Veröffentlicht am 2. Dezember 2019 In Madrugadores

Dreißig Jahre Madrugadores – eine neue Art, Kirche zu sein

CHILE, Luis Alberto Bravo •

Was für ein außergewöhnliches Erlebnis! Ein halbes Tausend Männer knien zu Füßen des Allerheiligsten Sakramentes, schweigend, ohne Handys, ohne Lärm, ohne Beschwerden, ohne Proteste, ohne nervöses Gelächter. Hätte ich ein besseres Ohr gehabt, hätte ich bei dieser persönlichen Begegnung mit unserer Mutter und ihrem Sohn nur 580 Herzen schneller schlagen hören. Der Heilige Geist wehte über den Madrugadores und erfüllte sie mit neuem Leben, Begeisterung und Gruppengefühl. Es ist kein lokales Ereignis, sondern eine amerikanische Umarmung. Achtzig Gemeinschaften aus allen Teilen Chiles, von Arica bis Coyhaique und aus sechs Ländern: Argentinien, Bolivien, Kolumbien, Costa Rica, Puerto Rico und Mexiko, alles zusammen mehr als 580 Teilnehmer unter dem Motto: „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen“. Fahnen, Banner, Uniformen (einige bunt, andere formell) geben die malerische Note zu einem Treffen, das an den 30. Jahrestag der Gründung der Madrugadores erinnert und dieses feiert. —

Mit Auto, Bus, U-Bahn und Flugzeug aus ganz Chile und anderen Ländern

Einige kamen mit dem Auto, andere mit dem Bus oder der U-Bahn an. Gut vorbereitet mit Plänen und Hinweisen, waren sie am Freitag Mittag anwesend und wurden rund um den Tisch empfangen, wie es dieser großen Familie von Brüdern entspricht, die wir sind.

Von hier aus wollen wir den Madrugadores aus dem Ausland eine besondere Anerkennung zollen, die sich trotz der Tatsache, dass viele sie nach ihrem eigenen Bekenntnis gebeten haben, nicht zu reisen, entschieden haben, dies in dem Vertrauen zu tun, dass Gott es so wollte. Der Beitrag aller von ihnen ist immer überwältigend von Begeisterung und ansteckender Freude: Pura vida, reines Leben!, wie die Costa-Ricaner sagen.

 

Agenten des Wandels für die Gesellschaft sein

Die offiziellen Aktivitäten begannen mit einer Messe am frühen Morgen am Samstag, die von Bischof Fernando Ramos, apostolischer Administrator und Bischof von Rancagua, geleitet wurde, der in seiner Botschaft das große Zeichen der Hoffnung für die Kirche unterstrich, das diese Strömung des Lebens darstellt; dass trotz der schwierigen Momente, die Chile, seine Kirche und andere Organisationen durchlaufen, die Überzeugung der Madrugadores, ihre Treue und Dienstentscheidung uns immer wieder an so vielen heiligen Orten versammelt, um in die Welt hinauszugehen, um Zeugen der Liebe Gottes und Agenten des Wandels in der Gesellschaft zu sein.

Podium

Eine neue Kirche, treu, tief, entschlossen, vielfältig, aber vereint, Herz der Gesellschaft

Nach dem reichhaltigen Frühstück sprach Octavio Galarce mit uns über seine Vision der madrugadores auf der Grundlage ihrer Geschichte. Der Wandel, der alle zehn Jahre stattfindet, ist offensichtlich.

Wie aus den einfachen Versammlungen im Heiligtum zum Gebet in der Morgenfrühe – die Zeit wurde gewählt, um niemanden zu stören -die Strömung und Gemeinschaft der Madrugadores mit mehr als 140 Gemeinschaften in Chile und weiteren 150 Gemeinschaften in Amerika und Europa geworden ist. Wie vom Schönstatt-Heiligtum von Rancagua, dem Ursprungsort, Pfarreien, Bildstöcke und andere Gnadenorte erobert wurden und heute zum Gut unserer Kirche wurden.

Was werden die nächsten 10 Jahren bringen? Ich persönlich glaube, dass diese Art des lebendigen Glaubens das Licht am Ende des Tunnels sein wird. Es repräsentiert den neuen Weg, eine treue, tiefe, entschlossene, vielfältige, aber geeinte Kirche, das Herz der Gesellschaft, zu sein. Es wird die Art und Weise sein, wie unser Herr alle Arten von Familien und Realitäten erreichen kann. Wie Octavio angedeutet hat, sind dafür die zwei Wochen zwischen zwei Madrgadas da: um die Welt zu erobern.

Podium

Diskussionsforen und Zeugnisse

Es gab auch zwei Diskussionsforen, die auf Zeugnissen über die Erfahrungen von Madrugadores basierten.Beim ersten ging es darum, was die Madrugada mir gegeben hat; Teilnehmer waren Erwin Sánchez aus der Pfarrei San Juan Bautista in Temuco; Pfr. Tomás Carrasco, Pastor der Pfarrei der Heiligen Familie von Los Angeles; Guillermo Plaza aus La Serena-Coquimbo; und Carlos Alfaro Koordinator der Gemeinschaften Costa Ricas.

Das zweite Diskussionsforum befasste sich mit den Herausforderungen der Madrugada für die nächsten Jahre: Roberto Horat, Gründer dieser Lebensströmung in Argentinien; José Ramón Ortiz, Gründer dieser Lebensströmung in Puerto Rico; Orlando Valle, Diözesankoordinator der Gemeinschaften der Diözese Valparaiso; Ramiro Bravo, Mitbegründer der Madrugadores von Rancagua, der ersten Gemeinschaft.

