cárcel de menores

Veröffentlicht am 2022-06-21 In Gefängnispastoral, Projekte, Schönstatt im Herausgehen, Solidarisches Bündnis, Werke der Barmherzigkeit

Und während sie isst, merkt die Menge, dass Jesus sich um alles kümmert

PARAGUAY, Maria Fischer •

„Jesus kümmert sich um die große Menschenmenge, die ihm folgte, um sein Wort zu hören und von verschiedenen Übeln befreit zu werden“, sagte Papst Franziskus an diesem Sonntag, dem 19. Juni, dem Fronleichnamsfest in Italien und in vielen Ländern, beim Angelus. „Das Wunder der Brote und Fische geschieht jedoch nicht auf spektakuläre Weise, sondern fast zurückhaltend, wie beim Hochzeitsmahl zu Kana: Das Brot vermehrt sich, während es von Hand zu Hand geht. Und während sie isst, merkt die Menge, dass Jesus sich um alles kümmert.“ Ich denke spontan an die „Brote“, die Samstag für Samstag im Jugendgefängnis in Itauguá, Paraguay, verteilt werden, und an den Besuch, den ich vor fast zwei Monaten zusammen mit Cristy, Pater Pedro und dem gesamten Team der Gefängnispastoral, den Ehepaaren von San Lorenzo und den jungen Leuten der MUC (Katholische Universitätsmissionen) in diesem Gefängnis gemacht habe. —

„Du hast ja helle Augen“. Erste Worte nach vier Jahren ohne die Möglichkeit, das Jugendgefängnis in Itauguá zu besuchen. „Niemand hier hat helle Augen…“. Es gibt etliche Menschen mit hellen Augen in Paraguay, auch unter dem Team, das an diesem heißen Nachmittag die jungen Leute hinter Gittern besucht. Aber die jungen Gefangenen haben alle dunkle Augen. „Als Kind wollte ich immer dunkle Augen haben, ich fand die viel hübscher als meine graugrünen“, antworte ich den beiden Jungen, die an der Tür sitzen. Dieser Satz über Augenfarbe ist „meiner“, der, den ich dann anfüge, der kommt nicht von mir: „Jesus hatte doch auch dunkle Augen“. Und in diesem Moment sehe ich ihn, sehe ich Jesus in den dunklen Augen dieser beiden jungen Männer, deren Lebensgeschichte ich nur erahnen kann. Mit ihnen bewege ich mich nach innen und spüre, dass ich endlich wieder da bin… und wie sehr ich diesen Besuch, diese jungen Leute vermisst habe. „Haben sie dir das Herz gestohlen?“, fragt mich Cristy, und es ist mehr ein Kommentar als eine Frage. „Mir auch.“

Mis tres amigos

Meine drei Freunde

Zuhören, reden, teilen

Wie in der Geschichte von der Brotvermehrung kommt auch bei diesen Besuchen im Jugendgefängnis das Essen zuletzt. Es gibt drei Orte, an denen wir die jugendlichen Häftlinge treffen: im Hof des Jugendtrakts, im neuen Trakt derjenigen, die während ihrer Inhaftierung volljährig geworden sind und nun hierbleiben können. Zuvor mussten sie in das Erwachsenengefängnis Tacumbú gehen, das größte Gefängnis des Landes, das derzeit 2.954 Insassen hat, obwohl es nur 1.560 Männer aufnehmen kann. Es ist die Hölle. Vor allem für junge Menschen ab 18 Jahren mit Geschichten von Missbrauch, Gewalt, Verlassenheit… Der letzte Ort, den wir besuchten, ist „La Esperanza“, ein halboffener Strafvollzug für junge Menschen mit einer guten Prognose.

Wie damals in Bethsaida hören wir zuerst den jungen Leuten zu und sprechen mit und zu ihnen. Pater Pedro versteht es, die Ehepaare aus San Lorenzo (die vor einigen Monaten versprochen haben, für Empanadas und Erfrischungsgetränke zu sorge und die auch an den Besuchen teilnehmen wollen), die Jugendlichen, die in der Karwoche im Gefängnis missioniert haben, das Team der Gefängnispastoral und diese deutsche Frau vorzustellen, die aus dem gleichen Land wie er, aus Deutschland, kommt. „Ich will nach Deutschland“, ruft Alexis, einer der drei Jungen, die bereits meine Freunde geworden sind. Ahh, sagt Pater Pedro, dann müsst ihr viel, ganz viel für das Ticket sparen… und Deutsch lernen. Ohhh….

