Veröffentlicht am 7. Dezember 2019 In Kirche - Franziskus - Bewegungen, Projekte

Und plötzlich war er da

PARAGUAY/VATIKAN, Joaquín Santiviago •

Als wir im Februar und März 2017 mit Alejandra Almada, der derzeitigen Dirigentin, Giani Klein, Guada Alvarez, Piru Abente, Mariano Abente und Prof. Carlos Cazal zum Vorsingen einluden, konnten wir uns nicht vorstellen, dass eine „Lawine“ von fast hundert Menschen erscheinen würde, alle erfüllt von dem Wunsch, den Herrn mit dem Geschenk ihrer Stimme zu preisen. Das weckte den Ehrgeiz, einen Chor so professionell wie möglich zu gestalten, ohne Musikprofis zu sein, mit Ausnahme von Alejandra, die heute als Profi den Chor leitet. Man kann nicht groß genug träumen.—

Fünf Monate später, für die diesjährige Überreichung des Sionsgewandes an die Novizen der Schönstatt-Patres in Tuparendá, sang der Chor zusammen mit einem Orchester, das aus fast 30 professionellen Musikern bestand. Ab August nahm der Chor auf Initiative der Fundación José Kentenich in Paraguay den gesungenen Rosenkranz auf, die CD “Alégrate Conmigo“ (Freue dich mit mir), Mt. 25,21.

Die große Sehnsucht: Papst Franziskus sollte die Erstausgabe bekommen

Mit dem Wunsch, das Gebet des Rosenkranzes mit Hilfe von Liedern zu pflegen, und der ehrgeizigen Mission, unser musikalisches Geschenk als Kunst anzubieten, damit die Menschen ihr Herz mit dem Herzen Gottes und Mariens vereinen können, wurde am 29. Dezember 2018 die CD veröffentlicht, ein Meilenstein für den Chor.

Im März 2019 konnte ich den Chor besuchen; ich wohne wegen meines Studiums derzeit in Barcelona. Bei dieser Gelegenheit habe ich vor dem gesamten Alegria-Chor den Wunsch geäußert, die CD Papst Franziskus als Geschenk überreichen zu können. Ich fühlte, dass der Chor sich auf den Weg zu einer geistlichen Kampagne machte, um das zu erreichen, in dem Wissen, dass es nicht einfach ist, dem Papst etwas persönlich in die Hand zu geben. Mehrere Leute haben über einige Mittel nachgedacht,wie es gehen könnte, und im Juni, bei einer Reise nach Rom, konnte ich die CD an Monsignore Guido Marini, den Zeremonienmeister des Papstes, übergeben. Zusammen mit diesem Geschenk war ein Brief, in dem erklärt wurde, was wir als Chor getan hatten. Monsignore Guido sagte mir, dass er gerne versuchen würde, die CD an den Papst weiterzugeben.

Dann kam der Internationale Kirchenmusik-Kongress in Rom

Ich weiß nicht, ob der Papst die CD bei dieser Gelegenheit erhalten hat, aber ich verblieb mit der Hoffnung, dass jemand, der ihm nahe steht, es tun kann. Dann fand am 7., 8. und 9. November in Rom der Internationale Kongress für Kirchenmusik statt: „KIRCHE, MUSIK, INTERPRETEN: EIN NOTWENDIGER DIALOG“, an dem zweihundert Menschen aus vielen Ländern der Welt teilnahmen, darunter fünf weitere Paraguayer. Dieser Kongress gipfelte in einer besonderen Audienz mit allen Teilnehmern des Kongresses mit dem Heiligen Vater in der Sala Clementina, wo Benedikt XVI. seinen historischen Rücktritt angekündigt hatte. Während wir im Saal warteten, herrschte eine gewisse Atmosphäre der Spannung, wir wussten, dass der Papst aus heiterem Himmel unter uns sein würde und und uns eine Botschaft geben würde, aus der ich diesen Absatz rette:

„Der Künstler, der Interpret und, im Falle der Musik, der Zuhörer haben den gleichen Wunsch: zu verstehen, was Schönheit, Musik und Kunst uns erlauben, über die Realität Gottes zu wissen. Und vielleicht haben Männer und Frauen es noch nie so sehr gebraucht wie in unserer Zeit. Die Interpretation dieser Realität ist für die heutige Welt unerlässlich.“

Die Betrachtung der Geheimnisse des Lebens Jesu in der Rosenkranzrezitation mit Hilfe der Musik desAlegria-Chores wollte und will gerade diese göttliche Realität Gottes bekannt machen, diese Realität, in der Gott uns, wie es im Gleichnis der Talente heißt, mit vielfältigen und vervielfältigten Gaben zur vollsten Freude einlädt, der des Herzens, wenn er zu uns sagt: „Kommt und freut euch mit mir“ (Mt 25,21).

