Veröffentlicht am 2015-09-15 In Kampagne, Schönstatt im Herausgehen

Mit der Pilgernden Gottesmutter vom Urheiligtum bei der Gründung des Priesterbundes in Kuba

KUBA, Maria Fischer im Interview mit Rektor Egon M. Zillekens •

„Wir ernten, was andere gesät haben”, sagt Rektor Egon M. Zillekens, und fasst so seine Erfahrungen in Kuba bei der Gründung des Priesterbundes auf dieser Insel zusammen, die voller Freude, Hoffnung und Spannung den Besuch des Heiligen Vaters erwartet, zusammen mit der „Begegnung“ zwischen diesem Land und den Vereinigten Staaten, zum großen Teil Frucht seiner Vermittlung im Dezember letzten Jahres. „Menschen in T-Shirts und Shorts mit den Farben der Flagge der Vereinigten Staaten mitten in Havanna zu sehen, kommt einem vor wie im Märchen“, kommentiert Rektor Egon M. Zillekens. Die Fotos von Kubanern, die eine Pilgernde Gottesmutter in Händen tragen, allerdings auch …

Zurück zum Thema der Ernte dessen, was andere gesät haben. „Die anderen“, das waren Pater Carlos Cox und einige Jugendliche vom Heiligtum von Campanario: die Misión Cuba [Mission Kuba], begonnen im Jahr 1999. Sie, das sind drei junge Priester: Pfr. Rolando Gibert Montes de Oca Valero, Pfr . José Gabriel Bastián Cadalzo und Pfr. Bladimir Navarro Lorenzo. Sie haben am Schönstattjubiläum teilgenommen, und jetzt haben sie sich mit Rektor Egon M. Zillekens und Pfr. Maximiliano Bartel aus Argentinien getroffen, um sich als erster Kurs des Priesterbundes zu weihen und so den Schönstatt-Priesterbund in Kuba zu gründen.

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Die Frucht der „Mission Kuba”

Matías Rodríguez von der „neuen” Mission Kuba erzählt: „Vor einigen Jahren begann unter den Schönstatt-Studenten von Campanario ein Apostolat, das Grenzen und Menschen überschritt: Mission Kuba. Zu der Zeit reisten drei chilenische Jugendliche zusammen mit P. Carlos Cox nach Havanna, um dort zu studieren und viele einzuladen, von Schönstatt zu hören, das Liebesbündnis zu schließen und in der Liebe zu Maria zu wachsen. Die Mission war ein Erfolg, und viele Gruppen folgten den ersten drei; aber dann, nach einiger Zeit, endete die Mission, zum Teil wegen der Beschränkungen durch die kubanische Regierung.

Heute, viele Jahre später, sehen wir die Früchte dieser „kleinen“ Reisen; dank dieser ersten Bemühungen und durch Gottes führende Hand lernten drei Diözesan-Priester Schönstatt kennen und begannen, in ihren Pfarreien einen marianischen und familienhaften Stil zu pflegen. Es sind diese Priester, die uns beim 100jährigen Schönstattjubiläum eingeladen haben, zur Mission nach Kuba zurückzukommen, diesmal nicht nach Havanna, sondern in die Stadt Camagüey (im Zentrum der Insel, mit annähernd 300 000 Einwohnern), und dabei in Gemeinden voller Liebe zur Gottesmutter eine Bewegung zu gründen, geistliches Wachstum zu fördern und Führer auszubilden für den Dienst an ihrem Land und an der Kirche.“

Im Mailarchiv der Redaktion von schoenstatt.org gibt es eine Mail, die vor drei Jahren ankam. Sie reflektiert den Weg Schönstatts in Kuba: „Viele Jahre hindurch sind wir praktisch allein gegangen, mit der Anwesenheit von Raymond aus Chile, der uns ermutigt und uns sagt, wenn auch die Straße lang ist, das Ziel ist sicher. Zu wissen, dass Sie auch an uns denken, so wie wir an Sie denken und an die anderen in der Welt, die zur Bewegung gehören, gibt uns viel Kraft. Heute führen wir in der Stadt Guantánamo die Wallfahrt unserer ‚Lieben Frau von der Barmherzigkeit‘ durch am Abend ihres Festtags, und heute wird Ihre Nachricht den Mitgliedern der Familie, die zusammenkommen, vorgelesen. Nehmen Sie eine herzliche Umarmung und besondere Grüße aus Kuba, dem Land, wo die Gottesmutter ihren liebsten Namen trägt: Unsere Liebe Frau von der Barmherzigkeit…“

Ausgestreute Samen, Treue, Vertrauen … und die MTA ist ihnen treu geblieben. Schönstatt in Kuba hat etwas von der Gründungszeit Schönstatts.

