Veröffentlicht am 2020-11-07 In Kentenich

Mit „wissenschaftlicher Objektivität“ und einem „besonderen Interesse an Kentenich“

Interview mit Prof. Dr. Alejandro Blanco, Moderator der Internationalen Forschungsgruppe •

Das Generalpräsidium hat eine Internationale Forschungsgruppe (IFG) gebildet und ihre Mitglieder ernannt. Diese Gruppe hat ihre Arbeit am 30. Oktober aufgenommen. Als Redaktion von schoenstatt.org haben wir Fragen für ein Interview mit dem Koordinator dieser Gruppe, Prof. Dr. Alejandro Blanco, Generalsekretär des Internationalen Schönstatt-Priesterbundes und Mitglied des Generalpräsidiums, zusammengestellt. Zu den Fragen gehören auch solche, die aus – auch sehr kritischen – Kommentaren der Bewegung gesammelt wurden, als die Nachricht von der Konstituierung dieser Gruppe verbreitet wurde. —

Wir danken P. Alejandro für seine große und schnelle Bereitschaft, unsere Fragen zu beantworten.

Vor einigen Wochen erfuhren wir von der Ernennung der Mitglieder der von Ihnen geleiteten Internationalen Forschungsgruppe. Was waren die Kriterien für die Auswahl der Mitglieder?


Ich würde nicht sagen, dass ich der Leiter, sondern eher der Moderator dieser Gruppe bin, auf Ersuchen des Generalpräsidiums (GP). Die Gruppe berichtet direkt an und arbeitet für das Generalpräsidium.

Ich habe mich nachdrücklich für die Idee eingesetzt, eine internationale Forschungsgruppe zu bilden, die verschiedene Nationalitäten integriert. Es ist  ja offensichtlich und nicht zu übersehen, dass ein großer Teil der Entwicklung der Schönstatt-Bewegung in Lateinamerika stattfand und stattfindet: Chile, Argentinien, Brasilien und Paraguay im Besonderen. Die Mitgliederzahlen der Bewegung sind im Verhältnis zu den in der Schönstattbewegung in Deutschland und Europa engagierten Leuten um ein Vielfaches höher. Auch in Afrika, in Mittelamerika, in den USA und in Asien ist die Bewegung teils sehr stark. Diese Realität lässt sich nicht leugnen. Ein Problem der Schönstatt-Bewegung ist also kein deutsches Problem. Deutschland ist der Ursprung Schönstatts. Aber ein guter Teil seiner Geschichte, der Geschichte Pater Kentenichs und der gegenwärtigen Entwicklung der Bewegung liegt völlig außerhalb Deutschlands.

Deshalb war das erste Kriterium die Tatsache, dass die Mitglieder Leute aus mehreren Nationen sind, in denen Schönstatt präsent ist; zum Beispiel in einigen Fällen seit 1936. Es ist zu viel Geschichte, um sie zu ignorieren. In Argentinien kam 1937 der erste Bundespriester, natürlich jemand aus dem ersten Bund – dem in Hörde geborenen – ins Land. Er ist der erste Schönstattpriester, der Schönstatt in Argentinien (vielleicht sogar in Amerika) in Abstimmung mit den Marienschwestern und Pater Kentenich selbst aufgebaut hat. Und das war der Grund, warum Pater Kentenich ihn besuchte, nachdem er Dachau aus Dachau zurückgekehrt war, dort eine sehr  bekannte Volksmission predigte und geistliche Exerzitien für die Angehörigen seiner Pfarrei hielt, und schließlich das Heiligtum von Paso Mayor mitten in der Pampa segnete, indem er im Messbuch der alten Kapelle schriftlich den Charakter des Heiligtums definierte, den dieser Ort von da an haben sollte, und dies unterschribe. Und all das während sich in Deutschland die Vorgänge entfalteten, die in Kentenichs Exil in Milwaukee endeten.

