Veröffentlicht am 6. Mai 2019 In Misiones

Der Familientrupp auf Mission

CHILE, Marita Miranda Bustamante, vía Vinculo •

Achtzig Jugendliche, Kinder, Eltern und Priester nahmen an den herausfordernden Missionen von Agua Santa in Los Maitenes teil, einem Ort, der kürzlich von einem großen Brand getroffen wurde.—

„Die mit Abstand beste Sommerwoche“, schreibt ein junger Mann in seinen Instagram-Geschichten. Er kommt weder vom Strand noch von einer Kult-Destination. Er ist gerade aus Los Maitenes angekommen, einem Bezirk von Limache, den wahrscheinlich viele auf dem Weg nach Olmué, entlang der Eastman Avenue, passieren. Eine andere Sache ist, die endlosen Hügel mit ihren steilen Schluchten auf Lehmpfaden herauf- und wieder herabzusteigen und nacheinander an unzählige Türen zu klopfen, um ein Gespräch zu bieten, ein Wort der Hoffnung. Das macht die Familienmissionen aus, wie diejenigen, die in diesem Sommer 80 Personen erlebt haben, die vom Heiligtum „Coenaculo de Fundación“ in Agua Santa,  Viña del Mar, aufgebrochen sind.

Der Bezirk Los Maitenes war kurz zuvor durch ein lange nicht kontrollierbares Feuer heimgesucht worden; 29 Häuser sind an jenem glutheißen, windigen 3. Januar bis auf die Grundmauern verbrannt.

Einige Wochen vor dem Aufbruch mussten die Familienmissionen, die für den Ort Chincolco, wo sie bereits 2018 stattgefunden hatten, geplant waren, umorganisiert werden aufgrund von Renovierungsarbeiten im Gymnasium, dem einzigen Ort dort, der so viele Menschen hätte aufnehmen können. Und es erwies sich als schwierig, eine andere Option zu finden. Dann war das Feuer in Limache eine Spur der Vorsehung hin zu der Entscheidung für die Arbeit mit den Familien, die dort gerade erst begonnen hatten, ihre neuen Notunterkünfte zu beziehen.

Außerdem wurde fünf Tage vor Beginn der Misiones die Aufenthaltsgenehmigung für die Schule von Los Maitenes aufgehoben, und die Organisation musste sich eine andere Schule besorgen, was eine unmöglich zu Fuß zu bewältigende Entfernung zum Ort der Misiones bedeutete; also hieß es, zweimal am Tag langsam per Auto und Kleinbus hin und her…. Trotz allem war die Begeisterung der jungen Leute nicht zu toppen, als wir schließlich vom Heiligtum in Agua Santa aufbrachen, mit einem Bus und zehn Autos voller Rucksäcke, Lebensmittelkartons,Tellern und Gläsern, Zelten, Musikinstrumenten und großer Erwartung dieser Erfahrung unter dem Motto: „Mit Maria, der großen Missionarin, werde neues Land.“

 

Mit Zumba evangelisieren

Nach der ursprünglichen Idee von P. Hernán Alessandri zu Beginn der Familienmissionen waren unter den 80 Missionaren Ehepaare, Jugendliche, Kinder, Priester und Schwestern; die Jugendlichen kamen teils aus der Schönstatt-Bewegung, teils nicht, und zwar aus den Städten Viña, Valparaíso, Santiago und Casablanca, sogar ein Vertreter der Schönstatfamilie von Copiapó war dabei. Die Jugendlichen wurden begleitet von sieben Ehepaaren, dem Diakon Diego Cifuentes und dem Seminaristen Stanley Ukasoanya aus Nigeria.

Im Laufe der Jahre wurde der ursprüngliche Vorschlag für die Durchführung der Missionen an die Stimmen der Zeit angepasst. Bei den Misiones von Agua Santa haben die Jugendlichen einen eigenen Rat, der Seite an Seite, aber autonom, mit dem leitenden Ehepaar arbeitet. Der traditionelle Kindertee wurde durch Spielnachmittage ersetzt, und die Selbsterziehungs-Workshops für Erwachsene und Jugendliche, die in den letzten zwei Jahren nicht gut besucht worden waren, wurden durch eine Bastelwerkstatt ersetzt, die sich mit Müttern und Kindern füllte; dazu ein Zumba-Kurs und ein  Workshop über Landwirtschaft für Mikroproduzenten in der Region.

