Busse 31. Mai

Veröffentlicht am 2021-05-30 In Kentenich, Themen - Meinungen

Die Witwe von Husum und der 31.Mai 1949

P. Elmar Busse, Deutschland •

Husum liegt am Ufer einer Bucht am Rande des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeeres. Im Nordwesten liegt die Halbinsel Nordstrand. In Husum erzählt man sich folgende Sage. —

„Es war Winter und die Bucht war zugefroren, und zwar so stark, dass die Husumer beschlossen, auf dem Eis ein Fest zu feiern. Zelte wurden aufgebaut. Darinnen wurde Musik gemacht und gefeiert; draußen liefen die Menschen Schlittschuh.

Nur ein altes Mütterchen war allein in der Stadt geblieben. Sie war krank und gebrechlich und konnte ihre Füße nicht mehr gebrauchen; aber da ihr Häuschen auf dem Deich stand, konnte sie von ihrem Bett aus aufs Eis hinaussehen und die Freude der Menschen betrachten. Wie es nun gegen Abend kam, gewahrte sie, indem sie so auf die See hinaussah, im Westen ein kleines weißes Wölkchen, das eben an der Kimmung aufstieg. Gleich befiel sie eine unendliche Angst; sie war in früheren Tagen mit ihrem Mann zur See gewesen und verstand sich wohl auf Wind und Wetter. Sie rechnete nach: in einer kleinen Stunde wird die Flut da sein, und wenn dann der Sturm losbricht, sind alle verloren.

Da rief und jammerte sie so laut sie konnte, aber niemand war in ihrem Hause und die Nachbarn waren alle au dem Eis. Niemand hörte sie. Immer größer wurde unterdes die Wolke und allmählich immer schwärzer; noch einige Minuten und die Flut musste da sein.

Da rafft sie all ihre Kraft zusammen und kriecht auf Händen und Füßen aus dem Bette zum Ofen; glücklich findet sie noch einen Brand, schleudert ihn in das Stroh ihres Bettes und eilt so schnell sie kann hinaus, sich in Sicherheit zu bringen.

Da stand das Häuschen augenblicklich in hellen Flammen, und wie der Feuerschein vom Eise aus gesehen ward, stürzte alles in wilder Hast dem Strande zu. Schon sprang der Wind auf und fegte den Staub auf dem Eise vor ihnen her; der Himmel ward dunkel und bald fing das Eis an zu knarren und zu schwanken, der Wind wuchs zum Sturm, und als eben die Letzten den Fuß aufs feste Land setzten, brach die Decke, und die Flut wogte an den Strand. So rettete die arme Frau die ganze Stadt und gab ihr Hab und Gut daran zu deren Heil und Rettung.“[1]

Ich möchte das Handeln der Witwe vergleichen mit dem Antwortbrief, den Pater Kentenich auf die bischöfliche Visitation von Santiago de Chile am 31.Mai 1949 nach Trier schickte. Er war sich des Risikos voll bewusst.

Husum

Husum

Der 31. Mai 1949 – kein Versehen

In der Ansprache an die Schwestern am Abend des 31.Mai 1949 im halbfertigen Kapellchen erklärte er ihnen, worum es bei seinem Antwortschreiben auf den Visitationsbericht geht. Wenn wir den Text auf uns wirken lassen, dann wird klar: Pater Kentenich ist nicht irgendwie naiv in ein Fettnäpfchen getreten, sondern er war sich des Risikos seines Schrittes voll bewusst.

Lesen wir den Originalton:

„Die eindeutige Sendung Schönstatts für das Abendland, vornehmlich für die eigene Heimat, gegenüber dem machtvoll anstürmenden und alles in Staub legenden Kollektivismus steht vor einer Mauer, die nur dann in größerem Ausmaße wirksam durchbrochen werden kann, wenn der bezeichnete Krankheitskeim überwunden und entfernt worden ist…

Sie dürfen in Ihrer Art an dieser Last mittragen und die Aufgaben der Familie teilen. Wir müssen aber damit rechnen, dass die Arbeit in der Heimat edle Herzen tief verwundet, dass sie helle Empörung weckt und machtvoll ausholende Gegenschläge veranlasst.

Wir dürfen uns nicht verwundern, wenn sie eine stark geschlossene gemeinsame Gegenfront einflussreicher Männer gegen mich und die Familie auf den Plan ruft. Menschlich gesprochen müssen wir endlich damit rechnen, dass der Versuch gänzlich missglückt. Und trotzdem dürfen wir uns von dem Wagnis nicht dispensiert halten.

