Veröffentlicht am 22. April 2018 In Projekte, Schönstatt im Herausgehen

So entstand mein Arbeitsplatz-Heiligtum

COSTA RICA, von Rudolf Sauter und Fabian González •

Eines der ehrgeizigsten Projekte für uns als Führungskräfte und Unternehmer besteht darin, unsere Arbeitsplätze zusammen mit der Gottesmutter zu Gott zu bringen. Es gibt eine Menge Grenzen, die uns daran hindern, unseren Glauben an den Arbeitsplätzen offen zu zeigen, ohne damit die anderen Mitarbeiter zu stören, die anderen Konfessionen oder Religionen angehören oder die das Gefühl bekommen, dass Arbeit und Religion vermischt werden. Die Internationale Gemeinschaft schönstättischer Unternehmer und Führungskräfte (CIEES) von Costa Rica hat sich vorgenommen, Werkzeuge zu entwickeln, um eine schönstättische Spiritualität in die Arbeitswelt zu bringen, und zwar mittels des Arbeitsplatz-Heiligtums.

Beim letzten Vortrag im März, die in den Firmenräumen von Álvaro Castro stattfand, traf sich eine Gruppe von Unternehmern und Führungskräften, aktive und nicht ganz so aktive Mitglieder der CIEES, zu seinem Vortrag, der in Wirklichkeit ein einziges kostbares Zeugnis war. Hier ist das, was Álvaro Castro ins einem Vortrag von seiner Erfahrung erzählte:

„Mein Arbeitsplatz-Heiligtum ist aus einer Lebensnotwendigkeit heraus entstanden. Es war im Jahr 2014, meine Frau und ich hatten kurz zuvor unser Hausheiligtum in unserem Haus in San José in Costa Rica errichtet. Sofort, ich würde sogar sagen schon einige Tage vor der Einweihung, spürten wir Marias wohltätigen Einfluss zu Hause und in jedem Mitglied unserer kleinen Familie. Doch auf der Arbeit erlebte ich zur gleichen Zeit eine sehr schwierige Phase. Viel Druck, viel Unsicherheit und viele Probleme erzeugten eine ständige Alarmsituation. Der immer kluge Rat meiner Frau hatte mich dazu gebracht, diese Anliegen in unser Hausheiligtum zu bringen. Ich hatte das Gefühl, dass mir etwas Entscheidendes fehlte, um mich wirklich von Gott und der Gottesmutter in meiner Arbeit begleitet zu erleben.

Barcelona und das Heiligtum in Valldoraix

In dieser Situation musste ich in der ersten Woche im Oktober dieses Jahres eine Dienstreise zu einem Kunden in Barcelona machen. Nach unseren Besprechungen verabschiedete ich mich vom Kunden und fuhr am 4. Oktober im Zug los, um das Heiligtum in Valldoraix am Rand der Stand zu suchen und zu besuchen. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Gottesmutter mich dabei führte und mich direkt an der Tür des Heiligtums „landen“ ließ. Hier konnte ich mich ihr wie ein Kind, das Zuflucht sucht, anvertrauen und sie bitten, mich in den Herausforderungen meiner Arbeit zu begleiten.

Am Tag danach fuhr ich zurück nach Costa Rica, wohl wissend, dass mich in meinem Büro ein Berg von Arbeit erwarten würde – wie eben typisch nach einer Woche außerhalb des Büros.

Mein 18. Oktober 2014

Wieder zurück, befand ich mich genau am 18. Oktober 209144, dem Jubiläum von 100 Jahren Liebesbündnis, in meinem Büro und versuchte, tausend Sachen aufzuarbeiten. Und hier fängt alles an, Sinn zu bekommen. Gegen Mittag fuhr ich mit meinem Auto zur Ausfahrt des Firmenparkplatzes, als ich ein anderes Auto sah, dessen Fahrerin versuchte, bei der Wache Erlaubnis zur Einfahrt zu erhalten. Die Frau am Steuer machte mir Zeichen, anzuhalten. Wir öffneten die Fenster und nach einem kurzen Gruß stellte sie mir die Frage, die ich am wenigsten erwartet hätte. „Entschuldigen Sie, Befindet sich hier die Gottesmutter von Schönstatt?“ Ich kann nicht beschreiben, was für eine Wirkung diese einfache Frage in dem Moment auf mich hatte. Doch noch stärker war die Wirkung davon, dass ich, nachdem ich die Fassung wiedergewonnen hatte, antworte: „Nein, hier ist sie nicht.“ Es fiel mir wie Schuppen von den Augen, ganz einfach, genau am Tag des Jubiläums: Da hatte ich Maria gebeten, mich auf der Arbeit zu begleiten, hatte aber nichts, aber rein gar nichts getan, um sie anzurufen, sie einzuladen, mich dort real Tag für Tag zu begleiten.