Forschungsgruppe

Besuch von Pater Kentenich in Paso Mayor, 1952. Rechts: Pfr. Maibach

 

Das zweite Kriterium war die Tatsache, dass die Kandidaten die verschiedenen internationalen Gemeinschaften und Schönstatt-Organisationen repräsentierten. Das heißt, dass die Verbände, die Institute, das Josef-Kentenich-Institut als leitende Forschungseinrichtung vertreten waren – alles so weit wie möglich. Aus diesem Grund wurden die Leiter und Generaloberen jeder Gemeinschaft und Organisation gebeten, ihre Kandidaten vorzustellen. Das bedeutet, dass die Mitglieder der Gruppe über die Verantwortlichen ihrer Gemeinschaft gewählt wurden. Dies geschah genau deshalb, um ihrer Präsenz als Stimme ihrer Gemeinschaft oder Organisation Legitimität zu verleihen.

Das dritte Kriterium war die Tatsache, dass sie über reichlich Forschungserfahrung und einen angemessenen universitären akademischen Rahmen verfügen. Es ist nicht wichtig, dass sich die Disziplinen stark unterscheiden. In der Forschung arbeitet man heute in der Regel mit transdisziplinären Gruppen.

Selbstverständlich müssen ausreichende Kenntnisse der Theorie und Praxis des Gründer Schönstatts vorhanden sein, was im Falle der ausgewählten Personen voll und ganz gewährleistet ist.

 

In einer ersten Reaktion auf die Nachricht erhielten wir einige kritische Fragen oder Kommentare auf schoenstatt.org wie: Ich habe folgenden Zweifel: Wenn das Bistum Trier bereits eine Kommission zur Untersuchung der Situation Pater Kentenichs gebildet hat, warum dann noch eine weitere von Seiten der internationalen Bewegung?

Die Frage ist besonders wichtig, und ich danke Ihnen dafür, weil sie mir hilft, die konkrete Zielsetzung der IFG (Internationale Forschungsgruppe) zu klären.

Unser Ziel ist ein völlig anderes als das der von Trier eingesetzten Historikerkommission. Diese Diözesankommission soll auf neue Einwände reagieren, die sich zur Person des Schönstattgründers ergeben haben und auf jetzt freigegebenen Unterlagen aus dem ehemaligen Heiligen Offizium beruhen. Diese Elemente sollten in die Causa Kentenich integriert werden, das heißt in den 1975 vom Bistum Trier eröffneten Selig- und Heiligsprechungsprozess. In letzter Zeit tauchten nochmals Fragen aus einer Dokumentation auf, die bereits in den Prozess integriert worden waren und jetzt öffentlich gemacht wurde. Der Einwand lässt sich, so wie ich ihn verstehe, so zusammenfassen: Wenn diese und jene Elemente aufgrund der Schwere der Anklagen in die Causa Kentenich aufgenommen wurden, wie ist es dann möglich, dass eben diese Anklagen dann nicht beachtet wurden und ein Seligsprechungsprozess praktisch bis zum Ende der diözesanen Phase fortgesetzt wurde?

Diese Antwort kann nur von einer neuen diözesanen Historikerkommission gegeben werden, die begründen muss, warum ersteres getan wurde und letzteres nicht, und die bestätigt oder korrigiert, was getan wurde. Die vorherige Historikerkommission hat ihre Aufgabe erfüllt. Daher wurde es notwendig, eine neue zu gründen.

Da es sich um ein Ereignis handelt, das sich vor 70 Jahren ereignet hat, und da die mutmaßlichen Täter und Opfer heute alle tot sind, ist das Urteil über das Geschehene das der Geschichte. Es ist weder Gegenstand der Straf- noch der Ziviljustiz. Wenn es Ereignisse gegeben hat, die angezeigt werden könnten, so sind diese längst außerhalb des Zugriffs der Justiz.

Das Problem mit dem Fall Kentenich ist, dass wir es hier mit einem offenen Heiligsprechungsverfahren zu tun haben, das vom Kirchenrecht geregelt wird und letztlich von der Heiligsprechungskongregation in Rom abhängt. Deshalb gibt es noch ein zu fällendes Urteil: Es ist das Urteil, das bestimmt, ob eine Person ein Heiliger ist, der die Ehre der Altäre erhalten soll oder nicht.

