migrantes

Veröffentlicht am 2021-10-18 In Schönstatt im Herausgehen, Werke der Barmherzigkeit

Gemeinsam auf dem Weg zu einem immer größeren Wir

CHILE, Rolando Orellana und Monchi Pisani •

„Es war ein herzzerreißendes Bild, das um die Welt ging. Matratzen, Decken, Kleidung, Kinderspielzeug und sogar Windeln einer Gruppe von Venezolanern wurden verbrannt, während ein Mob von Demonstranten Parolen gegen Ausländer rief…“, konnte man Ende September, kurz vor dem Welttag der Migranten und Flüchtlinge, auf der Website von BBC Mundo lesen. Fremdenfeindlichkeit, Hass gegen Migranten, Gewalt gegen sie und Missachtung ihres Lebens, die Gründe für ihre Flucht, die Folgen an Leib und Seele für sie, vor allem für Kinder: ein Anliegen von Papst Franziskus und vieler Menschen guten Willens, wenn man sieht, was mit Migranten in Europa, in Afrika, im Nahen Osten, in den Vereinigten Staaten und auch in Chile geschieht. Konkret in Iquique, wo ein Ehepaar aus der Apostolischen Schönstatt-Bewegung die Bündniskultur ernst nimmt. —

Gestern haben Sie wahrscheinlich die Nachricht von der Vertreibung von Einwanderern in Iquique gesehen und heute die Nachricht von einer Demonstration gegen Einwanderung.

Ich möchte mit Ihnen unsere Beziehung, oder besser gesagt, Monchis Beziehung zu dieser Armut ohne Hoffnung, ohne Toiletten, ohne Privatsphäre, ohne Essen, ohne Arbeit, ohne alles teilen. Wir kannten sie nicht, und wir wussten auch nichts davon.

Iquique - migrantes | Fuente: Cooperativa Iquique

Wir sitzen alle im selben Boot und sind aufgerufen, uns zu engagieren, damit es keine Mauern mehr gibt, die uns trennen (Papst Franziskus)

Wir wissen oder glauben zu wissen, dass es in unserem Chile viele Brüder und Schwestern gibt, die in Armut leben, aber sie werden von ihren Mitmenschen nicht verachtet. Sie haben einen Ort, an dem sie sich erleichtern können, auch wenn es kein gefliestes Badezimmer ist. Sie haben die Möglichkeit, wenn auch spät in einem Krankenhaus behandelt zu werden, aber das hier ist anders, es ist die Welt der Syrer, der Palästinenser, der Juden in Nazideutschland, es schreit zum Himmel.

Monchi hat in der letzten Woche einigen helfen können. Im Wesentlichen ging es darum, Würde und Empathie zu vermitteln, darunter drei junge Familien mit ungeborenen Kindern, die in einem Wohnheim von Hogar de Cristo Unterkunft bekommen haben, um das Zelt am Strand für ein paar Wochen zu verlassen.

Außerdem haben wir zwei jungen Menschen bei der Arbeitssuche geholfen, Snacks verteilt, mindestens 2 Kinderwagen, 4 Zelte und mehrere Schlafsäcke gekauft. Es besteht ein enormer Bedarf.

Heute sahen wir im Fernsehen den Marsch gegen die Einwanderer, und wir fühlten Scham, Traurigkeit, Wut, Angst… wir hoffen, dass wir nie in eine solche Situation kommen, mit Menschen um uns herum, die zufrieden im Wohlstand leben und uns ablehnen.

Wir haben ein ganz anderes Wochenende erlebt. Wir haben das Leid vieler Menschen mit Migrationshintergrund erfahren. Hunderte von Venezolanern leben am Strand, Familien mit Kindern, Säuglingen, alle an den Strand geflohen… es ist schwer, nach unten zu schauen, ohne sie zu bemerken.