Die jungen Leute, die sich auf den Empfang der Sakramente vorbereiten, gehen zu einer kurzen Katechese, diejenigen, die mit dem Pa’i „reden“ wollen, gehen mit ihm… und die anderen bleiben bei mir. Sie sind sehr jung, viele von ihnen sind erst seit zwei oder drei Wochen im Gefängnis. Sie haben Angst, sie haben Träume, sie haben Geschichten… Als sie merken, dass ich kein Guarani verstehe – mehrere von ihnen können kein Spanisch – enden wir mit Guarani-Unterricht für mich (trotz der Bemühungen meiner drei Freunde und anderer, ein totaler Fehlschlag meinerseits) und Deutsch für sie – mit etwas mehr Erfolg, denn plötzlich ist überall ein lautes „Tschüss, Pater Peter!“ zu hören… So viel Freude in diesen Gesichtern…

Carcel de menores

Für wen sollen wir beten?

„Das Wunder der Brote und Fische geschieht jedoch nicht auf spektakuläre Weise, sondern fast zurückhaltend, wie beim Hochzeitsmahl zu Kana…“, sagt Papst Franziskus. Wir sind in diesem neuen Pavillon, dem neu gebauten Pavillon für Volljährige. Nach der Katechese, dem Austausch, den Umarmungen kommt der große Moment der „Brote und Fische“. Aber zuerst dieser unvergessliche Moment des Gebets: Für wen beten wir, fragt Pater Pedro, und die Antworten kommen sofort, drängend, ohne Nachdenken, ohne Innehalten: für meine Mutter, für meine Großmutter, für meine Freundin… ja, genau, so beten wir doch alle. „Für diese Frau, die ich überfallen habe…“, für die Menschen, die unter meinen Diebstählen gelitten haben, für die Menschen, denen ich Unrecht getan habe, für die, die uns besuchen, für Cristy und Belén und Maria…

Unter dieser prallen Sonne, mit diesem Geruch von Gefängnis, Hunger und Einsamkeit, verwandelt sich das Wasser in Wein… und ich spreche eines meiner intensivsten und reinsten Gebete für die Menschen, denen ich Unrecht getan habe, für die jungen Menschen, die ich heute und bei früheren Besuchen getroffen habe, für die Wohltäter, für Freunde, die in diesem Moment allein sind, krank…

Cárcel de menores

Gebet

Rund um den Tisch

Als wir schon fast in der Abenddämmerung bei „La Esperanza“ ankommen, ist niemand da… Minuten später kommen die jungen Leute zurück. Sie haben draußen gespielt… zum ersten Mal nach den zwei unendlich langen Jahren der Pandemie.

In „La Esperanza“ finden die Besuche, wie in allen Gefängnissen, im Freien statt, um sich vor der Ansteckung mit COVID zu schützen. Hier gibt es einen langen Tisch, und fast alle von uns sitzen um diesen Tisch herum, plaudern, hören zu… Die Katechismusgruppe geht an einen etwas entfernten Ort, einige der anderen jungen Leute kommen und gehen, und einige „sprechen“ mit Pater Pedro, mit der Absolution am Schluss für die Getauften, mit einer Umarmung für alle…

Schließlich das Essen. Empanadas, Limonade, ein paar Süßigkeiten… Und wie in dem Moment der Brotvermehrung blieb am Ende noch etwas übrig. Mit großer Sorgfalt teilen die Ehepaare die Reste mit Zweier- oder Dreiergruppen, die sich eine Empanada oder eine Dose Limonade teilen müssen. Wir sind im Gefängnis…

Und während sie essen, merkt die Menge, dass Jesus sich um alles kümmert.

Cárcel de menores

Um das Besuchsprogramm im Jugendgefängnis fortsetzen zu können, braucht das Team Gebete (viel), Gnadenkapital (auch viel) und Spenden (nicht wenige):

Spenden
Bankkonto in Paraguay
Bank GNB
Konto-Nr. 001-065259-003
Kongregation der Schönstatt-Patres

Bankkonto in Deutschland
Name: Schönstatt-Patres International e. V.
IBAN: DE91 4006 0265 0003 1616 26
BIC/SWIFT: GENODEM1DKM
Verwendungszweck: Pater Pedro Kühlcke, Gefängnis

Fotos: Cristy Santacruz, Maria Fischer

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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