Veröffentlicht am 18. September 2017 In Dilexit ecclesiam

„Ich habe diese Aufgabe wegen des Dilexit Ecclesiam von Pater Kentenich angenommen“ – Interview mit Pater Alexandre Awi

SCHÖNSTÄTTER IM DIENST AN DER KIRCHE: P. Alexandre Awi, Sekretär des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben

Am 1. September hat Pater Alexandre Awi, Schönstatt-Pater aus Brasilien und bis Mai diesen Jahres Leiter der Schönstatt-Bewegung in diesem Land, offiziell seine Aufgabe als Sekretär des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben angetreten. Vor dem Beginn dieser neuen Arbeit und nachdem er bereits einige Monate im Haus der Schönstatt-Patres in Trastevere, Rom, gewohnt hatte, wo er seine Doktorarbeit abgeschlossen und Italienisch gelernt hat, pilgerte er nach Schönstatt, wo wir die Gelegenheit zu einem Interview ausnutzten. Das Datum seines Amtsantritts fiel genau auf den Jahrestag der Veröffentlichung der deutschen Ausgabe seines Interviewbuches über die Beziehung von Papst Franziskus zu Maria, „Mit Maria leben“. So nutzte Pater Alexandre auch die Gelegenheit, um Rektor Egon M. Zillekens, der die deutsche Übersetzung des Buches durch eine Fundraising-Fundraising-Initiative ermöglicht hatte, und Maria Fischer für die Übersetzung und Veröffentlichung im Benno-Verlag zu danken. In dem am 29. August geführten Interview mit schoenstatt.org sprach er über seine neue Aufgabe, die Jugendsynode, die gerade mit der größten Umfrage in der Geschichte der Kirche vorbereitet wird und die Herausforderung des Dilexit Ecclesiam in dieser geschichtlichen Stunde Schönstatts und der Kirche.

Interessant auch der Ort, an dem das Interview stattfand: in dem Raum im Priester- und Gästehaus Marienau, in dem  Pater Kentenich seine Gäste zum Essen empfing. In diesem Raum war es auch, wo er die Pilgernde Gottesmutter empfangen hat, die Joao Pozzobon ihm zukommen ließ, und wo er über die „neue Pastoral“ sprach, die wir im Tun von Joao Pozzobon finden können. In diesem Raum gab es auch viele Gespräche mit ihm über die nachkonziliare Kirche und den Beitrag Schönstatts dazu, nachdem es diese Zeit des Verteidigens, Profilierens und Garantierens seiner Integrität hinter sich gelassen hatte und sich am Dilexit Ecclesiam, am Dienst an der Kirche, orientieren sollte und konnte. Am 14. September 1968 brach Pater Kentenich nach dem Abendessen, bei dem er Pläne für seine baldige Amerikareise gemacht hatte,  auf nach Berg Schönstatt und von dort am anderen Morgen zur letzten heiligen Messe seines Lebens auf Erden

 

1 – P. Alexandre, um was geht es konkret in diesem neuen Dikasterium und den Aufgaben, die Sie darin übernehmen?

Ich danke für die Gelegenheit, der Schönstattfamilie von dieser neuen Arbeit zu erzählen, von der ich auch noch nicht ganz viel weiß, da ich erst anfange und noch lernen muss.

Das Dikasterium selbst ist auch noch neu, auch wenn es die Verbindung von verschiedenen Dikasterien ist und es schon vorher eine Arbeit des Heiligen Stuhls im Dienst an den Laien, der Familie und dem Leben gab; doch jetzt sind diese drei ehemaligen Päpstlichen Räte in einem einzigen Dikasterium vereint. Ich habe die Aufgabe als Sekretär dieses Dikasteriums, das heißt, an der Spitze steht der Kardinal als Vorsitzender, und danach kommt ein Sekretär, der gemäß dem neuen Statut, gemäß der Kurienreform, ein Laie sein kann. In dieser ersten Etappe wollten der Papst oder der Kardinal wohl einen Priester haben, doch gut möglich, dass der nächste Sekretär ein Laie ist, und das scheint mir sehr interessant.

