Veröffentlicht am 2. April 2017 In Kentenich

Eine Kerze im Lager Dachau entzünden – auf Bitten von Pater Kentenich

DEUTSCHLAND, Schw. M. Elinor Grimm •

75 Jahre Ankunft von Pater Kentenich im KZ Dachau – 13. März 1942:

Aus diesem Anlass wurde bereits am Samstag, 11. März eine Tagesveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte angeboten. Der 13. März ist der Tag, an dem Pater Kentenich 1942 von Koblenz aus im Gefangenentransport im Konzentrationslager Dachau angekommen ist. Wir wissen, dass es bei der Abfahrt am 11. März doch noch zu unerwarteten heimlichen Begegnungen kam, vor allem am Bahnhof Koblenz. So wartete dort mit seiner Frau der „kleine Bote“, ein evangelischer Aufsichtsbeamter aus dem Gestapogefängnis. Er wollte seiner Frau den Pater zeigen, für den er in den vergangenen Wochen unter Lebensgefahr Schwarzpost aus dem Gefängnis brachte. Auch Marienschwestern konnten dem Gründer wenigstens noch kurz vom Bahnsteig aus einen Blick zuwerfen. Mehr war nicht möglich, da eine Hunderotte die Häftlinge begleitete.

Den kühnen Weg des Glaubens nachgehen

Für den 11. März hatten sich vor allem die Mitglieder des Schönstatt-Frauenbundes aus dem Raum Bayern stark gemacht, ein eigenes Wochenend-Treffen in Klein-Schönstatt, München, geplant und die Messgestaltung übernommen. Sie beschenkten die Interessenten mit einer Broschüre über Pater Kentenich, vor allem über seine Gefängniszeit, unter dem Titel: „Den kühnen Weg des Glaubens nachgehen. 75 Jahre nach dem 20. Januar 1942“. Zur Heiligen Messe in der Todesangst-Christi-Kapelle kamen auch Schönstätter aus der Umgebung dazu. So waren mehrere bayrische Diözesen und Österreich vertreten.

Pfr. Babel, Präses der Schönstattfamilie Regensburg, ging in seiner Predigt darauf ein, dass wir an diesem so geschichtsträchtigen Ort auch heute unserem Gründer, Pater Kentenich, begegnen können.

Manche, die nach mehreren Jahren erstmals wieder in Dachau waren, äußerten sich positiv überrascht über die Ausstellung. An vielen Stellen lässt sich im Museum ein Hinweis geben auf Pater Kentenich. Auch über den großen Besucherandrang staunten sie. Wohltuend wurde das Bistro im Besucherzentrum empfunden. Dort war die Mittagspause eingeplant. Danach gab es im Seminarraum per Video einen Zeitzeugenbericht von Prälat Heinz Dresbach.

Themenrundgang „Häftling Nr. 29 392 – Pater J. Kentenich“

Am 13. März waren es vor allem Marienschwestern, die teils von weither – von der Liebfrauenhöhe, aber auch von Würzburg – gekommen waren zum Themenrundgang „Häftling Nr. 29 392 – Pater J. Kentenich“. Aber auch Leute vom Anbetungskreis um das Heiligtum in München, ein Vertreter der Schönstatt-Männer und drei Mitglieder der Frauenliga kamen zum Gedenktag. Eine der Frauen macht mit ihren fast 90 Jahren noch jeden Monat stellvertretend eine Wallfahrt nach Dachau. Seit der Krönung eines MTA-Bildes im ehemaligen KZ Dachau vor 25 hält sie sich verantwortlich. Das Marienbild befindet sich seit der Neugestaltung der Ausstellung im Gedenkraum am Ende des Museums.

Auch andere Interessenten nahmen an der Führung teil, z. B. eine Studentin, eine Franziskanerin vom Ordinariat Augsburg und zwei evangelische Christen. So war die kleine Schar ökumenisch.

Ganz bewusst hielt die Gruppe inne an besonderen Stellen im Lager, an die Pater Kentenich an jenem 13. März erstmals kam: z. B. am SS-Torgebäude im Eingangsbereich oder an dem Platz, an dem das Gebäude der Politischen Abteilung stand. Dort wurde das bekannte Foto von der Ankunft gemacht, das Pater Kentenich später nach Schönstatt schickte.