migrantes | Fuente: Cooperativa Iquique

Die Journalistin aus Venezuela

Vor einem Monat waren wir auf dem Weg zum Mittagessen in einem netten Lokal in der Nähe des Strandes und sahen viele Familien auf dem Weg Paseo schlafen, der früher ein normaler Platz für alle Menschen hier in der Stadt war, aber jetzt war er besetzt. Wir waren auf dem Weg zu einem Restaurant, um zu Mittag zu essen, und was ein besonders entspannter Spaziergang hätte werden können, war der Moment, in dem wir mit der Realität in Berührung kamen, die wir schon eine Weile beobachtet hatten: eine sehr junge Mutter mit zwei kleinen Mädchen, eines zwei Jahre und das andere drei Monate alt, auf dem Arm, und die Mutter machte die Geste, an dem Ohr des kleinen Mädchens zu ziehen, und es begann zu weinen, ohne zu verstehen warum. Ich denke an die extrem schwierige Situation, in der sich alle befinden, an die Traurigkeit, die Ungewissheit, die Müdigkeit, die fehlende Zukunft, den Hunger, die Kälte, die soziale und menschliche Verlassenheit, an alles! Alles hat sie dazu gebracht, so mit ihrer Kleinen umzugehen. Ich hatte den Impuls, zu ihr zu gehen und mit ihr zu sprechen, ihr zuzuhören und sie zu umarmen, und sie in meinem Herzen um Vergebung zu bitten!

Mein Mann gab mir einen Geldschein, den ich ihr geben sollte (das haben wir schon bei vielen Familien gemacht, die wir getroffen haben, ich habe auch Lebensmittel und andere Dinge zu den Familien gebracht, die wir von unserem Fenster aus gesehen haben, aber ich hatte nicht die enorme Verbindung gespürt, die ich zu ihr hatte). Und als ich ihr den Schein gab, kamen ihr vor lauter Kummer die Tränen. Sie erklärte mir, ohne dass ich etwas sagte, dass ihr kleines Mädchen sich nur noch an sie klammere und sie allein war, dass ihr Mann weggegangen war, um etwas zu holen, was ihm angeboten worden war, dass sie gerade am Morgen die Notunterkunft verlassen hatten, weil die Quarantäne vorbei war, und dass sie nun nicht wussten, was sie tun sollten.

Sie war Journalistin und ihre Dokumente waren gestohlen worden. Ich drückte sie fest und wir gingen mit der festen Absicht, wiederzukommen. Wir gingen in das Restaurant und da war alles so, als wenn nichts passiert wäre. Mein Herz war angespannt, ich war dankbar, bei meinem Mann zu sein, die Lust am Essen war mir vergangen. Gnadenkapital.

Wir haben viel darüber gesprochen und beschlossen, ihnen ein Zelt zu kaufen. Wir gingen zurück, um sie zu fragen, ob sie einen bekommen hatten, und ich erfuhr, dass einige junge Leute von Hogar de Cristo ihnen Sandwiches und Snacks gebracht hatten, und sie hatten auch ein Zelt bekommen. Ich habe ihnen mehr Geld dagelassen, damit sie eine Simkarte für ihr Telefon kaufen und ich sie anrufen könnte, darauf haben wir uns geeinigt, und ich würde morgen wieder kommen. Ich habe für sie Kekse gebacken und ihnen Suppe, Kleidung und Hygieneartikel zusammengepackt… aber ich konnte sie nicht finden. Ich habe sie angestrengt gesucht, und die Leute sagten mir, sie seien weg.

Diese unglaubliche Hoffnung, dass es hier gut werden würde

Ich traf zwei junge Frauen mit einem 10 Monate alten Baby, die gerade erst angekommen waren und noch keine Quarantäne hinter sich hatten, weil sie dafür bezahlt hatten, aus Bolivien hierher gebracht zu werden, so dass sie den Papierkram nicht in Colchane erledigen mussten. Sie waren super nett und voller Optimismus, sie kannten natürlich niemanden, also habe ich ihnen alle Sachen gegeben, auch den Kinderwagen. Sie waren sehr glücklich und voller Hoffnung, dass es ihnen hier gut gehen würde.

Es ist irgendwie tragisch, denn ich war so besorgt, die junge Familie nicht mehr gefunden zu haben, und als ich diese jungen Frauen ansprach und sie mir sagten, dass sie gerade angekommen waren, als ich sie da mit dem Baby im Arm sah, bot ich ihnen die Sachen an. Als ich mich verabschiedete, umarmte ich sie und begann zu weinen, es war seltsam, sie trösteten mich!

Heute erinnerte uns ein Freund an Folgendes: Die Heilige Familie waren Einwanderer, sie waren in einem fremden Land, niemand nahm sie auf, alle verschlossen ihre Türen, niemand nahm sie auf, um die Ankunft Christi zu empfangen!


Für eventuelle finanzielle Hilfe, die Sie über Monchi für die Einwanderer leisten möchten, überweisen Sie bitte auf sein Konto: Banco Estado / Konto RUT: 7395857 / RUT: 7395857-1 / [email protected]

Quelle: Vinculo, Oktober 2021. Mit Genehmigung der Herausgeber

Original: Spanisch, 17.10.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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