Sinodo

Veröffentlicht am 2021-09-16 In Kirche - Franziskus - Bewegungen, Synodale Kirche

Dienst und Apostolat des Zuhörens

Für eine synodale Kirche – Überlegungen im Bündnis, Lena Castro Valente •

Am 7. September wurde das Vorbereitungsdokument für die XVI. Außerordentliche Versammlung der nächsten Bischofssynode veröffentlicht: „Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“, deren Zehn-Punkte-Katalog (Themenfelder) für das Leben der Pfarreien, für das Leben der Bewegungen – in unserem Fall Schönstatts -, für unser persönliches Leben, in den verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Arbeit, Ausbildung… -, in die wir uns einfügen können, gelten kann und soll, damit wir „gemeinsam gehen“ und helfen können, eine synodale Kirche zu bauen, die tief verwurzelt und inkulturiert ist in der menschlichen Realität der Welt, in der wir leben.

Von den zehn Themenfeldern ist mir am meisten das Hören aufgefallen, das Hören sowohl auf Gott, „…das Ohr am Herzen Gottes“, als auch das Hören auf den „anderen“. Vielleicht wegen der immensen Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, zumindest für mich, und weil es für den Weg der Synodalität notwendig ist.

III. Im Hören auf die Heilige Schrift
Der Geist Gottes, der dieses „gemeinsame Gehen“ der Kirchen erleuchtet und lebendig macht, ist der gleiche Geist, der auch in der Sendung Jesu wirkt, und den Aposteln sowie den Generationen der Jünger verheißen wird, die das Wort Gottes hören und es befolgen. Gemäß der Verheißung des Herrn beschränkt sich der Geist nicht darauf, die Kontinuität des Evangeliums Jesu zu bestätigen, sondern vertieft das Verständnis seiner Offenbarung und inspiriert die notwendigen Entscheidungen, um den Weg der Kirche zu unterstützen (vgl. Joh 14,25-26; 15,26-27; 16,12-15).

Daher ist es angemessen, dass unser Weg des Aufbaus einer synodalen Kirche von zwei Bildern der Schrift inspiriert wird. Eines tritt in der Darstellung der „Gemeinschaftsszene“ hervor, welche beständig den Weg der Evangelisierung begleitet; das andere bezieht sich auf die Erfahrung des Geistes, in welcher Petrus und die Urgemeinschaft das Risiko erkennen, das entsteht, wenn man ungerechtfertigte Grenzen für die Mitteilung des Glaubens zieht. Die synodale Erfahrung des „gemeinsamen Gehens“ in der Nachfolge des Herrn und im Gehorsam gegenüber dem Geist kann von diesen beiden Ereignissen der Offenbarung eine entscheidende Anregung empfangen.

Hunger nach dem Hören auf das Wort Gottes – das Liebesbündnis in einem vertikalen Sinn

Siehe, es kommen Tage / – Spruch GOTTES, des Herrn -, da schicke ich Hunger ins Land, / nicht Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, / sondern danach, die Worte des HERRN zu hören (Amos 8,11).

Auf Gott hören durch seine Andeutungen in den Ereignissen unseres Lebens, im Leben der Welt um uns herum und im Wort der Heiligen Schrift, in dem er sich uns offenbart. Der Hunger und Durst, das Wort Gottes zu hören, ist grundlegend für den Aufbau einer festen, aufrechten, aufmerksamen und mitfühlenden Persönlichkeit, die sich dem „anderen“ zur Verfügung stellen will, um ihm zuzuhören. Dieses Hören auf Gott ermöglicht es uns, in eine übernatürliche Wirklichkeit „einzutreten“, die über uns hinausgeht, aber nicht unerreichbar ist. Sie ermöglicht es uns, uns „über“ die Welt zu erheben, um sie besser zu verstehen und mehr zu lieben und uns so der Perspektive Gottes zu nähern. Es ist die Abstimmung der „Antennen“ der Seele auf die „Wellenfrequenz“, auf der Gott sich „Gehör“ verschafft. Sie erfordert Glauben, Ausdauer und Demut. Wenn ich Gott „einfangen“ und seine Pläne in die Tat umsetzen kann, werde ich auch in der Lage sein, den „anderen“ zu lieben und zu verstehen und ihn in mein Herz aufzunehmen. Dies ist ein Apostolat. Victor Hugo, der berühmte Schriftsteller, sagte in einem Brief an seine Tochter Léopoldine: „Meine Tochter, wenn du betest, mache eine Reise durch das Elend der Welt“, was soviel bedeutet wie: führe alle zum Herzen Gottes. Wir Schönstätter haben ein grundlegendes „Werkzeug“, das uns erlaubt, uns in dieser Dimension selbst zu erziehen – das Liebesbündnis – hier verstanden in seinem vertikalen Aspekt, das heißt, es drückt unser Bündnis mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist aus und sichert es ab.

