Veröffentlicht am 19. November 2018 In Projekte

Intensiv, anstrengend, geistreich, leicht

DEUTSCHLAND, Melanie und Ulrich Grauert

Intensiv, anstrengend, lohnend weil geistreich, atmosphärisch, klimatisch großartig – etwas Lockeres, Leichtes: so das Empfinden einiger Teilnehmer beim Abschluss des Wochenendes für Unternehmer und Führungskräfte, das bei strahlendem Herbstwetter vom 9.-11. November im Schönstattzentrum Memhölz stattgefunden hat. Das Programm waren die Teilnehmer und ihre Erfahrungen, in bewährter IKAF-Methode, abgeguckt an der Zeitschrift MTA. —

Gleich drei Teilnehmer hatten kurz zuvor eine gemeinsame Erfahrung gemacht mit Segel-Exerzitien vor der Küste Kroatiens. Und machen die anderen nicht nur gesund neidisch, sondern fordern sie heraus, diese Erfahrung in den Alltag im Unternehmen u übersetzen.

Segeln…eine „Abteilung auf Zeit“

Abteilungsleiter ist der Skipper auf dem Boot. Er kann die Arbeit nicht alleine machen und braucht Mitarbeiter. Und nachdem das ganze „auf Zeit“ ist, kann man hier richtig schön ausprobieren, wie Führung funktioniert. Auch für die Geistpflege an Bord muss gesorgt werden. Die Mitarbeiter müssen in die Abläufe des Unternehmens (Segeln) eingebunden werden. Eine Unmenge von Aufgaben wartet und es gilt, diese zu verteilen.

Wichtig: jeder, der eine Aufgabe übernommen hat, muss sie auch machen, ansonsten funktioniert das Ganze nicht. Alleine das Anlegen am Hafen: Leinen werden verteilt und jeder muss bereit sein und wissen, wie es funktioniert. Anfangs ist das noch etwas holprig, aber bald funktioniert es, weil jeder auch den Blick dafür  bekommt.

Es ist spannend zu sehen, wie sich die Menschen/Mitarbeiter darauf einlassen, wie man sie mit einbinden kann. Und es ist schön zu sehen, wie im Laufe einer Woche jeder seine Aufgabe und Verantwortung ein Stück weit gefunden hat und damit zum Gelingen dieses „Turns“ beigetragen hat.

Das Prinzip kann man auch gut auf das Unternehmen spiegeln: Wie binde ich meine Mitarbeiter ein – wie nutze ich die Fähigkeiten meiner Mitarbeiter – wie integriere ich die Fähigkeiten jedes Einzelnen in das Gesamt-Team? Jeder findet seine Aufgabe.

Da ist zum Beispiel jemand, der seine Fähigkeiten einen Bericht zu schreiben voll einbringt.  Interessant zu sehen, dass die Teilnehmer dieser Segel-Woche lauter „Macher“ waren und trotzdem war es dann ein Miteinander, weil man sich aufeinander eingelassen hat und auch das Vertrauen hatte, dass es miteinander funktioniert.

Als Skipper muss man die Verantwortung für bestimmte Bereiche auch einmal abgeben, und dann vertrauen, dass derjenige das richtig und gut macht. Es wächst die Bereitschaft etwas zu tun, was einem nicht unbedingt liegt und man nicht unbedingt gerne tut Das gemeinsame Erfolgserlebnis zieht mit hoch.

Und dann kommen Situationen, da ist die klare Ansage des Kapitäns gefragt. Wenn der Wind stark wird, heißt es „Rettungswesten an, Life-Leinen fest“ und dann geht der „Chef“ ans Ruder. Das Schiff wird schräg gelegt und fährt. Manch ein Ungeübter hält dann schon ein wenig den Atem an. Aber man spürt: „ich habe einen Kapitän, und der hat es drauf.“

Das hat faszniziert. Geballte dreifache Begeisterung steckt an. Und so entstand bei diesme Wochenende für Unternehmer und Führungskräfte eine neue Idee: eine IKAF-Segelturn… Ein Einsteigerwochenende auf dem See oder – noch besser: eine Woche in Kroatien… Wo jeder mal ans Steuer geht und hautnah erlebt: Was passiert, wenn ich Führung übernehme, wie fühlt sich Führung an? Was passiert, wenn ich die Führung nicht übernehme? Und auch die Erfahrung: wem gebe ich welche Aufgabe und Beobachten: wer kann was gut, wer hat welche Fertigkeiten und so die Stärken jedes Einzelnen entdecken.

