Veröffentlicht am 2020-05-11 In Schönstätter, Solidarisches Liebesbündnis in Zeiten von Coronavirus

In solchen Zeiten brauchen wir Menschen, die uns vorangegangen sind – Gertraud von Bullion

DEUTSCHLAND, Bettina Betzner •

Inmitten des Kriegsgetümmels des ersten Weltkriegs im Jahr 1917 erlebt eine junge Frau eine Begegnung, die ihr Leben schlagartig verändern wird. Für den Betrachter eine unscheinbare Begegnung und doch ein alles entscheidender Augenblick. Nach einer Andacht in einem kleinen Seitenraum im Lazarett beginnt ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die deren Leben verändern wird. Durch Frater Franz Salzhuber erfährt Gräfin Gertraud von Bullion von der Existenz des Apostolischen Bundes von Schönstatt. Ein Zusammenschluss von Laien, die sich dem Apostolat auf allen erreichbaren Gebieten durch einen praktizierenden katholischen Glauben im Alltag verschrieben haben. Ein Wirkungsfeld mitten im Alltag, das das Herz der jungen Rot-Kreuz-Schwester Gertraud anspricht und berührt.—

Nach dem Ende des I. Weltkrieges nimmt Gertraud von Bullion Kontakt mit dem Gründer der Schönstatt-Bewegung Pater Josef Kentenich auf, verbunden  mit der Bitte, den Apostolischen Bund für Frauen zu öffnen. Aber der Zugang wurde ihr nicht gleich gewährt. In der Vereinigung, überwiegenden bestehend aus Theologen, war zu der Zeit der Zutritt für Frauen undenkbar. Doch Gertraud ist eine Kämpfernatur und spürt eine große Sehnsucht in ihrem Herzen, mit Leidenschaft für ihren Glauben alles einzusetzen, diesem entscheidenden Herzschlag näher zu kommen. Sie geht die ersten Schritte und macht sich auf den Weg….

Und wir heute?

In Zeiten der Corona-Pandemie und der Gottesdienstfeiern am Bildschirm spüren wir eine große Sehnsucht nach der Begegnung Gottes in der Eucharistie. Wir suchen die Nähe Gottes gerade jetzt, in den Zeiten der Kontakteinschränkungen.

Wie können wir unserer Herzenssehnsucht einen Raum geben?

Welche Anstrengungen nehmen wir auf uns, um mit dem Gott unseres Lebens und der Sehnsucht unseres Herzens nahe kommen zu können?

In allen Herzen des Weltalls

Entschieden und mit innerer Bereitschaft und Ergriffenheit weihte sich Gertraud am 08.12.1920 zwei Frauen im Liebesbündnis der Gottesmutter. Gertraud und ihre Cousine Mariele Christmann stellten von nun an ihr Leben unter den Schutz Mariens. Sie ließen sich führen durch den Anruf Gottes Gott und den Menschen dienen zu wollen. Sie tun dies nicht aus sich heraus, sondern in der tiefen Ergriffenheit und dem Entschluss, sich dem apostolischen Bund anzuschließen. Diese Weihe der ersten beiden Frauen zog Kreise, und so kam es am 1921 zur ersten Frauentagung in Schönstatt.

Die Weihestunde und der Brief am Vortag zeigen, aus welcher inneren geistigen Welt Gertraud lebte. Ihre ganze Liebe galt dem dreifaltigen Gott, ihrer großen Liebe zur Immaculata und zu den Menschen. Ihnen wollte sie dienen und das tat sie bis zum Ende ihres Lebens.

„Jesus, mein König, restlos biete ich dir mein Herz, herrsche darin ganz und gar für ewig, aber ich will auch all meine Kräfte, mein ganzes Sein, als deiner heiligen Mutter Werkzeug, einsetzen, damit du auch herrschen mögest als König in allen Herzen des Weltalls!“

Gertraud von Bullion

Und wir heute?

Wie zeigen wir in Zeiten von Corona unsere Liebe zu Gott? Welche Zeichen der Liebe im Glauben setzen wir um? Was sind wir bereit einzusetzen? Werden wir kreativ, um dieser Beziehung zu Gott ein Zeichen zu setzen? Wir leben aus unserer kleinen Hauskirchen, aus unseren Haus- und Herzensheiligtümern. Dort ist unsere Schaltzentrale, der Herzschlag im Alltag, der mich näher zu Gott und zum Nächsten bringt.

Nehmen wir diese Möglichkeit und den Ort ernst, um von dort aus zu wirken?

Ich will dienen

Gertraud von Bullion war eine Persönlichkeit, die aus der Devise ihres Grafengeschlechtes von Bullion lebt und aus einer tiefen Treue ihr Leben danach ausrichtet: SERVIAM – ich will dienen!

