Veröffentlicht am 16. Februar 2016 In Franziskus - Botschaft, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Geh und bau mein Heiligtum

FRANZISKUS IN MEXIKO, von  Maria Fischer und Blanch Ramírez •

CbI73VKUEAAnxXV.jpg largePapst Franziskus im „Camarín“, in der „Kammer“, im „Schrein“ der Gottesmutter von Guadalupe, diesem kleinen (diebstahl- und feuersicheren) Raum, in dem jeden Abend, wenn die Basilika geschlossen wird, das kostbare Gnadenbild aufbewahrt wird, nachdem es tagsüber hinter Kristallglas geschützt wie in einem kostbaren Fenster für Tausende von Pilgern sichtbar ist.

Mexiko hat ihm seinen Traum erfüllt, eine Weile ganz allein vor dem Bild der Jungfrau von Guadalupe beten zu dürfen. Eine lange Zeit des Gebetes in absoluter Stille. Der Papst verharrt, nachdem er der Gottesmutter seine Geschenke gebracht hat – eine Krone und einen Strauß gelber Rosen – in schweigendem Dialog, schaut sie an und lässt sich anschauen.

So oft beschreibt er die Beziehung von Maria zum einfachen Volk, zu den schlichten Pilgern als ein „Anschauen und Sich-anschauen-Lassen“. Der Pilger Franziskus schaut sie an, die Jungfrau von Guadalupe, die „Morenita“, die Maria mit den Zügen der indigenen Völker Mexikos, die Patronin Mexikos und Amerikas, und er lässt sich von ihr anschauen. „Es tut uns gut“, so hat er zuvor in der Predigt in der riesigen Basilika von Guadalupe gesagt. Anschauen, Stille, Begegnung, das tut uns gut.

„Darum glaube ich, dass uns heute ein wenig Stille gut tut, auf sie zu schauen, sie lange und ruhig anzuschauen…  Und in diesem Schweigen, in diesem auf sie schauenden Verweilen einmal mehr hören, dass sie wieder zu uns sagt: »Was hast du, mein kleinster Sohn? Was betrübt dein Herz? (vgl. Nican Mopohua 107.118) Bin ich denn nicht hier, ich, die ich die Ehre habe, deine Mutter zu sein?« (ebd. 119).”

Während der Papst vor dem Bild der Gottesmutter verweilt, begleiten ihn die Bischöfe Mexikos vom Hauptaltar der Basilika aus, und mit ihnen die über 40.000 Menschen, die bei der Messe dabei waren, in stillem Beten. Nach gut 20 Minuten Gebet berührt der Papst die Tilma – den Mantel von Juan Diego, in dem Maria ihr Bild hinterlassen hat -, macht das Kreuzzeichen und ist dann wieder für die Menschen da.

Sollte nicht jeder von uns die Botschaft von Guadalupe annehmen und helfen, ein Heiligtum zu bauen, einen Ort, von dem aus sie ihre Gnaden austeilen kann?

„Es ist ein großes Geschenk, unseren Papst Franziskus am Tag der Freundschaft hier in Mexiko City zu haben, seine Botschaft und seinen Segen zu empfangen. An meinem Haus ist er viermal vorbei gefahren! Diesen Segen möchte ich allen weitergeben“,  schreibt Blanch Ramírez, Mitglied des CIEES (Iberoamerikanisches Zentrum schönstättischer Unternehmer und Führungskräfte, nach den Anfangsbuchstaben in Spanisch). Und macht sich die Botschaft des Papstes bei dieser Messe in der Basilika von Guadalupe zu eigen:

„Die Überlegung: Sollte nicht jeder von uns die Botschaft von Guadalupe annehmen und helfen, ein Heiligtum zu bauen, einen Ort, von dem aus sie ihre Gnaden austeilen kann? Die Aufgabe des marianischen Katholiken – mich begeistert diese Einladung! Und heute in der großen Messe gab es so viele Anregungen von ihm für den Alltag, seien wir aufmerkam…“