„Die Zeiten haben sich geändert und auch die Form der Evangelisierung. Wir glauben, dass wir auf diese Weise Menschen in der Stadtkapelle versammeln konnten, und zwar mit sehr menschlichen, alltäglichen Themen, die uns gerade deshalb erlaubten, über Gott zu sprechen. Denn genau das ist doch Religion. Das Verbinden des Menschlichen und des Göttlichen“, so Guillermo Novoa, einer der Leiter der Familien-Missionen.

Ein anderer wichtiger Moment war das Festival, bei dem Einheimische wie Missionare Talente präsentierten; und so haben sie überlegt, wie sie dieses Jahr tanzen, singen, jonglieren und künstlerische Werke und Kunsthandwerk von Anwohnern ausstellen.

Darüber hinaus boten die Missionare eine Theaterdarstellung des Kinofilms Coco, in dem die Darsteller sangen, spielten und tanzten, um die Bedeutung des Erinnerns und Betens für unsere Verstorbenen zu vermitteln. Es wurde ein typisch mexikanischer Totenaltar mit Fotos von Verstorbenen aus der Gemeinde Los Maitenes errichtet, und die Veranstaltung begann mit einem Gebet für sie.

In diesem Jahr haben die Missionare besonderes Augenmerk auf die praktische Unterstützung der Gemeinde gelegt, indem sie auf zwei lokalen Radiosendern präsent waren, das Mädchenheim  Refugio de Cristo en Limache besuchte und einfach für alle notwendigen Arbeiten wie Jäten, Graben, Einzäunen ihre Hilfe anboten, vor allem im Gebiet der Carrera-Allee, wo das Feuer gewütet hatte.

Von Gott zu reden ist nicht immer so einfach

Trotz der Bemühungen ist die Missionsaufgabe heute nicht überall einfach. Es gibt weniger Türen, die sich öffnen, weniger Teilnehmer bei den Aktivitäten und viele lassen ihren Zorn und ihre Wut aufgrund des sexuellen Missbrauchs von Priestern spüren. Daher ist die Herausforderung groß.

So hat Delfi Nazar (21 Jahre) es erlebt: „Es war eine Mission, bei der ich mich mehr als ein Soldat Christi gefühlt habe als je zuvor. Ich musste die Kirche viel verteidigen, wie nie zuvor in meinem Leben. Es ging diesmal nicht nur darum, mit den Menschen den Glauben zu teilen, sondern es ging um ein Gespräch, das in Bezug auf bestimmte Themen, vor allem den Missbrauch durch Priester,  geführt wurde und zu erklären versuchte, dass am Ende von allem Gott es ist, der uns eint.“

Auch für Beatriz Lagos (18 Jahre) war es eine schwierige Aufgabe und eine große Erfahrung: „Wir sahen ein reduziertes Publikum, etwas misstrauisch, widerstrebend und mit wenig Interesse daran, uns die Tür zu öffnen. Auch die geringe Teilnahme an angebotenen und geförderten Aktivitäten war für uns eine Quelle von  Enttäuschung und Frust, da wir das Gefühl hatten, der anvertrauten Mission nicht vollständig nachzukommen. Die wenigen, die uns sehr herzlich  willkommen geheißen haben, nahmen unsere Unterstützung an, um zu reden und bei der Hausarbeit, beim Bau und sogar beim „Garten“ zu helfen. Und um ihre Wertschätzung für unsere Arbeit zu zeigen, ließen sie die Tür offen und drückten sich sogar in Geschenken unterschiedlichster Art aus: von landwirtschaftlichen Erzeugnissen bis zu einer Dankesrede in der Kirche. Im Endeffekt bedeutet Quantität nicht Qualität und diese wenigen Leute waren die Erinnerung daran, warum wir Missionare sind und wo Land ist, kann immer Neues geboren werden „, sagt sie.

Alles für ein einziges Gebet

Nach acht Tagen von Einsatz, langen Wegen bergauf, Spielen mit den Kindern,  beharrlichem Gebet und intensiver Arbeit, war es Zeit, sich bei der Sonntagsmesse in Los Maitenes zu verabschieden.

An diesem letzten Tag war die Kapelle der Unbefleckten Empfängnis richtig voll. Nach dem Schlusssegen stürmte eine Frau aus dem Ort in die Kirche. Mit Gesten bat sie den Priester, das Wort ergreifen zu dürfen. Sie ergriff das Mikrofon und entschuldigte sich für die Verspätung. Sie sagte, an jenem fatalen 3. Januar seien alle Häuser in ihrer Nachbarschaft abgebrannt, aber ihres sei verschont worden. Darum habe sie gebetet und gebetet, dass jemand käme und ihr Haus segne, weil sie das so sehr brauche. Und bei diesen Misiones sei es nicht nur einmal, sondern dreimal gesegnet worden. Gott habe sie endlich erhört und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um 80 Leute herzubringen wegen eines einzigen Gebets aus dem Glauben.