II. ZUHÖREN

Das Zuhören ist der erste Schritt. Es erfordert aber, ohne Vorurteile, offenen Geistes und Herzens zu sein.
Wem gegenüber hat Ihre Teilkirche eine „Bringschuld des Zuhörens“?
Wie wird den Laien, besonders den Jugendlichen und den Frauen, zugehört?
Wie wird der Beitrag der gottgeweihten Frauen und Männer integriert?
Welchen Raum hat die Stimme der Minderheiten, der Ausgestoßenen und der Ausgeschlossenen?
Gelingt es, Vorurteile und Stereotypen zu identifizieren, die das Zuhören behindern?
Wie wird auf den sozialen und kulturellen Kontext gehört, in dem Sie leben?

Dem anderen zuhören – das Liebesbündnis in einem horizontalen Sinn

„Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; denn der Zorn eines Mannes schafft keine Gerechtigkeit vor Gott“ (Jakobus 1,19-20).

Dem „Anderen“ zuzuhören ist nur möglich, wenn man wirklich mit Gott verbunden ist, denn dies führt dazu, dass wir unser „Ego“ mit seinen Vorurteilen, seiner Weltsicht, seinem Wunsch, sich durchzusetzen, zu „glänzen“, abstreifen, indem wir versuchen, uns abzuheben, anstatt denjenigen, dem wir zuhören, wertzuschätzen. Zuhören ist mehr als nur Hören, es erfordert die völlige Hingabe des ganzen Wesens des Zuhörers an denjenigen, dem zugehört wird, es erfordert die völlige Hingabe an den „Anderen“, als gäbe es nichts anderes auf der Welt als den „Anderen“ und seine Erfahrungen. Zuhören, ohne zu urteilen, versuchen, den anderen in seinen verschiedenen Dimensionen und Umständen zu verstehen, im Grunde versuchen, „Gottes Transparent“ zu sein, indem man seine allumfassende und barmherzige Liebe einsetzt, die den „anderen“ aufwertet und veredelt. Dies ist ein Dienst. Jemand hat einmal gesagt, dass es Kurse gibt, in denen man sprechen lernt, aber keine, in denen man zuhören lernt. In Schönstatt ist das Liebesbündnis, hier im horizontalen Sinn verstanden, das uns dazu führt, mit dem „Anderen“ Brüder und Schwestern zu werden in einer Dimension der Liebe, die nicht auf die Ausgrenzung von Unterschieden, sondern auf die Veredelung dieser Unterschiede ausgerichtet ist, ein hervorragender „Kurs“ für diesen „gemeinsamen Weg“ beim Aufbau einer synodalen Kirche und einer gerechteren und ausgewogeneren Welt.

Wir konnten besonders fünf strategische Bereiche ausmachen, auf die wir uns in dieser geschichtlichen Stunde mit unserem apostolischen Tun konzentrieren wollen und die wir weiterentwickeln möchten. (…)

Wir möchten unsere ganze Familie anregen, in der Vorbereitung auf die Hundertjahrfeier und darüber hinaus, für apostolische Initiativen in diesen besonders betonten Feldern konkrete Anwendungen zu suchen und unseren Einsatz weiter zu entfalten. (Botschaft der „Konferenz 2014“).

Wenn wir unserem Liebesbündnis, das in seinen beiden Dimensionen verstanden wird, treu sind, indem wir uns bemühen, es in allen Umständen unseres Lebens in die Praxis umzusetzen, werden wir Zeugnis ablegen, die Mission erfüllen und in der Synodalität leben!


SínodoVorbereitungsdokument der Synode über Synodalität

Dokument als PDF

„Vademecum“ – Handbuch zur Vorbereitung, jetzt auch auf Deutsch

Offizielle Webseite zur Synode (ES, IT, EN) 

Audio – in deutscher Sprache gelesen

 

Original: Portugiesisch, 14.09.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 


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