Veröffentlicht am 14. April 2017 In Haus Madre de Tuparenda, Werke der Barmherzigkeit

Ein Fest der barmherzigen Umarmung Gottes im Haus „Madre de Tupãrenda“

PARAGUAY, Maria Fischer •

Im Festtagsschmuck strahlt an diesem 21. März 2017 das Haus „Madre de Tuparenda“ (CMT), das Zentrum für Berufliche Bildung und Persönlichkeitsentwicklung für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren nach der Entlassung aus dem Jugendgefängnis,  im Schatten des Heiligtums von Tuparenda, bleibende Frucht des Jahres der Barmherzigkeit;  der Grund: Taufe, Erstkommunion und Firmung von sieben Teilnehmern des Projektes, die sich persönlich entschieden hatten und sich begeistert während einiger Monate mit der Katechetin Cristina Santa Cruz auf diesen Tag vorbereitet hatten.

Sieben Jugendliche mit neuen, frisch gebügelten weißen Oberhemden, bereit, Jesus in ihrem Herzen zu empfangen, bereit, von jetzt an durchs Leben zu gehen an der Hand dessen, der gekommen ist, die Sünder zu retten, alle diejenigen, die nie eine Chance hatten, die Kranken an Leib und Seele, die Ausgegrenzten, die Armen … sie. Die weißen und gelben Luftballons, die Blumen und der Schmuck von Haus „Mutter von Tuparenda“ sind wie ein Spiegel des großen Festes, das jetzt im  Himmel gefeiert wird wegen dieser Gnadenstunde, diesem Augenblick, in dem Jesus seine Lieblingskinder umarmt, in dem der barmherzige Vatergott diese Kinder umfängt, die nach Hause zurückkommen … oder vielleicht das erste Mal überhaupt nach Hause kommen. „Wir sind mitten in einem Wunder, wir können ein Wunder sehen und anfassen“,  so Ani Souberlich, Direktorin von Haus „Madre de Tupãrenda“. Stimmt, und man muss es sich immer klar machen: Was wir bei diesem Fest erleben, ist das Wunder, ist ein Wunder der Wandlung aus menschlicher und göttlicher Zuwendung, die diese jungen Menschen erfahren, ein Wunder aus herzlichen, festen, langen und immer wieder neuen Umarmungen, die diese Jugendlichen suchen und schenken … Umarmungen, die zu Zeichen dieser großen väterlichen Umarmung des barmherzigen Gottes werden, die sie ihm an diesem Tag zurückschenken mit dem Wunsch nach der Taufe, der Erstkommunion und Firmung.

Für dieses Fest lohnt sich ein Nachtflug und viel mehr

Es hat sich gelohnt, sich mit dem Auto in den Verkehrshorror von Asunción zu stürzen, um dabei zu sein; es hat sich gelohnt, den Nachtflug von Costa Rica zu nehmen, um dabei zu sein; es hat sich gelohnt, alles andere zu lassen, um dabei zu sein… Ana Maria Mendoza de Acha, Vorsitzende von Fundaprova als Rechtsträger von Haus „Mutter von Tupãrenda zusammen mit den anderen Mitgliedern des Vorstands,  P. Pedro Kühlcke, Maria Fischer, Cristy Santa Cruz, die Ausbilder, die Ehrenamtlichen, eine Journalistin … alle sind sie pünktlich um 12.00 Uhr da, um mit den sieben Jugendlichen und ihren Kameraden zu feiern und zur Begrüßung von Bischof Joaquín Robledo von San Lorenzo bei seinem ersten Besuch im Haus Mutter von Tupãrenda, dem ersten Rehabilitationszentrum für jugendliche Straftäter in seiner Diözese und in ganz Paraguay, getragen mit Hilfe eines beachtlichen finanziellen Beitrags des Justizministeriums und Solidarität und Einsatz vieler in Paraguay und in der internationalen Schönstatt-Bewegung.

