Authority and Responsibilities of Governance in Lay Aggregations

Veröffentlicht am 2021-09-17 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

Regieren als Dienst

VATIKAN, Dikasterium für Laien, Familie und Leben

Für den 16. September 2021 hatte das Dikasterium für Laien, Familie und Leben die Vorsitzenden, Präsidenten und internationalen Verantwortlichen aller kirchlichen Bewegungen, neuen Gemeinschaften und Vereinigungen, die vom Heiligen Stuhl anerkannt oder errichtet wurden, eingeladen, um über das Thema „Die Verantwortung der Leitung in den Laienvereinigungen. Ein kirchlicher Dienst“. —

Im Mittelpunkt des Tages stand die eingehende Prüfung der im Generaldekret „Die internationalen Vereinigungen der Gläubigen“ enthaltenen Themen mit dem Ziel, gemeinsam über die Ausübung der Autorität in den Laienvereinigungen nachzudenken.

Das Symposium, das wegen der Pandemie teilweise per Videokonferenz verfolgt wurde, fand in der Neuen Synodenhalle statt. Es nahmen etwa 300 Personen teil, die in ihren verschiedenen Funktionen Leitungsaufgaben in den Laienvereinigungen wahrnehmen, sowie einige Mitglieder und Berater des Dikasteriums.

Papst Franziskus: Schluss mit dem „Verlangen nach Macht“ und der „Anmaßung, die einzigen Interpreten des Charismas zu sein“

Zur großen Überraschung aller betrat der Heilige Vater um 10.00 Uhr den Saal und richtete eine herzliche Botschaft an alle Anwesenden und an die per Videokonferenz zugeschalteten Teilnehmer. Der Papst bedankte sich zunächst bei den in der Halle vertretenen Institutionen für das evangelische Zeugnis, das sie in den verschiedenen Situationen des Alltagslebens ablegen.

Dann wies der Heilige Vater in seinen Überlegungen zum Thema „Regieren als Dienst“ die Teilnehmer auf zwei Hindernisse hin, die beim Regieren auftreten können: Das „Verlangen nach Macht“, das sich in dem „Wunsch, überall zu sein“ äußert, das jede Form der Subsidiarität untergräbt und diejenigen, die regieren, glauben lässt, dass sie über alle Aspekte des Lebens der Vereinigung und der Menschen, die zu ihr gehören, entscheiden können; und die „Illoyalität“, die typisch für diejenigen ist, die annehmen, dass sie die einzigen Interpreten des Charismas sind und unter dem Vorwand, dem Herrn dienen zu wollen, nur sich selbst dienen. Deshalb, so der Heilige Vater weiter, müssen wir, um eine Rolle in der Leitung zu übernehmen, lernen, uns als „unnütze Knechte“ (Lk 17,10) zu betrachten, um demütig und fügsam gegenüber dem Willen Gottes zu bleiben, so wie Jesus es uns gezeigt hat, als er den Jüngern die Füße wusch.

Der Übergang vom Charisma des Gründers zum kollektiven Charisma

Als der Heilige Vater den Saal verließ, eröffnete der Präfekt des Dikasteriums, Kard. Farrell, die Sitzung, indem er sofort den „Dienst“ als den grundlegenden und unverzichtbaren Aspekt der Ausübung der Leitung in den kirchlichen Realitäten bezeichnete: den Dienst an der Person, am Charisma und an der Sendung der Kirche. Außerdem, so betonte Farrell, kann dieser Dienst nur in seiner kirchlichen Dimension verstanden werden. In diesem Zusammenhang ging er auf die Beziehung zwischen der Leitung der Vereinigung und der kirchlichen Autorität ein und verwies auf die untrennbare und providentielle Beziehung, die zwischen den charismatischen und hierarchischen Gaben besteht.

Anschließend ergriff Matteo Visioli, Untersekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, das Wort. Er konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die theologisch-ekklesiologische Grundlage des Konzepts der Autorität in der Kirche und hob ihr relationales Paradigma hervor. Anschließend formulierte er einige Konsequenzen für die Ausübung der kirchlichen Autorität, insbesondere deren Risiken.

