Veröffentlicht am 2020-10-01 In Kentenich, Neue Gesellschaftsordnung

E-KENTENICH: Eine brasilianische Antwort für ein besseres Verstehen des Gründers

BRASILIEN, Ana Paula Paiva •

Am vergangenen 27. September fand in Brasilien „E-Kentenich“ statt: eine virtuelle Initiative von Studiengruppen zum  Denken des Vaters und Gründers. Es war das dritte Treffen des Studienzyklus 2020, und das Thema drehte sich um die Gesellschaftsordung, motiviert durch Texte Pater Josef Kentenichs zur sozialen Frage, wie sie von Pater Humberto Anwandter vor Jahren in seinem Buch zusammengetragen worden sind.—

E-Kentenich: eine Initiative für ein Land so groß wie ein Kontinent

E-Kentenich entstand als Antwort für die brasilianische Schönstattfamilie, besonders im Hinblick auf die Notwendigkeit der Verbindung und Bindung untereinander und eines tieferen Verständnisses des Denkens unseres Gründers.

Da das Land groß und in relativ unabhängige Regionen geteilt ist, ist eine persönliche Begegnung mit dem gesamten Schönstattwerk in Brasilien kaum möglich. So hat es sich, obwohl es sich als ein Spiegelbild dieser sehr schwierigen Zeit der Pandemie herausstellt (in der die soziale Distanzierung es schier unmöglich macht, dass auch die geografisch nächstgelegenen Menschen sich treffen können), als eine Initiative erwiesen, die die Verbindungen zwischen den Regionen Brasiliens fördert und das Denken Pater Kentenichs mehr Menschen nahe bringt.

„Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt“

Pater Angel Strada nahm als besonderer Gast an dieser Ausgabe teil. Er begann den Studiennachmittag mit einem Impuls zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen im Lichte des Denkens unseres Vaters und Gründers und verwandte dafür wichtige Ereignisse aus der Geschichte vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wir als Schönstätter sind aufgerufen, konkret in der heutigen sozialen Wirklichkeit zu handeln und die Botschaft und das Charisma Schönstatts durch praktisches Handeln in die Welt zu tragen. Pater Angel machte darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dass jeder seine eigene und individuelle Sendung übernimmt und so zu einer neuen sozialen Ordnung beiträgt, wobei er insbesondere die Worte von Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium aufgriff: „Die Mission im Herzen des Volkes ist nicht ein Teil meines Lebens oder ein Schmuck, den ich auch wegnehmen kann; sie ist kein Anhang oder ein zusätzlicher Belang des Lebens. Sie ist etwas, das ich nicht aus meinem Sein ausreißen kann, außer ich will mich zerstören. Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Wel“ (EG 273).