Dann hat jede der drei Sektionen – Laien, Familie, Leben – einen Untersekretär, der noch nicht ernannt ist, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass diese drei Laien sein werden. Meine Aufgabe besteht darin, bei der Koordination dieser drei Bereiche zu helfen, dass sie zusammenarbeiten und wir diesen ganzen Prozess begleiten können. Es sind tatsächlich sehr viele Themen, die mit diesem Dikasterium zu tun haben, angefangen von den Laien. Als es noch Päpstlicher Rat für die Laien hieß, gab es darin vier Hauptbereiche, darin enthalten die Arbeit für die Jugend, den Weltjugendtag, die Arbeit mit den Bewegungen und neuen Gemeinschaften ebenso wie den Laienvereinigungen, die hier ihre Anerkennung erhalten, begleitet und wo notwendig untersucht werden. Hier sind also alle Bewegungen untergebracht, und auch das Thema Sport gehört zum Dikasterium für die Laien.

Dann kommt der Bereich Familien. Wie wir wissen, geht es da um alle Fragen im Zusammenhang mit der Familie, wie die Weltfamilientage oder Welttreffen der Familien, das wird hier organisiert. Hierher gehören die Anliegen zum Thema Familie und das Apostolat der Kirche für die Familien und mit ihnen.

Ganz allgemein steht das Dikasterium im Dienst der Diözesen, das heißt, die Bischöfe kommen bei ihren Ad-Limina-Besuchen in Rom in die Dikasterien, bringen ihre Fragen, Themen und Anliegen mit, und das Dikasterium hört zu und nimmt auf. Das heißt, es gibt einen ständigen Kontakt mit den Diözesen und den Bischofskonferenzen.

Dann kommt das Thema Leben, das heißt der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, und zwar aus einem pastoralen Blickwinkel; es gibt daneben auch die Päpstliche Akademie für das Leben, die dem Dikasterium zugeordnet, aber nicht von ihm abhängig ist, und die sich eher um den akademischen Dialog mit Wissenschaftlern und anderen Gesprächspartnern kümmert. Das Thema der Pastoral des Lebens ist mit diesem neuen Dikasterium verbunden, und das ist ganz neu, das gab es vorher nicht.  Wie Sie sehen, ist das ein ganz weites Themen- und Aufgabenspektrum, und jetzt muss man sehen, wie man das begleiten kann. Meine Aufgabe, schätze ich, besteht darin, dem Kardinal und seinen Untersekretären zu helfen, so etwas wie eine Brücke zu sein und sie in allen Bereichen mit dem, was ich kann, zu unterstützen.

 

2: „Jugend, Franziskus will dir zuhören“ – unter diesem Motto sind die Jugendlichen der ganzen Welt, nicht nur die katholischen, eingeladen, an einer Umfrage zur Vorbereitung der nächsten Bischofssynode im Oktober 2018 teilzunehmen; diese steht unter dem Thema: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. Welche Rolle hat die Beteiligung der Jugendlichen?

Die Teilnahme an der Synode ist ein sehr großer Wunsch des Heiligen Vaters. Ich habe für Schönstatt, als Vertreter Schönstatts, an einem Vorbereitungskongress teilgenommen, bevor ich zum Sekretär ernannt wurde. Ich habe zusammen mit einer Jugendlichen aus Österreich teilgenommen – ein Erwachsener und ein Jugendlicher. Alle Bewegungen und die Bischofskonferenzen hatten die Möglichkeit, je einen Jugendlichen und einen Erwachsenen als Vertreter zu entsenden. Für die Bischofskonferenz von Brasilien hat jemand aus der Schönstatt-Jugend teilgenommen als Vertreter der Jugendlichen Brasiliens, damit waren wir mit drei Schönstättern bei diesem Treffen. An einem Abend hatten wir eine Begegnung mit dem Papst in Santa Maria Maggiore, wo er sehr deutlich von dem Wunsch sprach, dass alle an der Umfrage teilnehmen sollten, und betonte, dass die Kirche wirklich den Jugendlichen zuhören will.