Am Nachmittag gliederte Linda Ghisoni, Unterstaatssekretärin für Laien, ihren Vortrag in drei Teile: Nach einem Überblick über die kirchlichen Realitäten, die vom Dekret, dem Schwerpunkt des Treffens, betroffen sind, untersuchte sie den Übergang vom Charisma des Gründers zum kollektiven Charisma. In diesem Zusammenhang war die von Frau Ghisoni getroffene Unterscheidung zwischen den Charismen oder persönlichen Gaben des Gründers und dem wesentlichen Kern des Gründungscharismas, das dazu bestimmt ist, kollektiv zu werden und von dem niemand allein weder Siegel- noch Eigentumsrecht hat, grundlegend. Angesichts dieser Unterscheidung ist es klar, dass jede Personalisierung den Versuch beinhaltet, sich eine Gabe anzueignen, die von ihrem Ursprung her für die Gemeinschaft bestimmt ist. Im letzten Teil des Vortrags gab die Untersekretärin des Dikasteriums schließlich einige praktische Hinweise zur Umsetzung des Regierungsauftrags und der vom Generaldekret geforderten Repräsentativität.

Bewegende Zeugnisse

Anschließend gaben Eliana und Paolo Maino, Gründer der Gemeinschaft Via Pacis, und Don Stefano Aragno, Vizepräsident der Gemeinschaft Cenacolo, ihre Zeugnisse ab.

Als erster ergriff Paolo Maino das Wort, der nach 40 Jahren an der Spitze der Gemeinschaft, die er zusammen mit seiner Frau und Don Domenico Pincelli gegründet hatte, erklärte, wie er zu dem Entschluss kam, den Vorsitz niederzulegen, eine Entscheidung, die für einen jungen Gründer sicherlich nicht üblich ist. Doch als er in der Gegenwart Gottes nachdachte, erkannte Paolo zusammen mit Eliana, dass der Herr etwas anderes von ihm wollte: „Der Rücktritt war notwendig für die Zukunft der Gemeinschaft“. Heute fragen sich Paolo und Eliana, ob diese Entscheidung „vielleicht ein Wendepunkt war, den Gott zugelassen hat, um eine Verbesserung der Gemeinschaft selbst zu bewirken“.

Dann kam der Beitrag von Don Aragno, der besonders bewegend war. Er beschrieb die Erfahrung des „Weggehens“ aus einem ganz anderen Blickwinkel, denn es ist er, der die Gründerin, Mutter Elvira, in der Leitung der Gemeinschaft Cenacolo ersetzt. Don Aragno erzählte uns, wie der „Rücktritt“ von Mutter Elvira ein größeres Bewusstsein für den wahren Protagonisten der Geschichte der Cenacolo-Gemeinschaft geschaffen hat: den Heiligen Geist, die Quelle des Charismas und den einzigen Gründer. Dieses Bewusstsein, so Don Aragno, reifte gerade aus jener klugen „Loslösung“ von der Persönlichkeit der Gründerin, die allen Mitgliedern, vor allem denen, die von Anfang an dabei waren, das von Gott durch sie empfangene Gnadengeschenk bewusster machte und ein erneuertes und authentischeres „Ja“ zu dem Werk förderte, zu dem der Herr sie berufen hatte.

Das Mittagessen, das im Atrium der Halle Paul VI. serviert wurde, war auch eine wertvolle Gelegenheit zum Austausch, zur Begegnung und zur Förderung des Dialogs zwischen den Verantwortlichen der Vereinigungen und Bewegungen und den Beamten und Oberen des Dikasteriums.

Der Rest des Tages war den Fragen und Beiträgen der Teilnehmer gewidmet.

Zum Abschluss des Tages ließ Kard. Farrell die Höhepunkte des Tages noch einmal Revue passieren und betonte die Bedeutung der Ausbildung für alle und auf allen Ebenen, sowohl in der Leitung als auch im Dienst. Zweifellos war es ein sehr intensiver und bereichernder Tag, ausgehend von den Worten des Heiligen Vaters und dank eines offenen Austauschs über die Herausforderungen und Erwartungen, die allen Bewegungen und Vereinigungen im Dienst an der Kirche gemeinsam sind.


Quelle: http://www.laityfamilylife.va

 

Original: Italienisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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