Daher ist die Dimension der Historikerkommission größer als die einer normalen Diskussion auf dem Gebiet der Historiographie, bei der wissenschaftliche Argumente angeführt werden, um rekonstruieren zu können, was in der Vergangenheit geschehen ist oder nicht. Das Urteil der Historiographie ist immer offen für neue Diskussionen und Hypothesen. Wie in jeder Wissenschaft ist nichts endgültig. Ein kanonisches Urteil für die Seligsprechung einer Person hingegen ist irgendwann endgültig (manchmal vergehen Jahrhunderte), und die Kirche entscheidet, ob sie einer solchen Person die Ehre der Altäre gewährt oder nicht.

Sie fragen jetzt vielleicht: Warum halte ich mich so sehr mit dem Ziel der Historikerkommission und nicht mit dem der IFG (Internationale Forschungsgruppe) auf? Warum gestatte ich nicht, dass diese Kommission oder der Bischof deren Ziel definiert? Einfach deshalb, weil eine Kommission, die im Rahmen einer Heiligsprechungssache gebildet wird, keinen anderen Zweck haben kann. Sie kann nicht einfach beschließen, sich etwas anderem zu widmen.

Persönlich hoffe ich, dass die Klärung dieser Verfahren im Zusammenhang mit der Heiligsprechung Pater Kentenichs den Leuten hilft, den kompletten Unterschied zwischen unserer transdisziplinären Forschungsgruppe und der diözesanen Historikerkommission zu verstehen.

 

Was ist dann genau das Ziel der Forschungsgruppe?

Wir wollen das Studium der Theorie und Praxis Kentenichs vertiefen, indem wir uns von der Diskussion konkreter Fakten, die in letzter Zeit in den Vordergrund gerückt wurden, absetzen. Das bedeutet, dass wir mit niemandem direkt über diese Fakten diskutieren werden. Wenn wir mit jemandem diskutieren wollten und könnten, dann natürlich, außer untereinander, mit Pater Kentenich.

Die Aufgabe, die Pater Kentenich zugeschriebenen Taten zu untersuchen, obliegt dem Postulator der Causa und dem Bistum Trier, dessen Bischof,  der seinerzeit übrigens Bernhard Stein war. Er war es, der den Konflikt initiierte, durch den Kentenich für 14 Jahre vom Werk getrennt werden sollte, und der im Jahr 1975 den Heiligsprechungsprozess für Kentenich eröffnete. Die Arbeit der Historikerkommission der Diözese wird mühsam sein, da es Personen gibt, die mit zu untersuchenden Beweiselementen vertreten, dass in diesem Fall der mutmaßliche Täter in Wirklichkeit das Opfer ist, was bedauerlicherweise häufig erlebt wurde. Auf jeden Fall ist dies nicht meine Baustelle.

Unser Beitrag steht im Einklang mit dem tiefen Verständnis von Kentenichs lehrmäßigem Beitrag zur Religionspsychologie und -pädagogik, der auf einer neuen eigenen anthropologischen Vision beruht, die viele Aspekte der kirchlichen Tradition aufgreift und mit ihr im Einklang steht, die aber in einer neuen und sehr kreativen Synthese dargestellt werden. Diese Synthese entspricht der Forderung des soziokulturellen Profils der Menschen unserer Zeit. Was man als Spätmoderne bezeichnen kann und was Kentenich metaphorisch als „das neue Zeitenufer“ definiert.

Natürlich ist dies eine Arbeitshypothese. Wir müssen uns klar sein, dass wir vor einem originellen theoretisch-praktischen Beitrag stehen. Das ist der Gegenstand unserer Argumentation.

Dazu werden wir ausgewählte, vor allem nicht veröffentlichte Texte Kentenichs in deutscher und spanischer Sprache studieren. Es geht darum, bestimmte ursprüngliche technische Konzepte Kentenichs zu entfalten, die ein Universum von neuer Bedeutung eröffnen und die wissenschaftlich erklärt und vertieft werden sollten.