Die Idee ist genau die, dass so viele Jugendliche wie nur eben möglich mitmachen, und zwar nicht nur Leute aus dem kirchlichen Binnenraum, sondern es wird auch hochinteressant sein zu hören, was Jugendliche außerhalb der Kirche zu sagen haben. Es wird sicherlich alles kommen, und ich stelle mir vor, dass dann später im Sekretariat der Synode die Antworten analysiert und sortiert werden, und dass es sehr wichtig sein wird, die Jugendlichen zu hören. Ich glaube, es lohnt sich wirklich, denn es ist eine offene Umfrage, in der alle sagen können, was sie möchten, und daraus werden ganz sicher Anliegen erwachsen, auf die die Kirche Antwort geben muss.

Ich glaube, diese Umfrage ist ein großer Wert, und ich danke dem Team von schoenstatt.org, dass es diese Initiative aufgegriffen hat und die Umfrage verbreitet, die wirklich für alle offen ist. Es geht jetzt darum, dass die Jugendlichen diesen Kanal kennen, und je mehr davon bekannt ist, umso größer kann die Beteiligung sein und umso mehr Input bekommen auch diejenigen, die die Synode organisieren. Jetzt im September ist ein weiteres Treffen zur Vorbereitung der Synode. Da bin ich nicht direkt involviert, weil ich erst am 1. September meine Arbeit beginne und alles für mich noch sehr neu ist. Was ich allerdings weiß ist, dass die Abteilung „Jugend“ unseres Dikasteriums dabei ist und dass der junge Mann aus der Schönstattjugend Brasiliens erneut eingeladen worden ist. Für dieses Treffen kommen nur etwa 300 Teilnehmer, und unter denen ist der junge Mann aus Brasilien auf Einladung des Synodensekretariats. Das ist wirklich eine Gnade, dass ein Schönstätter da seinen Beitrag geben kann.

 

Stimmt es, dass es die erste Synode zum Thema Jugend ist?

Stimmt, es ist das erste Mal. Das Thema Familie ist schon in den achtziger Jahren in einer Synode behandelt worden, aus der Familiaris Consortio hervorging, zur Zeit von Papst Johannes Paul II.; doch das Thema Jugend kommt zum ersten Mal. Das scheint mir wirklich etwas ganz Neues zu sein. Es war ein persönlicher Wunsch des Papstes, und ich freue mich, dass darüber geredet wird, denn es ist grundlegend für das Leben der Kirche, die Jugendlichen zu hören, ihre Fragen zu beantworten und sie im Prozess des Wachstums, ihrer Berufungsunterscheidung, ihrer persönlichen Unterscheidung und ihrem Engagement in der Kirche. Das ist sehr wichtig.

Wir haben gemerkt, dass viele Jugendliche aus der Schönstatt-Bewegung und sogar Verantwortliche oder Standesleiter nichts von der Synode wussten und auch nichts von der Umfrage. Was können wir tun, um noch mehr Menschen darauf aufmerksam zu machen, besonders auch innerhalb Schönstatts?

Ich möchte zunächst sagen, dass der Weg über die Bischofskonferenzen ging. Bei der Tagung im April, von der ich eben gesprochen habe, wurde uns bewusst, dass manche Bischofskonferenzen schon sehr weit fortgeschritten waren und andere noch so gut wie gar nichts unternommen hatten, vor allem solche von der südlichen Hemisphäre, weil der Beginn der Umfrage und der Konsultationen genau in die Sommerferien gefallen war. Darum konnten sie nicht teilnehmen, wussten so gut wie gar nichts. Jetzt sind sie schon dabei, aber ich glaube, zu diesem Zeitpunkt ist die Anfrage an Bischofskonferenzen und Bewegungen bereits fast  abgeschlossen, das heißt, jetzt kann man nur noch über die allgemeine Umfrage auf der Webseite aktiv teilnehmen. Darum habe ich im April den Brief geschrieben, um die Standesleiter und Jugendlichen aufmerksam zu machen und sie anregen, doch teilzunehmen. Das habe ich nicht einfach als persönliche Initiative gemacht, auch nicht als Sekretär, denn ich war damals noch nicht ernannt, sondern als Vertreter Schönstatts bei dieser Tagung.