Ihre Liebe zum Nächsten spiegelt sich in ihrer täglichen Bereitschaft zu dienen. In ihrer dienenden Hingabe sich restlos für ihre Mitmenschen einzusetzen, ob in der Nachbarschaft bei den bedürftigen, einfachen Menschen und deren Kindern, für die sie gerne Spielsachen aus alltäglichen Dingen bastelte, in der Unterstützung im Elternhaus oder bei der weitverzweigten Verwandtschaft, bei den Soldaten im Lazarett, dort wirkte sie als Seel-Sorgerin und unter den Rot-Kreuz-Schwestern oder bei den jungen Frauen in der Kongregation der einfachen Frauen. Sie war sich zu nichts zu schade und lebte ihr Christsein durch und durch – nicht der Titel war ihr Aushängeschild, sondern der Adel ihres Herzes und ihre tiefe Liebe zu Gott als ihrem Vater und zu Maria, als ihrer Mutter.

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Solidarität! WIR sind für Sie da – bleiben Sie daheim! Alles wird Gut – ich bleibe zu Hause! Bleib gesund!

Menschen leben in ungewissen Zeiten von den Zeichen der Solidarität und des Miteinander einer Gemeinschaft, einer Gesellschaft – Gemeinwohl ist der Wesenszug einer gut funktionierenden demokratischen, aber auch menschlichen Gesellschaft – einer hilft dem anderen – alle für einen und einer für alle. Nur so können Notzeiten im Miteinander gemeinsam bewältigt und getragen werden.

Das zeigt sich mehr denn je jetzt und heut und weltweit – wir müssen zusammenstehen, um gemeinsam diese Naturkatastrophe zu bewältigen. Nicht nur der Einzelne zählt, sondern das Kollektiv des Miteinanders.

Die Krankheit, die einen besiegen kann

Doch der Krieg hinterließ Spuren bei Gertraud. Sie zog sich, wie so viel, ein Kriegsleiden ein: Lungentuberkulose. Von der sie nicht geheilt wurde. In vielen Sanatorien und Liegekuren versuchte sie die Krankheit in Griff zu bekommen,  und am Ende hatte die Krankheit sie im Griff.

Aber das letzte Wort hatte nicht die Krankheit oder der Tod, der ihr unweigerlich vor Augen stand, sondern Gott der barmherzige Vatergott. An ihn glaubte sie und erfuhr den Gott ihres Lebens durch liebe Zeichen und Gesten. ER war für sie da und SIE war für ihn da – bis zum letzten Atemzug! Ihre positive Lebenseinstellung bewahrte sie und ging dem entgegen der sie unsagbar liebte und in seinen Händen hielt.

Corona-Angst

Die Corona hält uns in Atem und manchmal stockt uns der Atem, wenn wir auf die Entwicklung der Krise im eigenen Land, in der Welt schauen. Verheerend sind die Auswirkungen…. auf Wirtschaft, Bildung, Gesellschaft und unsere Familien. Das Gesundheitswesen kommt an seine Grenzen. Menschen haben Sorgen und Panik und sehnen sich nach Normalität. Nach einer Hand die sie hält, nach Zuwendung und Zärtlichkeit.  Wissen oft nicht mehr ein noch aus.  Angst vor der Krankheit macht sich breit, treibt viele um.

Was schenkt mir Ruhe? Wo habe ich meine inneren Haltpunkte? Wo ist meine Kraftquelle? Wer ist für mich da, wenn ich mich einsam und verlassen fühle. Wer hält – wenn nichts mich hält?

Dienen bis zum Ende

Gertraud von Bullion erfuhr ihren Halt in Gott, in Jesus Christus, in Maria, in ihrer Beziehung zu ihnen.

Dankbar war sie bis zum Schluss und bereit zu dienen bis zum letzten Atemzug und Blutstropfen für ihn und die Menschen, denen sie ihre ganze Liebe und Nähe schenkte.

Mein persönliches Zeugnis

Mein persönlicher Halt ist meine Mutter und Königin in meinem Hausheiligtum, unser Vater und Gründer, meine Gemeinschaft des Schönstatt-Frauenbundes.

In Pater Kentenich, in seiner väterlichen Liebe zu mir, in ganz kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit durch seine Zitate und Texte. Der Blick auf sein Bild, wo ich die innere Korrespondenz der Ermutigung erfahre. Es sind unscheinbare Dialoge, die in meinem Herzen Wandlung bewirken. Dialoge, die ich mit der Gottesmutter, mit Jesus Christus in meiner kleinen Hauskirche, in meinem Hausheiligtum führe.

Es ist ein Dialog und ein Ringen mit dem Gott meines Lebens der mich sendet, um für die Menschen dazu sein.

Für eine Familie, die Unterstützung in den alltäglichen Dingen braucht.

Für eine Mitarbeiterin in großer Unruhe und Sorge, da sie zur Risikogruppe gehört. Panik und Angst begleiten sie. Dann ist mein Zuspruch, ich bin für sie da, einfach wichtig.

Meine kleine Oase zu Hause und schenkt mir die Kraft, um  mutig, aber mit Gelassenheit meine Sicherheit und meinen Halt im Glauben den anderen zu zusprechen.

 

 

 

 

 

 

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