Dieser Weg wurde von vielen Kentenich-Forschern beschritten, die viele Jahre lang wissenschaftlich gearbeitet haben (Hug, King, Vautier, Strada, Sosa Carbó, Amrheim, Schlosser, Alliende Luco, Alessandri, Unkel…um einige zu zitieren, wohl wissend, dass ich zu Unrecht viele Leute auslasse), die uns vorausgegangen sind, deren Untersuchungen wir für die Hermeneutik der Kentenich-Konzepte und die in ihnen implizierte Lehre berücksichtigen werden.

Leider wurden die Ergebnisse dieser Untersuchungen in der akademischen wissenschaftlichen Welt nicht ausreichend verbreitet, noch waren sie der Mehrheit der Schönstätter bekannt und wurden von ihnen studiert. Sie wurden auch nicht in den Bereich der Übertragung gebracht, d.h. in didaktische Mittel überführt, die diese nicht leicht zu erklärenden Ergebnisse durch ein Instrument dieser Art zugänglich machen.

Der Grund?  Eine einseitige Konzentration auf die pastorale Praxis, wobei das immer wieder mit mehr oder weniger Erfolg Praktizierte mündlich überliefert wird, ohne jedoch ausreichend an der wissenschaftlichen Systematisierung der Prinzipien zu arbeiten, die diese Praxis stützen. Vielleicht könnten, wenn dies früher und mit besseren Ergebnissen gemacht worden wäre,  einige Fragen, die sich heute erneut zur Praxis Kentenichs stellen, robuster beantwortet werden.

Das Weglassen von Prinzipien und klaren Grundlagen gibt immer Raum für ambivalente Interpretationen. Dies strikt aus dem Versuch heraus gesagt, eine wissenschaftliche Hypothese zu begründen.

Welche Glaubwürdigkeit hat eine Kommission aus Schönstättern für Schönstätter, die sich einer „objektiven“ Wahrheit nähern wollen?

Nun, den Aktionsradius und das Ziel habe ich bereits definiert. In einer Forschungsgruppe wie der von uns vorgeschlagenen, die von der Hypothese eines originellen Beitrags zur Theorie und zur religiös-pastoralen Praxis Kentenichs ausgeht, müssen die Mitglieder notwendigerweise ein besonderes Interesse an Kentenich haben, und sie sollten von der Annahme ausgehen, dass dies eine wissenschaftlich erklärbare Realität sein kann. Entscheidend ist dabei tatsächlich nicht, dass jemand Schönstätter ist oder nicht ist, sondern dass er – im integralen Sinne des Wortes Kennen – Kentenich mit der größtmöglichen Tiefe kennt, und dass er ein Interesse an seinem System und seiner Praxis hat. Zugleich die Annahme eines originallen Beitrags Kentenichs in einem solchen System und einer solchen Praxis.

Es ist sehr schwierig, eine Person, die kein Interesse an Kentenich hat oder ihn nicht kennt, zu bitten, ihn zu erforschen. Und es ist noch schwieriger, ihn zu bitten, von der Hypothese auszugehen, dass Kentenich einen originellen Beitrag zum Wissen geleistet hat.

Was von einer Forschungsgruppe wie der unseren verlangt werden sollte, ist „wissenschaftliche Objektivität“. Was bedeutet das? Dass sie von einer Arbeitshypothese ausgeht, die eine Annahme, eine a-priori-Affirmation ist, und dass diese bei der Entwicklung der Forschung möglicherweise nicht bewiesen wird oder sich das Gegenteil erweist. In unserem Fall, dass Kentenich in Theorie und Praxis nicht wirklich etwas Neues zu sagen hat, und in diesem Fall wären seine Behauptungen und Praktiken nicht von größerem Wert.

Mit anderen Worten, wir müssen bereit sein, zu einer anderen Schlussfolgerung bezüglich der Ausgangshypothese zu kommen.

