Veröffentlicht am 2. April 2018 In Franziskus - Botschaft, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Jesus, wir schauen auf dich – voller Scham, Reue und Hoffnung

HEILIGE WOCHE MIT PAPST FRANZISKUS – GEBET AM ENDE DES KREUZWEGES •

Nach dem von Jugendlichen in Blick auf konkrete Situationen des Alltags gestalteten Kreuzweg am Karfreitag im Colosseum in Rom, in dem viele der ersten Christen als Märtyrer starben, betete Papst Franziskus ein berührendes Gebet, in dem er sich vor den über 20.000 Teilnehmern „voller Scham, Reue und Hoffnung“ an Jesus wandte. —

Jesus, wir schauen auf dich – voller Scham, Reue und Hoffnung.

Vor deiner höchsten Liebe, Herr, durchdringt uns die Scham darüber, dass wir dich in unseren Sünden allein haben leiden gelassen:

Die Scham darüber, in der Prüfung davongelaufen zu sein, obwohl wir tausendmal gesagt haben: „Auch wenn alle dich verlassen, ich verlasse dich nie.“

Die Scham, Barrabas gewählt zu haben und nicht dich, die Macht und nicht dich, die glänzende Show und nicht dich, das Geld und nicht dich, die Weltlichkeit und nicht die Ewigkeit.

Die Scham darüber, dich mit den Lippen und dem Herzen in Versuchung geführt zu haben, wenn es in eine Prüfung geht und wir dir sagen: „Ja, wenn du der Messias bist, rette dich selbst und wir glauben.“

Die Scham über so viele Menschen einschließlich einiger deiner Priester, die sich von Ehrgeiz und ruhmsüchtiger Eitelkeit haben trügen lassen und so ihre Würde und ihre erste Liebe verloren haben.

Die Scham darüber, dass unsere Generationen den Jugendlichen eine Welt hinterlassen, die durch Spaltungen und Kriege zerbrochen ist; eine Welt, die von Selbstsucht verschlungen wird, in der die Jungen, die Kleinen, die Kranken, die Alten marginalisiert werden.

Die Scham darüber, die Scham verloren zu haben.

Herr Jesus, gib uns die Gnade der heiligen Scham!

Unser Blick ist auch voller Reue, die vor deinem beredten Schweigen um Barmherzigkeit bittet:

Eine Reue, die aus der Sicherheit entspringt, dass nur du uns vom Bösen erlösen, nur du unsern Aussatz des Hasses, des Egoismus, der Überheblichkeit, der Gier, der Rache, des Geizes, der Götzenverehrung heilen, nur du uns umarmen und uns die Kindeswürde zurückgeben und dich wegen unserer Heimkehr nach Hause, ins Leben, freuen kannst.

Die Reue, die aus dem Erleben unserer Kleinheit, unseres Nichts, unserer Leere wächst und die sich umarmen lässt von deiner milden und machtvollen Einladung zur Umkehr.

Die Reue des David, der vor dem Abgrund seiner Erbärmlichkeit in dir seine einzige Kraft findet.

Die Reue, die aus unserer Scham wächst, aus der Sicherheit, dass unser Herz immer unruhig bleibt, bis es dich findet und in dir seine einzige Quelle der Fülle und Ruhe.

Die Reue des Petrus, der seinen Blick mit dem deinen kreuzt und bitterlich weint, weil er dich vor den Menschen verleugnet hat.

Herr Jesus, gibt uns immer die Gnade der heiligen Reue!

Vor deiner höchsten Majestät entzündet sich in der Finsternis unserer Verzweiflung der Hoffnungsfunke, damit wir wissen, dass das einzige Maß deiner Liebe zu uns Maßlosigkeit ist.

Die Hoffnung, dass deine Botschaft auch heute Menschen und Völker davon überzeugt, dass nur das Gute das Böse und die Bosheit vernichten, nur Vergebung Rache und Groll überwinden, nur brüderliche Umarmung Feindseligkeit und Angst vor dem Fremden zerstreuen kann.

Die Hoffnung, dass dein Opfer auch heute weiter den Duft der göttlichen Liebe verströmt, die die Herzen vielen Jugendlicher erfüllt, die auch heute dir ihr ganzes Leben weihen und zu lebendigen Beispielen der Liebe und Freigebigkeit werden in dieser Welt, in der alles auf der Logik von Profit und schnellem Geld aufgebaut ist.

Die Hoffnung, dass auch heute so viele Missionare und Missionarinnen das schlafende Bewusstsein der Menschheit herausfordern, indem sie ihr Leben riskieren, um dir in den Armen, den Verworfenen, den Migranten, den Unsichtbaren, den Ausgebeuteten, den Hungrigen und Gefangenen zu dienen.

Die Hoffnung, dass deine heilige Kirche, die aus Sündern besteht, auch heute trotz aller Versuche, sie zu diskreditieren, ein Licht ist, das erleuchtet, Mut macht, Leid lindert und Zeugnis ist von deiner grenzenlosen Liebe zur Menschheit, ein Modell des Altruismus, eine Arche der Erlösung und eine Quelle von Sicherheit und Wahrheit.

Die Hoffnung, dass aus deinem Kreuz, Frucht der Gier und Feigheit so vieler Gesetzeslehrer und Heuchler, die Auferstehung wächst, die das Dunkel des Grabes mit dem Glanz des Ostersonntags erfüllt, der nie mehr endet, und uns zeigt, dass deine Liebe unsere Hoffnung ist.

Herr Jesus, gib uns immer die Gnade der heiligen Hoffnung!

Hilf uns, Menschensohn, uns von der Arroganz des Schächers zu deiner Linken und der Kurzsichtigen und Korrupten zu lösen, die in dir nur eine Möglichkeit sehen, den man ausbeuten kann; einen Verurteilten, den man kritisieren, einen Gescheiterten, über den man spotten kann und eine weitere Gelegenheit, um den anderen und selbst Gott die eigene Schuld zuzuschreiben.

Wir bitten dich, Menschensohn, dass wir uns stattdessen mit dem guten Schächer identifizieren können, der dich mit Augen voller Scham, Reue und Hoffnung anschaute und mit den Augen des Glaubens in deiner scheinbaren Niederlage den göttlichen Sieg sah und so, auf Knien vor deiner Barmherzigkeit und mit Ehrlichkeit das Paradies gewonnen hat. Amen.

(eigene Übersetzung)

 

 

Video des Kreuzwegs mit deutschem Kommentar

Kreuzwegmeditationen der Jugendlichen (deutsch)

Fotos

 

 

 

 

 

 

 

 

Original: Spanisch, 30.03.2018. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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