 

Die neue Art der firmeninternen Kommunikation: COFFEE-TALK eintauchen – austauschen – hören was dran ist

Ein führendes Unternehmen für Consumer Electronics, Services und Dienstleistungen in Deutschland für Millionen von Kunden hat ein neues Konzept entwickelt. Um mit den eigenen Mitarbeitern regelmässig und persönlich im Gespräch und Austausch zu bleiben, gibt es jetzt die sogenannten COFFEE-TALKs.

Mitarbeiter aus ganz verschiedenen Bereichen der Firma und verschiedenen

Hierarchiestufen werden mehrmals pro Jahr von der Geschäftsleitung eingeladen.

Das Konzept ist klar:

  • Einladungs-Email mit dampfender Cappuccino-Tasse
  • 4 bis 5 Stehtische, freie ‚Platzwahl‘
  • guter Kaffee
  • begrenzte Zeit (1,5 Std.)
  • jeder Mitarbeiter wird 2-3 Mal pro Jahr eingeladen
  • offenes Gespräch, freie Themen, nichts Vorgegebenes
  • Frage: Welche Themen haben sich bei Ihnen in den letzten Wochen/Monaten angesammelt?
  • keine meeting-minutes, keine anschliessenden TODO‘s

Zuerst ist es ungewohnt und es braucht anfänglich eine starke Ansage, dass man wirklich über das reden soll/darf, was gerade bewegt.

Die Mitarbeiter, die daran schon teilgenommen haben, sind begeistert: „Das ist genial, toll, einfach nur positiv!….“ Durch das offene Gespräch ohne Vorgaben bringt sich jeder ein und es wird nur das besprochen, was gerade brennt, was interessiert. Informationen werden weiter gegeben, was wurde vermasselt und wie biegen wird das gemeinsam wieder gerade?, was ist aufgefallen bezüglich Ablauf im Betrieb?

Und das Beste: keine meeting-minutes, keine TODO‘s. Aber die Erfahrung zeigt: Das was besprochen wurde lebt weiter, wird anschließend auf leichte und angenehme Weise im Betrieb umgesetzt, angewandt, ausgebügelt. Die Mitarbeiter aus der Geschäftsleitung gehen von Tisch zu Tisch und kommen mit ins Gespräch: ….was bewegt, was ist dran…?

Dadurch, dass sich Mitarbeiter bereichsübergreifend treffen (Technik, Garantiebereich, Kundenreklamation, Abwicklung, Geschäftsleitung, Disposition, etc….) entsteht auf einmal eine andere Art der Beziehung: „…Da ist ein „Gesicht“ vor mir, den habe ich kennen gelernt…statt dem nächsten email greife ich auch mal zum Telefonhörer…“

Das was man bei einer Tasse Kaffee bespricht, bewirkt manchmal viel mehr als das, was im offiziellen Meeting per Agenda besprochen wird.

Ein Mitarbeiter erzählte:

„….Ich arbeite im Telefondienst bei der Kundenreklamation. Die Kommunikation zwischen Disposition, Techniker und Kundendienst läuft per SMS direkt auf das Dienst-Handy. Ein Techniker, der auf weite Distanzen im Ruhrgebiet eingesetzt ist, war bei uns schon bekannt, weil immer wieder Kundenreklamationen über ihn hereinkamen wegen verpasster Termine und Unpünktlichkeit. Die Emotionen gingen stets hoch, wenn über ihn schon wieder ein SMS herausging. Auf einmal steht der vor mir beim COFFEE-TALK und wir kommen ins Gespräch über Verkehr und Staus auf Straßen zwischen Duisburg, Essen, Wuppertal und Dortmund – eines der größten Bermuda-Dreiecke der deutschen Autobahnen. Danach war mir klar: Ich bin lieber am Telefon bei der Kundenreklamation als als Techniker auf der Autobahn im Vollstress. Einige Tage später kommt wieder ein SMS: Verspätung, ein Hilferuf von genau diesem Techniker: „Vollstau auf der A1, ich schaffe den Termin nicht!“ Und auf einmal war alles anders. Den kenne ich – Vollstau – der kann jetzt wirklich nichts dafür. Das Telefonat mit dem anfangs genervten Kunden verlief deutlich besser als sonst. Mir war klar: Wenn Du ein Gesicht vor Dir hast, weißt Du, wem Du zuarbeitest im Kollegenkreis.

