Veröffentlicht am 11. Mai 2018 In Werke der Barmherzigkeit

Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht

PARAGUAY, Pedro Cáceres •

Im Jahr der Barmherzigkeit ermutigte uns Papst Franziskus, als einWerk der Barmherzigkeit Gefangene zu besuchen. Eines Tages sagte ich während einer Pfarraktivität mit vielen Teilnehmern, wie schwer es mir falle, dieses Werk der Barmherzigkeit zu verwirklichen, weil ich weder jemanden kenne, den ich besuchen könnte, noch jemanden, mit dem ich dorthin gehen könnte. Mitte des Jahres 2016, während eines Gespräches mit Padre Pedro, lud er mich ein, ihn an einem Samstag bei der Gefängnispastoral zu begleiten. Während dieser Woche und nach gründlichem Nachdenken (vielem Überlegen) entschied ich mich dafür die Einladung anzunehmen und ins Gefängnis zu gehen. —

 

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Es war so weit, und ich kam pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt. Wir betraten das Gefängnis, und ich fühlte mich sehr ängstlich und unsicher bei dem Gedanken, was passieren könnte und wie meine Begegnung mit den Gefangenen sein würde. Bei der ersten Gruppe, der ich mich vorgestellt habe, war es sehr kompliziert, da ich nicht wusste, welche Wörter ich wählen und wie ich mich ausdrücken sollte.  Gleich darauf kam einer der Jungen zu mir und begrüsste mich total freundlich. Wir begannen uns zu unterhalten und einander kennen zu lernen. Dieser Moment war sehr hilfreich für mich, ich fasste Vertrauen und war weniger nervös. Danach gingen wir zu den anderen Gruppen von Jugendlichen und ich nahm so viele interessante Dinge bei ihnen wahr.

Nachdem die Aktivitäten zu Ende waren mitten im Plaudern mit den anderen Mitgliedern der Gefängnispastoral entschloss ich mich,  am folgenden Samstag wiederzukommen.

So kam der zweite Samstag, und der dritte …

So kam es, dass ich immer wiederkehrte, jedoch mit einer anderen inneren Einstellung, ruhiger, mehr dabei und mitteilsamer.

Ich nahm an den Katechesegruppen teil, beobachtete und analysierte das Verhalten der Jugendlichen  und ihr Interesse an dem, was Ihnen gezeigt wurde.

Am Ende des Nachmittags verpflichtete ich mich aufs Neue, am darauffolgenden Samstag wiederzukommen.

Heute sind es fast zwei Jahre, seit ich jeden Samstag als Katechet ins Gefängnis gehe und Mitglied der Gefängnispastoral bin.

Was ist der Grund für meine Motivation in dieser Pastoral?

Vom ersten Tag an nahm ich die Wirklichkeit dieser Jugendlichen hinter Gittern wahr.

Ich kann bezeugen, dass sie in erster Linie  Opfer sind. Keiner von ihnen hatte eine gute Kindheit; weder eine stabile Familie, noch irgendeinen Menschen, der sie gut begleitet hat. Sie hatten keine Erziehung und vor allem fehlten Zärtlichkeit, Liebe und Begleitung.

Viele leben auf der Straße, ohne Familie, in Unsicherheit und totaler Verlassenheit.

Andere haben geschiedene Eltern oder leben bei den Großeltern.

Die andere Seite der Medaille

Heute kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Wirklichkeit dieser Jungen so anders ist als alles, was wir uns vorstellen können.

Ich lade Sie ein, die andere Seite der Medaille anzusehen und nicht bei den Vorurteilen «das sind alles Drogenabhängige und Verbrecher» stehen zu bleiben.

An erster Stelle sind sie alle Kinder Gottes. Sie sind Jugendliche, Erwachsene oder Kinder die, womöglich unter Umständen einen oder mehrere Fehler begangen haben, die aber eine Chance verdienen durch eine Familie, einen Freund, jemandem der ihnen die Hand reicht oder sie umarmt.

Und jemand muss es ihnen sagen

Mithilfe der Gefängnispastoral können wir viele von ihnen erreichen; wir kennen ihre Geschichte, ihre Probleme und ihre Bedürfnisse. Wir bezeugen, dass niemand verloren ist, viele von ihnen sehnen sich danach sich zu ändern und bessere Menschen zu werden. In ihnen können wir Jesus begegnen, in jeder Umarmung, in jedem Blick oder nur im Wechseln einiger Worte. Sie brauchen dich, sie bauchen mich und uns alle, um eine bessere Zukunft schmieden zu können, voller Licht und Hoffnung, um ein gesünderes Leben zu leben. Wie Don Bosco sagte: «Es gibt keine schlechten Jugendlichen, es gibt nur Jugendliche, die nicht wissen, dass sie gut sein können,  und  jemand muss es ihnen sagen.“

Fotos: Javier Vera

Original: Spanisch. Übersetzung: Melanie Grauert, Ebikon, Schweiz

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