Veröffentlicht am 2015-07-31 In Schönstätter

„Giovanni Bosco – Live for Youth“ – Ein Musical zum 200. Geburtstag von Don Bosco

ÖSTERREICH: Über das Leben von Don Bosco hat Musikschuldirektor Alois Lugitsch zum Text von Schw. Sylvia Steiger (Salesianerin) das Musical „Giovanni Bosco – Life For Youth“ komponiert, das im Rahmen der Musical-Festspiele Hartberg im Juli 2015 im Schlosshof Hartberg uraufgeführt wurde. Es ist das achte Musical, das vom Festspielensemble Hartberg unter der Leitung von Lugitsch in Hartberg inszeniert wird. Viele Stücke wurden schon bei Tourneen im In- und Ausland gespielt und machten das Ensemble somit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Aufführung des Don-Bosco-Musicals fand weit über Österreich hinaus eine starke Medienresonanz •

Pater Elmar Busse war bei einer der Aufführungen dabei und interviewte den Komponisten und Intendanten Alois Lugitsch, der mit seiner Frau zum Schönstatt-Familienbund gehört.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Musical über Don Bosco zu schreiben?

Mich hat Don Bosco schon als Schüler fasziniert. Ich habe von ihm im Religionsunterricht gehört und seine Biographie gelesen. Ich war fasziniert von seiner Art, wie er schon als junger Mensch sich schon für Gott eingesetzt hat und wirklich alle Mittel und Möglichkeiten ausgenutzt hat, um die Botschaft Gottes den Jugendlichen nahe zu bringen und zu vermitteln. Er war ja sehr sportlich und sehr geschickt. Er hat einen sehr weiten Weg auf sich genommen, um beim Gottesdienst dabei zu sein. Er hat den durch Dorf ziehenden Gauklern zugeschaut, sich ihre Tricks abgeschaut und dann so lange trainiert und gelernt, dass er es seinen Freunden im Dorf vorführen konnte. Im Anschluss daran hat er den Jungen die Predigt vom letzten Sonntag wiedergegeben und über Gott gesprochen. Das hat mich irrsinnig fasziniert – damals als Schüler schon.

Ich wollte immer schon ein Musical über Don Bosco schreiben. Nun tauchte am Horizont das Jubiläumsjahr seines 200. Geburtstages auf. Ich habe natürlich niemanden gehabt, der mir ein Drehbuch schreiben könnte. Die Drehbuchautoren, die ich von früheren Produktionen her kannte, kannten Don Bosco wieder zu wenig. So habe ich an alle Salesianer- und Salesianerinnen-Filialen im deutschsprachigen eine mail geschickt und angefragt, ob jemand ein Drehbuch für ein Don-Bosco-Musical schreiben könnte. Ich bekam von einer Salesianerin aus Tirol die Antwort, dass sie gerne ein solches Drehbuch schreiben würde. Schwester Sylvia Steiger, (*1966) ist seit 23 Jahren Don Bosco Schwester und arbeitet im Kinder- und Jugendhaus Stams.

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Wie wurde aus dem Traum ein Projekt?

Mir war wichtig, dass dieses Musical nicht nur die Geschichte Don Boscos erzählt, sondern dass der Bezug zum Heute sichtbar wird und vermittelbar wird, dass der Geist Don Boscos heute noch lebendig ist. Mir kam dann die Idee, dass man damit beginnt, dass Salesianer, die heute in Wien als street-worker arbeiten, auf die Bühne kommen. Es sollte wirklich ein österreichisches Don-Bosco-Musical und kein italienisches werden. Ein obdachloser Gitarrist und sich bekämpfende Jugendbanden malen ein Bild von den Rändern der Gesellschaft in Wien. Die Parallelen zu den Verhältnissen vor 150 Jahren in Turin, in denen Don Bosco den Anruf Gottes und seine persönliche Berufung entdeckt, sind choreographisch gut umgesetzt in den Tänzen der jungen Männer heute und vor 150 Jahren.

Viele Originalzitate von Don Bosco kommen im Musical vor. Mein Lieblingssatz von Don Bosco lautet: „Träum nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!“ Es ist aber nicht nur ein Lieblingszitat sondern auch ein Leitspruch für mein Leben geworden. Im Musical taucht Don Bosco gleich als Priester auf, erst in einer späteren Szene wird zurückgegriffen auf den Traum des 9jährigen Giovanni, der ein erstes Anzeichen seiner späteren Berufung darstellt.

Die Anfänge der Salesianerinnen mussten natürlich auch vorkommen:
Don Bosco besucht mit seinen Buben Mornese und trifft Maria Mazzarello und ihre Freundinnen. Die couragierten Freundinnen sind überrascht über die kühne Idee Don Boscos einen eigenen Orden zu gründen, aber er kann sie dafür gewinnen.

Sehr eindrücklich ist auch die Szene, in der sich die ersten Jungen, die er von der Straße auflas, entscheiden, bei dem neuen Orden mitzumachen.

