Rückgriff auf die Artikel zum Tod von Pastor Künster in deutschen und internationalen Schönstatt-Medien), spricht Rektor Egon M. Zillekens in der Predigt einen ganz markanten Punkt dieses langen, fruchtbaren Lebens an, das der Verstorbene als Abenteuer beschreibt: „Diese Einheit von Himmel und Erde, von allem Menschlichen und der Realität der Übernatur.

„Wenn wir Pastor Künster beschreiben wollen, können wir sagen:

Er war ein sehr eigenständiger und sehr eigengeprägter Mensch, der wusste, was er wollte und danach handelte, der das Leben kannte und seine Schwerpunkte setzte, der nicht ohne Schwierigkeiten, Blessuren und Wunden durch dieses Leben gegangen ist und der auch nicht auf den Wolken schwebte, aber all das reicht nicht, um ihn zu beschreiben.

Da gab es noch etwas anderes, was ich vorsichtig mit sein Geheimnis bezeichnen möchte,  das er selber, wie einige von uns wissen dürfen, in seinem Leben erst schrittweise entdeckt hat und in seinem Testament nennt ‚an der Mutter Hand‘.“

Zuvor hatte er die Persönlichkeit von Pastor Künster, diesem großen Beter und guten Beichtvater, an den spontanen Zeugnissen aus Kondolenzschreiben und Kommentaren in den Netzwerken aufleuchten lassen. Und man hört diese und findet sein eigenes Bild dieses Priesters in so vielen wieder und denkt bei anderen: „So also auch…“ Und auch das berührt das Geheimnis und Abenteuer, auch dieses letzte Abenteuer Sterben, auf das Heinz Künster, wie er im Testament schreibt, so gespannt war.

“ Wenn wir Pastor Heinz Künster fragen: Wie hast Du es mit der Auferstehung gehalten? Was ist deine Erfahrung nach deinem Abenteuer Tod?, würde er vielleicht so antworten:

  • Das ist die Kernfrage des Lebens, das ist das entscheidende Abenteuer des Lebens.
  • Beantworte sie, lebe es mit einem hoffnungsvollen Ja und an der Mutter Hand – auch in einer Welt, die vom Tod gezeichnet ist, von schmerzlichen Toden, unverständlichen Toden, von schrecklichen Toden, und auch angesichts deiner eigenen Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit.
  • Berufe dich auf unseren Herrn Jesus Christus und vertraue ohne alle Spekulation und ohne alle Bescheidwisserei darauf, dass du in der Liebe und Zuwendung des barmherzigen Vaters nach deinem Tod einen Platz hast.
  • Vertraue auf den Gott, dessen Möglichkeiten und dessen Kraft viel weiter reichen, als ein Mensch es sich je vorstellen kann.
  • Lege dein Leben, das zerbrechliche und angefochtene, ganz in Gottes Hand, um frei zu sein von jeder Angst um dich, frei für die anderen, frei für deine Aufgabe in dieser Welt.
  • Es geht nicht darum, dass du es einmal auf dem Sterbebett leichter hast, sondern darum, dass du dein Leben hier und jetzt wirklich mutig und kraftvoll lebst,
  • dass du dich täglich daran machst, mit deinen bescheidenden Kräften angstlos Spuren des Friedens, Spuren der Liebe und der Herzlichkeit zu hinterlassen,
  • dass deine endgültige Zukunft bei Gott dich hier und jetzt gelassener, menschlicher, weiter, offener und vor allem froher sein lässt.“

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Noch einmal zum Heiligtum

Nach der heiligen Messe an dem Ort und in dem Stil, den Pastor Künster sich gewünscht hatte („nicht in tiefer Trauer“), wird der Sarg noch einmal zum Heiligtum gebracht. Das wäre auch nicht anders gegangen. Und weil es sich auch der Himmel wohl nicht mit Pastor Künster verderben will, bekommt er hier am Heiligtum und anschließend auf dem Vallendarer Friedhof einen ganz und gar unnovembrigen strahlenden Sonnenschein.

Viele bleiben anschließend noch zum Imbiss in der Marienau, wo der gut besetzte „Vorraum“ der Kapelle blitzschnell zum Speiseraum geworden ist. Es wird viel erzählt, es wird gelacht, es geschieht Begegnung. Es ist, als wäre er mitten dazwischen, lächelnd, vielleicht auch einmal stirnrunzelnd, mit einem Rat, einem Scherz, einem Segen.

Wenn aus der Pfarrgemeinde, in die er vor dreißig Jahren gekommen war, eine ansehnliche Delegation zur Beerdigung kommt und jemand aus dieser Pfarrei jetzt noch begeistert von „ihrem“ Pastor spricht, der damals so vieles bewegt, geöffnet, verändert hat und zugibt, bei der Predigt Tränen in den Augen gehabt zu haben, dann spricht das von einem sehr reichen Priesterleben.

Der 8. November wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem Donald Trump wider Erwarten und zum Entsetzen vieler zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Welche Konnotation dieser Tag haben wird, steht noch aus. Der 8. November wird ganz sicher in die Geschichte Schönstatts und darüber hinaus eingehen als der Tag, an dem vielen vor Ort und weit darüber hinaus das Abenteuer eines reichen Lebens „an der Mutter Hand“ zum Erleben, zu Gabe und Aufgabe geworden ist, in der Jüngerschaft „unseres Herrn Jesus Christus“, wie Rektor Zillekens sagte, „der uns auf dem Weg des Glaubens, auf dem Weg ins Leben, in die Auferstehung vorrausgegangen ist und uns allen dieses Tor des Lebens aufgetan hat.

Heinz, du durftest ihm folgen.

Uns steht dieses Abenteuer noch bevor.“

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 Predigt von Rektor Egon M. Zillekens (vollständiger Text)

Vita Pastor Heinz Künster +

Totenbildchen

Fotoalbum
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