Was macht es aus, dass dies „Familienmissionen“ sind?

Ein grundlegender Teil der Familienmissionen ist die interne Mission, die Möglichkeit, Familienwärme zu erfahren und Glaubenserfahrungen in einer Gemeinschaft verschiedener Altersgruppen und Stände zu teilen. Dazu einige Zeugnisse:

Delfi Nazar, junge Missionarin: Es gibt wenige Familien, in der alle Mitglieder gläubig sind. Diese Gelegenheit zu haben, den Glauben mit einer Familie zu leben und Bindungen aufzubauen, ist einfach unbeschreiblich, bei dem wir nur eines realisieren können: die Liebe Gottes. Diese Erfahrung des Glaubens in Familie und mit Familien zu leben, ist eine Bereicherung für beide Seiten. Man lernt viel von den Älteren (Erfahrung) und die Älteren von den Kleinen (Unschuld und Einfachheit). Das haben eben nicht alle Missionen, dass es Familien-Missionen sind, gibt ihnen einen außergewöhnlichen Bonus, den zumindest ich in all meinen anderen Missionen noch nie erlebt oder empfunden habe.

 

Claudia Romo, Mutter: Die Atmosphäre, die uns in diesen Tagen gegeben wird, ist ein wahrer Segen Deine Familie wächst an Zahl, du lernst Jugendliche kennen, die richtig anpacken, die bereit sein, eine ganze Woche Urlaub zu investieren, um sie anderen zu geben und Gott durch jeden von ihnen handeln zu lassen. Die Vorstellungen sind unterschiedlich und auch ihre Anliegen. Oft kommen sie auf der Suche nach einer Begleitung, und wenn die Begegnung im Wort, im Hören, im  missionarischen Arbeiten stattfindet, handelt Gott auch dort. Als Eltern „auswärts“ Familie schaffen, außerhalb der Wohlfühlzone, lädt uns ein, uns anderen zu schenken, deine Kinder im missionarischen Einsatz zu beobachten und von ihnen und anderen Jugendlichen zu lernen, weil sie neues Leben, Initiative und Hochherzigkeit bringen.

 

Matías Montecinos, junger Missionar: Ich hatte das Glück, mit meinen Eltern und ohne sie Familienmissionen zu leben, und in beiden Fällen hatte es je ein anderes Gewicht. Es ist wirklich hilfreich, eine stärker geeinte Gemeinschaft zu bilden und zu zeigen, dass es kein bestimmtes Alter gibt, um Missionar zu sein, egal ob diese Gemeinschaft nun deine eigene Familie ist oder die von jemand anderem ist, es hilft immer, die Begegnung mit Gott viel inniger zu erleben.

 

Constanza Varas, junge Missionarin:  Am wichtigsten sind die Verbindungen, die zwischen verschiedenen Altersgruppen entstehen. In der Lage zu sein, von den anderen zu lernen, macht diese Missionen wirklich zu einer Familie. Den Gott und die Spiritualität einer Person im Alter von 50 Jahren und einer Person im Alter von 15 Jahren zu teilen, während sie zusammen ein Haus besuchen, gibt diese Missionen einen besonderen Stempel. Die Bindungen, die bleiben und die, die gestärkt werden, sind das Markenzeichen von Schönstatt. eine großartige Familie, in Gott gemittet.

 

Lola Bordera, Mutter:  Gott ist kein Einzelgänger, sondern ein Gott-Familie. Deshalb gefallen Gott wohl die Familien-Missionen, weil seine Botschaft sich in der Familie besser vermittelt.

 

Beatriz Lagos, junge Missionarin:  Das mit den Familien-Missionen ist wichtig, weil man sie letztendlich in Gemeinschaft lebt, was keine leichte Aufgabe ist, weil man lernen muss, miteinander zu leben, nachzugeben, den anderen zu respektieren und zu gehorchen, wie es eben in einer Familie ist. Daraus wächst die Verbundenheit, die in der Interaktion von Eltern und „Kindern“ – den eigenen oder den Misiones-Kindern, verstärkt wird. Außerdem erzeugt diese Dynamik von missionarischem Tun als Familie Gemeinschaft, Verbundenheit und Begleitung fürs Leben.

 

Quelle:  „Vínculo“, Chile.

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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