Veröffentlicht am 2016-09-18 In Franziskus - Botschaft

Maria hütet uns wie eine Mutter

FRANZISKUS IN ROM, AICA und Redaktion •

In der Heiligen Messe in der Kapelle von Santa Marta hat Papst Franziskus am 15. September, dem Fest der Sieben Schmerzen Mariens, daran erinnert, dass Maria uns hütet, weil sie Mutter aller Christen ist und weil unter ihrem Schutzmantel kein Reinkommen für den Teufel ist. Maria stehe zu Jesus, wie eine Mutter zu ihrem Kind steht, egal was es getan hat – denn es ist ihr eigenes Fleisch und Blut.

In einer Welt von Waisen ist Maria die Mutter, die uns bis ins Innerste versteht und uns verteidigt, auch deshalb, weil sie am eigenen Leib gerade jene Demütigungen erfahren hat, die heute beispielsweise den Müttern von Strafgefangenen zuteilwird. Als er am Donnerstag, 15. September, dem Gedenktag der Schmerzen Mariens, in der Kapelle des Hauses Santa Martha die Frühmesse feierte, empfahl Papst Franziskus, in schwierigen Augenblicken stets Zuflucht »unter dem Mantel« der Muttergottes zu suchen und brachte damit wieder »den spirituellen Ratschlag der russischen Mystiker« ins Spiel, den die Ostkirche mit der Antiphon Sub tuum praesidium (»Unter deinen Schutz und Schirm«) zum Ausdruck bringt.

Bei seiner Predigt über »das Geheimnis der Mutterschaft Mariens« ging der Papst vom Letzten Abendmahl aus: »Jesus nimmt bei Tisch Abschied von seinen Jüngern: es herrscht eine traurige Stimmung; alle wussten, dass etwas in der Luft lag, das zu einem schlechten Ende führen sollte und stellten Fragen, sie waren traurig.« Aber »Jesus sagt ihnen, um ihnen etwas Mut zu machen und auch um sie vorzubereiten, so dass sie Hoffnung haben konnten, bei seiner Abschiedsrede: ›Seid nicht traurig, euer Herz sei nicht traurig, ich lasse euch nicht allein! Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der immer bei euch bleiben soll. Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe‹«. Der Herr »verspricht« also, »den Heiligen Geist zu schicken, um die Jünger, um die Kirche auf dem Weg der Geschichte zu begleiten«.

Aber Jesus »spricht auch vom Vater«. Tatsächlich, rief Franziskus in Erinnerung, »spricht er in dieser langen, sehr langen Rede über den Vater«, er versichere, »dass der Vater ihr Wohl will, und dass der Vater ihnen alles, worum sie ihn bitten, gewähren wird. Dass sie auf den Vater vertrauen sollen«. Und damit, so erläuterte der Papst, gehe er »noch einen Schritt weiter: er sagt nicht nur ›ich lasse euch nicht allein‹, sondern auch ›ich lasse euch nicht verwaist zurück, ich gebe euch den Vater, der Vater ist bei euch, mein Vater ist euer Vater«. Und dann, so fuhr Franziskus fort, »geschieht nach dem Abendmahl all das, was wir schon kennen: die Demütigung, das Gefängnis, der Verrat der Jünger; Petrus verleugnet Jesus, die anderen fliehen«.

Daher, so sagte der Papst unter Verweis aufs Tagesevangelium (Joh 19, 25-27), habe »ein einziger Jünger« unter dem Kreuz gestanden, »zusammen mit der Mutter Jesu, mit Maria von Magdala und der anderen Maria, einer Verwandten«. Und dort, unter dem Kreuz, »ist Maria, die Mutter Jesu: alle schauten sie an«, vielleicht hätten sie geflüstert: »Das ist die Mutter dieses Verbrechers! Das ist die Mutter dieses Umstürzlers!« Und Maria, so fügte der Papst hinzu, »hörte diese Dinge, sie erlitt furchtbare Demütigungen und hörte auch die wichtigen Leute, einige Priester, die sie respektierte, weil sie Priester waren«, wie sie zu Jesus sagten: »Du bist doch der König von Israel, steig herab vom Kreuz!« Maria, so versicherte Franziskus, die neben »ihrem Sohn« stand, »der dort hing, nackt, litt sehr, aber sie ist nicht weggegangen, sie hat ihren Sohn nicht verleugnet, er war Fleisch von ihrem Fleisch«.