Mit Blanch lassen wir noch einmal mit dem Liebesbündnis im Herzen die Worte von Papst Franziskus in seiner Predigt nachklingen:

„Bin ich etwa nicht deine Mutter? Bin ich denn nicht hier? Lass dich nicht von deinen Leiden und Traurigkeiten besiegen“, sagt sie uns. Heute sendet sie uns, wie einst Juanito, wieder neu aus; heute sagt sie uns wieder neu: „Sei du mein Botschafter, mein Gesandter, um viele und neue Heiligtümer zu bauen, viele Leben zu begleiten, viele Tränen zu trocknen.“ So gehe nur durch die Straßen deiner Nachbarschaft, deiner Gemeinschaft, deiner Pfarrgemeinde als mein Botschafter, meine Botschafterin; errichte Heiligtümer, indem du mit den anderen die Freude über die Gewissheit teilst, dass wir nicht alleine sind, dass sie mit uns geht. „Sei du mein Botschafter, sagt sie uns, indem du dem Hungrigen zu essen gibst und dem Durstigen zu trinken; beherberge den Bedürftigen, bekleide den Nackten, besuche den Kranken! Hilf dem Gefangenen und lass ihn nicht allein, vergib dem, der dich beleidigt hat, tröste den Traurigen, hab Geduld mit den anderen, und vor allem rufe unseren Gott an und bete zu ihm!“ Und im Schweigen sagen wir ihm, was in unserem Herzen aufsteigt.

„Bin ich etwa nicht deine Mutter? Bin ich denn nicht hier?“, wiederholt uns Maria. „Geh und baue mein Heiligtum, hilf mir, das Leben meiner Kinder aufzurichten, die deine Brüder und Schwestern sind!“

 

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Das Heiligtum ist für alle

Vor etwas mehr als 100 Jahren bat Maria einen Josef Kentenich das, was sie schon einen Juan Diego gebeten hatte: „Geh und bau mein Heiligtum!“ Seitdem das erste Filialheiligtum Schönstatts in Nueva Helvecia gebaut wurde, sagt sie es jedem, der im Liebesbündnis legt: „Geh und bau mein Heiligtum.“ Es ist wie für uns gesagt, wenn Franziskus erklärt: „Heute sagt sie uns wieder neu: „Sei du mein Botschafter, mein Gesandter, um viele und neue Heiligtümer zu bauen, viele Leben zu begleiten, viele Tränen zu trocknen.“ So gehe nur durch die Straßen deiner Nachbarschaft, deiner Gemeinschaft, deiner Pfarrgemeinde als mein Botschafter, meine Botschafterin; errichte Heiligtümer, indem du mit den anderen die Freude über die Gewissheit teilst, dass wir nicht alleine sind, dass sie mit uns geht.“

„Die Bewegung ist nicht für alle, aber das Heiligtum ist für alle“, sagte ein paar Tage zuvor Matías Fortuño aus Santiago de Chile bei einem Treffen von Mitarbeitern von schoenstatt.org zum Launch der neuen Weltkarte der Schönstatt-Heiligtümer. „Darum müssen wir die Türen unserer Heiligtümer allen weit öffnen. Das ist es, warum wir diese Weltkarte machen, damit alle die Heiligtümer finden können, einen Ort zum Beten, zur Begegnung mit Gott.“

Wenn schon die Weltkarte von 200 Heiligtümern ein Geschenk ist, was ist dann erst die „Karte“ von Tausenden von lebendigen Heiligtümern, die durch ihre Nachbarschaft, Gemeinde, Pfarrei, Arbeitsplätze gehen, durch die Gefängnisse, die Krankenhäuser, die Altenheime, die Kinderheime, die Flüchtlingslager!

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Vollständiger Text der Predigt von Papst Franziskus im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Guadalupe

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