In einem Meditationstext hieß es: „Heute angekommen! Heute, vor 75 Jahren…hier, in der Hölle von Dachau! Warum ließ er all diese Entwürdigung über sich ergehen? Pater Kentenich ging diesen Weg für seine Gründung… Er war überzeugt, dass Gott diesen ‚Dachauweg’ von ihm forderte. Sein Gefesseltsein war der Lösepreis für die Freiheit seines Schönstattwerkes …

Heute sind wir angekommen! Wir haben uns auf den Weg gemacht und bringen die Erfahrungen unseres Alltags mit: Das Gefangensein in Verpflichtung, in Arbeit und Stress, das Morden unserer Tage, Terror und Verfolgung, Krieg, das Sich-Hinwegsetzen über göttliche Gebote, Abkehr von Gott… Wir sind angekommen, und wir suchen die Spuren, die Pater Kentenich hinterlassen hat… Wir suchen die Hoffnung an dieser Stätte der Verzweiflung. Wir sind angekommen, damit unser eigenes ganz kleines Dachau ein Stück heiler, ein Stück Himmel werden kann…“

Am Block 13, dem damaligen Zugangsblock, wurde von den beeindruckenden Erlebnissen am Ankunftstag mit dem Blockältesten Hugo Guttmann berichtet.

Die Heilige Messe im Kloster Karmel Heilig Blut zelebrierte Pfr. Eschbaumer, Präses der Schönstattfamilie der Erzdiözese München/Freising. In seiner Predigt wies er darauf hin, dass Pater Kentenich das Lager als Heiden-, Narren-, Sklaven-, Todesstadt bezeichnet hat. Er regte an, nachzudenken, was uns das heute sagen kann. Unsere so verworrene Welt, in der kaum über Gott geredet wird, gleicht vielerorts einer Heidenstadt. Viele Menschen sind innerlich unfrei, versklavt, abhängig von den verschiedensten Dingen seien es Drogen oder anderes. In vielen Ländern gleicht die Welt durch Terror und Krieg einer Todesstadt.

Wir fühlen uns hilflos angesichts so vieler Probleme. Was hat Pater Kentenich uns damals unter den schwierigen Bedingungen des KZ vorgelebt? fragte Pfr. Eschbaumer. Die Antwort: Ein grenzenloses Vertrauen auf Gott und die Gottesmutter. Er durfte erleben, was die Jahreslosung der Schönstattfamilie in Deutschland zum Ausdruck bringt: „Er kam hinzu und ging mit ihnen.“

Der Zelebrant hatte bewusst als Evangelium den Bericht von den Emmausjüngern ausgewählt.

Pater Kentenich hat es im KZ Dachau erlebt: Gott und die MTA waren ihm ganz nahe. Das gab ihm die große Glaubenskraft. So konnte auch er hinzu kommen zu den Schönstättern, die bereits im Lager in Dachau waren, zu den vielen Häftlingen, denen er Trost, Zuversicht, Hoffnung schenken konnte oder später auch durch das Austeilen von seinen Lebensmittelpaketen spürbar helfen konnte.

An beiden Tagen war es erfahrbar: Er ging mit ihnen.

So schreibt eine Teilnehmerin der Veranstaltung am 11. März: „Mein tiefster Eindruck von diesem Tag, der sich bei der heiligen Messe in der Todesangst Christi Kapelle noch verstärkte:

Was haben wir doch für einen großen Vater – wahrhaft ein Prophet und ein Heiliger. Auch ich habe eine Kerze vor der Lagermadonna in der Karmelkapelle angezündet. Sie sollte Zeichen und Dank sein für den gesegneten Tag am 11. März mit den vielfältigen und echten Vaterbegegnungen in der KZ-Gedenkstätte. Mit der Kerze wollte ich einen Wunsch von Pater Kentenich erfüllen, den er 1967 Müttern vor einer Dachaufahrt am 2. Juli sagte. Sie wollten ihn zur Mitfahrt einladen, weil er aber bereits zur Gedenkfeier am 16. Juli zugesagt hatte, war dies nicht möglich. So schenkte er den Müttern eine Kerze mit den Worten: ‚Diese Kerze nehmen Sie statt meiner mit. Entzünden Sie sie in jedem Kapellchen, in das sie kommen und im Lager. Danken Sie der Gottesmutter an meiner Stelle.‘

Bearbeitung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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