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Veröffentlicht am 2021-02-26 In Themen - Meinungen

Schönstatt neu gründen, ja natürlich, aber nicht so…

Juan Zaforas, Madrid, Spanien. Als Antwort auf den Artikel von Herrn Enrique Soros, der am 21. Februar 2021 auf schoenstatt.org veröffentlicht wurde und hier nachgelesen werden kann. •

Sehr geehrter Herr Soros,

Ich habe nicht das Vergnügen, Sie zu kennen, aber nachdem ich Ihren Artikel mehrmals gelesen und analysiert habe, was darin gesagt wird, muss ich Ihnen sagen, dass er mich sehr zum Nachdenken über seinen Inhalt gebracht hat, und ich möchte meine Gedanken dazu mit Ihnen und mit den Lesern von schoenstatt.org teilen.—

Ich nehme an, dass es eines Ihrer Ziele war, Ihre Meinung mit jenen Leuten der Bewegung zu teilen, die mit Ihrer These übereinstimmen, dennoch haben Ihre Worte zumindest mich zum Nachdenken und zur Reflexion über die Neugründung Schönstatts gebracht, und das, obwohl unsere Standpunkte absolut nicht übereinstimmen. Ich denke, das ist sehr gut und bereichert uns alle, deshalb beginne ich mit einem Dank an Sie für Ihren Artikel und schoenstatt.org für die Veröffentlichung.

In diesem Sinne habe ich mich entschlossen, diese Zeilen mit dem Ziel zu schreiben, meine Meinung mit denen zu teilen, mit denen ich vielleicht übereinstimme, aber die Möglichkeit zu eröffnen, andere anzuregen, damit sie aus ihrer Reflexion eine Meinung generieren und uns alle weiter bereichern können, und natürlich mit denen, die nichts von dem teilen, was hier geschrieben steht, aber ich hoffe auf ihren Respekt, wie ich ihn für sie habe.

Aus diesem Grund schließe ich mich zunächst voll und ganz dem Titel Ihres Artikels an,
„Schönstatt muss neu gegründet werden“,
aber nicht wegen dem, was Pater Kentenich einmal gesagt hat, sondern weil jede Institution, Organisation, Firma sich periodisch neu gründen muss, um am Leben zu bleiben.

Ich bin seit mehr als dreißig Jahren mit der Bewegung verbunden und betrachte mich als einen einfachen Schönstätter, der manchmal von einigen Ereignissen und Haltungen, die in Schönstatt stattfinden, verwirrt ist. Es ist jetzt nicht die Zeit, alles aufzuzählen oder zu analysieren, es reicht zu sagen, dass es Dinge gibt, die sehr, wirklich sehr stark verbessert werden können.

Aus diesem Grund schließe ich mich zunächst voll und ganz dem Titel Ihres Artikels an: „Schönstatt muss neu gegründet werden“, aber nicht wegen dem, was Pater Kentenich einmal gesagt hat, sondern weil jede Institution, Organisation, Firma sich periodisch neu gründen muss, um am Leben zu bleiben.

Fünfzig Jahre scheinen mir ein sehr langer Zeitraum zu sein, um diese notwendige Übung durchzuführen, ich glaube, dass die Zeiträume der Neugründung kürzer sein sollten, besonders bei der Geschwindigkeit, in der die Menschheit heute lebt.

Nach dem Wörterbuch der RAE bedeutet „neu gründen“:
„Den Kurs eines Unternehmens oder einer Institution zu revidieren, um es auf seine ursprünglichen Prinzipien zurückzubringen oder diese an neue Zeiten anzupassen“.

Wir sind uns also einig in der Notwendigkeit, Schönstatt neu zu gründen, aber wo sich unsere Positionen unterscheiden, ist im Wie. Nach dem Wörterbuch der RAE bedeutet „neu gründen“: „Den Kurs eines Unternehmens oder einer Institution zu revidieren, um es auf seine ursprünglichen Prinzipien zurückzubringen oder diese an neue Zeiten anzupassen“. Deshalb müssen wir als Erstes prüfen und erkennen, wo wir stehen. Und ehrlich analysieren: Was wurde gut gemacht und vor allem, was wurde schlecht gemacht?