Wer eine Sendung hat, muss sie erfüllen, auch wenn es in den dunkelsten und tiefsten Abgrund geht, auch wenn Todessprung auf Todessprung verlangt wird. Prophetensendung schließt immer Prophetenlos in sich. Wir sehen das Abendland in Trümmer gehen und glauben, von hier aus zur Rettungs-, zur Bergungs-, zur Auf- und Ausbauarbeit aufgerufen zu sein. Wir glauben, uns als Werkzeug anbieten zu müssen, um einen Gegenstrom in die Länder hinüberzuleiten, von denen die hiesigen Völker einstens ihre Kultur empfangen haben, von denen auch wir überreich beschenkt worden sind.“

Beziehungen - Busse - 31.Mai

Beziehungsunfähigkeit – Beziehungsarmut – Beziehungsangst – „mechanistisches Denken“

Über den bezeichneten Krankheitskeim hatte er vorher gesagt:

„Wenn ich zurückdenke, wie alles gegründet worden ist – das alles ist ein überaus großes Geschenk, was der liebe Gott mir gegeben hat: die organische Denkweise im Gegensatz zur mechanischen Denkweise. Das ist der persönliche Kampf meiner Jugend gewesen.

Er ließ mich durchkämpfen, was das heutige Abendland bis in die tiefsten Wurzeln erschüttert. Der liebe Gott hat mir einen klaren Verstand gegeben, so dass ich jahrelang Glaubenskämpfe durchmachte.

Was mir in all den Jahren den Glauben bewahrt hat, war eine tiefe, schlichte Marienliebe. Marienliebe schenkt an sich immer diese organische Denkweise. Die Kämpfe haben aufgehört, als ich Priester wurde und ich die Welt, die ich in mir trug, zu produzieren und zu formen und zu gestalten wusste.

Das ständige Grübeln hat am gewöhnlichen, alltäglichen Leben einen Genesungsprozess erfahren. Das ist auch der Grund, warum ich die moderne Seele so gut verstehe, das, was im Abendland so viel Unheil anrichtet. Wem ich das alles zu verdanken habe? Das ist von oben her – zweifellos von der Gottesmutter – das große Geschenk. So durfte ich mit der Krankheit auch ihr Heilmittel am eigenen Leibe in reichem Maße erfahren.“

Im Ton vergriffen? Schon. In der Diagnose? Weniger

Das eigentlich Provozierende, ja Verletzende war, dass er dem Weihbischof und dem Bischof selbst dieses mechanistische Denken unterstellte, neben den vielen katholischen Intellektuellen in Deutschland. Zwar bat Kentenich den Erzbischof Bornewasser im Begleitschreiben, dass seine Antwort auf den Visitationsbericht mehr als pastoralstrategische Studie aufzufassen sei, und er hoffte, „dass wissenschaftliche Gegensätze nicht zu persönlichen Missstimmungen führen“. Genau das aber passierte, verletzte, zerschnitt schon strapazierte Fäden und mindestens genau so gravierend: verdeckte die Diagnose. Vielleicht eine Schwäche Pater Kentenichs in der Einschätzung von Kritik, vielleicht ein Extrem im Trennen von Person und Sache.

Wenn wir die Versuchung benennen wollen, mit der Pater Kentenich durch den Visitationsbericht von 1949 konfrontiert worden war, dann könnten wir das so umschreiben: Er hätte die kritischen Bemerkungen von Weihbischof Stein als ‚Peanuts‘, als Kleinkram, abtun und sie einfach ignorieren können.

Die Originalität Schönstatts auf dem Altar der Harmonie opfern?

Er hätte die Originalität Schönstatts auf dem Altar der Harmonie opfern können.

Er sagte ja auch sinngemäß: Wenn es mir nur um Schönstatt gegangen wäre, dann hätte ich mich mit dem Ergebnis abfinden können, aber in den kritischen Anfragen des Weihbischofs sehe er das Problem des mechanistischen Denkens, das die Vitalität der Kirche bedrohte. 1949 waren die Kirchen in Deutschland noch voll und das Aufatmen nach der Kirchenverfolgung in der Nazizeit war vielerorts spürbar. So meinten viele, man könne einfach an der Zeit vor 1933 anknüpfen und die Schwerpunkte der Seelsorge auf die Sakramentenspendung und die Bildungsarbeit sowie das Vereinswesen legen.

