Veröffentlicht am 9. März 2020 In Laien und Familie

Uns nicht mit einer Kirche der Wenigen abfinden

INTERVIEW mit Lucia Abril und Javi Nieves, Institut der Schönstattfamilien, Spanien •

 „Es ist Zeit für euch, Männer und Frauen, die ihr in der Welt der Kultur, der Politik, der Industrie engagiert seid, dass ihr mit eurer Lebensweise die Neuheit und die Freude des Evangeliums überall hinbringt“, so lesen wir in der Botschaft von Papst Franziskus, die er über Kardinal Ricardo Blázquez Pérez, Präsident der spanischen Bischofskonferenz, an den Nationalen Laienkongress schickte, der vom 14. bis 16. Februar in Madrid (Spanien) stattfand mit dem Thema: „Volk Gottes im Herausgehen“. Seine Botschaft an den Kongress, an dem etwa 16 Schönstätter aus Spanien teilnahmen, geht in die gleiche Richtung wie die Rede vom 25. Januar an die römische Rota, die uns seit einiger Zeit bewegt und einen bereichernden Austausch hervorruft.

Einer der Redner auf dem Laienkongress in Madrid war Javi Nieves, ein Journalist des COPE-Netzwerks, der uns beim Relaunch von schoenstatt.org im Jahr 2015 beraten hat; zusammen mit seiner Frau Lucia Abril, Mitglieder des Instituts der Schönstattfamilien. Wir sind sehr dankbar, dass wir beide über einige Themen der Rede von Papst Francisco, die Rolle der Laien und die Rolle der Ehepaare in der heutigen Pastoral und darüber, was der Heilige Geist in diesen Tagen im Volk Gottes erweckt, interviewen konnten.

 

Javi Nieves (rechts) auf dem Nationalen Laienkongress in Madrid, Spanien, 16.02.2020

Papst Franziskus hat (in seiner Ansprache an die römische Rota) erneut die Bedeutung der „Pastoralarbeit im Katechumenat vor und nach der Eheschließung“ betont. Dabei fordert er, dass Ehepaare diese Aufgabe übernehmen. Wie ist Ihre Erfahrung? Ist die Verantwortung der Ehepaare für die Ehevorbereitung in Ihrem Umfeld eher etwas Gewöhnliches oder noch etwas Einzigartiges oder Ungewöhnliches?

Wir sind völlig damit einverstanden, dass es notwendig ist, dass Ehepaare die Verantwortung für diese Pastoral übernehmen. In Schönstatt haben die Ehepaare dank Gott eine große Präsenz, und es ist sehr üblich, dass sie in der Ehevorbereitung wie auch mit jungen Ehepaaren arbeiten. In unserer Gemeinde finden wir auch viele Paare, die in diesen beiden Bereichen arbeiten.

Wie reagieren Brautpaare oder junge Ehepaare auf die Begleitung eines oder mehrerer Ehepaare in der (vor-)ehelichen Seelsorge?

Die Tatsache, dass Ehepaare die Gruppen für verlobte Paare oder junge Ehepaare übernehmen können, ist etwas sehr Bereicherndes. Unsere Erfahrung war in diesem Sinne wunderbar, denn sie bietet eine sehr reale Vision der Ehe und hilft ihnen, das Gefühl zu haben, dass sie in ihrer Ehe wirklich glücklich sein können. Es ist eine Realität, dass die Ehe heutzutage sehr verzerrt ist, und es ist sehr anregend, glückliche Paare zu treffen, die zusammen glücklich sind und es verstanden haben, Schwierigkeiten durch Liebe zu überwinden.

In seiner Ansprache an die römische Rota sagt der Heilige Vater, ausgehend vom Beispiel des Ehepaares Priscilla und Aquila, die Ehepaare,  „die der Heilige Geist gewiss auch weiterhin beseelt, müssen bereit sein, »aus sich selbst herauszukommen und sich gegenüber den anderen zu öffnen, die Nähe zu leben, den Stil des Zusammenlebens, der jede zwischenmenschliche Beziehung in eine Erfahrung von Brüderlichkeit verwandelt«. „Wie wird diese Haltung in der apostolischen Arbeit, die Sie als Ehepaar leisten, erlebt und gelebt?

Wir denken, dass unser Apostolat in unserer Familie beginnt. Und von dort aus gehen wir in die Welt hinaus, um Zeugnis zu geben, um diese Erfahrung der Familie weiterzugeben, die Gott uns gegeben hat. Manchmal ist es schwierig, „aus sich herauszugehen und sich anderen zu öffnen“, aber die Wahrheit ist, dass wir diesen Schatz, den Gott uns gegeben hat, nicht allein für uns behalten können! Wir sind nicht so die Vortragstypen, es fällt uns schwer, die Größe der Liebe Gottes in Worte zu fassen. Aber wir glauben, dass die Welt am besten durch das Apostolat des Seins überzeugt werden kann, indem wir versuchen, anderen nahe zu sein, uns anderen zu schenken, wo immer wir sind, ob bei der Arbeit, in der Pfarrei, in der Bewegung… wo immer Gott uns hinführen will.

