Veröffentlicht am 12. Oktober 2017 In Misiones

„Klinken putzen für den Glauben“

DEUTSCHLAND, Pfr. Christoph Scholten •

Voll Freude und Dankbarkeit möchte ich vom Projekt „Misiones – Glauben leben“ berichten, das 20 junge Erwachsene der Schönstatt-Mannesjugend und der Schönstattbewegung Mädchen / Junge Frauen zusammen mit Schönstattpater Frank Riedel und den Marienschwestern Sr. M. Anrika Dold und Sr. M. Brigitt Rosam in diesem Jahr zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen und „am Rand“ des Bistums Münster durchgeführt haben – meine hohen Erwartungen sind weit übertroffen worden!

Wäre das nicht auch in Kranenburg möglich?

Zum ersten Mal von dem Projekt gehört hatte ich von Franz Kraft – in Erlenbach waren die „Misioneros“ im Jahre 2010 zu Gast.

Während der Anbetungstage über Karneval 2013 – geprägt von der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. – stellten Sr. M. Brigitt Rosam und Frank Blumers, damals Priesteramtskandidat und heute Kaplan im Bistum Mainz, das Projekt begeistert und begeisternd vor. Mit Gerold Reinbott aus Mainz-Laubenheim war zudem der Gastpfarrer von 2012 vertreten.

Im Hinterkopf hatte ich seitdem immer mal wieder den Gedanken, dass „Misiones“ doch auch etwas für die Verlebendigung und Vertiefung meines Kreuzwallfahrtsortes bzw. meiner vier kleinen Pfarreien am linken unteren Niederrhein sein könnte … Als ich daher am 10. Januar die Rundmail von P. Frank Riedel las, dass die Misioneros noch eine Pfarrei für 2017 suchen und der angedachte Zeitraum genau mit unserer Kreuzfestwoche zusammenfällt, habe ich sofort zum Telefonhörer gegriffen und meine „Bewerbung“ abgegeben.

Nachdem die Bedenken, die „Misioneros“ könnten durch die „Tür-zu-Tür-Besuche“ mit den Zeugen Jehovas verwechselt werden, ausgeräumt waren, stimmten meine Pfarrgremien zu – und das „Misiones“-Leitungsteam gab uns den „Zuschlag“.

Bei einer Vortour zeigte ich P. Frank Riedel unsere vier Pfarrkirchen und etwas von den weitläufigen Ortschaften, von drei Seiten von den Niederlanden umgeben. Bei zwei Vortreffen im April und Juli planten einige Misioneros und Pfarreimitglieder das Programm und verteilten die entsprechenden „Hausaufgaben“.

Ein Vorbereitungsgebet stimmte alle Beteiligten ein – und die Gebetsmeinung von Papst Franziskus für den Monat September: „Missionarischer Geist möge unsere Pfarreien inspirieren, den Glauben mitzuteilen und die Liebe sichtbar zu machen.“

Sein Kreuz tragen

Am Freitag, 15. September – dem 49. Todestag unseres Vaters und Gründers und dem Auftakt des Kentenich-Jahres – war es dann soweit: Die Misioneros trafen nach und nach auf dem Oermter Marienberg im südlichsten Teil des Kreises Kleve ein, um im „Heiligtum der Weggemeinschaft“ ihr „Misiones“-Holzkreuz überreicht zu bekommen, mit dem priesterlichen Segen ausgesandt zu werden und in den nördlichsten Teil des Kreises Kleve aufzubrechen.

Im alten, in die Jahre gekommenen DonBosco-Heim, das bis zur Vollendung des Neubaus im März als provisorisches Pfarrheim dient, richteten sich die Misioneros häuslich ein – ich fühlte mich an die Worte von Papst Franziskus erinnert: „Maria versteht es, mit ein paar ärmlichen Windeln und einer Fülle zärtlicher Liebe einen Tierstall in das Haus Jesu zu verwandeln. Sie ist die Magd des Vaters, die in den Lobpreis ausbricht. Sie ist die Freundin, die stets aufmerksam ist, dass der Wein in unserem Leben nicht fehlt …“[1]

