San José carpintero

Veröffentlicht am 2021-01-23 In Josefsjahr

Der heilige Josef: vom einfachen Zimmermann zur universellen Inspiration der Arbeit

Josefs-Challenge | Claudio Ardissone •

The Joseph Challenge 2021 by Schoenstatt.org, only for men (Die Josef-Challenge 2021 von schoenstatt.org, nur für Männer): Männer aus verschiedenen Berufungen im Liebesbündnis, aus verschiedenen Ländern und Generationen lassen sich herausfordern durch den Brief von Papst Franziskus, Patris Corde, über Josef, seinen „Überlegungen zu dieser außergewöhnlichen Gestalt, die einem jeden von uns menschlich so nahe ist.“ Sie lassen sich darauf ein, zu erzählen, was sie an der Gestalt des heiligen Josef und dem Brief des Heiligen Vaters über ihn am meisten beeindruckt und motiviert. Claudio Ardissone aus Asunción, Paraguay, aktiv in der CIEES (Internationale Gemeinschaft schönstatättischer Unternehmer und Führungskräfte), entschied sich für Punkt 6: Vater und Arbeiter. —

 

„Die Arbeit wird zur Teilnahme am Erlösungswerk selbst, sie wird zu einer Gelegenheit, das Kommen des Reiches Gottes zu beschleunigen, die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sie in den Dienst der Gesellschaft und der Gemeinschaft zu stellen; die Arbeit wird nicht nur zu einer Gelegenheit der eigenen Verwirklichung, sondern vor allem auch für den ursprünglichen Kern der Gesellschaft, die Familie.”

Claudio Ardissone con famillia

Claudio Ardissone mit seiner Familie

Vor ein paar Wochen habe ich das apostolische Schreiben „Patris Corde“ von Papst Franziskus über den heiligen Josef gelesen, das das Jahr zu Ehren dessen eröffnet, der das Haupt der Heiligen Familie ist, und uns motiviert, uns in 7 Aspekten von ihm inspirieren zu lassen. Ich wurde dazu bewegt, diese Zeilen über den Patron der Arbeit zu schreiben.

Ich stelle mir den heiligen Josef in unseren Tagen als einen modernen Zimmermann vor, was wir aus seinem Bild und Beispiel projizieren können, was er uns aus seinem reinen Herzen und seinem vom Heiligen Geist erleuchteten Verstand lehren könnte, und mir kommen mehrere Ideen in den Sinn.

Ein mutiger Mann, der sich ganz dem Willen Gottes hingibt, ohne auch nur annähernd etwas von dem zu verstehen, was dieser von ihm mit seinem Leben verlangt. Mit tiefem Respekt vor den Frauen und besonders vor Maria, aber auch mit großer Angst vor dem, was es bedeutet, sein Ja zu dem Projekt zu geben, das der Schöpfer ihm vorstellt. Er nimmt alle Herausforderungen an und vor allem das „Erziehen“, nicht mehr und nicht weniger, des Sohnes Gottes.

San José trabajador

Wie gehen wir als Unternehmer, Führungskräfte und Manager mit unserem Holz um?

Was kann ein Handwerker dem Erlöser der Welt beibringen? Nun, er kann ihm zeigen, dass Menschen wertgeschätzt werden sollten, unabhängig von ihrer Religion, ihrem sozioökonomischen Status, ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht und anderen aktuellen Bedingungen. Er kann ihm zeigen, dass diese Menschen ihren Familien, ihrer Arbeit, ihren Gemeinden und Gott viel zu geben haben. Aber um das zu entdecken, ist es notwendig, an den Beziehungen zu diesen Menschen zu arbeiten, so wie man mit Holz arbeitet. Es spielt keine Rolle, ob der Stamm, aus dem wir Holz gewinnen wollen, sehr gerade oder krumm ist, denn jeder Baum gibt uns gutes Holz, für je verschiedene Zwecke. Wir müssen es gut sägen, um das gesamte Rohmaterial zu optimieren. Später muss das Holz zu Möbeln, Treppen, Werkzeugen, Häusern usw. verarbeitet werden – Dinge, die wir alle brauchen und wollen. Und dann muss das Holz gehobelt, geschliffen, poliert und behandelt werden. Es muss gepflegt werden, damit es sich nicht zersetzt, nicht verdirbt und an der richtigen Stelle eingesetzt wird, um seine Aufgabe voll zu erfüllen.

