Veröffentlicht am 2020-08-09 In Leben im Bündnis, Schönstätter

Drei Glocken und Honig

BURUNDI, P. Christian BANYANGA, Isch •

Es ist sieben Uhr in der Morgensonne dieses Freitags, des 7. August 2020, als die Seminaristen der Schönstatt-Patres im Morgengrauen einer nach dem anderen an der Hauptstraße ankommen, die zur großen Kirche von Mont Sion Gikungu führt. Sie müssen dort auf das Fahrzeug warten, das um halb acht den Leichnam von Pater Otmar Landolt bringen wird. Es ist etwa 7.25 Uhr morgens, als wir ein weißes, mit Blumen geschmücktes Auto durch das Haupttor von Mont Sion fahren sehen. Das Fahrzeug kommt langsam bei den Seminaristen an, die den Sarg nehmen und ihn auf den Wagen legen, der ihn zum Heiligtum bringen wird. Gerade als der Sarg in ihren Händen liegt, beginnen die Glocken zu läuten, diese Glocken, die Pater Otmar selbst angeregt (oder sagen wir ruhig: gefordert) hat. —

Als sie beim Heiligtum ankommen, stellen sich alle Mitglieder der Gemeinschaft, sowohl die Patres als auch die Seminaristen, in der Morgendämmerung  um den Sarg ihres Mitbruders.  Der Sargdeckel wird hochgehoben,  und sie können diesen mit weißer Albe und violetter Stola bekleideten Körper  noch einmal betrachten. Gemeinsam beten sie das Gemeinschaftsgebet, bevor sie den Leichnam bedecken und nach draußen bringen, wo die Menschen gekommen sind, um ihrem Pater Otmar die Ehre zu erweisen. Die Schönstätter Marienschwestern, die Schönstätter Marienbrüder von Schönstatt, die anderen anwesenden Personen des geweihten Lebens sowie alle anwesenden Gläubigen gehen einer nach dem anderen vorbei, um für einen Moment innezuhalten, ein Kreuzzeichen oder eine kleine Verbeugung zu machen, während die Trauergemeinde den Rosenkranz betet. Es ist 8.40 Uhr, als der Sarg hochgehoben und zum Haupteingang der großen Kirche gebracht wird, in der die Messe stattfinden soll.

Inmitten der Kirche

Zwei Bischöfe, der Hauptzelebrant, Erzbischof Gervais Banshimiyubusa von Bujumbura und Erzbischof em. Evariste Ngoyagoye  von Bujumbura, Pére Anatole Ruberinyange, Generalvikar der Erzdiözese, alle Schönstattpatres von Berg Sion Gikungu sowie weitere Diözesanpriester und solche, die aus anderen Bewegungen und Gemeinschaften kamen, sind anwesend. Nach dem Gebet, das der Erzbischof am Eingang der Kirche gesprochen hatte, begann die Messe. Zu Beginn der Messe las Pater Herménégilde Coyitungiye, Rektor des Heiligtums, eine Kurzbiographie von Pater Othmar. Der Prediger war P. Félicien Nimbona, der ausreichend über den unermüdlichen Einsatz des Verstorbenen in unserer Gemeinschaft in Burundi (Mutumba und Bujumbura) sprach: Pater Otmar war sehr stark beim Bau der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit auf Mont Sion Gikungu beteiligt, insbesondere an der Hinzufügung des Beichtstuhles, der Eucharistiekapelle und der Glocken.