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Eine arme Kirche für die Armen

Die Kuba-Reise von Rektor Egon M. Zillekens mit seiner Pilgernden MTA begann in Camagüey, wo Pfr. Rolando bereits Schönstattgruppen hat; dann nahm er ihn mit in die Diözese Guantánamo, wo er zur Zeit arbeitet. Indem er an beiden Orten einfach am Leben und Arbeiten eines engagierten Pfarrers teilnahm, erlebte Rektor Egon Zillekens „eine arme Kirche für die Armen“, eine „Kirche in den Häusern“ – oft wird ein Ess- oder Wohnzimmer gebraucht als Ort, um die Heilige Messe zu feiern: ein Tisch ist der Altar, eine Schüssel ist ein Taufbecken – es ist eine wachsende Kirche, mit neugetauften Menschen; es ist eine missionarische Kirche, die auf den Besuch von Papst Franziskus wartet. „Es gibt arme Leute, es gibt kranke Leute, und ich gehe sie besuchen“, das ist Pfr. Rolandos einfache und aufrichtige Zusammenfassung, wenn er über seine Arbeit spricht. Und die Pilgernde Gottesmutter ist dabei.

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Wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?

Und Padre Egon geht mit ihm, sie zu besuchen … und die Pilgernde MTA besucht sie mit ihnen. Überall gibt es große Erwartungen an den Papstbesuch. Rektor Egon M. Zillekens sagt einfach: „Das ist die Pilgernde Gottesmutter von Schönstatt. Der Heilige Vater hat solch ein Bild wie dieses auf seinem Nachttisch.“

Mehr muss nicht erklärt werden. Sie erobert Herzen, provoziert die große Frage, die so oft gestellt wird von kranken Menschen, von Armen, Gefangenen … und so vielen anderen, ‚die in unseren Augen oder in den Augen der Welt weniger angenehm sind‘, wie der Heilige Vater bei der Audienz mit den Schönstattpatres sagte: „Wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt?“

In der Diözese Guantánamo, wo sie den Bischof besuchten – natürlich mit der Pilgernden MTA – ekamen sie an die Ostspitze von Kuba und schauten von dort mit der Pilgernden MTA in der Hand nach Haiti hinüber – so nah. Sie ist auch in Haiti. Der Bischof, der in Haitis Kirche die Türen für die Pilgernde Gottesmutter und für Schönstatt geöffnet hatte, starb während des verheerenden Erdbebens vor zehn Jahren. Die Saat, die gesät wurde, hat überlebt und sie wächst weiter …

In der Nähe von Guantánamo gibt es einen italienischen Priester, der für nicht weniger als sechsundvierzig Kirchen und Kapellen sorgt. Eine Schwester, die ihn in seiner pastoralen Aufgabe unterstützt, kann es nicht glauben: “Natürlich kenne ich die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt!”

In einer sehr spontanen und ebenso einfachen Geste stellte Rektor Egon Zillekens die Pilgernde Gottesmutter in das Wegrand-Heiligtum nahe der Pfarrkirche … In dem Wegrand-Heiligtum untergebracht, scheint sie zu sagen: „Ich bin schon Kubanerin … Kuba gehört mir, sie sind meine Kinder, meine Verbündeten, meine Missionare …“

Der Heilige Vater wird die Städte Havanna, Holguín und Santiago de Cuba im westlichen Teil der Insel besuchen; es ist eine Reise, die als historisch erachtet wird, da der Papst als diskreter Mediator im Prozess des ‚Auftauens‘ (der Beziehungen) zwischen Havanna und Washington fungierte. „In Santiago de Cuba spürt man bewusst an jedem Ort, in jeder Ecke, wie allesvorbereitet wird für den Besuch des Papstes, für die Heilige Messe mit dem Heiligen Vater“, kommentiert Rektor Zillekens. „Wir machten ein Foto – selbstverständlich mit der Pilgernden Gottesmutter – an dem Ort, wo der Heilige Vater in nur wenigen Tagen stehen wird. Das war ein ganz besonderer Augenblick.“


Gründung des Priesterbundes im Nationalheiligtum Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit von El Cobre in Santiago de Cuba