Nach jedem Diskussionsforum mit brillanten Präsentationen fand eine Runde zur Reflexion statt; insgesamt gab es 72 Gruppen von je 8 Madrugadores., in denen das Gehörte und die Eindrücke, die es bei jedem hinterlassen hatte, in die Realität der Einzelnen heruntergebrochen wurde. Mit einem Austausch, der Erfahrungen, Interessen und Anliegen ins Wort brachte. Es war sehr interessant und prägend, Menschen mit so unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen zu treffen, ihre Gefühle über die aufgeworfenen Themen zu teilen – oft viel tiefer, als man es erwarten könnte – und zu sehen, wie mit höchstem Respekt jede Meinung oder jeder Vorschlag begrüßt wurde.

Göttliches und Menschliches

Gleichzeitig wurde vom Beginn der Samstagsmesse bis zum Sonntagmorgengebet eine Kapelle zur Anbetung des Allerheiligsten offen gehalten. 24 Stunden lang stand jede Gemeinschaft ununterbrochen vor unserem Herrn, mindestens eine Stunde lang, und legte ihr Herz in seine Hände, mit Hingabe und Erinnerung. Mit Stille, Rosenkranz, Liedern, Lesungen und sogar Tränen wollte Gott jedem von uns persönlich nahe sein. Eine große Zeit der Gnade, die zweifellos das Leben derer verändert hat, die diese Erfahrung gemacht haben.

Und dann die Starparade am Samstagabend. Saxophone, Trompeten, Gitarren, Chöre, Trommeln, etc. standen auf der Bühne. Einige mit nostalgischen Liedern, andere mit Lobliedern und wieder andere einfach mit purer Freude an der Freude. Verschiedene Akzente und Charismen manifestierten sich zum Glück für uns alle, die so viel Gnaden- und Kunstdarbietung genossen.

Zum Sonnenaufgang das Morgengebet. Mit der Anbetung der ganzen Gemeinschaft und den herzlichen Worten von Pfr. Tomás Carrasco wurde ein Klima großer Andacht geschaffen. Nach und nach öffneten wir unsere Seelen, um unseren Herrn zu preisen und ihn in den Ereignissen unseres Lebens und unserer Geschichte zu erkennen.

Wallfahrt zum Ursprungsort

Dann war es an der Zeit, zum Heiligtum von Rancagua zu pilgern, wo alles begann. Wir fuhren in 12 Bussen von Picarquin ab, um den Ort der Gründung kennenzulernen. Pater Carlos Cox leitete die Feier und konnte das, was wir in dieser Begegnung empfanden, mit dem, was wir in den letzten 30 Jahren im Schatten des Heiligtums erlebt haben, verweben. Es war bewegend und überwältigend. Wieder einmal wehten die Fahnen und die Lieder fülltenden Raum. Eine große Umarmung des Friedens untereinander besiegelte diese Begegnung. Die Gemeinschaft von Rancagua empfing uns mit einem brüderlichen Frühstück zur Stärkung und zum Auskosten dieses Momentes.

Zurück in Picarquín feierten wir eiune bewegende Messe mit P. Juan Pablo Rovegno, dem Bewegungsleiter., Am Anfang huldigte er unseren Frauen, vertreten durch Patricia Collado, Octavios Frau, denen er ein Bild der Jungfrau von La Candelariaals Dank für ihre bedingungslose Begleitung und Unterstützung überreichte. Eine feine Geste seinerseits für diejenigen, die unseren Lebensstrom ermöglichen und uns unterstützen, wenn unsere eigenen Kräfte ins Stocken geraten.

Nicht ohne Musik

Transversal zu allen Aktivitäten der Begegnung, die Musik. Die Lieder des Chores der Madrugadores von Puerto Montt untermalten nicht nur jeden Moment, sondern waren auch eine bewundernswerte Demonstration von Talent und Engagement. Die musikalische Qualität dieser Gruppe war hervorragend. Wenn ers stimmt, dass Singen doppelt gebetet ist, dann war das hier sicher dreifach!

Nicht zu vergessen die riesige Organisartion des Treffens. Alles sehr gut geplant und vorbereitet, von der vorherigen Kommunikation bis ins kleinste Detail. Der Ort war sehr gut gewählt. Die Zeit verging im Flug, als der Geist wehte, ohne Druck durch eine zu feste Tagesordnung, aber ohne Trägheit. Kaffee ist überall und zu jeder Zeit erhältlich, manchmal sogar mit Keksen, eine schöne Geste des Hauses. Auch das Essen ist erwähnenswert. Gut, abwechslungsreich und reichlich vorhanden, gut serviert.

Chile ist aufgewacht

Man sagt, die Welt hat sich verändert, Chile ist aufgewacht. Tatsächlich haben wir in diesen drei Tagen erlebt, dass die Unterschiede von Land, Herkunft, Beruf oder politischer Neigung keine Rolle spielten, sondern nur das, was am transzendentesten ist. Wenn es ein Erwachen gibt, hoffe ich, dass es so sein wird wie das, das wir erlebt haben, oder wie es in einem unserer Lieder heißt: „Wir, die wir Fremde waren, sind in Maria Brüder“. Denn das Wichtigste ist der Mensch und seine Realität und nicht nur seine eigene; denn anstatt das Herz zu verhärten und zu zerstören, riskieren wir alle, es zu erweichen und ein brüderlicheres, gemeinschaftlicheres Land aufzubauen, eine Gemeinschaft, die praktisch eine glückliche Kopie von Eden ist, einer Gemeinschaft Mariens. Deshalb Adsum, „Hier bin ich, Herr“.

Webseite (spanisch): www.madrugadores.cl

 

 

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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