Veröffentlicht am 13. Juli 2018 In Kentenich

Es ist unsere Verantwortung, dass sein Charisma in der Kirche und in der Welt verwirklicht und fruchtbar wird

Kentenich-Jahr: Überlegungen von P. Eduardo Aguirre, Postulator im Seligsprechungsprozess•

In diesem Kentenich-Jahr – und schon in der Nähe der Feier des 15. September, des 50. Todestages von P. Kentenich – wird die Frage nach dem Stand seines Seligsprechungsprozesses lauter; diese Beobachtung regte P. Eduardo Aguirre an, „eine Überlegung/Klärung zum Stanmd des Seligsprechungsprozesses von P. Kentenich“ zu  verfassen.—

„Ich habe diesen Text verfasst im Gedanken  an die Frage, die immer wieder gestellt wird: Wie steht es um den Prozess von P. Kentenich? eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist, da es sich dabei nicht nur um ‚Büroarbeit‘, um technische Arbeit dreht, sondern um einen Prozess, der durch das Leben unserer Schönstattfamilie, ih Streben nach Heiligkeit und Treue zur Mission getragen und bewegt werden muss. Ich denke, dass wie so oft in der Geschichte Schönstatts Gott und die Gottesmutter sich mächtig erweisen und die ‚Mauern zum Einsturz bringen‘, wenn wir die Bedingungen erfüllen, die die Göttliche Vorsehung von uns erwartet … und wir so besser beitragen können zur Erneuerung des Lebens der Kirche“, sagt er.

Sehr gerne geben wir seine Überlegungen auf schoenstatt.org weiter – und wie alles auf schoenstatt.org ist es zum Weitergeben.

Zum Stand des Seligsprechungsverfahren für Pater Kentenichs

Viele innerhalb der Schönstatt-Bewegung fragen, wann nun der nächste Schritt im Seligsprechungsverfahren P. Kentenichs erwartet werden kann. Dazu möchte ich als Postulator des Seligsprechungsprozesses, auf folgende Überlegungen hinweisen.

Das diözesane Verfahren zur Seligsprechung P. Josef Kentenichs ist weitgehend abgeschlossen. Die Schönstatt-Bewegung dankt für die Umsicht und das Wohlwollen, das dem Anliegen der Seligsprechung ihres Gründers vonseiten des Bistums Trier entgegengebracht wurde und wird. In der Klärung der noch offenen Fragen setzt Schönstatt weiterhin auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bistum.

Es ist bekannt, dass das Verfahren für P. Kentenich sehr umfangreich, weitreichend und nicht frei von Auseinandersetzungen ist. Er ist die Gründungspersönlichkeit eines großen, vielfältigen und weltweit verbreiteten Werkes. Seine Seligsprechung ist nicht nur lokal gebunden, sondern hat auch eine stark internationale Bedeutung für die gesamte Kirche. P. Kentenich erlebte über 14 Jahre lang eine harte Prüfungszeit durch die Kirche. Was neuartig in seiner Gründung und Pädagogik war, wurde von der Kirche oft in Frage gestellt. Auch deshalb muss bei seinem Seligsprechungsprozess vieles gründlich studiert und geklärt werden.

Wie bei jeder Seligsprechung, geht es auch in diesem Verfahren für Pater Kentenich sowohl um seine persönliche Heiligkeit als auch um seine Sendung für die Kirche. Beiden Aspekten wurden in dem Verfahren Rechnung getragen. Zu beiden wichtigen Aspekten wurde in den vergangenen Jahrzehnten seit dem Heimgang des Gründers von den Postulatoren und vom Pater-Kentenich-Sekretariat sowie von vielen Mitgliedern der Schönstatt-Familie Hervorragendes geleistet. Dafür gebührt ihnen 50 Jahre nach dem Tod des Gründers ein herzliches Dankeschön.

Man kann heute zu Recht feststellen, dass im Blick auf die Seligsprechung des Gründers alles getan wurde, was in unseren Kräften stand. Nun ist es an der Zeit, dass wir als Schönstattsfamilie bewusst alle Bemühungen in die Hände Gottes und der Gottesmutter legen: Tua res agitur! Nun muss der Himmel sprechen. Und wir dürfen mit Geduld und Zuversicht auf dieses Sprechen hören.