Ich weiß, dass manche sich wirklich für die Beteiligung an der Synode engagieren, aber wir wissen auch, dass diese Wege in der Kirche nicht immer leicht zu finden sind, dass manche Samenkörner ausgestreut werden und dann auf den steinigen Weg fallen … Die Bischöfe, zumindest in Brasilien, haben empfohlen, dass alles über die Diözesen geht, und  einige werden in den Diözesen mitgemacht haben, bei entsprechenden Treffen, aber andere nicht. Das muss sich ändern. Vielleicht ist es in einigen Ländern noch möglich, einen Beitrag direkt über die Bewegung zu geben, dazu müsste man sich in jedem Land darüber informieren, wie die Umfrage läuft.

Auch wenn es schon etwas spät ist, sollte man sich auf jeden Fall informieren, ob die Bewegung, ob die Schönstattjugend des betreffenden Landes noch einen Beitrag bei der Bischofskonferenz einreichen kann, ob dazu also noch Zeit ist. Und wenn die Zeit nicht reicht, dann kann man auf jeden Fall noch individuell über die Webseite einen Beitrag geben.

Die Umfrage auf der Webseite ist noch offen und bleibt soweit ich weiß noch bis Ende November geöffnet. Diese Zeit sollte auf jeden Fall genutzt werden.

3: Am 17. August waren es genau 10 Jahre seit der Approbation des Dokumentes von Aparecida. Ein Beitrag bei Radio Vatikan stand unter dem Titel: „Was Bergoglio von Aparecida nach Rom mitgebracht hat“. Aus Ihrer Sicht als enger Mitarbeiter Kardinal Bergoglios bei der Redaktion des Dokumentes von Aparecida: Was hat Franziskus aus Aparecida mit nach Rom genommen?

Ich habe den Artikel nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob wir übereinstimmen, doch ich glaube, dass er viel mehr mitgenommen hat, als man erst denkt. In dem Buch, das ich über seine Beziehung zu Maria geschrieben habe, spreche ich genau über dieses Thema und zeige, dass der Papst in gewisser Weise in Aparecida „geschmiedet“ wurde, wie es Bischof Fernández in einem Artikel über dieses Thema ausgedrückt hat. Ich glaube, viele Anliegen von Aparecida stimmten mit den Anliegen des Papstes überein, und da er in der Redaktionskommission war, sorgte er auch dafür, dass diese in Aparecida präsent waren. Der missionarische Geist, den Wert der Volksfrömmigkeit, die Sorge für die Armen, der marianische Geist, die Sorge um die Armen, dass wir weiterhin eine Option für die Armen ergreifen im Geiste der Jünger und Missionare und nicht von der Ideologie her, denn das ist für ihn sehr wichtig.

Vor allem dieser Impuls, der in Lateinamerika „Kontinentalmission“ genannt wird, das heißt, eine Kirche in permanentem Zustand der Mission – das ist es, was er von der ganzen lebendigen Weltkirche möchte, diese missionarische Haltung. Und zwar von einem Primat der Verkündigung her anstelle der Sorge um lehrmäßige Details. Eine Kirche, die an erster Stelle ein offener Raum ist, der die verschiedenen Realitäten umfasst und annimmt, die es in der Kirche und außerhalb gibt. Eine Kirche, die sich dem sozialen Wandel verpflichtet weiß. Das alles, scheint mir, war bereits in Aparecida sehr stark. Ich weiß, dass für die Welt, sagen wir für die Welt außerhalb von Lateinamerika, für die Kirche außerhalb von Lateinamerika, vor Franziskus Aparecida wohl kaum eine Rolle gespielt hat; die Kirche Lateinamerikas hat aber bereits eine lange Tradition von fünf Vollversammlungen der Bischofskonferenzen des Kontinentes, die den Weg der Kirche in den letzten 60, 70 Jahren ganz entscheidend geprägt haben. Ich glaube, dass Franziskus in gewisser Weise auch die Stimme Lateinamerikas für die Welt geworden ist.