Sicherlich kann es auch einen Forscher geben, der sich in einen Autor vertieft, um ihn zu widerlegen. In diesem Fall ist die Ausgangshypothese das Gegenteil von unserer. Obwohl auch hier das Interesse an dem zu untersuchenden Autor gegeben ist.

Aber ein solcher Forscher muss die gleiche Forderung erfüllen:Er kann zu dem Schluss kommen, nicht wiederlegen zu können. Er kann zu Schlussfolgerungen gelangen, die seinem Ausgangspunkt zuwiderlaufen. Seine Argumente mögen schwach sein, ohne ausreichende Solidität. Die intellektuelle Ehrlichkeit des Forschers muss solche Ergebnisse annehmen, damit seine Arbeit Wissenschaft und nicht Ideologie ist, die um jeden Preis aufgezwungen werden muss.

Im Allgemeinen geht heute fast jede Forschung von der Frage aus, was an dem, was erforscht wird, neu ist, und nicht von einem Interesse, es zu widerlegen. Obwohl auch die Perspektive gültig ist.

 

Wie soll die Arbeit konkret durchgeführt werden? Vor Ort, virtuell, in kleinen Gruppen…?

Im Moment gibt es absolut keine Möglichkeit, von Angesicht zu Angesicht zu arbeiten. Wir haben bereits begonnen, über eine virtuelle Plattform zu arbeiten, und das wird – so vermute ich – noch lange so bleiben. Bei unserer Art von Arbeit wirkt sich das nicht wesentlich auf die Arbeit aus. Obwohl man natürlich die Wärme der persönlichen Begegnung vermisst. Die Gruppe wird in verschiedene Arbeitsteams aufgeteilt.

 

 Die Tatsache, eine kritische Ausgabe der Werke Pater Kentenichs gleichzeitig auf Deutsch und auf Spanisch zu machen, hat viele beeindruckt. Wie sehen Sie diese Tatsache: als Herausforderung, als Geschenk, als Antwort auf die Internationalität?

Es stimmt, dass es eine Herausforderung ist. Wir haben unsere Ambitionen etwas zurückgeschraubt. Zumindest in Bezug auf das in der geplanten Zeit behandelte Material. Ich hörte, dass Paul Vautier, den ich sehr gut kannte, weil er meinen Kurs während eines sehr intensiven Jahres begleitete, sagte, wenn man von allem eine kritische Ausgabe machen wolle, müsse man an 100.000 Seiten arbeiten.

Lassen Sie uns in diesen drei Jahren über die kritische Edition einiger Texte sprechen, die sich um Milwaukee drehen. Darauf haben wir das Forschungsfeld beschnitten. Wichtig dabei ist der kritische Apparat, der in den Einleitungen und Anmerkungen zum Ausdruck kommt. Im „Alpha-Projekt“ wird all dies erklärt und ein Zeitplan erstellt. Sie können es weitergeben.

Cronograma

1. Diskussion und Auswahl der Texte (Konsultation der gesamten IFG) 2. Verteilung der Aufgaben1.1Team zur Ermittlung (Vergleich) der Textquellen (Archiv), Diskussion und Festlegung des deutschen Textes: Anmerkungen zur Textkritik 1.2. Spanisches Übersetzungsteam 1.3. Team für die kritische Lektüre in literarischer (Formgeschichte und literarische Gattung) und wissenschaftlicher Dimension (Aussagerahmen der Kentenich-Doktrin: Theologie, Philosophie, pädagogische Religionspsychologie) 3. Festlegen des deutschen Textes (Text-Muster) 4. Übersetzung ins Spanische 5. Kritisches Lesen in der angegebenen dreifachen Dimension 6. Ausarbeitung des kritischen Apparates in Spanisch und Deutsch 6.1. Entwürfe 6.2. Vergleich, Diskussion 6.3. Definition der jeweiligen Einführung und der Anmerkungen zum kritischen Apparat 6.4. Abschlussbericht an das Generalpräsidium 6.5. Anpassungen 6. Beginn der digitalen und gedruckten Publikationsarbeiten (Kontakte mit Verlag, Satz, Druckerei…)