Und ich frage mich: Wie gehen wir als Unternehmer, Führungskräfte und Manager mit unserem Holz um, mit unseren Mitarbeitern, mit denen wir tagtäglich unsere Projekte durchführen? Oder verhalten wir uns nur nach Zahlen, um  Wälder ohne Maß abzuholzen und das Holz industriell zu verarbeiten, um ein einziges Ziel zu erreichen?

Kümmern wir uns um die Weitergabe von Wissen an unsere Mitarbeiter?

Andererseits wird der heilige Josef Jesus auch gelehrt haben, seine Fähigkeiten zu nutzen und neue zu entwickeln, mit den Werkzeugen der „Schreinerei“ präzise umzugehen, sicher zu arbeiten, ohne sich oder andere zu verletzen. Er war sein Ausbilder und würde sicher nicht als solcher zertifiziert werden. Er wird ihn motiviert haben, wenn Aufgaben nicht so liefen wie erwartet, ihn korrigieren, wenn es nötig ist, und, was am wichtigsten ist, sein Wissen und seine Erfahrung weitergeben. Kümmern wir uns um die Weitergabe von Wissen an unsere Mitarbeiter, oder sind wir geizig, weil wir Angst haben, dass unsere Auszubildenden besser sind als wir, dass sie „Meister“ werden? Wagen wir als Führungskräfte, Coaches der Kollegen zu sein?

Geben wir allen, die es verdienen, eine Chance?

Wenn die Schreinerei wachsen würde, wie es in einem modernen Unternehmen zu erwarten ist, könnte Josef vielleicht ein Zulieferer für den Staat sein, für große Firmen produzieren, exportieren, neue Werkstätten in anderen Ländern eröffnen, sich der Welt und der damit verbundenen Vielfalt öffnen, und es gäbe eine große Chance, Jesus über die Welt und die Wirtschaft zu lehren. Er würde ihm die wesentlichen Werte guter Geschäftsleute vermitteln: Ehrlichkeit, Respekt, Loyalität, Vertrauen, den Wert von gegebenen Versprechen, Verantwortung für eingegangene Verpflichtungen und die Linie, die markiert, wie weit man Geschäfte machen kann, ohne diese Werte aufzugeben. Als christliche Geschäftsleute wissen wir, dass wir uns beim „Schreinern“ für die geleistete Arbeit schmutzig machen können, aber die Herausforderung besteht darin, unser Gewissen nicht schmutzig zu machen. Und ein guter Weg, um zu beurteilen, ob unser Gewissen nicht schmutzig ist, ist, uns zu fragen, ob wir das, was wir getan haben, mit unseren Ehepartnern und Kindern teilen können. Wenn wir dies ohne Scham tun können, sind wir auf dem richtigen Weg.

In unserer Rolle als Führungskräfte müssen wir darauf achten, fair zu sein, die Schwächsten nicht auszunutzen und die Bedürftigen nicht zu übervorteilen. Und auf diesem Weg des Wachstums und der Expansion müssen wir darauf achten, all jenen Chancen zu geben, die sie verdienen, damit sie gemeinsam mit uns wachsen können.

Streben wir danach, Nachfolger des heiligen Josef zu werden?

Schließlich glaube ich, dass Josef auch an seinen Ruhestand denken würde und dass das Geschäft auch ohne ihn persönlich weiterlaufen sollte. Und um das zu erreichen, würde er sicherlich seinen Nachfolger vorbereiten, auch wenn dieser nicht Jesus wäre. Und darum geht es: Streben wir danach, Nachfolger des heiligen Josef zu werden? Nehmen wir uns ein Beispiel an ihm? Wagen wir es, zu versuchen, die von ihm vorgeschlagenen Standards zu erreichen? Jeder Tag ist gut, um damit zu beginnen, und jeder Tag ist besser, um dem Weg zu folgen, den Josef, der gute Arbeiter, uns hinterlassen hat.

Ich schlage Ihnen, lieber Leser, vor, dass Sie in diesem Jahr des heiligen Josef drei Beispiele nehmen, die er uns gibt und die Sie noch nicht gemeistert haben, um an ihnen in Ihrem Unternehmen, mit Ihren Mitarbeitern, mit Ihren Chefs usw. zu arbeiten, und dass wir am Ende dieses Jahres mit Freude sagen können: Ich will der Nachfolger des besten Zimmermanns sein. Die Herausforderung ist gestellt, trauen Sie sich?

San José en el taller

Mechelen: „Die heilige Familie in der Werkstatt“

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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