 

Der Wunsch nach einem Heiligtum auf meiner Arbeit

Jene seltsame Frage war bald geklärt, denn die Frau suchte das Haus der Schönstatt-Bewegung, um der Gottesmutter für ein Wunder zu danken. Sie hatte die Plakate mit der Ankündigung des Jubiläums gesehen, hatte aber den Ort nicht gefunden und war in unserer Firma gelandet. Das Bewegungshaus befand sich keinen halben Kilometer weit entfernt, und ich ging mit der Frau zur Ausfahrt des Firmenparkplatzes und zeigte ihr, wie sie dorthin kommen könnte. Doch weil Maria keine halben Sachen macht, fragte mich die Frau am Ende meiner Erklärungen dreist: „Warum bringen Sie mich denn nicht hin?“ Und so machte ich es…

Seit diesem Tag nahm der Wunsch nach einem Heiligtum auf der Arbeit in mir Gestalt an, und zwar nicht nur, um Maria meine Anliegen und Sorgen zu sagen, sondern um sie wirklich einzuladen, dort zu wohnen und zu wirken und mit mir zu arbeiten. Darum beschloss ich, dass wir Geschäftspartner auf der Arbeit würden. Das heißt, dass wir dort von diesem Moment an ein Liebesbündnis leben würden. Geschäftspartner, die sich bestens kennen und Vertrauen zueinander haben, die gemeinsame Beiträge leisten zum gemeinsamen Ziel, Gewinne und Verluste teilen und täglich Seite an Seite arbeiten. Auch um Zeugnis zu geben von meinem Glauben und vielleicht sogar andere zu ihr zu bringen, die entdecken würden, was es heißt, Gottes Gegenwart Schritt für Schritt in jeder Arbeitsstunde, an jedem Arbeitstag, das ganze Jahr über zu erleben.

Ich erzählte meiner Frau und meiner Schönstattgruppe diese Geschichte, und fast sofort hatte ich vor mir alle Symbole, die für das Heiligtum auf meiner Arbeit nötig waren, von einem aus unserer Gruppe aus Milwaukee nach Costa Rica gebracht. Von diesem Moment an machte ich mich daran, sie zu erarbeiten – mit Gebet, Betrachtung, Beiträgen zum Gnadenkapital, wobei ich mich für das Bild der Gottesmutter um die Haltung von Kindlichkeit und Beheimatung in Gott mühte, für das Gott-Vater-Symbol um Vertrauen auf Gottes Vorsehung, um Liebesopfer und Dienstgesinnung für das Kreuz der Einheit, um Dankbarkeit für alle empfangenen Gaben und Gnaden für das Heilig-Geist-Symbol und um Glaubenszeugnis und Sendungsergriffenheit für das Bild Pater Kentenichs.

Und dann die Erarbeitung meines persönlichen Symbols: der schlafende heilige Josef, der im Traum den Willen Gottes erfährt, für das Kind und seine Mutter zu sorgen.

Arbeitsplatz-Heiligtum: Arbeiten mit einer Geschäftspartnerin

Das Arbeiten mit der Gottesmutter hat mir viele Geschenke und viel Segen gebracht. Nicht nur, wenn es um die Reinheit der Absichten und Ziele ging, damit die Mühen der Arbeit es wert wären, Gott als Beitrag zum Gnadenkapital angeboten zu werden. Auch im Wachsen meiner persönlichen Beziehungen zu meinen Vorgesetzten, Kollegen und Untergebenen; dass ich mich für ihr Leben und Schicksal interessierte, öffentlich für einen Erfolg dankte oder vor meinem kleinen Arbeitsplatzheiligtum um das Erreichen eines wichtigen Zieles betete.

Das alles hat mich dazu geführt, christliches Zeugnis zu geben im Tun, Denken, Reden und Schweigen; zu bewirken, dass der Name Gottes und der Glaube Gegenstand spontaner Gespräche wurde statt eines Tabus oder eines Propagandaartikels.

Es muss gesagt werden, dass die Probleme, Schwierigkeiten und Unsicherheiten bei der Arbeit nicht verschwunden sind. Manchmal scheint es so, als würden sie sogar wachsen. Aber ich gehe sie jetzt anders an, nämlich mit der Sicherheit, dass mich eine Geschäftspartnerin begleitet, die mir hilft, zu unterscheiden und auf den Willen Gottes zu vertrauen, wenn mich die Sorgen nicht schlafen lassen. Meine Geschäftspartnerin lädt mich jeden Tag ein, die Perspektive der Liebe und Hoffnung nicht aus dem Blick zu verlieren, und ich weiß, dass sie mich nicht von ihrer Hand lässt und die Dreifaltigkeit in meiner Arbeit wohnt.“

Eine Frage und eine überraschende Antwort

Im Sinne der erlebten Erfahrung dieses Zeugnisses von Herrn Castro soll noch erwähnt werden, dass wir anschließend gefragt haben: „Wer von euch hat ein Bild der Gottesmutter oder ein Kreuz oder ein religiöses Zeichen am Arbeitsplatz?“ Die Antwort war ein vielstimmiges: „Ich“. Diese Antwort war sehr wichtig, da mehr als die Hälfte der Anwesenden zum ersten Mal bei einer Veranstaltung der CIEES war.

Von jetzt an besteht die große Herausforderung darin, die notwendigen Werkzeuge zu entwickeln, um eine Anleitung zu erarbeiten für die Erarbeitung des Arbeitsplatz-Heiligtums.

 

Offizielle Webseite der CIEES: cieesinternacional.org

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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1 Responses

  1. Danke!
    Eine wunderbare Lebensvorgangs-Beschreibung von unserem Heiligtum und dessen, dass mit einem (Arbeitsplatz)Heiligtum so viel mehr zusammenhängt als dass „einfach“ ein MTA-Bild da ist.

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