Coronograma Fase 2

1. Verteilung der Aufgaben: – Verantwortliche für pädagogische Herangehensweise -Verantwortliche für psychotherapeutische Herangehensweise 2. Fallauswahl 3. Bewertung der Textquellen 4. Kritische Lektüre aus psychotherapeutischer und pädagogischer Perspektive 5. Wissenschaftlich-kritische Bewertung der Herangehensweise an zwischenmenschliche Beziehungen, Annahmen, Methode, Ergebnisse, Erfolge und Fehler 6. Abschlussbericht an das Generalpräsidium 7. Anpassungen 8. Beginn der digitalen und gedruckten Publikationsarbeiten (Kontakte mit Verlag, Satz, Druckerei…)

Darüber hinaus wollen wir in unserem Fall über die Volltexte Rechenschaft ablegen, was auf eine sehr einfache problematische Ausgangssituation reagiert: Die meisten Publikationen wurden zum Zweck der thematischen Analyse stets nur in Teilen wiedsergegeben. Dies ist aus der Sicht der durchgeführten Studien ausgezeichnet, aber es fehlt dadurch die vollständige Veröffentlichung der Quellen dieser Studien, auch wenn nicht alles im entsprechenden Text den gleichen wissenschaftlichen Wert hat.

Wir hoffen auf die Hilfe der Mutter Gottes, so dass es auch ein Geschenk sein wird. Und Internationalität muss hier aus den bereits erwähnten Gründen unbedingt zum Ausdruck kommen.

Was ist mit der Zeit, die die Mitglieder der Gruppe (die ja fast alleberufstätig sind, Familie haben und eigene apostolische Projekte) aufwenden sollen? Wird erwartet dass sie das alles in ihrer Freizeit machen, also abends, am Wochenende und im Urlaub?

Im Prinzip arbeiten wir „ad honorem“, was für die Berufenen einen enormen Aufwand bedeutet. Ich bin mir dessen bewusst. Es ist möglich, dass sich bei der Entwicklung der Forschung die Möglichkeit einer Anbindung an eine Universität ergibt, was bei der Erlangung eines Zuschusses hilfreich wäre. Zumindest für die Veröffentlichung von Ergebnissen oder Forschungsmaterialien.

Welche Werkzeuge, Quellen und Texte stehen zur Verfügung? Werden die Archive der Institute geöffnet?

Die Forschungsgruppe arbeitet für das Generalpräsidium und hängt direkt von ihm ab. Eine schriftliche Bestätigung dieser Tatsache ist den Mitgliedern übergeben worden. Die Archive werden nach den Benutzungsregeln gemäß den Vorschriften des deutschen Episkopates über die Betreuung kirchlicher Archive für unsere Forscher geöffnet. Es gibt ausgezeichnete deutsche Transkriptionen der Quellen. Es würde ausreichen, ihren Referenzcode z.B. gegenüber dem Gründerarchiv oder einem anderen gleichartigen Archiv zu zertifizieren.

Was erwartet Pater Alejandro Blanco von dieser Arbeit? Wo sieht er Schönstatt am Ende der zwei- bis dreijährigen Forschungsarbeit, wenn das Ergebnis vorgelegt wird?

Ich hoffe, dass die Arbeit dazu dienen wird, die Hypothese, von der wir ausgegangen sind, aufzuzeigen. Wenn dies nicht der Fall ist, werden wir die Ergebnisse ebenso akzeptieren, wie es der intellektuellen Ehrlichkeit eines Wissenschaftlers entspricht.