Der Papst vertraute den Besuchern der Morgenmesse eine persönliche Erinnerung an: »Es ist sehr oft geschehen, dass ich, wenn ich in der Diözese Buenos Aires in die Gefängnisse ging, um die Gefangenen zu besuchen, dass ich die Schlange gesehen habe, die Schlange von Frauen, die darauf warteten, eingelassen zu werden: Es waren Mütter, aber sie schämten sich nicht, dort drinnen war Fleisch von ihrem Fleisch.« Und diese »Frauen litten nicht nur unter der Schande, dort zu sein«, und zu hören: »Schau mal die da, was hat ihr Sohn wohl getan?« Diese Mütter »litten auch unter den schlimmen Demütigungen bei den Leibesvisitationen, denen sie unterzogen wurden, bevor sie eintreten durften, aber sie waren Mütter und gingen hin, um Fleisch von ihrem Fleisch zu besuchen«. Und so war es auch für Maria, die »dort war, bei ihrem Sohn, mit diesem ungeheuer großen Leid«.

Gerade »in jenem Augenblick«, merkte der Papst an, »schaut Jesus, der davon gesprochen hatte, dass er die Jünger nicht als Waisen zurücklassen wollte, der vom Vater gesprochen hatte, seine Mutter an und gibt sie uns zur Mutter: ›Siehe, deine Mutter!‹« Der Herr »lässt uns nicht als Waisen zurück: wir Christen haben eine Mutter, dieselbe Mutter wie Jesus; wir haben einen Vater, denselben wie Jesus. Wir sind keine Waisen.« Und Maria »bringt uns in diesem Augenblick unter großen Schmerzen zur Welt, es ist ein wahres Martyrium: Mit durchbohrtem Herzen akzeptiert sie, uns alle in diesem Augenblick des Schmerzes zu gebären. Und in jenem Augenblick wird sie unsere Mutter, seit diesem Augenblick ist sie unsere Mutter, die, die sich unser annimmt und sich unser nicht schämt: sie verteidigt uns.«

»Die russischen Mystiker der ersten Jahrhunderte der Kirche«, so erinnerte Franziskus in diesem Zusammenhang, »gaben ihren Jüngern, den jungen Mönchen, einen Rat: Flüchtet euch in den Momenten geistlicher Anfechtungen unter den Mantel der heiligen Muttergottes. Dort kann der Teufel nicht herein, weil sie Mutter ist und wie eine Mutter verteidigt.« Und dann »hat der Westen diesen Rat aufgegriffen und hat die erste marianische Antiphon, Sub tuum praesidium, geschrieben: Unter deinen Mantel, unter deinen Schirm, o Mutter, dort sind wir im Sichern«.

»Heute ist der Gedenktag des Augenblicks, als die Muttergottes uns geboren hat«, so fuhr der Papst fort, »und sie war dieser Geburt treu bis auf den heutigen Tag und wird auch weiterhin treu sein«. Und »in einer Welt, die wir als ›verwaist‹ bezeichnen können, in dieser Welt, die unter der Krise einer großen Verwaisung leidet, besteht unsere Hilfe vielleicht darin, zu sagen: ›Siehe, deine Mutter!‹« Denn wir haben eine Mutter, »die uns verteidigt, die uns lehrt, die uns begleitet, die sich unserer Sünden nicht schämt« und »die sich nicht schämt, weil sie Mutter ist«.

Abschließend betete der Papst darum, »dass der Heilige Geist, der Freund, der Weggefährte, der Paraklet, der Anwalt, den uns der Herr gesandt hat, uns dieses so große Geheimnis der Mutterschaft Mariens verstehen lassen möge«.

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Was für eine schöne und originelle Marienpredigt nicht nur für uns, die wir von der Vorliebe des Papstes für das Mariengebet „Unter deinen Schutz und Schirm“ wissen, spätestens seit wir das Buch „Mit Maria leben“ von P. Alexandre Awi gelesen haben, sondern auch für alle, die in irgendeiner Weise in der Gefängnispastoral und der Wiedereingliederung von Straffälligen arbeiten, besonders im Haus „Madre de Tuparenda“ – Mutter von Tuparenda. Wie passend dieser Name!

Susana Stanley, die dort wie auch in der Gefängnispastoral „Maria Heimsuchung“ mitarbeitet, sagt: „Es ist einfach schön zu sehen, wie Hilfe, Aufmerksamkeit und Zuneigung sie verwandeln.“ Wie oft sprechen wir davon, „Maria“ zu sein, nicht nur als Frauen, sondern als Schönstätter, wie oft beten wir: „Lass uns gleichen deinem Bild…“. Das ist keine abstrakte Idee oder etwas rein Frommes. Wenn wir einen Gefangenen besuchen, unter jenen Blicken, unter denen wir meinen, uns schämen zu müssen, mit den Erniedrigungen, die der Papst so gut beschreibt – und wenn wir dann weitermachen, dann sind wir Maria. So einfach.

Text der Predigt: Osservatore Romano

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