Da ist auf einmal eine andere Qualität drin, dann arbeitet man nicht für eine anonyme Abteilung, dann wird es persönlich, dann ist Beziehung gewachsen und die Qualität der Arbeit steigt….ich weiß,mit wem ich es zu tun habe.“

 

 

Datenschutz & Co. – Autorität, Regeln….und wie gehe ich damit um?

Ein Hight beim Wochenende für Unternehmer und Führungskräfte war das Referat von Manuela und Peter Miller. Seit Jahren beruflich und privat unterwegs im Bereich IT, Qualität und Datenschutz war ihr Input, ausgelöst durch eine lange Diskussion bei der vorausgehenden Tagung Anfang des Jahres reichhaltig und informativ. Immer wieder kam das Gespräch zurück auf das Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Darum geht es beim Schutz personenbezogener Daten.

Welche Regeln dienen dem Menschen? Die neuen Datenschutzregelungen (DSGVO) sind sicher umfangreich, an vieles will gedacht werden und neue Prozeduren sind verlangt. Aber es war auch klar, dass es ohne Regeln nicht geht. Gemäß Pater Kentenich schafft der Geist sich Formen. Die Würde des Menschen ist unantastbar, also braucht es Formen, die dies sichern, wie zum Beispiel die DSGVO; dabei aber wachsam sein, dass die Form nicht den Geist „frisst“. Das Gesetz ist Schutz und Sicherung (als Form des Geistes), aber das Gesetz alleine, ohne den Geist, schützt nicht ausreichend. Als Personen wollen wir aktiv handelnd bleiben und selbst „äußere Unfreiheit nutzen zum Wachstum der inneren Freiheit“ (PK). Und zum Schluss der Apell von Familie Miller: „Entscheiden wir uns frei, die Gesetze, die rechtmäßige Autoritäten uns auferlegen, zu befolgen. Jeder Akt der vernünftigen Unterwerfung macht uns innerlich frei und selbständig.“

Ganz nebenbei wird auch deutlich, dass auch Schönstatt mit personenbezogenen Daten sorgfältig umgehen muss. Warum geben die von schoenstatt.org einfach keine Mailadressen von anderen Schönstättern weiter, warum machen die ihre Seite mit viel Aufwand datenschutzkonform und warum weigern die sich, Artikel zu veröffentlichen, in denen personenbezogene Daten abgefragt werden, ohne dass eindeutig versichert wird, wofür diese verwendet werden? Wegen DSGVO und … wegen der Sache mit Würde und Freiheit des Menschen.

Wer noch tiefer in das Thema: Datenschutz & Co. – Autorität, Regeln….und wie gehe ich damit um? einsteigen will kann sich gerne schon den Jour Fixe am 16. März 2019 in  Memhölz vormerken.

Worte von Pater Kentenich

Am Samstagnachmittag war dann auch wieder Zeit sich von Texten von Pater Kentenich bewegen zu lassen. Stets neu, aktuell und persönlichkeitsstärkend. Auszüge aus der Vorgründungsurkunde vom 27.10.1912:

„…Je mehr äußerer Fortschritt, desto größere innere Vertiefung…Danach verlangt unser idealer…Herzensschwung, danach verlangt unsere Gesellschaft, danach verlangen vor allem unsere Mitmenschen (Mitarbeiter)…Einen tiefen, nachhaltigen Einfluss ausüben auf unsere Umgebung.  Und das tun wir im letzten Grunde nicht durch den Glanz unseres Wissens, sondern durch die Kraft, durch den inneren Reichtum unserer Persönlichkeit. Wir müssen lernen uns selbst zu erziehen. Uns müssen wir erziehen; uns mit allen Fähigkeiten…

 

Fotos: Wolfgang Branz

Kontakt und Information: [email protected]

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