Ich erhoffe mir ein Schönstatt, das wacher ist für die Herausforderungen der Zeit, das mutiger in die neue Zeit geht, das weniger Angst vor Risiken hat. Zeitgemäßer auf der Ebene von Papst Franziskus; mit einer größeren Fähigkeit zur Selbstkritik und Neuanpassung an die Erfordernisse der Zeit, ohne sich wegen eines möglichen Verrats an den Prinzipien des Gründers davor zu drücken. Dazu ist es in jedem Fall notwendig, sich über die Prinzipien klar zu werden und sie von den Formen der konkreten Anwendung zu unterscheiden, die immer wieder zu überprüfen sind. Andernfalls laufen wir Gefahr, Formen in Prinzipien zu verwandeln, wie es in der Geschichte der Kirche so oft geschehen ist. Im Vergleich zur Theologie: Offenbarung ist das Prinzip, die Tatsache, dass sie in Griechisch-Hebräisch oder Deutsch geschrieben ist, ist die Art und Weise, in der das Wort Gottes historisch geformt wurde. Es geht nicht darum, das Wort Gottes zu verändern, wenn wir das Gleiche in einer anderen Sprache sagen, nimmt ihm das nicht seinen Charakter der offenbarten Wahrheit.

Welches sind die drei größten Herausforderungen?

  1. Kriterien bei der Interpretation der Originalität von Kentenichs Beiträgen zu vereinheitlichen, Perspektiven hinzuzufügen, Konsens zu suchen.
  1. Eine qualifizierte Arbeit mit einem vollständigen kritischen Apparat seiner Texten zu leisten und die aus den Texten ausgewählten Themen sehr präzise zu entwickeln.
  2. Das Interesse der Schönstattfamilie, die in der Frage der Wertschätzung der ursprünglichen Beiträge des Gründers ziemlich verschlafen ist, zu wecken – auch im Sinne des Bewusstseins für Finanzierung dieser Forschung, wie es bei anderen Bewegungen der Kirche der Fall ist (ich denke zum Beispiel an die Fokolar-Bewegung) – und die sich zu einseitig einem pietistischen marianischen Modell zuwendet, das zwar gesund, aber harmlos ist, das die Volksfrömmigkeit fördert, aber das Gebiet der letztgültigen Fundamente vernachlässigt und die um jeden Preis die kirchliche Anerkennung des Gründers sucht und dabei ein grundlegendes Prinzip vergisst: es ist das Volk Gottes, das die Heiligen macht. In diesem Sinne ist unsere Entfaltung der Volksfrömmigkeit durchaus der geeignetste Weg zu diesem Ziel. Aber wir sollten die Arbeit an Kentenichs wissenschaftlichem Beitrag nicht vergessen, zumindest was die Hypothese betrifft, von der ich abgehe. Kann ich mich irren? Natürlich!

Und die drei am meisten erhofften Resultate?

Sie gehen ein wenig über die eigentliche Forschungsarbeit hinaus:

  1.  Eine Bewegung, die klarer und markanter agiert, nicht in einer vertikalen Umsetzung von Befehlen von oben wie in einer Armee, sondern in mitverantwortlicher Zusammenarbeit. Das heißt, eine Bewegung, die das föderale, synodale Führungsmodell  so weit wie möglich übernimmt.
  2.   Eine größere Harmonie, eine Herzlichkeit, eine demütige Offenheit, eine „Brüderlichkeit“ (in der Linie der „Fratelli tutti“) zwischen unseren verschiedenen Gemeinschaften, die in dieser Zeit als eine mit dem gemeinsamen Kreuz vereinte Gnade aus den Ereignissen der letzten Zeit zu entstehen scheint. Ich fühle mich wirklich sehr gerne als Bruder aller Gemeinschaften mit ihren Merkmalen und Akzenten, und ich möchte eine Schutzmauer für die am meisten verletzten sein.
  3. “Hoc novus tempus ad Patrem” (Die neue Zeit zum Vater) schrieb ich vor vierzig Jahren auf meine Bündniskerze. Das ist nicht mein persönliches Ideal. Das würde ich nicht verraten, sondern nur im Leben ziegen. Es ist ein strategisches Ziel, das mich seither begleitet. Ich hoffe, es  zu erfüllen.

Herzlichen Dank, Padre Alejandro!

Alpha-Projekt (pdf)

 

Original: Spanisch, 04.11.2020. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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