Pater Kentenich spürte aber, dass es eine Akzentverlagerung in der Seelsorge geben müsse: Man müsse die Pfarreien „durchorganismieren“, also viele kleine Gruppen bilden, in denen ein offener, tabufreier Erfahrungsaustausch gepflegt werden sollte.

Es ist derselbe Vorgang, den er schon in der Vorgründungsurkunde als wichtige Aufgabe formuliert hatte:

„Es darf nicht mehr vorkommen, dass wir verschiedene fremde Sprachen entsprechend dem Klassenziele beherrschen, aber in der Kenntnis, im Verständnis der Sprache unseres Herzens die reinsten Stümper sind. …Der Grad unseres Fortschrittes in den Wissenschaften muss der Grad unserer inneren Vertiefung, unseres seelischen Wachstums sein. Vor allem müssen wir uns kennen lernen und uns an eine freie, unserm Bildungsgrade entsprechende, gegenseitige Aussprache gewöhnen.“[1]

Kirchengeschichtliche Parallelen

Als Kenner der Kirchengeschichte war ihm klar, dass Rom nicht gerade zimperlich mit neuartigen Gewächsen umgehen konnte. Und dass hier auch die Wächteraufgabe der Kirche liegt.

Ein Beispiel von vielen:

Mary Ward. Sie lebte zur Zeit der Katholikenverfolgung in England (*1585 +1645). Sie spürt ihre Berufung zum Ordensleben. Da das in England nicht möglich ist, tritt sie in Flandern in ein Klarissenkloster ein. Nach kurzer Zeit spürt sie aber, dass das nicht ihr Weg ist. Sie ging nach England zurück und vermittelte unter Lebensgefahr illegale Kontakte zwischen Katholiken und Priestern ihres Glaubens. Dafür wurde sie einmal zum Tode verurteilt, kam aber wieder frei.

Eine Gruppe von Mädchen schloss sich Maria Ward an. Gemeinsam gingen sie wieder nach Flandern und nahmen katholische englische Mädchen als ihre Schülerinnen mit. Das „Institut der Englischen Fräulein“ sollte dem Jesuiten-Orden entsprechen und die Regeln des heiligen Ignatius von Loyola übernehmen. Die neue Form des Ordens – Frauen ohne Klausur im apostolischen Dienst – erregte auch unter Katholiken Ärgernis, da seine Mitglieder sich in ihrem Institut wie Ordensschwestern verhielten, sich aber gleichzeitig frei in der Stadt bewegten.

Um ihre Ordensregeln bestätigen zu lassen, ging Maria Ward nach Rom, wo die Schwestern ebenfalls Mädchen unterrichteten. Weil sie aber im Interesse der Seelsorge die Klausur verweigerten, mussten sie Rom verlassen und zogen zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs nach Deutschland.

1631 löste Papst Urban VIII. das Institut auf; Maria Ward selbst wurde als Ketzerin neun Wochen inhaftiert. Das römische Inquisitionsgericht endete zwar mit ihrer Rechtfertigung, aber ihr Orden blieb aufgehoben. 1639 reiste sie ein letztes Mal in ihre englische Heimat, wo immer noch Katholiken verfolgt wurden. Sie starb 1645 in York.

Die Anerkennung des Ordens der Englischen Fräulein durch den Papst erfolgte erst 1703, mehr als 50 Jahre nach dem Tod seiner Gründerin. 1877 erhielt das Institutum Beatae Mariae Virginis (IBMV) die päpstliche Anerkennung, 1909 erteilte Papst Pius X. die Erlaubnis, Maria Ward als Stifterin des Institutes zu bezeichnen. Erst 1978 übernahm es die Konstitutionen des Ignatius von Loyola, angepasst an die Bedürfnisse eines Frauenordens. Dafür hatte Maria Ward zeitlebens gekämpft.

Ein anderes Beispiel ist die Aufhebung des Jesuitenordens.

Sie erfolgte im Jahr 1773 durch Papst Clemens XIV. auf Druck der Könige von Frankreich, Spanien und Portugal. Bei den Angriffen auf den Jesuitenorden spielten verschiedene Verschwörungstheorien eine große Rolle. Am Kampf gegen die Jesuiten waren Aufklärer maßgeblich beteiligt. Die Aufhebung wurde im Jahr 1814 von Papst Pius VII. rückgängig gemacht.

Schon in der Nazizeit hatte sich Pater Kentenich mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass die Schönstatt-Bewegung von den Nazis zerschlagen werden könnte.

