Veröffentlicht am 2020-06-01 In Kampagne, Schönstatt im Herausgehen

Verloren und wiedergefunden

ARGENTINIEN, Nancy Gambandé •

Dies geschah 2014. Die ganze Zeit habe ich versucht, diese Geschichte zu erzählen, diesen Artikel zu schreiben, aber ich konnte es nie zu Ende bringen, weil ich spätestens in der dritten Zeile angefangen habe, zu weinen. Dieses Mal hoffe ich, das Ende zu erreichen, denn es ist eine schöne Erfahrung, die es verdient, erzählt zu werden. —

Mit meiner Freundin Cristina fuhren wir von Tucumán zuExerzitien nach Nuevo Schoenstatt, Florencio Varela. Wir wohnten in Solaz de Maria. Es war 5:00 Uhr morgens am 25. Juli 2014.

Diesen Tag werde ich nie vergessen! Cristina und ich bereiteten uns auf den Gottesdienst um 7.00 Uhr in der Kapelle der Marienschwestern vor. Es war noch dunkel und sehr kalt, ich umarmte meine Pilgernde Gottesmutter, und wir gingen herüber zur Kapelle der Schwestern, glücklich, dort zu sein, in diesem kleinen Stückchen Himmel.

Als wir die Messe verließen, liefen wir zum Heiligtum. Ich kniete vor der Gottesmutter nieder, stellte meine Pilgernde Gottesmutter auf das Geländer, das den Altarraum abtrennt , und blieb lange bei ihr, schaute sie an, dankte und betete, betetem betete immer, mit viel Frieden in meiner Seele.

Dann gingen wir frühstücken, und als ich fertig war, näherte ich mich langsam dem Heiligtum, als ob ich jeden Schritt auskosten wollte, öffnete die Tür, und meine Augen waren auf den Altar gerichtet. Doch – meine Pilgernde Gottesmutter fehlte, sie war weg, irgendjemand hatte sie weggenommen! Mir war, als würde mir die Haut abgerissen, ich drehte mich auf dem Absatz um und rannte verzweifelt zum Eingang, wo das Wachhäuschen mit dem Wachmann steht. Ich rief ihm zu, dass sie mein ist, dass sie MEINE Pilgernde Gottesmutter ist, dass sie einen violetten Rosenkranz hat – in Tucumán unterscheiden wir die Modalitäten der Pilgernden Gottesmutter nach der Farbe des Rosenkranzes – und er tröstete mich, ohne zu verstehen, was passiert war.

Ungetröstet kehrte ich auf zurück und verstand nicht, was meine Freunde sagten. Wegen des ganzen Tumultes kam eine Marienschwester aus ihrem Büro, umarmte mich und sagte mir, dass sie mich um 18.00 Uhr erwartete, um ihr zu erzählen, was passiert war.

Nuevo Schoenstatt, Florencio Varela

Warum bist du weggegangen? Bin ich kein guter Missionar, hast du mich leid?

Die Stunden begannen zu vergehen und die Fragen wurden immer lauter: Warum ist sie weggegangen? Warum hat sie mich verlassen? Bin ich kein guter Missionar? Hatte sie genug von mir? Ist sie mit jemandem weggegangen, der ihr eine bessere Wanderung ermöglicht? Geht unser Weg nicht weiter? Kann ich irgendetwas tun, damit sie zurückkommt? Was ist mit all unserer Zeit zusammen? Was ist mit all den Geschichten, die wir zusammen haben? Ich kenne sie sehr gut, wer immer sie mitgenommen hat, weiß nichts über sie, niemand kennt sie besser als ich!

Als ich den Verlust bemerkte, hatte ich noch die Mappe, die die Pilgernde Gottesmutter begleitet. Ich war niedergeschlagen, als ich das Treffen besuchte, und ich gab Schwester Clara Maria die Mappe mit den Zeugnissen der Missionare. Hier, sagte ich ihr, ohne aufzuhören zu weinen, die nützt mir nichts mehr, vielleicht verstehen Sie, wenn Sie das lesen, wer sie für mich ist. Mit all der Süße der Welt verpflichtete sie sich, das Heft an diesem Abend zu lesen. Sie erklärte mir viele Dinge, die ich nicht sah, dass sie vielleicht gegangen war, um ein Verbrechen zu verhindern, dass diese Person sie vielleicht brauchte, dass sie vielleicht verzweifelt war und wegging, um jemand anderem zu helfen. Wir würden es nie erfahren. Die Schwester tröstete mich etwas. Cristina stand noch unter Schock, keine offensichtliche Reaktion, und die anderen beteten für mich. So vergingen die Exerzitien. In Tucumán wussten alle, was geschehen war, und die Diözesanleiter der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter schenkten mir eine neue Pilgernde Gottesmutter, und ich weihte mich erneut in der Modalität der Gelassenheit und des Vertrauens, deshalb ist ihr Rosenkranz violett, deshalb rief ich beim Laufen: „Sie hat einen violetten Rosenkranz!“

Jetzt verstehe ich, du hast mich nie im Stich gelassen, irgendjemand hat dich gebraucht

Am folgenden 17. August hatten meine Tochter und ich einen sehr schweren Autounfall, bei dem meine Tochter unverletzt blieb und ich nur Knochenbrüche hatte. Meine Freundinnen kümmerten sich mehrere Monate lang um mich, während meine Tochter arbeitete. Am 18. September wurde ich zu unserem Heiligtum gebracht, und als ich ankam, sagte mir Rita Segali, eine andere Missionarin: „Jemand erwartet dich.“.Erstaunt sahen Cristina, Silvia und ich uns an und verstanden gar nichts. Ich schaute unter den Pavillon, der den Bücherstand überdachte, und da sah ich sie stehen! Ganz einfach stand sie da.

Ist sie zurückgekommen? Wie ist sie zurückgekommen? Ist sie zurückgekommen, weil sie weiß, dass ich sie brauche, dass unser Leben in Gefahr war, dass ich zu ihr rief, als sich das Auto überschlug, dass ich sie anflehte, sich um meine Tochter zu kümmern, dass ihr bitte nichts passieren würde? Ist sie zurückgekommen, um meine Knochen zu flicken? Ist sie zurückgekommen, weil unser Bündnis für immer ist, weil ich ihr mein gebrochenes, altes Herz gegeben habe, müde von so viel Ungerechtigkeit und Schmerz, ohne die Kraft, weiterzumachen?

Sie kam zurück, und sie hatteüberdies noch zwei weiße Rosenkränze! Ich erinnere mich, wie wir drei weinten, lachten, uns umarmten und vor Glück zitterten.

Wie ist sie  zurückgekommen? – fragte ich. Rita war in Nuevo Schoenstatt und Schwester Clara Maria gab sie ihr.

Al día siguiente llamé a la hermana para agradecerle y me contó que la encontró en el santuario de donde se la habían llevado. Que la reconoció porque recordaba mis gritos que “tenía rosario violeta”, que le dio vuelta y estaba escrito mi nombre. Entonces le conté que estuvo en dos familias pues trajo de regreso otros tantos rosarios blancos.

Ich hätte diese Notiz schon vor langer Zeit schreiben sollen, auf Bitten meiner Freundin Silvia, die die Situation Schritt für Schritt durchlebte. Es gab immer einen Grund, es nicht zu tun, aber ich denke, dass es trotz der langen Zeit jetzt der richtige Moment ist.

Danke, Heilige Mutter! Dein kleiner Esel setzt seine Mission fort und du wirkst weiterhin Wunder!

 

Original: Spanisch, 30.05.2020. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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