Juan Ret

Veröffentlicht am 2021-09-16 In Leben im Bündnis

Ein Tag des ewigen Bündnisses

CHILE, Marita Miranda Bustamante •

Die Nachricht vom tödlichen Unfall in Agua Santa, bei dem ein Mann überfahren und getötet, als er die Straße überquerte, um am 18. August, am Bündnistag, zur Messe im Heiligtum zu gehen, ging um die Welt. —

Am 18. August regnete es heftig, nach einem schwer zu ertragendem Winter. Die meisten von uns kamen etwas durchnässt am Heiligtum an, und nur wenige bemerkten den Unfall, der sich wenige Minuten vor Beginn der Messe an der Ecke der Av. Agua Santa ereignet hatte. Wir anderen hörten nur das Gerücht, das Pater Ivan Simicic in der Predigt mit Trauer bestätigte: Es war unser Juan Retamal Torres, Mitglied der Schönstattfamilie seit 1971, Mitglied der Männergruppe und der Heiligtumspastoral, der überfahren worden war.

An diesem Abend gab es weder eine Familienhymne noch eine Verbrennung des Gnadenkapitals, als die Nachricht nach dem Schlusssegen bestätigt wurde: Juan war gestorben.

Auf unserer flammenden Fahne…

Wir liefen zur Ecke und fanden Juan mit zugedecktem Körper im Regen, in der Haltung eines Kindes, während die Polizisten ihre Arbeit verrichteten und seine Familie eintraf. Schwester M. Consuelo Cerda hatte ihn begleitet, während wir in der Messe waren, ohne ihn zu erkennen, und nun kamen wir ungläubig an, um an den Gebeten und Gesängen teilzunehmen. „Auf unserer flammenden Fahne…“, stimmte Schwester Maria Carolina Miranda das Lied der Gründergeneration an, und wir alle folgten ihr mit zitternder Stimme.

„Was wir mit dem Tod von Juan an den Stufen des Heiligtums erlebt haben, war schrecklich; es war sehr traurig und hat einen Schmerz hinterlassen, der bis in die Tiefen unserer Seele vorgedrungen ist. Es tut weh, zu spüren, dass einer von uns es nicht zur Messe geschafft hat, aber es tröstet uns zu wissen, dass die Gottesmutter diejenige war, die sich beeilte und Juan an den Stufen ihres Heiligtums begegnet ist. Ich habe das Gefühl, dass wir uns an diesem Tag auch wieder als eine Familie erlebt haben, die in der Trauer vereint ist. Um Juan herum konnten wir uns umarmen, gemeinsam weinen, singen und im Regen für die Seele unseres geliebten Juan beten“, erzählt Valentina Ansaldi, Mitglied der Heiligtumspastoral.

La familia de Juan: Su esposa María Elena, con sus hijos María Elena, María Gabriela, María José y Juan Francisco.

Juans Familie: Seine Frau María Elena, seine Kinder María Elena, María Gabriela, María José und Juan Francisco.

„Gute Belohnungen“

Die Geschichte von Juan Retamal in dieser Familie ist lang: Er kam als Schüler auf Einladung eines Freundes in einer polarisierten Zeit voller intensiver politischer Diskussionen. Orlando Valle, der ihn damals in der Mannesjugend aufnahm, sagt, dass er dort eine Vielfalt von Gedanken fand und lernte, alle als Brüder zu betrachten. „Eines der Dinge, über die wir damals viel gesprochen haben, war der Bedarf an jungen katholischen Führungskräften. Damit hat er den Haken gesetzt“, sagt er.

Dann ging Juan zur Universitätsjugend, dem „Turm Davids“, wie sie in Agua Santa genannt wird, wegen des Ideals, das Pater Kentenich ihnen in den ersten Tagen gab.

Im Heiligtum lernte er auch María Elena Dinamarca kennen, der er eines Tages nach der Messe einen Heiratsantrag machte, und Pater Sidney Fones traute sie am selben Ort. Dorthin brachten sie ihre vier neugeborenen Kinder: María Elena, María Gabriela, María José und Juan Francisco. Dort feierten sie auch ihren 25. Hochzeitstag und ihre 3 Enkeltöchter wurden hier getauft.

Bei seiner Beerdigung, an einem seltenen sonnigen und warmen Tag, ebenfalls in der Nähe des Heiligtums, erinnerten sich die vier Kinder an seine Geschenke und lustigen Witze, aber vor allem an seine bedingungslose Liebe und Zärtlichkeit: „Du warst ein Vater aus Berufung, „gewohnheitsmäßig“, wie du zu jedem sagen würdest, der sich dir näherte. Du hast Zuneigung, Aufmerksamkeit und eine Umarmung geschenkt“, sagten sie.

Diese Berufung zur Vaterschaft ist offensichtlich, denn, wie uns seine Tochter Maru (María Elena) sagt, gab es eine Prognose, dass ihre aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder bekommen könnten: „Mein Vater gab ein Versprechen: Wenn die Gottesmutter ihnen das Wunder der Elternschaft schenken würde, würde jedes der Mädchen, die sie bekommen würden, den Namen Maria tragen (…). Wir sind seine drei Marias“.