Sein Einsatz für die Pilgerkirche

Nach der Messe begleiteten sechs Seminaristen den Sarg in die Mehrzweckhalle und hoben ihn dann auf ihre Schultern, um ihn zur Begräbnisstätte zu tragen. Nur wenige Meter vom Haus der Patres entfernt, in einem Garten mit Mandarinenbäumen, war das Grab ausgehoben worden. Der Erzbischof sprach ein kurzes Gebet, begleitet von einigen Liedern des Chores. Fidèle Havyarimana, der Pater Otmar seit seiner Ankunft in Burundi kannte, Mitglied der Schönstatt-Bewegung und seit vielen Jahren in der Zentrale der Bewegung in Burundi tätig war, gab Zeugnis von seinem Leben. Er bezeugte seine Tapferkeit seit seiner Ankunft in Burundi als junger Priester, voller Energie, ein tapferer Arbeiter für den Aufbau der Gemeinde in Mutumba und Bujumbura. Anschließend las Fidèle ein Zeugnis von Pater Déogratias Maruhukiro, dem ersten burundischen Schönstatt-Pater, der seit einigen Jahren in Europa arbeitet; er sprach von dem Apostolat, das Pater Otmar in Burundi ausübte. Als leidenschaftlicher Imker trat er nicht nur für den Honig der Gesundheit, sondern auch für den Honig der Heiligkeit ein. Als erster Rektor des Heiligtums von Mont Sion Gikungu habe er die Pilger eingeladen, dessen lebendige Steine zu werden.

Die Begräbniszeremonie endete mit der Niederlegung von Blumen und dem „Salve Regina“, das von den Schönstatt-Patres am Grab gesungen wurde. Nach der Beerdigung fand ein kurzes Treffen in der Mehrzweckhalle statt: Der Obere der Patres dankte allen, die gekommen waren, um die Gemeinschaft in diesem schmerzlichen Moment zu unterstützen, und lud dann den Erzbischof ein, mit einem Segen abzuschließen.

 Quelle: www.peres-schoenstatt.org

 

Pionier

Pater Othmar Landolt, geboren in Näfels, Schweiz, war am Montag, 3. August, im Alter von 78 Jahren in Bujumbura, Burundi, wo er 46 Jahre tätig war, verstorben.

In der Todesanzeige der Schönstatt-Patres der Schweiz heißt es:

Im August 1974 wurde P. Othmar Landold nach Burundi ausgesandt und machte mit seiner Bereitschaft die Bildung einer ersten Equipe für unsern Einsatz dort möglich. Während rund 20 Jahren wirkte er mit Herzblut in der großen Landpfarrei Mutumba an den Ufern des Tanganjkasees. Ab 1997 half er in der Stadt Bujumbura, das neue Zentrum ‘Mont Sion Gikungu’ aufzubauen, war Rektor des Heiligtums und begleitete den Bau der großen Pilgerkirche. Bis vor wenigen Monaten war er ein geschätzter Beichtvater. Als seine Kräfte nachließen, haben ihn unsere Mitbrüder liebevoll gepflegt. Nach einem erneuten Schlaganfall wurde er ins Spital ‘Kira’ überführt, wo er am frühen Morgen des 3. August verstorben ist.

P. Othmar Landolt war glücklich über sein langes Leben und Wirken im Herzen Afrikas. Wie oft hörten wir ihn das Psalmwort sagen ‘Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu. Ja, mein Erbe gefällt mir gut.’ Seine leutselige Art, seine Menschenfreundlichkeit machten ihn beliebt in allen Schichten.

Zwei ‘Symbole’ können etwas von seinem Wesen charakterisieren: Die Glocken und der Honig.

Es war bewundernswert, mit welcher Hartnäckigkeit er es nach anfäng-lichen Widerständen fertigbrachte, dass auf Mont Sion Gikungu regelmäßig drei Glocken erklingen. Sie sollen die Gegenwart Gottes in Erinnerung rufen und uns wecken, wie Maria, auf die Stimme des Engels zu hören.

Sein Vater war Imker und P. Othmar wurde es im Laufe der Jahre mehr und mehr. Auch das war bewundernswert, mit welcher Hingabe er seine Bienenvölker betreute und wie er Interessierte einführte. Mit Freude und auch Stolz verkündete er jeweils die Menge seiner Ernte.

Wir danken P. Othmar für seine Güte und seinen Humor. Möge er sich nun freuen in der Herrlichkeit des Vaters.

 

Heiligtum Mont Sion Gikungu

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