Ein kurzer Moment mit dem Papst – jetzt oder nie!

Nach seiner Botschaft konnte jeder Teilnehmer den Heiligen Vater persönlich begrüßen; ich saß am Ende von allen, sah ihn aus der Ferne und geführt von den Hütern des Papstes bildeten wir eine Reihe, um ihn zu begrüßen, ein mutiger Mann sang die Hymne des Jahres der Barmherzigkeit: Misericordes sicut Pater. Wir rückten vor, als wäre es die Schlange bei der heiligen Kommunion, ziemlich agil. Es schien nicht wahr zu sein, aber ich sagte mir: Joaquin, das ist nicht die Zeit, Tränen zu vergießen, jetzt musst du dem Papst die CD überreichen!

Und plötzlich war er da, mit einem Lächeln. Der mir vorausging, war auch ein Paraguayer, und als der Papst ihn begrüßte, sagte er: „Was für viele Paraguayer!“ Dann sagte ich: „Hier kommt ein weiterer Paraguayer“, ein Satz, der mit einem Handschlag endete. Dann konnte ich ihm sagen: Papst Franziskus, diese CD ist ein Geschenk des Alegría-Chores von Paraguay, für Sie, in dem Brief erkläre ich ein wenig mehr, das Geschenk kommt mit viel Liebe. Während ich erklärte, sah er die CD aufmerksam an, und mit einem Lächeln nahm er sie und sagte zweimal zu mir: „Vielen Dank, vielen Dank“.

Für den Papst und die ganze Welt

Beim Weitergehen sah ich Mons. Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses und persönlicher Sekretär von Papst Emeritus Benedikt XVI., und ich gab ihm auch eine CD, für beide, mit einem Lächeln nahm er sie entgegen. Wie Miguel Blasco, ein Mitglied des Chores, später sagte: „Welch ein Privileg, zwei Päpste haben die CD “Alégrate conmigo”!

Diese Begegnung war wie ein Flash, in dem ich in wenigen Sekunden die CD dem Papst übergeben konnte. Nachdem ich ein wenig meditiert habe, bin ich mir bewusst, dass dieser Moment von einem so echten und unglaublichen geistlichen Impuls von einem ganzen Chor kam, der eine geraume Zeit in der Woche dem Apostolat widmet und als Geschenk für alle dieses musikalische Gabe darbringt, das, was  uns so glücklich macht, weil es von Gott kommt: unser Lied, das uns eins macht. Deshalb symbolisiert dieses Überreichung, dass, wenn unser Geschenk den Papst erreichen kann, es auch die ganze Welt erreichen kann, jede Person, jede Gemeinschaft,  dass es die Herzen berührt und jeden Tag von Tausenden von Spanisch sprechenden Menschen auf der ganzen Welt gebetet wird. An diesem Tag haben wir es dem Papst gegeben und seit diesem Tag ist es auch in den Musikplattformen für alle zugänglich.

Als Mitarbeiter des Chores bin ich sicher, dass der liebevolle Blick, mit dem der Papst die CD bei der Überreichung anschaut und seine wenigen Worte, aber gleichzeitig sehr aufrichtigen Worte nicht an mich gerichtet waren, sondern an jeden einzelnen im Chor, ein liebevolles und doppeltes: DANKE SEHR, DANKE SEHR! Worte der Dankbarkeit von dem, der als Vertreter Christi auf Erden spricht.

Und Maria war dabei

Letztlich stand hinter diesem Geschenk die Gottesmutter Maria; sie wollte,dass dieses Geschenk möglich würde, das im Grunde für sie ist, damit mehr Menschen den Rosenkranz beten; sie ist es, die uns dazu anregt, unsere Stimme zu erheben und unser Lied zu singen! Wir haben Maria viel, sehr viel angebettelt, und ich bin absolut überzeugt, dass diese Begegnung mit dem Papst allen zu verdanken ist, wie ich schon gesagt habe, dem starken Impuls des Chores und all unserer Bitten an Maria. Sie hat es hingekriegt!

 

Fotos: Osservatore Romano mit Genehmigung

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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