Das ist ein Thema, das ich jetzt für meine Doktorarbeit studiert habe: die Rolle der lateinamerikanischen Kirche in der Weltkirche. Es gibt Autoren, die der Papst sehr schätzt, wie Alberto Methol Ferré, ein Uruguayer, der viel über die kirchliche Geopolitik gesprochen hat, nicht jetzt im Sinne von Politik, sondern wie Gott in bestimmten Momenten der Geschichte Völker und Teilkirchen erwählt hat, um die Weltkirche zu beeinflussen.

Das Beispiel, das Methol Ferré nannte, war konkret das II. Vatikanische Konzil mit der starken Präsenz der europäischen Kirche, besonders der deutschen und der französischen, die über Jahrzehnte einen sehr starken Beitrag gegeben haben. Etwas prophetisch sprach Methol Ferré kurz vor seinem Tod über die Wahl von Benedikt. Er wurde gefragt, ob es nicht der Moment sei, dass die lateinamerikanische Kirche, aus der er kam, und wo er auch im CELAM und anderen Einrichtungen arbeitete, also ob es nicht der Moment sei für einen lateinamerikanischen Papst, und er sagte nein, er war für Benedikt und überzeugt, dass Kardinal Ratzinger für diesen Moment die richtige Person sei, doch er sagte auch: „Vielleicht der nächste.“ Nun, er war ein persönlicher Freund von Bergoglio und ich weiß nicht, ob er vielleicht einmal an Bergoglio gedacht hat. Er hat ihn oft dort in Buenos Aires besucht, das sind wirklich die Wege Gottes, dass er nun Papst ist; im Interview sagte er mir: „Wusstest du, dass Methol Ferré das und das gesagt hat?“, und ich antwortete: „Ja, das habe ich gewusst.“

Aber es ist wirklich eigenartig, ich glaube, es ist ein Moment der Reife der lateinamerikanischen Kirche gekommen, so dass sie ihren Beitrag leisten kann, und ich glaube, Aparecida ist Teil dieser Reife, zu der die Kirche Lateinamerikas gekommen ist, und der Papst ist in gewisser Weise der Träger ihrer Botschaft für die Weltkirche.

 

Und Pater Alexandre, was bringt der aus Lateinamerika und aus Aparecida nach Rom?

Zunächst einmal bringe ich die Erfahrung in Schönstatt, denn meine ganze Ausbildung und Arbeit waren von Schönstatt aus, zuletzt in der Koordination der Arbeit der Zentrale und die Arbeit mit der Jugend. In meiner neuen Aufgabe ist mir sehr bewusst, dass es da viele Dinge gibt, die ich nicht kenne, wo ich kein Experte bin. Konkret beispielsweise in den Themen von Familie und Laien bin ich kein Experte. Was ich von Jugend und Bewegungen weiß, kommt aus der Erfahrung, die wir gemacht haben, kommt jetzt vor allem aus der Rolle, die ich in der Koordination der Schönstattarbeit in Brasilien hatte. Vielleicht helfen mir gerade diese Dinge von Schönstatt her, vom dritten Ziel Schönstatts her (Zusammenarbeit aller apostolischen Kräfte in der Kirche entsprechend dem jeweiligen Charisma), das heißt diese föderative Erfahrung, die ich stark in der Familie erlebt habe und mit viel Freude in der gemeinsamen Arbeit mit den anderen Mitarbeitern der Zentrale, was mir sehr viel Freude gemacht hat. Das hoffe ich irgendwie mit nach Rom zu bringen als lebendige Erfahrung und auch im Verstehen der Bedeutung der Bewegungen, der Bedeutung dieser Initiativen des Heiligen Geistes in der Kirche, und natürlich der ganze Beitrag von der Jugend her. Einiges davon kenne ich, andere Dinge werde ich lernen müssen und ich werde sicher sehr viel lernen, ich möchte viel zuhören und mich sicherlich stark ergänzen lassen.