Was könnte uns wohl Gott in dieser Zeit des Wartens sagen wollen? Was können wir tun?

Es ist denkbar, dass Gott uns Zeit geben will, damit unser Vater und Gründer mit seiner Person und Sendung noch mehr in unserer Mitte lebt, damit wir ihn noch besser kennenlernen, uns noch mehr seine Vision, seine Spiritualität und seine Pädagogik zu eigen machen. Ja, die ganze Schönstatt-Familie sollte sich bewusster für seine Seligsprechung einsetzen. Mit der Hebung seines Charismas und seiner Weitergabe sind wir noch lange nicht am Ende. Der Gründergeist kann in uns noch stärker und lebendiger werden. Es ist der Geist, der den Pfingstkongress 2015 in Schönstatt beseelt hat und ein „Schönstatt im Aufbruch“ vorantreiben will:

Erfüllt von missionarischem Geist bieten wir allen Menschen über alle Grenzen hinweg – bis an die Peripherien der Gesellschaft – das Liebesbündnis als Weg und Hoffnung an. So bauen wir mit an einer umfassenden Bündniskultur. Das prophetische Charisma unseres Vaters drängt uns zu einer Neugründung Schönstatts mitten in den Bedingungen der heutigen Zeit“  (in Memorandum vom Pfingstkongress, Schönstatt, 23. Mai 2015).

Wir können uns weiter und neu dafür einsetzen, die Sendung P. Kentenichs bekannt zu machen. Alle unsere Aktivitäten können wir auch in diesem Sinne verstehen. In jeder Gruppenstunde, die wir halten, in jeder Begegnung, in der wir die Anliegen des Gründers in die Tat umsetzen, leisten wir dazu einen Beitrag. In den Gemeinden, in den Diözesen, in den Ländern und in der Weltkirche, besonders auch in Rom, sollten die Person und Sendung des Gründers noch bekannter werden.

Das Entscheidende ist für uns auf jeden Fall nicht, dass P. Kentenich so bald wie möglich zur Ehre der Altäre erhoben wird, weil es sich ziemt, dass der Gründer eines so großen Werkes als Heiliger verehrt wird. Die Seligsprechung P. Kentenichs erstreben wir nicht für uns selbst, für unsere Bewegung. Wir hoffen vielmehr, dass mit der Anerkennung der Heiligkeit unseres Vaters seitens der Kirche sein Charisma und seine Sendung für die heutige Zeit erkannt, aufgenommen und fruchtbar werden.

P. Kentenich spricht durchweg nicht von seinem Charisma sondern vom Charisma Schönstatts und von der Sendung Schönstatts für Kirche und Welt in der neuesten Zeit. Das ist das Erbe, das wir von ihm empfangen haben und das wir erneut und bewusster vor allem in diesem P. Kentenich-Jahr aufnehmen wollen, um es in die Kirche hineinzutragen. Das Charisma P. Kentenichs ist unser Charisma. Es ist also – 50 Jahre nach seinem Tod – eine Herausforderung an uns und unsere Verantwortung, dass sein Charisma in der Kirche und in der Welt verwirklicht und fruchtbar wird. Aber nicht losgelöst von seiner Person; deshalb erstreben wir die Heiligsprechung P. Kentenichs durch die Kirche. Mit Gründergeist wollen wir mit ihm in die Zukunft aufbrechen.

Vor allem sind wir, jede und jeder Einzelne und wir in unseren Gemeinschaften, gemeinsam eingeladen, selbst den Weg der Heiligkeit zu gehen, wozu auch Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Gaudate et exultate vom 19 März 2018 einlädt. Dadurch sind wir die besten Zeugen für die Heiligkeit unseres Vaters und Gründers.

Die Aussage der Gründungsurkunde wird uns erneut geschenkt: „Macht euch keine Sorge um die Erfüllung eures Wunsches. Ego diligentes me diligo. Ich liebe die, die mich lieben.“ Wenn wir unsere je eigene Sendung, die mit der Sendung Pater Kentenichs verknüpft ist, leben, dann wird auch seine Selig- und Heiligsprechung durch die Kirche zur rechten Zeit erfolgen.

Rom, 05.07.18

P. Eduardo Aguirre

Postulator

 

Kentenich

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