Veröffentlicht am 2016-10-25 In Leben im Bündnis

Ein ganz anderer Vormittag

PARAGUAY, Sandra Lezcano •

Der letzte Dienstag, der 18., war ein ganz anderer Tag als all die anderen; ich war nicht in der täglichen gehetzten Eile, um ins Büro zu kommen, sondern beeilte mich voller Vorfreude, rechtzeitig nach Tupãrenda zu kommen und diejenige zu grüßen, die mein Leben leitet und begleitet, Maria.

Schon früh am Morgen war es sehr warm, und es bestand kein Zweifel, dass wir einen sehr heißen Tag haben würden, wie üblich in Paraguay. Doch es wehte an diesem Morgen ein Wind wie selten, denn trotz der brennenden Sonne war der Wind frisch. Eine Mutter sorgt doch immer dafür, dass es ihren Kindern gut geht, musste ich denken.

Ich kam etwa eine halbe Stunde vor Beginn der ersten heiligen Messe dieses Tages an; die Wege, die vom Parkplatz aus zum Heiligtum führten, waren noch relativ still, und beim Betreten des Geländes erschien der Rasen wie ein riesiger grüner Teppich, erleuchtet von der Sonne, die in vollem Glanz über Tupãrenda leuchtete.

Ich ging also direkt zum Heiligtum, um die Königin des Hauses zu besuchen, und stellte mich in die noch recht kurze Schlange vor der Tür; ich wusste, dass das ein echtes Privileg war, denn in wenigen Stunden würde diese Warteschlange sehr, sehr lang sein. Beim Betreten begegnete ich den Pilgern, die dort auf Knien die Gottesmutter grüßten und ganz sicher genauso wie ich ihre Freuden, Wünsche und auch das, was das Herz beunruhigte, schenkten.

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Maria ist die Brücke, die uns zum Vater der Barmherzigkeit führt

Beim Herausgehen aus dem Heiligtum  traf ich auf den Zug der  Zelebranten, die zum Altar gingen, an dem die Heilige Messe gefeiert würde. Ich ging hinter ihnen her  und landete in der Mitte vor dem Altar auf dem Rasen, dem grünen Teppich für Jesus Christus und seine Mutter, unter der brennenden Sonne dieses Tages.

Hauptzelebrant der Messe war Bischof Joaquín Robledo von San Lorenzo. In der Predigt sprach er über die Barmherzigkeit des Vaters, und wie Maria diejenige ist, die uns zu ihm führt.

„Immer wenn wir nach Tupãrenda kommen, erleben wir diese doppelte Umarmung der Barmherzigkeit, wo wir die erste Gnade erfahren, die Maria gibt – eine bergende Umarmung, die uns Heimat gibt. Sie verwandelt uns, wir gehen nicht von hier weg, wie wir gekommen sind, wir gehen mit verwandeltem Herzen von Tupãrenda fort..“

Er sagte, das Gleiche passiere auch, wenn wir den Besuch der Pilgernden Gottesmutter in unserem Haus erlebten, Sie gebe uns das Gefühl, geborgen und verwandelt zu sein.

Bischof Robledo sagte zum Schluss der Predigt, dass Maria uns wirklich dem Vater näher gebracht habe. Diesem Vater, der uns außerordentlich liebt und uns unaufhörlich seine Barmherzigkeit und seine Vergebung schenkt.

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Eine ganze Familie im Dienst an den Pilgern

Wie in allen Jahren konnte man beobachten, wie die ganze Schönstattfamilie Paraguays im Dienst an den Pilgern arbeitete, die nach Tupãrenda kamen, um die Gottesmutter zu grüßen.

Ein Gefühl des Stolzes und der Notwendigkeit, selbst auch einen kleinen Beitrag dazu zu geben, dass alle sich in unserem Heiligtum geborgen fühlen, das ist es, was an diesem Tag alle Schönstätter erfüllt.

Man sieht Helfer aller Altersgruppen, die alle mit einem Lächeln ihre Arbeit tun – den Verkehr regeln, den Pilgern Wasser geben, die Kranken transportieren, dann sind da die Verantwortlichen für die Liturgie, diejenigen, die die Rollstuhlfahrer schieben, die Leute, die die jährliche Registrierung der Bilder der Pilgernden Gottesmutter machen, die verschiedenen Zelte am Weg hinauf zum Heiligtum, wo es Informationen gibt oder Momente des Gebets, und so viele andere Aufgaben und Sorge um Kleinigkeiten, die an diesem Tag beachtet werden; man sieht die Helfer der Gottesmutter überall und dauernd im Einsatz!

 

Geschenke der Gottesmutter

Nach der Messe an diesem Morgen war ich glücklich, in Tupãrenda sein zu können, den Tag mit dem Gruß an die Gottesmutter begonnen zu haben, doch mein Glück war nicht ganz vollkommen, da ich es nicht geschafft hatte, zur Beichte zu gehen, und so bat ich die Gottesmutter, es doch noch möglich zu machen, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Also ging ich dorthin, wo Beichte gehört wurde; mehrere Priester saßen unter den Bäumen und hörten im Freien Beichte, Helfer organisierten den Ablauf und boten eine Anleitung zur Gewissenserforschung an, die man in der Warteschlange machen konnte. Es dauerte keine halbe Stunde, und ich war dran, und als der Priester mir die Absolution gab, sagte er etwas, das mir tief ins Herz gefallen ist: Gott ist glücklich mit dir, weil du die Versöhnung mit ihm gesucht hast und gibt dir jetzt die Chance zum Neuanfang. Diese Worte ließen meine Augen strahlen und erfüllten meine Seele mit Freude. Es war ein Geschenk der Gottesmutter, die mich in die barmherzigen Arme des Vaters geführt hatte, so wie es der Bischof in der Predigt gesagt hatte.

Bevor ich nach Hause zurückfuhr, da ich am Nachmittag wieder auf der Arbeit sein musste, ging ich zum Laden, in dem Andachtsgegenstände verkauft werden, und kaufte ein Bild der Gottesmutter, denn ich werde demnächst umziehen und dachte, ein besseres Datum und einen besseren Ort, um das Bild zu kaufen, das die Mitte meines Hausheiligtums werden soll, gibt es doch nicht; ich ging also in den Laden, fand, was ich suchte und war glücklich mit dem Bild. Da mir nicht mehr viel Zeit blieb, es war schon Mittag und der grüne Teppich war schon nicht mehr zu sehen, da das ganze Gelände voller Pilger war, die aus allen Gegenden gekommen waren, um die Gottesmutter zu grüßen, dachte und entschied ich, es sei besser, das Bild bei anderer Gelegenheit segnen zu lassen, im Jungen Heiligtum, wohin ich immer gehe – doch die Gottesmutter hatte noch das letzte Geschenk dieses Tages für mich bereit! Als ich zum Parkplatz ging, sah ich einen langen Tisch, dahinter ein Priester mit einem Weihwasserkessel und einem Busch grüner Zweige, mit dem er all die Andachtsgegenstände segnete, mit denen die Pilger dorthin kamen. Also stellte ich mich auch an, und so kam es, dass das Muttergottesbild  meines Hausheiligtums an einem 18. Oktober in Tupãrenda gesegnet wurde!

 

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Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer/schoenstatt.org

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