Das eigentliche „Hauptquartier“ aber war unsere Stifts-und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul – vor dem Marienaltar entstand eine große Gebetsecke. In der Vorabendmesse im Ortsteil Wyler stellten sich die Misioneros vor, am Sonntag, 17. September feierten sie mit dem Vorsitzenden der Niederländischen Bischofskonferenz, Bischof Johannes van den Hende aus Rotterdam, und zahlreichen Einheimischen und Pilgern aus Nah und Fern die äußere Feier des Festes Kreuzerhöhung mit einem Pontifikalamt und der Kreuztracht, bei der das „Wundertätige Heilige Kreuz“, das auf das Jahr 1308 zurückgeht, in feierlicher Prozession durch den Ortskern getragen wurde.

Gott freie Bahn lassen

Beim „Fest der Begegnung“ kamen die Misioneros mit vielen Menschen ins Gespräch, für die Erstkommunionkinder führten sie einen Stationslauf durch. Das Kreuzfest endete mit der abendlichen Lichterprozession über die alten Wälle der Stadtbefestigung und mit dem Nachtgebet.

Von Montag bis Freitag gingen die Misioneros nach dem Morgengebet und dem Frühstück und nach dem Mittagessen in Zweierteams jeweils für ca. zwei bis zweieinhalb Stunden in Kranenburg, Niel, Wyler und Zyfflich „von Tür zu Tür“:

„Sie zeichnen ein kleines Kreuz auf den Klingelknopf mit dem Wunsch: Frieden diesem Haus. Läuten. Warten. Ein bisschen weiche Knie jedes Mal. Geht die Tür auf? Ist niemand da? Was sagen wir? Was erwartet uns? Es ist jedes Mal ein neuer Sprung. Das Herzstück > Tür zu Tür < wird niemals Routine. Es ist der Augenblick, in dem wir Gott freie Bahn lassen müssen. Das ist die größte Unsicherheit und weckt das größte Vertrauen. > Es ist einfach ein Geschenk des Himmels, dabei gewesen zu sein, erleben zu dürfen was entstehen kann, wenn man bereit ist sich verdächtig zu machen, wenn man für eine tolle Sache – für den Glauben – einsteht und dabei ganz sich selber ist, authentisch, menschlich mit allen Stärken und Schwächen. Gott spricht durch die Menschen, und wir wollen seine Werkzeuge sein < (Julia G.).“[2]

Immer begleitet

Wenn die Misioneros ihren jeweiligen „Tür-zu-Tür“-Halbtag beendet hatten, gingen sie zur Gebetsecke in der Kirche, schöpften Wasser (vgl. Joh 2,1-11) und vertrauten die Menschen, denen sie begegnet waren, Gott und der Gottesmutter an. Aber auch unterwegs wussten sie sich immer begleitet – zum einen mit der „pilgernden Gottesmutter“ in der Hand, zum anderen durch die vor- und nachmittägliche Eucharistische Anbetung in der Kirche!

Nach dem Mittagessen, das ein Caterer ins Don-Bosco-Heim lieferte, und einer kurzen Mittagspause begann die zweite Halbzeit. Um 19.00 Uhr war jeweils ein knapp halbstündiges Abendlob vor dem Gnadenbild des „Wundertätigen Heiligen Kreuzes“ – an allen Abenden kamen nicht nur vertraute Kirchgänger, sondern auch Menschen, die ich noch nie (in der Kirche) gesehen hatte! Die neuen geistlichen Lieder, das Glaubenszeugnis der Misioneros und die besondere Gestaltung begeisterten – so waren alle eingeladen, ein Bonbon, das z.B. mit der Botschaft „Schön, dass du da bist“ versehen war, zu lutschen und dabei Gott für schöne Momente in den letzten Tagen zu danken.