In Bezug auf Aparecida: diesen gleichen Geist; ich kann nicht leugnen, dass ich sehr ähnlich denke, in derselben Schule erzogen bin, an der Konferenz von Aparecida teilgenommen habe. Damals war ich ein junger Priester, war gerade einmal sechs Jahre zuvor geweiht worden. Genau, 2001 geweiht, die Konferenz war 2007, ich war noch nicht ganz seit sechs Jahren Priester. Ich bin seitdem gewachsen, habe studiert, aber in einer Kirche, die schon ein wenig aus der Quelle von Aparecida getrunken hat. Dieser missionarische Geist ist auch sehr stark in der Jugend, die ich bei den Misiones begleitet habe, und in der gesamten Arbeit des Bewegung in Brasilien, einer rein missionarischen Bewegung mit der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, dem Männer-Rosenkranz, beides sehr weite Initiativen einer Kirche im Herausgehen.

Diese Kirche im Herausgehen wollen wir beitragen, wollen beitragen, dass das weitergeht und das in einem dafür so geeigneten Feld wie dem der Laien, die eine direkte Mission in der Welt haben, wie auch die Jugendlichen, die missionarischen Familien, das heißt, eine offene Kirche in all diesen Realitäten. Jedenfalls hoffe ich, dass wir diesen Geist in die Weltkirche hineintragen können.

 

Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Aparecida – Foto: Fischer

5 Wie können und sollten wir heute, als Schönstatt des zweiten Jahrhunderts seines Bestehens, das Dilexit Ecclesiam leben, das Pater Kentenich so wichtig war? Wie zeigen wir mit Taten, mit konkreten Gesten, dass wir die Kirche wirklich lieben?

Ich kann als persönliches Zeugnis sagen, dass ich diese Aufgabe nur wegen des Dilexit Ecclesiam unseres Vaters angenommen habe. Darum ist es wirklich schön, hier zu sein, und ich war auch schon am Grab von Pater Kentenich, das ist einer meiner Lieblingsorte in Schönstatt. Ich glaube, unsere Mission als Familie ist es, sein Charisma in die Kirche zu tragen. Das passiert im Kontakt mit der konkreten Kirche in der Diözese, in den Pfarreien, in der Weltkirche. Davon hat man immer geredet, jeden trifft es in seinem Bereich und in seiner Zeit. Mich trifft es jetzt und ich hoffe, danach eines Tages an die Basis zurückzukehren, in die Bewegung. Andere trifft es in einem anderen Moment, und jeder muss sich fragen: Wo braucht mich die Kirche? Aus der Arbeit in meiner Pfarrei oder aus der Arbeit in der Bewegung, die ja immer auch Dienst an der Kirche ist, eben vom Charisma Pater Kentenichs her, und es bedeutet auch, bereit sein zum Opfer, bereit sein zum Nichtverstandenwerden. Natürlich war Pater Kentenich immer den Päpsten treu, der Kirche allgemein, und versuchte, dass Schönstatt einen konkreten Beitrag leistet zur nachkonziliaren Kirche.

Ich glaube, dass wir in Schönstatt eine Mission haben: der nachkonziliaren Kirche antworten, dem aktuellen Papst und seinen Initiativen antworten und in ihnen das Wirken des Geistes zu sehen, das heißt, wir brauchen einen durch und durch echt kirchlichen Geist, der alle Gliederungen, alle Gemeinschaften, alle Ligen, alle apostolischen Projekte, die wir in Schönstatt haben, prägt, die sehr vielfältig sind, aber immer von der Kirche her kommen und Antwort auf die Impulse des Papstes sein müssen.

Ich glaube, dass der Pfingstkongress (2015) darauf sehr gut geantwortet hat, indem er gesagt hat, dass unsere Antwort als Schönstatt nach dem Jubiläum die des „Schönstatt im Herausgehen“ sein muss. Ich war nicht bei diesem Kongress, identifiziere mich aber ganz mit seinen Ergebnissen, und glaube, dass wir vom Pfingstkongress aus die Linien haben, denen wir folgen, die wir in verschiedenen Aspekten weiter entfalten sollten, damit Schönstatt heute wirklich seinen Dienst bringen und seine Mission für die Kirche in der Zeit von Papst Franziskus erfüllen kann.  Dass jeder von uns da, wo Gott ihn ruft, diese Antwort geben kann. Dass mein Ort dafür ausgerechnet Rom sein würde, hätte ich nie gedacht, aber wenn Gott es wünscht, dann mache ich dort meine Arbeit auf die beste mir mögliche Weise.

