Veröffentlicht am 1. Dezember 2016 In Themen - Meinungen

Nicht im Glashaus sitzen bleiben, sondern herausgehen und uns die Hände schmutzig machen

P. Guillermo Carmona, Leiter der Schönstatt-Bewegung in Argentinien •

Die Botschaft, die Pater Guillermo Carmona an die Schönstatt-Bewegung in Argentinien gerichtet hat, lässt sich entsprechend auf die konkreten Wirklichkeiten in allen Ländern anwenden.

Immer wieder erneuern wir unser Liebesbündnis, und jedes Mal, wenn wir es tun, sind wir eingeladen, uns in das Geheimnis des Liebesbündnisses hineinzugeben, um zu danken und um für das Wirken der Gottesmutter in der Geschichte Schönstatts zu danken. Wir wären nicht das, was wir sind, hätte nicht sie das Herz Pater Kentenichs berührt und ihn angeregt, im Heiligtum ein Bündnis zu schließen. Diese Erinnerung bringt uns Vertrauen und entzündet unser Herz. Das Bündnis ist wie der Brennende Dornbusch am Fuß des Berges Sinai, der Moses Leben verändert hat. Und weil Gott dort war, hat der Patriarch die Schuhe ausgezogen, denn er stand auf heiligem Boden. Wann immer wir ein Heiligtum betreten, betreten wir heiliges Land: Gott, hier gegenwärtig, möchte uns den Beweis seiner Liebe schenken, durch Jesus und durch Maria.

Von einem organisierten und strukturierten Schönstatt zu einem Schönstatt im Herausgehen

Wir erleben in diesem Jahr 2016 große Herausforderungen nach innen und außen. Es tut uns weh, dass mehr als 32% unserer Mitbürger unter der Armutsgrenze leben. Wir können nicht einfach darüber  hinweggehen, dass es jedem dritten Argentinier schlecht geht. Die Geißel der Drogen und ihre Folgen sind zu einem der größten Feinde unserer Gesellschaft geworden. Gleichzeitig gibt es Ereignisse, die uns Freude machen und die Seele erheben: die Heiligsprechung des Cura Brochero, die Seligsprechung von Mama Antula und die Seligsprechungsprozesse, die bei der Argentinischen Bischofskonferenz anliegen – es sollen über 40 sein. Wir könnten uns fragen: Entsteht da eine erneuerte Heiligkeitsströmung? Wir denken an die Empfehlung Pater Kentenichs in der Gründungsurkunde: „Beschleunigung unserer Selbstheiligung und dadurch Umgestaltung unseres Kongregationskapellchens in einen Wallfahrts- und Gnadenort.“

Auch innerhalb unserer Schönstattfamilie nehmen wir Schatten und Licht wahr. Die ersten sind viele, doch noch mehr sind die Knospen, die in einem neuen Frühling aufgehen. Das Liebesbündnis breitet sich in der Geographie Argentiniens aus. Es entstehen neue Bildstöcke und Pläne für zukünftige Heiligtümer, es entsteht neues religiöses und soziales Engagement. Eine große Zahl von Initiativen entsteht und verändert das Erscheinungsbild Schönstatts von einem „organisierten“ und strukturierten Schönstatt hin zu einem „Schönstatt im Herausgehen“. Jugend- und Familien-Misiones, Aktionen zur Unterstützung von Notleidenden, Bilder der Pilgernden Gottesmutter an den Peripherien der Gesellschaft drücken aus, dass wir nicht im Glashaus, nicht in der Vitrine sitzen bleiben, wie der Papst sagt, sondern uns die Hände schmutzig machen und herausgehen.

Das Bündnis – eine Antwort auf die soziale Frage

Das Bündnis soll Rückhalt dieser Initiativen sein und auch eine tiefgreifende Antwort auf die soziale Problematik. Es schenkt die Erfahrung  von Heimat und Nest für uns und viele andere. Alle haben das Recht auf eine Oase und ein stilles Plätzchen. Doch das Nest ist nicht zum ewigen Bleiben, sondern um von dort aus loszufliegen, um den anderen Erleichterung zu bringen. Wie in den mittelalterlichen Burgen suchen wir dort Rast und Heilung, aber wir rüsten uns auch, um herauszugehen und das Reich auszuweiten.

Was wir in Argentinien heute brauchen ist ein Netz, das alle hält. Ein Netz ist das Gegenteil des Risses. Ohne Netz sind wir allein, in der Luft, in Gefahr, ins Leere zu stürzen und uns sehr zu schaden. Die Knoten des Netzes sind die Bindungen, die  in Freiheit und Liebe geknüpft werden. Die Bindungen heilen und befreien. Weil wir mit diesem Netz rechnen, können wir wie Trapezkünstler springen und, wenn es notwendig ist, springen und neue Horizonte suchen und nie erstarren. Schönstatt ist gleichzeitig Nest und Netz.

„Geht und entzündet die Welt“

Das Bündnis ist unser Feuer: das Feuer erleuchtet und gibt Wärme, um Einsamkeit, Verwaistheit, Ängste, Kreuze, Leere zu überwinden. Wie die Israeliten in der Wüste, haben auch wir eine „Arche des Bundes“. Indem wir auf Maria, unsere „Arche des Bundes“, schauen, wird unser Pilgerweg durch das Leben erträglich: Wir sehen den Weg und stolpern nicht so viel. Trotz aller Irr- und Umwege, unserer Selbstanbetung und unserer Sünden, unserer Egoismen, werden wir heil im Blick auf die Arche und setzen alles auf diese eine Karte. Wir brauchen als Volk ein neues Feuer, eine neue Hoffnung: Jeder empfängt im Heiligtum die Fackel, mit der er andere mit dem Feuer der Liebe entzünden kann: „Geht und entzündet die Welt“.

Ich lade Sie alle ein, der Gottesmutter heute im Herzensheiligtum eine Rose zu schenken, die das ausdrückt. In diesem heiligen, Maria geweihten Raum gestaltet sie den neuen Menschen. Und auch wenn es schmerzt und viele etwas Angst bekommen, sagen wir Ja zu ihr, heute wie gestern und immer.

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer

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