Solidarisch sein

Pater Angel betonte auch, wie wichtig es ist, als Schönstattfamilie solidarisch zu sein, damit wir Agenten einer neuen Welt sein können. Die Welt von heute stellt uns vor immense Herausforderungen, und nur in Solidarität können wir der Gesellschaft unser Charisma geben. Schönstatt soll keine isolierte Insel sein, sondern Teil einer neuen Welt, wie Pater Kentenich sie beschreibt: Einander zusammenführen, zusammenfügen, immer mehr einen und zusammenarbeiten und -wirken! Jetzt kommt eigentlich das in anderer, schlichterer Form, was wir in diesen Tagen so häufig haben
sagen dürfen unter dem Gesichtspunkte: das Gesetz einer unlöslichen Solidarität! Zusammenhalten! Zusammenhalten, nehmen Sie Gliederung neben Gliederung. Zusammenhalten, Gliederung auch getrennt oder verbunden mit den andern Gliederungen. Zusammenhalten! Zusammenfügen! In irgendeiner Weise müsste das auch institutionell möglich sein; aber noch eher und mehr von Herzen. Dann einen! Eine geschlossene Einheit finden! Einheit des Geistes, Einheit des Herzens, Einheit der gegenseitigen Hilfe! Eine ganze neue Welt müssen wir schaffen! (…) Wir dürfen uns auch nicht irremachen lassen, wenn es immer wieder herausgeht: Hinaus in alle Welt! Müssen wir auch. Das ist immer: Akzentverschiebung. Wir dürfen nicht ein kleines Grüppchen bleiben, was sich selig auf einem Berge der Seligen fühlt. Das geht natürlich nicht. Hier geht es darum: Welteroberung! Hier geht es darum: hinaus in alle Welt! Und wenn man heute immer wieder spricht im Sinne des Konzils von dem Weltbezug der Kirche, wahrhaftig, wie haben wir das alles antizipiert, wenigstens grundsätzlich! Nicht nur das Ideal des neuen Menschen in der neuen Gemeinschaft, nicht einmal nur das Ideal der Rettung des Abendlandes, sondern die ganze Welt steht ja vor uns. (…) Wenn wir eine Weltsendung haben, dann dürfen wir nicht in Gottseligkeit auf einem Inselchen der Seligen still für uns bleiben. Geht hinaus in alle
Welt! (…) Wenn Sie nur halb glauben, was ich glaube, oder nur ein Zehntel glauben, dann verstehen Sie, wie alles in mir drängt: Geht hinaus in die Welt! Ich meine, ich darf nun damit schließen, mit dem Wort, das der heilige Ignatius so gerne gebraucht hat: „Ite, incendite mundum!“ Macht, dass ihr herauskommt! Nachdem ihr lange beieinander gesessen habt, nachdem ihr euch gegenseitig gefunden, ineinandergewachsen und
dadurch in Gott hineingewachsen (seid). Heraus! Feuerbrand für die ganze Welt“
(P. Kentenich, Oktoberwoche 1966, S. 243-250).

 

Sind wir als Schönstätter sozial und politisch zu wenig engagiert?

Nach dem Einstiegsimpuls beantwortete P. Angel Strada die Fragen der Teilnehmer zur Anwendbarkeit des sozialen Denkens im täglichen und praktischen Leben.

Eine der Fragen der Teilnehmer überraschte uns: Warum  werden wir Schönstätter sozial und politisch kaum beachtet? P. Angel sprach über einige wichtige soziale Initiativen, die allerdings im Bewusstsein der Schönstätter nicht wirklich präsent sind, und sprach insbesondere über die Initiative mit dem Namen Casa del Niño, angefangen von den Anfängen, über ihrer Ausbreitung bis zur Bedeutung, die sie heute hat. Er betonte auch die Schwierigkeit politischen Handelns, er berichtete über Versuche der Schönstätter zu stärkerer politischer Beteiligung, die Herausforderungen  und Bedeutung solcher Aktionen, aber sie müsse noch stärker werden.

In diesem Sinne ist soziales und politisches Engagement für die Mitglieder als eine Antwort auf die Herausforderungen der Zeit offensichtlich. Guilherme Vanzela Paiva, eine der Teilnehmerinnen, sagt, dass „E-Kentenich für mich eine der Möglichkeiten ist, meine Zuneigung und meinen Respekt gegenüber unserem Gründer zu zeigen. Mehr zu wissen, sein Charisma noch stärker zu lieben und es in meinem täglichen Leben lebendig zu machen“.

Das nächste Treffen wird noch in diesem Jahr stattfinden, und die Idee ist, eine E-Kentenich-Saison 2021 mit mehr Teilnehmern und fruchtbaren Diskussionen über unser Charisma und seine Anwendung im täglichen Leben zu haben.

Information und Möglichkeiten der Teilnahme (Sprache ist Portugiesisch): Ana Paula Paiva @anapaula.ompaiva

 

Original: Portugiesisch, 29.09.2020. Übersetzung: Mechthild Jahn und Renate Dekker,  Bad Ems, Deutschland                                

 

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