Um diese Analyse zu machen, ist es also das Erste und Wichtigste, eine gute Dosis Selbstkritik zu üben, und ehrlich gesagt sehe ich davon sehr wenig vor allem von Seiten derer, die in der Bewegung Verantwortung haben, und ebenso wenig von Seiten der Mehrheit der Schönstätter; stattdessen sehe ich immer noch eine Menge Selbstgefälligkeit. Ich sehe auch keine Übernahme von Verantwortung seitens derer, die uns in die gegenwärtige Situation der Bewegung gebracht haben. Doch ohne Selbstkritik und ohne Übernahme von Verantwortung ist es schlicht unmöglich, Schönstatt neu zu gründen.

Aus meiner Sicht müssen wir nach einer gesunden Selbstkritik, nach einer Bereinigung der möglichen Verantwortlichkeiten und unter der Führung derer, die sie ausüben können und sollen, zu den ursprünglichen Prinzipien zurückkehren, und natürlich müssen wir uns darauf einigen, welche das sind. Es werden die von 1912 sein, die von 1914, die von 1920, 1944, 1965… Wenn wir wirklich auf den ursprünglichen Prinzipien neu gründen wollen, wird es grundlegend sein, zum Ursprung zu gehen und uns nicht etwas vormachen, was gar nicht da ist und zu demontieren, was nicht so sein sollte, wie es jetzt ist. Dies erfordert eine Menge Demut, Wahrheit, Opfer, Verzichte.

Dann, und nur dann, werden wir in der Lage sein, unsere ursprünglichen Prinzipien und damit unsere Bewegung an die neuen Zeiten anzupassen.

Niemand hat die Befugnis, diejenigen zu zensieren,
die anders denken. Nur so kann eine Neugründung erreicht werden.

Sicherlich ist in diesem Prozess niemand überflüssig, wir alle können und müssen etwas beitragen und hinzufügen, aber wir müssen eine adäquate Führung, maximale Transparenz und die weitestgehende Beteiligung aller vorhandenen Befindlichkeiten innerhalb der Bewegung gewährleisten. Niemand hat die Befugnis, diejenigen zu zensieren, die anders denken. Nur so kann eine Neugründung möglich.

Ich nehme an, dass viele von denen, die diese Zeilen lesen, mit meinen Gedanken und Meinungen nicht einverstanden sein werden, das hoffe ich und das respektiere es. Es ist möglich, dass jemand mit dem, was hier ausgedrückt wird, einverstanden ist, was ich feiern werde. Aber nicht minder wichtig wird es sein, wenn ich damit das Interesse anderer wecke und sie damit zur eigenen Analyse und Reflexion anrege, eigene Kriterien zu bilden und hoffentlich auch auszudrücken.

Josef Kentenich hat seine Meinung nicht für sich behalten, im Gegenteil, er hat sie mit Vehemenz aus der Rebellion gegen das Etablierte heraus geäußert.

Juan Zaforas

Alte Formen öffnen keine neuen Türen

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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1 Responses

  1. Elisabeth Braun sagt:

    Nachdem ich das Buch von Alexandra von Teuffenbach, Eine Archivdokumentation „Vater darf das!“ gelesen hatte, war ich tagelang wie erschlagen!!! Ich war vor 50 Jahren im Seminar für Seelsorgehilfe in Metternich und da, so erinnere ich mich gut, hat mir eine Dozentin, Marienschwester, gesagt: „PK ist gar nicht so wie sie meinen!“ Sie gab mir ein paar Beispiele für seine unheilige Art, aber die weiss ich nicht mehr so genau, weil ich ihr eh nicht glaubte. Für mich war PK ein Heiliger. Alle Schönstätter um mich herum verehrten ihn so, dass ich es gar nicht anders annehmen konnte.
    Bei Anna Pies in der Schweiz war ich oft am Grab. Sie tat mir leid, man sagte mir, sie sei eine der schlechten Marienschwestern gewesen…

    Jetzt weiss ich: Die erste Generation der Marienschwestern etc. hat uns einfach betrogen, sie haben uns nicht die ganze Wahrheit gesagt, und ich erwarte eine Entschuldigung dafür! Eine Entschuldigung gegenüber der ganzen Schönstattfamilie, gegenüber den einfachen Schönstättern, die einfach alles geglaubt und nichts geprüft haben… Ich finde die Spiritualität Schönstatts gut. PK hat sie aber nicht alleine kreiert, das sagt er ja selber und mir ist es auch egal, dass er nicht heilig gesprochen wird. Er ist der Gründer, so oder so…

    Aber ich schäme mich für die Bewegung wenn sie es unterlässt, sich zu entschuldigen für die Unterschlagung der Wahrheit.

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