Zusammen mit seiner Frau waren sie in einer Gruppe von Ehepaaren, bis die Mitglieder zu anderen Zielen aufbrachen. So kam Juan in die Männerbewegung, wo er laut Orlando Valle, dem Leiter der Gliederung, zur Brüderlichkeit und zur Vernunft, aber auch zur Freude beitrug. „Er hatte einen fast englischen Humor. Es war nicht die Art von Humor, die einen zum Lachen bringt, sondern die Art von Humor, die einen beiläufig zum Lachen bringt, die Art von Humor, die schlagfertig ist oder ein kurzer Witz (…). Und das konnten viele Menschen nicht verstehen“.

Im Jahr des heiligen Josef zeigte er seine Bewunderung für die väterliche und männliche Gestalt des Ehemannes der Gottesmutter, indem er immer das Gebet sprach, wenn er an der Reihe war, bei den Sonntagsmessen die Lesungen und Fürbitten vorzutragen, und er war es auch, der den Workshop über den heiligen Josef organisierte, an dem viele Menschen teilnahmen.

Am Sonntag, den 15. August, drei Tage vor seinem plötzlichen Tod, koordinierte er als Mitglied der Heiligtumspastoral die Messe zu Mariä Himmelfahrt und führte in das Geheimnis der Wahl der Gottesmutter ein, direkt in den Himmel aufgenommen zu werden. Für ihn war es sehr wichtig, an der Liturgie mitzuwirken. Aus diesem Grund schrieb er 2015 in Bezug auf die Vorbereitung der Karwoche: „Einmal sagte Bischof Gonzalo (Duarte) bei einem Treffen der Katecheten der Diözese: „Die pastorale Arbeit hat ein sehr schlechtes Gehalt, aber eine ausgezeichnete Rente“. In beiden Fällen hat er recht, aber er hatte nicht ganz recht, denn von Zeit zu Zeit hat es auch sehr gute Seiten, wie in unserem Fall: man lernt sich kennen, schließt Freundschaften, geht eine sehr vertrauensvolle Gemeinschaft ein. Ja, es ist eine sehr gute Belohnung, sich an der pastoralen Arbeit zu beteiligen. Und nun, um den auferstandenen Christus zu verkünden…“.

Su grupo de la Rama de Hombres de Agua Santa.

Seine Männergruppe von Agua Santa.

„Es hätte jeder sein können. Aber das war es nicht“

Als Juan an jenem regnerischen Nachmittag über die Av. Agua Santa ging, in der Hoffnung, zur Bündnismesse zu kommen, war ein Leben besiegelt, in dem die Verbundenheit mit der Gottesmutter und dem Heiligtum von Agua Santa immer präsent war. „Er konnte sein Handy zu Hause liegenlassen, mein Vater war immer sehr in Eile, aber nie sein Himmelwärts“, erinnert sich Maru. Und die Gottesmutter hatte ihn schon einmal gerettet, vor 30 Jahren, als er auf seinen langen Fahrten als Kaufmann beim Autofahren einschlief. Er selbst hatte keinen Kratzer, obwohl das Einzige, was am Auto unversehrt blieb, die Plaketten der Gottesmutter waren.

Für Valentina Ansaldi war Juans Unfall tief erschütternd: „Es hätte jeden treffen können, aber auch die Tatsache, dass es Juan war, ein aktives Mitglied der Männergruppe und der Heiligtumspastoral, lässt uns dankbar sein für all seine Hingabe an die Familie, für all seine Treue in all den Jahren. Ich glaube, dass er ein großartiges Beispiel für die Hingabe bis zuletzt ist, diese tiefe und vollständige Hingabe in jedem Bereich seines Lebens“.

Bei dieser Veranstaltung interpretierte Orlando Valle diese Botschaft: „Wenn man das Liebesbündnis ernst nimmt, nehmen es auch Gott und die Gottesmutter ernst. Und dann kommt der Moment, in dem sie einem sagen: „So, die Aufgabe ist erledigt, du kannst ruhigbleiben“. Aber ruhig zu bleiben, bedeutet nicht, in dieser Welt zu bleiben, indem man sich an einem karibischen Strand zurücklehnt und einen Daiquiri trinkt. Es ist nicht diese Ruhe, es ist nicht dieser Friede: es ist der Friede der vollendeten Mission“.

Einige Tage später rief der Nachbarschaftsrat zu einer Straßenprotestaktion auf, um eine Ampel an der Agua Santa-Kreuzung zu fordern, um zukünftige Unfälle zu verhindern. Mehrere Mitglieder der Familie schlossen sich an, und es wurde im Radio, im Fernsehen, in den Zeitungen und in den sozialen Netzwerken verbreitet. Der Friede, zu dem Juan uns aufruft, ist Arbeit und Mission, nicht Ruhe.

Juan en el Santuario, junto a la imagen de su querido San José.

Juan im Heiligtum, neben dem Bildnis seines geliebten heiligen Josef.

Quelle: Vínculo, Ausgabe Sept. 2021. Mit Genehmigung der Herausgeber.

 

Original: Spanisch, 13.09.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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