Das Fest beginnt mit dem Mittagessen. Es gibt einige kurze Ansprachen – der Bischof,  Ana Maria Acha,  P. Pedro Kühlcke, Maria Fischer, Ani Souberlich sagen etwas, doch die eigentliche Überraschung folgt erst. Zwei junge Männer vom Haus „Madre de Tuparenda“ bitten ums Wort. Einfach und berührend sprechen sie von ihren Träumen, ihrem Dank … Martín macht samstags einen Kurs zu Wartung und Reparatur von Computern. Wie bezahlst du denn die Kursgebühren, der Kurs ist ja nicht gratis? „Mit dem, was ich für meine Arbeit hier im Haus „Madre de Tupãrenda“ bekomme“. Welches Gesicht strahlt in diesem Moment mehr vor Stolz, das von Martín oder das von P. Pedro? Rafael sagt, dass er erst einmal Friseur lernen will, „um dann zu studieren und Anwalt zu werden und Jugendlichen wie mir zu helfen“, erklärt er. Später, nach dem Mittagessen, während Pater Pedro Kühlcke und Ani Souberlich dem Bischof die Backstube und die anderen Räume des Hauses zeigen, erklärt Martín mir, warum im Haus alle Wände so hell in weiß gestrichen sind. „Ich bin zum ersten Mal in einem Haus mit weißen Wänden. Vorher war alles immer dunkel. Und schmutzig. Weiß ist die Farbe von Frieden und Stille, und das tut mir gut. Uns. Ich möchte Frieden und Stille, und das gibt mir unser Haus „Madre de Tupãrenda“. Dann erklärt er mir, was die Farben Grün und Gelb bedeuten, die wir an dem großen Pomelo-Baum vor dem Haus sehen. Freude, sagt er, Zukunft. Und Hoffnung. Die Pomelo, die er vom Baum pflückt und mir mit einem schüchtern-verstohlenen Lächeln schenkt, ist das schönste Geschenk meines Lebens!

Die beiden Redner mit Ana Maria Acha, Vorsitzende von Fundaprova

Gotteskinder

Einige im Auto und die meisten zu Fuß, so geht es schließlich zum Heiligtum, wo Eltern, Geschwister, Freundinnen und eine Reihe Babys schon warten. Ja, manche dieser Kinder sind schon Väter… und sie nehmen ihre Verantwortung an.

Im Quincho, dem offenen Pavillon beim Heiligtum,  ist alles schon für die Messe und die Sakramente vorbereitet. Begleitet von Gitarrenklängen und Liedern, die wir von den Messen bei den Misiones oder bei den Gottesdiensten Schönstatts kennen, feiern wir die Heilige Messe. Nur dass es eben nicht eine Messe wie so viele andere ist. Es ist eine Messe mit 23 Jugendlichen, die sich, wie Pater Pedro es drastisch und realistisch sagt, wie ein Fußball fühlten, der irgendwo ins freie Feld gestoßen wurde und niemandem gehört, und den jeder einfach hin- und hertreten kann… ausgeliefert dem blanken Kampf ums Überleben und mit der einzigen Sprache, die sie kennen: der Sprache der Waffen, der Gewalt und des Stehlens. Erst hier haben sie singen gelernt, haben sie gelernt, dass man sich auch verständigen kann, ohne zu brüllen, und dass es ein Leben jenseits des Überlebens gibt.  Und jetzt sind sieben von ihnen nur noch einen Schritt davon entfernt, mehr Kinder Gottes zu werden. Mehr. Denn Kinder Gottes sind sie schon. Jesus ist für sie gestorben und auferstanden wie für mich.

Alle erneuern wir unser Taufversprechen  zusammen mit den beiden Jungen, die um die Taufe bitten.  Wir wollten sie nicht allein lassen in dem Moment, in dem sie ihr Ja, ihr Nein sagen. Und während der lange Ritus vonstatten geht, verändert sich etwas. Sie, die Ausgegrenzten, die Ausgeschlossenen, schließen uns nicht aus in dieser einzigartigen Gnadenstunde. So ist es. Wir sind die privilegierten Teilnehmer des größten Festes Gottes, des Festes der Barmherzigkeit, und diese Jungen haben uns dazu eingeladen.

Wir haben das Jahr der Barmherzigkeit gefeiert – und was jetzt?