 

 

Dilexit Ecclesiam

6 – Genau vor einem Jahr ist die deutsche Übersetzung Ihres Buches „Mit Maria leben“ auf den Markt gekommen. Was können wir als Schönstatt-Bewegung und darüber hinaus von der Marienliebe von Papst Franziskus lernen?

Da könnte ich jetzt Stunden reden… Es ist auch das Thema meiner Doktorarbeit, die ich gerade beendet habe und noch verteidigen muss. Das Thema der marianischen Volksfrömmigkeit ist sehr stark bei Papst Franziskus und auch bei uns als Bewegung. Wir müssen wirklich an die Kraft der marianischen Volksfrömmigkeit glauben! Für mich war es eine regelrechte Entdeckung in den beiden Interviews mit ihm – eines ist das im Buch veröffentlichte und eines habe ich später gemacht -, diese innere Welt, die er hat, die starke Bindung an Maria, vermittelt durch das Volk.

Pater Kentenich hat in den dreißiger Jahren sehr deutlich von dieser Volksbewegung gesprochen und dass wir diese mehr entdecken müssten als Ergänzung zu all der Arbeit mit der Elite. Das hat der Papst sehr klar: wie wichtig es ist, dass die Kirche im Volk verwurzelt ist. Ich komme aus einem Land, in dem Schönstatt vor allem in der Volksbewegung entfaltet hat und wo aus dem Heiligen Geist, wo aus der Mitte Schönstatts, sehr interessante Antworten entstanden sind: die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, der Männer-Rosenkranz, das sind Initiativen der Volksbewegung. Wir haben auch die Schönstatt-Pfarrheiligtümer, die in Brasilien etwas sehr Positives darstellen. Da haben wir eine Erfahrung, dass Schönstatt wirklich im Volk Wurzeln gefasst hat, mit guten Früchten, mit echten Schönstattfrüchten wie etwa ein Joao Pozzobon. Dann merkt man, dass da ein enormer Reichtum liegt, den wir hoffentlich noch weiter entdecken werden, dass wir stolz darauf sind und nie unsere marianische Fahne sinken lassen, unsere marianische Erfahrung.

Wir sind eine Bewegung, die aus einem Liebesbündnis mit Maria entstanden ist. Wir müssen weiterhin an die Kraft dieses Bündnisses glauben und glauben, dass dieser Weg über das Bündnis mit Maria wirklich ein Werkzeug zur Umgestaltung der Welt ist. Ich glaube, dass der Papst davon auch überzeugt ist, dass die Bindung an Maria für ein echtes christliches Leben sehr wichtig ist, ebenso für die Schaffung einer neuen Gesellschaftsordnung, ganz besonders in der Option für die Armen. Das ist ganz stark bei Franziskus – die soziale Dimension der Marienverehrung.

 

Mit Rektor Egon M. Zillekens und der deutschen Ausgabe des Interviewbuches „Mit Maria leben“.

7 – P. Alexandre, wie immer am Ende unserer „Prominenten-Interviews“ die berühmten „sieben Fragen“:

 

Ein Buch Die Pädagogische Tagung 1931 von Pater Kentenich
Ein Datum 18. Oktober 1914
Ein Satz Das Ohr am Herzen Gott und die Hand am Puls der Zeit
Ein Bild Das MTA-Bild
Eine Geste Das Liebesbündnis, Gottes stärkste Geste
Eine Frage an P. Kentenich Was würden Sie tun, wenn Sie an meiner Stelle wären?
Ein Traum Schönstatt real und wirklich im Herausgehen

aaaa

In Pater Kentenichs Speise- und Gästezimmer in der Marienau

Transkript und Bearbeitung des spanischen Interviews: Tita Andras, Claudia Echenique, Eduardo Shelley, Maria Fischer. Die Fragen stellte Maria Fischer. Übersetzung: Maria Fischer/schoenstatt.org

Webseite des Dikasteriums  für Laien, Familie und Leben http://www.laityfamilylife.va

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