In Rückbesinnung auf eine Erwägung des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers der Jesuiten – der in der Meditation des Isaakopfers sein Ja zur möglichen Zerstörung des Jesuitenordens durchkämpft – betet Kentenich im Konzentrationslager Dachau:

„Allmächtiger, willst du dieses Kind mir nehmen, / macht es dir Freude, seine Kraft zu lähmen, / soll es vor deinem Blick ein Zerrbild sein, / das nur noch kennt des Lebens fahlen Schein? / Du hast aus Liebe mir das Kind gegeben, / gabst Kraft mir, ihm zu weih’n mein ganzes Leben: Willst du es tot in meinen Armen sehn, / soll es als Krüppel durch das Leben gehen? / Dann bitt ich dich, mach Ernst mit deinen Plänen, auf dich allein geht ja mein letztes Sehnen; / nur dich such‘ ich und was du, Vater, willst, / bin froh, wenn deine Wünsche du erfüllst. Nimm hin das Kind, dem du geschenkt das Leben, dem ich die ganze Liebeskraft durft‘ geben; ich leg‘ es froh in deine Hand zurück, sein kommendes Geschick, sein Lebensglück. / Willst du es mir, der Welt voll Güte lassen, / darf ich in Liebe weiter es umfassen, / willst du als Lösepreis dafür nur schau’n / mein Fleh‘n, mein kindlich-heldischen Vertrau’n, / dann will ich alle Halbheit, Trägheit hassen, / will Tag und Nacht nie schmählich unterlassen, zu bitten und zu flehen voll Vertrau’n: Lass‘ Wundertaten doch dein Kind bald schau’n!“[2]

Pater Kentenich kannte die Vision, die der hl. Benedikt kurz vor seinem Tode (+547) hatte, nämlich dass seine Gründung, das Kloster auf dem Monte Cassino, zerstört werden würde. Diese Vorhersage erfüllte sich im Jahre 580: Die Langobarden brannten das Kloster auf dem Monte Cassino nieder, die Mönche blieben am Leben und konnten nach Rom in den Lateran entkommen. Warum mutet Gott einem Gründer so etwas zu? Hätte er die Zukunft nicht im Dunkeln lassen können? Es gehört scheinbar mit zu den Glaubensproben, die Gott Gründern auferlegt, dass sie ihre Lieblingsschöpfung noch einmal wie Abraham seinen Isaak Gott zurückschenken müssen, damit nichts Geschöpfliches mehr die Gottunmittelbarkeit behindert.

Das eigene Haus angezündet

Nachdem sich Pater Kentenich in der Nazizeit mit dieser Probe auseinandergesetzt und sich durchgekämpft hatte, war er innerlich so frei, um der Kirche willen die Existenz seines Werkes aufs Spiel zu setzen. Um zur eingangs zitierten Sage zurückzukommen: Er zündete sein Haus an, um die Verantwortlichen in der Kirche zu warnen.

Und es gab in den folgenden Jahren intensive Bemühungen, aus der Schönstatt-Bewegung einen dritten Orden der Pallottiner zu machen, in dem die Pallottiner – weil sie Priester waren – automatisch das Sagen gehabt hätten.

Das Weihegebet „O, meine Gebieterin o meine Mutter …“ hätte man ihnen auch gelassen, auch dass dadurch die Mitgliedschaft in der Bewegung zustande gekommen wäre. Schließlich war sowohl das Gebet wie die Eingliederung durch eine Marienweihe alter Brauch der Marianischen Kongregation. Als Gründung Schönstatts wäre dann der 19.April 1914 tradiert worden. An dem Tag wurde die Marianische Kongregation im Studienheim gegründet.

Aber das ganze Innovative, Kentenichs Religionspädagogik und die Soziologie der Laienbewegung wären unter den Tisch gefallen.

„Liebe in Zeiten unendlicher Freiheit“.

Es ist für mich persönlich unbegreiflich, dass die Problematik der Bindungsunfähigkeit bzw. Bindungsarmut durchaus gesellschaftlich diskutiert wird, aber nicht innerhalb der Kirche. Da diagnostiziert man zwar das Ende der Volkskirche und die Pluralität der Gesellschaft, man beklagt die Skandale und den dadurch ausgelösten Vertrauensverlust, man erhofft sich von verheirateten Priestern und Priesterinnen einen neuen Frühling und kämpft um die Liberalisierung der offiziellen Sexualmoral der Kirche. Aber die zwischenmenschliche Bindungsunfähigkeit, die dann zur Unfähigkeit einer lebendigen Gottesbeziehung führt, wird ganz selten thematisiert.