Hier in Santiago de Cuba, im Nationalheiligtum Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit von El Cobre, wurde der Schönstatt-Priesterbund in Kuba gegründet. Sie ist die Patronin des Landes, ihr Heiligtum auch nach Jahrzehnten kommunistischer Regierung das „Herz Kubas“. Jeder kommt sie zu besuchen, ob gläubig oder nicht oder irgendwie. „Die Verehrung geht dem Gebet voraus“, sagt Rektor Zillekens. Man spürt die naturhafte Kraft der tief verwurzelten Volksfrömmigkeit. Das ist es, worüber Aparecida so viel spricht und was Papst Franziskus immer wieder betont. Maria führt zu Jesus hin – und sie hält ihn fest für die Menschen, denen er zu entschwinden droht.

Ganz nahe beim Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit weihten sich die drei kubanischen Priester leidenschaftlich und mit Tiefe; zwei Bundespriester – einer aus Deutschland und einer aus Argentinien und P. José Luis Correa aus Chile, der Standesleiter der Priester in Lateinamerika, begleiteten sie. Zwei Bilder der Pilgernden Gottesmutter waren dabei, da Pfr. Bladimir das eine mitbrachte, das er seit der Mission Kuba hat … Rektor Zillekens Geschenk an die drei jungen Gründungspioniere, das Buch „Heroes de fuego“ [„Helden voll Feuer“], die Geschichte der Schönstätter Gründergeneration, hätte nicht passender sein können. Die Gottesmutter hat nun drei Helden voll Feuer in Kuba.

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Für die Bewegung, für das heilige Volk Gottes

„Ein Ehepaar, Verwandte eines der drei Priester, begleitete uns die ganze Zeit“, berichtet Rektor Zillekens. „Es hatte etwas Providentielles“, sagt er, „weil es ein Zeichen ist, dass die Priester berufen sind, für das heilige Volk Gottes in Kuba und für die werdende Schönstattbewegung zu arbeiten.“

Am Ende des Interviews kommt auf einmal spontan die Frage auf: „Brauchen unsere drei Bundespriester noch mehr Bilder der Pilgernden Gottesmutter?“ Die Jugendlichen von der Mission Kuba hatten fünf mit ins Land gebracht. Doch was ist das für so viele? Nach dem Hinweis auf das Apostolat von schoenstatt.org für Gegenden, wo es kaum möglich ist, Bilder der Pilgernden Gottesmutter zu bekommen, fragte Rektor Zillekens nach, ihnen mehr Bilder der Pilgernden Gottesmutter zu schicken, einige mehr … und Pfr. José Gabriels Antwort zeigt, dass die Saat, die gesät wurde, wirklich auf fruchtbaren, missionarischen Boden fiel: „Einige fünfundzwanzig für den Anfang …“

Vor genau dreißig Jahren begann die Internationalisierung, die weltweite Ausbreitung der Kampagne der Pilgenden Gottesmutter mit genau 25 Bildern…

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„Josef, nimm das Kind und seine Mutter”

Alles wurde mit Eifer und Freude in Buenos Aires, Argentinien, vorbereitet. Aber die Frage blieb: Wie sollen die Bilder der Pilgernden Gottesmutter Kuba erreichen? Es ist wegen der Situation im Land nicht möglich, sie mit der Post zu schicken … durch die Nuntiatur? Mit jemandem, der reisen wird, aber… mit wem? Wann?

Und genau zu dem Zeitpunkt, wo über eine Lösung nachgedacht und dafür gebetet wird, kommt ein anderer Artikel über die große St. Josef-Statue herein, die von Buenos Aires nach Kuba geschickt wird als Geschenk für die Kathedrale von Havanna, eine Initiative von Schönstättern aus Buenos Aires … Könnte es sein, dass St. Josef noch einmal das Gebet des Engels gehört hat: „Josef, nimm das Kind und seine Mutter!“?

Ja, genau so: die ersten 10 Bilder der Pilgernden Gottesmutter für Kuba werden mit St. Josef dorthin reisen.

Sie möchte ankommen, und sie ist in Eile. Kuba gehört jetzt ihr … und sie möchte bei den Ihren sein.

Wie es weitergeht, kann auf schoenstatt.org verfolgt werden, denn wir haben in Kuba jetzt einen Korrespondenten: Pfarrer José Gabriel, aus dem Schönstatt-Priesterbund.

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Noch mehr Fotos:

 

5. September 2015, Kuba

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland/Maria Fischer

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