Wir haben das Jahr der Barmherzigkeit gefeiert – und was jetzt? Werke der Barmherzigkeit … Mein liebstes? Die Gefangenen befreien, antworte ich spontan. Jedes Mal. Nein, die Gefangenen besuchen, heißt es richtig, verbessert mich Pater Kühlcke mit einem breiten Grinsen. Aber es geht auch darum, sie zu befreien. Sie zu befreien von all den Süchten und Abhängigkeiten, in die sie geraten sind, um Hunger und Verlassenheit zu vergessen; sie zu befreien von all den Gewohnheiten der Straße und des Gefängnisses …, um sie an einen Ort zu bringen, an dem sie sich geliebt, geborgen, würdig erleben, einfach als das, was sie sind: Gotteskinder, berufen, geliebt.

Ich wollte ihnen ein kleines Geschenk mitbringen, über meine Anwesenheit und die Artikel auf schoenstatt.org und die unermüdlichen Bitten um Gebet und Spenden für sie hinaus. Aus Rom habe ich eine Tüte mit Kreuzen von Papst Franziskus mitgebracht, diese Kreuze mit dem Bild des Guten Hirten. In einer Audienz hat er sie gesegnet. Hoffentlich sind es noch sieben, denke ich.  Für die sieben, die heute die Sakramente empfangen. Oder für alle? Ich kann nicht widerstehen und zähle die Kreuze, während ich die Predigt des Bischofs aufnehme. Und dann bekomme ich Gänsehaut. Es sind genau 23. Die aktuelle Zahl der Teilnehmer des Programms von Haus Madre de Tupãrenda.

Nach dem Jahr der Barmherzigkeit – was? Was bleibt, ist Haus Madre de Tupãrenda.

Die Realität und das Wunder (auch real)

Am Schluss der Messe pilgern alle zum Heiligtum für den Schlusssegen, um diese jungen Menschen der Gottesmutter anzuvertrauen. Einmal in der Woche feiern sie hier heilige Messe. Jetzt singen und beten sie und nehmen mit Freude ihre Geschenke entgegen … Ein Fest des Bündnisses, der Solidarität, der Hoffnung, des Vertrauens.

Die Mutter von Tupãrenda nimmt sie auf, beheimatet, wandelt, sendet sie…

Das Fest gipfelt mit dem Kaffee mit allen Angehörigen, mit Kuchen, Schokolade und den unvermeidlichen Fotos von allen mit allen, mit kurzen Ansprachen des Dankes, einem Interview für die Zeitung, Worten des Dankes an das Justizministerium für seine Unterstützung und an alle Freiwilligen, Mitarbeiter, Wohltäter…

Und es bleibt auch der Augenblick zurück in die Realität – ein Schrecken am Ende des Festes -, damit wir nicht vergessen, dass wir an diesem Tag ein Wunder erlebt haben und dass die Realität, aus der sie kommen und wohin sie gehen eine andere ist, eine ganz andere, und dass wir diese kennen müssen um zu verstehen, dass wir Zeugen eines Wunders, Zeugen von 23 Wunder sind, live und in Farbe. Und Mitarbeiter von Wundern.

Jeder kann Zeuge und Mitwirker des Wunders sein, im Gebet und mit Spenden für Haus Mutter von Tupãrenda und jeden seiner Nutzer. Manchmal ist es eine Gitarre, ein paar Schuhe oder ein weißes T-Shirt, was den Unterschied ausmacht zwischen  Verzweiflung und Wunder.

 Hier mit einem Klick – jetzt auch mit Kreditkarte:

In Deutschland steuerabzugsfähig. Bitte Adresse angeben.

Oder traditionell:

Spendenkonto in Paraguay:
Fundaprova
Konto-Nr. 102792992
Sudameris Bank SAECA, BIC  BSUDPYPXXXX
RUC80079669-1
Spendenkonto in Europa
Schönstatt-Patres International e. V.
IBAN: DE91 4006 0265 0003 1616 26
BIC/SWIFT GENODEM1DKM
VWZ: P. Pedro Kuehlcke, Casa Madre de Tuparenda

Unsere Hoffnung ist kein Begriff, sie ist kein Gefühl, sie ist kein Handy, sie ist kein Haufen Reichtümer!  Unsere Hoffnung ist eine Person, sie ist der Herr Jesus, den wir lebendig und gegenwärtig in uns und in unseren Brüdern erkennen, denn Christus ist auferstanden.

Papst Franziskus, 5.4.2017

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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