Die Problematik – ohne den kirchlichen Kontext – schaffte es im November 2013 auf die Titelseite des Magazin ‚Stern‘ unter der Überschrift „Liebe in Zeiten unendlicher Freiheit“.

In dem Artikel wird ausgeführt:

„Nach einer Studie der Agentur Elitepartner wird kein Thema auf der Website häufiger angeklickt als „Bindungsangst“. Die Berichte zu diesem Thema, die von den hauseigenen Psychologen online gestellt werden, lesen jeden Monat rund 3000 Leute. Dieses Verhalten entspricht den Zahlen, für die über 25.000 erwachsene deutsche Internetnutzer (keine Elitepartner-Mitglieder) befragt wurden: 13 Prozent der deutschen Männer und 14 Prozent der deutschen Frauen haben Zweifel, ob ihr Partner der Richtige für sie ist. 15 Prozent der unverheirateten Liierten werden öfter von Zweifeln geplagt, ob ihr Partner wirklich zu ihnen passt. Nach der Eheschließung sinken die Zweifel: Von den Verheirateten stellen nur noch zwölf Prozent ihre Beziehung infrage. Doch bis zur Ehe ist es ein weiter Weg.“

In der Ausgabe vom November 2013, der die Bindungsprobleme von Paaren in seiner neuen Ausgabe zum Titelthema macht, sprach Redakteurin Nina Poelchau mit Menschen, die es erst gar nicht zu einer Ehe kommen lassen können. „Schon bei dem Gedanken, dass der andere zusammenziehen möchte, nehmen sie Reißaus. Und das Frappierende daran ist: Sie sind darüber selbst nicht glücklich. Sie verstehen nicht, welcher Reflex bei ihnen greift, durch den ihre Beziehungen jedes Mal wieder in die Brüche gehen, wenn der Partner mehr Nähe sucht.“[3]

Die Paartherapeutin Stefanie Stahl schreibt einen Bestseller nach dem anderen zu dieser Thematik, aber ich habe außerhalb Schönstatts noch keine religionspädagogische Veröffentlichung gefunden, die die Auswirkung dieser Problematik auf die religiösen Vollzüge reflektiert.

Träumen – was wäre, wenn …

Aus heutiger Sicht können wir die Tragik Pater Kentenichs aus dem Jahr 1949 recht würdigen. Seine Botschaft kam nicht an. Er selbst wurde von seinem Werk getrennt.

Die Schönstatt-Bewegung bekam erst am 18.Oktober 1964 ihre rechtliche Unabhängigkeit von den Pallottinern; damit war allen Nivellierungsbemühungen ein Ende gesetzt.

Wie stände die Kirche in Deutschland heute da, wenn die Verantwortlichen damals die dringend empfohlenen Akzentverlagerungen in der Seelsorge aufgegriffen hätten.

 

Hat Schönstatt es immer getan? Oder manchmal beim Löschen des Feuers – um im Bild zu bleiben – zu viel des Guten getan?

Und haben wir vermocht , darüber so zu reden, dass man uns versteht? Das fragt – unter anderem – Ignacio Quintanilla in seinem Beitrag zum 31. Mai.

Haben wir vermocht, das so zu leben, auch und gerade im Umgang miteinander und mit denen von uns, die anders denken und handeln, dass wir gar nicht mehr darüber reden brauchen? Das fragt Dr. Martin Flesch in seinem Essay, das auch zu diesem eigenartigen 31. Mai 2021 passt.

 

Beziehung Freude Glaube Kirche

Foto: JMJ Panamá Centro de Prensa


[1] Schönstatt.Die Gründungsurkunden. S.16 und 19.
[2] J.Kentenich, Himmelwärts. Gebete aus dem KZ, S.117-121, hier 118f.
[3] https://www.stern.de/familie/beziehung/bindungsangst-liebe-in-zeiten-unendlicher-freiheit-3306906.html
[1] Karl Viktor Müllenhoff, Das brave Mädchen, in Frank Trende (Hg), Sie rettete die ganze Stadt. Literarische Verwandlungen einer Nordsee-Sage, Boyens-Vlg. Heide 2016, S.11f.

 

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1 Responses

  1. franz-josef tremer sagt:

    danke herr pater busse für den sehr guten ausfatz.
    mir fällt zu der eingangs zitierten legende
    eine gleichniserzählung von s. kierkegaard ein
    über den clown und das brennende dorf,
    die j. ratzinger am beginn seiner „einführung in das christentum“
    erzählt (s. 17f).

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