Veröffentlicht am 17. Juli 2018 In Projekte

Reisetagebuch eines Vorsehungsgläubigen

ARGENTINIEN, Martín Mateu •

Dank eines der Teilnehmer der „Cruzada de Maria“ der Schönstattjugend von Lateinamerika, José Argüello aus der Redaktion von schoenstatt.org, haben wir den folgenden „Reisetagebucheintrag“ erhalten. Geschrieben von Martín Mateu, der zum Logistikteam der Cruzada de Maria im Januar 2018 gehörte. Auch ein halbes Jahr nach dem Ereignis, das wir intensiv und live mit schoenstatt.org begleitet haben, ist dieses im Augenblick des Erlebens und mit der „ursprünglichen Frische“ (J.Kentenich) der Unmittelbarkeit des Lebens geschriebene Zeugnis Gold und eine Veröffentlichung wert. —

Tag 6: Picheuta – Punta de Vacas. Gesten abend hatten wir gerade unser Abendessen zuende, und schon ging der Regen wieder los. Heute bin ich um 2.00 Uhr früh wach geworden. Ich schlief im Auto, als ich plötzlich ein Licht sehe, das mir direkt ins Gesicht schien, ich habe instinktiv versucht, die Hand dagegen  zu halten, das ging natürlich nicht, dann hab ich Fran Verdaguer angeschubst, aber der schlief tief und fest und rührte sich nicht. Sekunden später werden mir Ort und Zeit klar – das war ein Auto, das auf uns zu fuhr. –

Jetzt überfallen sie uns, dachte ich.  Das Auto hält an, eine Frau dreht die Scheiben runter und fragt: „Seid ihr die, die nach Chile laufen?  Ja, antworte ich.   „Ah gut. Ich bin die Mutter von Mauro Costa und bring ihm seine Medikamente.“ What!!! (denke ich).  „OK, ich geb sie ihm“, antworte ich.

Zwei Stunden später heißt es dann wirklich aufstehen. Sternklarer Himmel. Das wird  ein wunderbarer Tag, denke ich. Uns erwarten 32 Kilometer, Berge, Sonne. Ich wecke die Jungs. Einige sind in einen Schafstall gekrochen, um sich zu schützen, anderen haben unter dem Regen geschlafen. Einer ist verletzt, Gilberto. Frühstück, Morgengebet, los gehts. Wir laden ein und fahren los, (alles läuft gut. Millhouse, denke ich.) Es gibt Wasser für alle, und dann fahren wir los in Richtung der Kaserne der vierten Gendarmerie-Staffel von Punta de Vacas. Vor kurzem haben sie mir endlich bestätigt, dass sie uns dort Unterkunft geben würden (alles hintenrum, klar).

Ich komme an und sehe, dass Tincho da rum steht und seinen Wagen nicht entladen hat. „Sie geben uns keinen Platz“, sagt er mir. Ich gehe, ich frage und ich erfahre, dass sie uns keinen Platz geben. Ich rufe Pater De Majo, Kaplan der Gendarmerie, an, der den Kontakt hergestellt hat. Ich rede mit ihm und er kommt her. Wir fangen an, das Mittagessen im Sicherheitshäuschen zu bereiten, im Protestmodus. Dann fahre ich los, um den Marschierenden nochmal Wasser zu bringen. Noch einer ist verletzt: Lucas Paternó.

 

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Kein Platz in der Herberge

Man rät uns, mit Daniel zu reden, dem Hausmeister der nahegelegenen Schule. Wir fragen nach ihm,  und finden  ihn schließlich. Er ist ein einfacher Mann;  er hat keinen Schlüssel und die Schulleiterin ist im Urlaub. Wir rufen bei der Post an, im Aconcagua-Park, bei den verlassenen Lagerhäusern am Straßenrand – es gibt keinen Platz für uns. Nochmals los mit Wasser. Gilberto bleibt mit den Taschen in Picheuta. Es ist 13.00 Uhr und noch immer gibt es nichts, wo wir schlafen können. Schließlich kommt Pater De Moja, macht mich für die Situation verantwortlich, brüllt herum und beschimpft die halbe Welt;  ist das ein Priester? „Ruhig,  sag ich ihm, die Gottesmutter macht das schon.“ Ich rufe den Bischof an und Leutnant Salinas. Keiner geht ans Telefon;  der Militärkaplan fährt nach Hause und lässt uns stehen.

Ich bin trotzdem ganz ruhig, sicher, dass irgendwas auftauchen wird. Ich fahre zum letzten Mal mit Wasser los. Dabei suche ich P. Tommy und sage ihm: „Es gibt keinen Platz zum Schlafen, bitte beten“. Er guckt mich an und macht mir Vertrauen. Zurück. Lucas hat gesehen, dass der Zaun hinter der Schule kaputt ist, und so gehen wir dahin und laden die Sachen dort ab. Wie ein Blitz kommt da eine Frau angeschossen, schaut uns an und fragt: „Was macht ihr da?“ Ich sage ihr, wer wir sind und wohin  wir gehen. Sie stellt sich als die Schulleiterin vor.  Ich lasse es darauf ankommen und bitte sie, uns die Schule zum Schlafen zu geben – und sie ist einverstanden und schließt auf. Geschafft. Danke, Gottesmutter.

Zehn Minuten später kommen die Pilger an. Es ist 15.30 Uhr. Ich fahre los, um Gilberto abzuholen (hoffentlich ist er nicht verloren gegangen…). Essen, Siesta, Messe. Und während ich die Linsen koche, denke ich: Heute war ein unglaublicher Tag.

Morgen geht es nach Puente del Inca.

 

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Fotos: Sebastián Valdes, Paraguay, Cruzada de Maria, Team schoenstatt.org

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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