Der parallele Handlungsstrang aus dem heutigen Wien endet dann damit, dass der obdachlose Gitarrist mit seinen Freunden eine Band im Jugendzentrum der Salesianer gründen kann und er endlich die Chance bekommt, beim großen Jugendfest auf der Bühne zu stehen und zu spielen. – Das große Anliegen Don Boscos, die Talente der Jugendlichen zu entdecken, zu fördern und ihr Selbstwertgefühl zu stärken, kommt darin exemplarisch zum Ausdruck.

Wie konnten Sie so viele Darsteller und Darstellerinnen gewinnen? Neben den Musikern treten ja ca. 80 Jugendliche und Kinder auf.

Wir haben seit 1999 ein Ensemble für die bisherigen Musical-Produktionen. Einige aus der Anfangszeit sind noch dabei. Mir geht es ja bei den Aufführungen nicht nur um zweckfreie anspruchsvolle Kunst, sondern ich möchte eine Botschaft vermitteln, ich möchte Werte zum Leuchten bringen. Und daran mitzuwirken – dafür kann ich jugendliche Herzen leicht gewinnen. Das sage ich im Vorfeld auch meinen Interpreten, dass es um ein religiöses Musical geht und dass sie sich mit dieser Thematik befassen sollen, damit sie glaubhaft ihre Rolle im Stück spielen können. Zum Workshop hatten sich 40 neue angemeldet, von denen habe ich dann 20 zu dem bestehenden Ensemble dazu genommen –auch viele ganz junge, also 13- und 14jährige.

Als Musikschuldirektor der Bezirksstadt Hartberg mit ca 7000 Einwohnern kenne ich natürlich viele Schülerinnen und Schüler. Und dann kann ich die ansprechen, die gut singen können.

Zum Team gehören seit Jahren professionelle Choreographinnen, eine Maskenbildnerin, eine Regisseurin. In den vielen Tänzen des Musicals stecken viele Stunden geduldiger Probenarbeit mit den Jugendlichen. Die Soloauftritte der wenigen Profitänzerinnen und Tänzer sind natürlich Highlights, aber das Stück lebt von den Darbietungen der vielen Amateure. Viele Burschen hatten vorher noch nie auf einer Bühne getanzt.

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Sie haben sich vor der Aufführung bei den vielen Sponsoren bedankt. Wie konnten Sie überhaupt solche gewinnen?

Es ist natürlich eine irrsinnige Knochenarbeit, Sponsoren zu gewinnen. Vor allem die Zuschüsse seitens der Kulturabteilungen der Behörden fließen ja nur, wenn endlos viele Formulare ausgefüllt werden, Besuche und Telefonate mit Entscheidungsträgern in der Landeshauptstadt Graz sind einfach notwendig.

Bei den privaten Sponsoren gibt es aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit hier in Hartberg ca. 50 Firmen, die die Werbewirksamkeit der Unterstützung von Kulturprojekten auf lokaler Ebene durchaus erkannt haben. Manchmal geht es auch gar nicht so sehr um Geldspenden, sondern auch um Sachspenden oder Dienstleistungen, die zusammen erst eine solche Serie von open-air-Aufführungen möglich machen. Und meine Qualitätsansprüche an die Aufführung sind hoch. Im Laufe der Jahre hat sich Hartberg einen Namen gemacht, und das wissen die ortsansässigen Firmen zu schätzen. – Trotzdem bleibt es schwer.

Haben Sie auch Rückmeldungen von Mitwirkenden bekommen, was diese Geschichte und diese Texte mit ihnen gemacht haben?

In der Karwoche hatten wir eine Pressekonferenz mit dem Salesianerpater Osanger, der über das Leben Don Boscos referiert hatte. Auch viele der Darsteller des Musicals waren auf dieser Pressekonferenz. Der 15jährige Darsteller des Michael Magone erzählte daraufhin während der Ostertage in seiner ganzen Verwandtschaft, wie toll dieser Don Bosco sei. Auch der Don Bosco-Darsteller selbst meinte einmal, dass diese inneren Dialoge, die er als Schauspieler mit Don Bosco geführt hätte, ihn unwahrscheinlich weitergebracht hätten. Manche Maxime Don Boscos hat er verinnerlicht.

Ihr Musical „Jakob“ hatten Sie 2005 auf dem Weltjugendtag in Köln zweimal aufgeführt. Was für Zukunftspläne haben sie mit „Giovanni Bosco“?

2016 werden wir sicher mit dem Musical auf Tournee gehen im deutschsprachigen Raum. Es gibt auch schon erste Überlegungen, z.B. die Salesianer in München wollen auf jeden Fall das Stück dort aufführen. Nach der Premiere gab es Anfragen aus Südtirol, aus Tirol, aus der Steiermark. Aber ansonsten gibt es bis jetzt wenig konkrete Pläne.

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