Veröffentlicht am 2016-03-27 In Franziskus - Initiativen und Gesten

Eine Geste des Friedens

FRANZISKUS IN ROM •

Papst Franziskus hat sich am Gründonnerstagnachmittag  nach Castelnuovo di Porto, etwa 30 Kilometer nördlich von Rom begeben, um dort im Aufnahmezentrum für Asylsuchende („Centro di accoglienza per richiedenti asilo“, abgekürzt CARA) mit jungen Flüchtlingen die Messe in coena Domini  zu feiern. Zur Zeit leben dort etwa 900 Flüchtlinge. Im Laufe der Feier hat der Papst auch die Fußwaschung bei elf Flüchtlingen und einer italienischen Mitarbeiterin des Zentrums vorgenommen.

Die Geste solle, erläuterte Msgr. Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung, auf die Situation der Schwachen aufmerksam machen und ihre Würde wiederherstellen. Die Mehrheit der jungen Flüchtlinge sind nicht katholischen Glaubens. Die Fußwaschung wird damit zu einer Geste des Friedens und Respekts.

Drei Moslems, ein Hindu, drei koptische Christen und fünf Katholiken waren ausgewählt worden für diese Geste. Eigentlich waren es dreizehn, denn eine junge Frau hielt während der Fußwaschung ihr Baby im Arm …

Als Geschenk hatte Papst Franziskus schon am Morgen 200 große Ostereier, ein Schachbrett und handsignierte Fuß- und Baseballbälle überbringen lassen.

Die Messe wurde im Hof des Auffanglagers gefeiert; unter den Teilnehmern auch zwei moslemische Geistliche, die sich um die Flüchtlinge in diesem Lager kümmern.

In seiner spontanen Predigt betonte Papst Franziskus zwei Gesten: Jesus dient, er, der eigentlich der Chef ist, wäscht den Seinen, den Kleinsten, die Füße. Und dann die Geste der Feinde Jesu, derer, die keinen Frieden wollen und die ihn für Geld verraten.

Auch heute gebe es diese beiden Gesten: Da seien wir alle, Moslems, Hindus, Katholiken, Kopten, Protestanten als Brüder und Schwestern, als Kinder des einen Gottes, mit dem Wunsch, in Frieden zu leben. Das sei die eine Geste. Und dann gebe es Tag für Tag Gesten des Krieges, der Zerstörung, wie gerade jetzt „in einer Stadt in Europa“, Gesten von Menschen, die nicht in Frieden leben wollten.

Hinter diesen Gesten seien wie damals hinter Judas jene, die Geld dafür gegeben hätten, dass Jesus ausgeliefert würde, heute die Waffenhändler, die Blut wollten statt Frieden und Krieg statt Brüderlichkeit.

Beim Abschied begrüßte Papst Franziskus jeden der 892 Menschen in diesem Zentrum und rief erneut dazu auf, als Brüder und Schwestern zu leben:

„Jetzt möchte ich jeden einzelnen von euch grüßen und danke euch aus ganzem Herzen. Und denken wir nur daran und lassen die Welt sehen, wie es ist, als Brüder und Schwestern zu leben, mit verschiedenen Religionen und Traditionen – doch wir sind alle Brüder und Schwestern. Und das hat einen Namen: Frieden und Liebe. Danke!“

 

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Text der Predigt (Übersetzung nach Zenit)

Gesten sagen mehr als Bilder und Worte… Gesten. Es gibt, in diesem Wort Gottes, das wir gelesen haben, zwei Gesten: Jesus, der dient, der die Füße wäscht… Er, der das „Haupt“ war, wäscht den anderen die Füße, den Seinen, den Geringsten. Eine Geste… Die zweite Geste: Judas, der zu den Feinden Jesu geht, zu denen, die keinen Frieden mit Jesus wollen, um das Geld zu holen, für das er ihn verraten hat, die 30 Münzen. Zwei Gesten. Auch heute gibt es zwei Gesten: diese, wir alle zusammen, Muslime, Hindus, Katholiken, Kopten, Evangelische Christen, aber Geschwister, Kinder desselben Gottes, die in Frieden leben wollen, integriert. Eine Geste. Vor drei Tagen, eine Geste des Krieges, der Zerstörung in einer Stadt Europas, von Menschen, die nicht in Frieden leben wollen. Aber hinter dieser Geste, wie hinter Judas, gab es Andere.

Hinter Judas gab es die, die ihm das Geld gegeben hatten, damit er Jesus auslieferte. Hinter „dieser“ Geste gibt es die Waffenhersteller und -händler, die das Blut wollen, nicht den Frieden; die den Krieg wollen, nicht die Brüderlichkeit. Zwei Gesten sind es, dieselben: Jesus wäscht die Füße, Judas verkauft Jesus für Geld. Ihr, wir alle zusammen, verschiedene Religionen, verschiedene Kulturen, aber Kinder desselben Gottes, Geschwister. Und dort die Armseligen, die Waffen kaufen um die Brüderlichkeit zu zerstören.

Heute, im selben Augenblick, wenn ich dieselbe Geste Jesu tun und euch Zwölf die Füße waschen werde, werden wir alle die Geste der Brüderlichkeit tun und gemeinsam sagen: Wir sind verschieden, wir sind anders, wir haben verschiedene Kulturen und Religionen, aber wir sind Geschwister und wollen in Frieden leben.

Und dies ist die Geste, die ich tun werde mit euch. Jeder von uns hat eine Geschichte, jeder von euch hat eine Geschichte. So viele Kreuze, so viele Schmerzen, aber auch ein offenes Herz, das Brüderlichkeit will. Jeder von euch, in seiner religiösen Sprache, bete zum Herrn, dass diese Brüderlichkeit die Welt anstecken möge, dass es in Zukunft die 30 Münzen nicht mehr gibt, um derentwillen man seinen Bruder tötet, damit es immer Brüderlichkeit und Güte gibt. Amen.

Quellen: VIS/Aica/RV

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