Manchmal ist es eine sehr anspruchsvolle Arbeit, denn sie bedeutet einen großen „Entfaltungsraum“ (Arbeit, Familie, Gemeinde, Gruppe…) und ständige Bewegung und Arbeit. In diesen Momenten muss unsere Vereinigung mit Gott, unser geistliches Leben, am intensivsten sein, um nicht in sinnlosen Aktivismus zu verfallen, um die Arbeit mit Leben zu erfüllen und alles, was er uns anvertraut hat (große Aufgaben auf schwachen Schultern), in seine Hände zu legen.

„Die Kirche ist gesandt, das Evangelium auf die Straßen zu tragen und menschliche und existentielle Randgebiete zu erreichen. Sie lässt uns an die neutestamentlichen Eheleute Aquila und Priscilla denken“, sagt Franziskus den Bischöfen und Priestern. Aus Ihrer Erfahrung: Warum und wie können Paare das Evangelium besser auf die Straße bringen als andere? Warum und wie erreichen Ehepaare die menschlichen Peripherien besser?

Wir müssen diese Herausforderung annehmen, wir müssen die ganze Welt erreichen! Manchmal fühlen wir uns in unserer Gruppe oder unter „unseren Leuten“ sehr wohl, aber wir können dort nicht bleiben. Wir müssen auf das Leben jenseits unserer unmittelbaren Welt setzen. Wir glauben, dass wir uns in den Dienst der Pfarreien stellen müssen, dass wir immer einen klaren und barmherzigen Blick auf den anderen haben müssen, dass er sich von seiner Realität geliebt und willkommen fühlt. Wir Paare haben es leichter, weil wir mit unserem Partner bereits die Erfahrung der bedingungslosen Liebe gemacht haben. Die Familie ist in diesem Sinne eine Schule der Liebe, indem sie den anderen in seiner Originalität aufnimmt und ihn mit allem, was er ist, liebt.

Ehepaare in Bewegung, das „ist es, was unserer Pfarrgemeinden bräuchten, vor allem in den städtischen Gebieten, in denen der Pfarrer und seine Mitarbeiter im geistlichen Amt nie die Zeit und die Kraft haben werden, Gläubige zu erreichen, die sich zwar als Christen bezeichnen, aber den Sakramenten fernbleiben und Christus nicht kennen oder fast nicht kennen“, sagt Franziskus. Was sind Ihre Erfahrungen in diesem Bereich?

Unsere Erfahrung ist, dass die Pfarrer in ihrer Arbeit in den Pfarreien sehr allein sind. Sie brauchen uns, um alles und jeden erreichen zu können. In unserer früheren Pfarrei war der Pfarrer für mehrere Pfarreien zuständig. Der arme Mann tat, was er konnte, aber die Realität war, dass er die Laien brauchte, um ihm bei der Katechese, bei den Ehevorbereitungsgruppen, als Kommunionhelfer… brauchte, und um andere Laien zum Engangement zu ermutigen und zu stärken, um zu schauen, ob es da Menschen gab, die ihre Zeit und ihre Liebe einbringen würden; also es ging darum, sie zu bewegen, sie anzuregen, wirklich aktiv zu werden. Viele wussten nicht, dass sie das dürfen und dass sie es können. Auch in unserer jetzigen Pfarrei haben wir das Bedürfnis, für das da zu sein, was auch immer benötigt wird.

Welcher andere Aspekt der Rede lässt Sie über ihre Arbeit nachdenken, im Sinne von Bestätigung oder Herausforderung?

Uns bewegt uns die folgende Aussage dazu, uns in Gottes Hände zu begeben und dem Wirken des Heiligen Geistes gefügig zu sein:

Der Geist möge uns deshalb erneuern, damit wir uns nicht mit einer Kirche der Wenigen abfinden, gleichsam als wolle man lieber isolierter Sauerteig bleiben, ohne jene Fähigkeit der Eheleute des Neuen Testaments, sich in Demut und im Gehorsam gegenüber dem Heiligen Geist zu mehren. Der Geist, der erleuchtet und in der Lage ist, all unser menschliches Wirken und auch unsere Armut heilbringend zu machen, ist in der Lage, all unser Wirken heilbringend zu machen; wobei wir auch weiterhin überzeugt sind, dass die Kirche nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung wächst – das Zeugnis dieser Menschen ist anziehend – und immer und über­all das Siegel des Zeugnisses gewährleistet..“

 

Original:Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 

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