Apostel sein, den Glauben neu entflammen

Am Montagabend besuchten die Misioneros den Übungsabend der Freiwilligen Feuerwehr – „der Funke sprang über“! Am Dienstagabend tauschten sie sich mit den Gremienvertretern unserer vier Pfarreien aus – und mit Pfarreiratsmitgliedern aus Bocholt, die die „Misioneros“ für 2019 in die Pfarrei St. Josef einladen möchten. Am Mittwochvormittag war die große Frauenwallfahrt der Katholischen Frauengemeinschaften des Kreisdekanates Kleve mit modernen Liedern und einem tagesaktuellen Kreuzweg.

Am Donnerstagnachmittag gingen einige zum Spielenachmittag in die Seniorenresidenz und am Freitagnachmittag zu einer Gesangs- und Gesprächsrunde ins St. Johannes-Stift, dem Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung.

Dem Abendlob am Freitag schloss sich ein CandlelightDinner an – ein Brautpaar und sechs Ehepaare (zwischen sieben Tagen und 50 Jahren verheiratet) waren der Einladung zu einem Fünf-Gänge-Menü im romantischen Gewölbekeller des ehemaligen Klosters Katharinenhof gefolgt. Das Ehepaar Mergler aus dem münsterländischen Ahaus gab zwischen den Gängen Impulse für die Paargespräche – sie und die anderen sieben Paare wurden jeweils von einem Misionero am Tisch bedient!

Firmlinge und Messdiener, aber auch jung gebliebene aller Altersstufen waren zur Jugendmesse „freie Platzwahl“ am Samstag mit anschließendem Grillabend auf dem Kirchplatz eingeladen. Im Hochamt am Sonntag, 24. September wurden die Pilgerpforte geschlossen, der Kreuzsegen erteilt und die Misioneros nach ihrem großartigen einwöchigen Einsatz offiziell verabschiedet.

Wie so oft in den vergangenen Tagen wurde mit Begeisterung das Lied gesungen: „Apostel sein, den Glauben neu entflammen! Apostel sein, nur für dich! Apostel deiner Freude – du brauchst auch mich!

  1. Glaube, den wir leben, die Botschaft fliegt von Haus zu Haus, Zeugnis wolln wir geben, wir ziehen in die Welt hinaus! Apostel sein …
  2. Zweifel und Ängste verleiten uns und rauben Kraft, doch in Gemeinschaft wird der wirksam, der Leben schafft. Apostel sein …
  3. Freude, die begeistert, die mitreißt und uns motiviert, Leben weitergeben, das  Hoffnung schenkt und provoziert. Apostel sein …“

Auf den Spuren von Karl Leisner

Als kleines Dankeschön für die Misioneros, die zum Teil Urlaub hatten nehmen müssen bzw. elf Tage ihrer Semesterferien zur Verfügung gestellt hatten, lud ich sie am Mittwoch zur gemeinsamen Fahrt mit der Grenzlanddraisine ins niederländische Groesbeek ein. Dort besuchten wir die Pfarrkirche St. Cosmas und Damianus und den inzwischen überbauten Zeltlagerplatz am Waldrand, wo der selige Karl Leisner im August 1934 das „Große Jungenlager“ durchgeführt hatte.

Am Samstag besuchten die Misioneros Ernst Geerkens, der sie durch die Karl-Leisner-Begegnungsstätte im Elternhaus in Kleve führte. Ein Besinnungsnachmittag in Kevelaer und ein Abschiedsabend im Don-Bosco-Heim schlossen das Projekt „misiones – Glauben leben“ ab, bevor am Montag die Zelte abgebrochen wurden und sich alle auf den Heimweg machten.

Ich bin total begeistert

Ich bin total begeistert, sehr froh und überaus dankbar für die Freude, die die Misioneros ausgestrahlt haben, und für ihren selbstlosen Einsatz und großartigen Mut zum Glaubenszeugnis – wie und mit Maria haben sie sich als Christusträger auf den Weg zu den Menschen gemacht und ihr Herzblut eingebracht – gemäß den Worten von Pater Kentenich aus der Vorgründungsurkunde: „Ich stelle mich euch hiermit vollständig zur Verfügung mit allem, was ich bin und habe: mein Wissen und Nichtwissen, mein Können und Nichtkönnen, vor allem aber mein Herz.“

Ich vertraue fest darauf, dass die Misioneros und wir Menschen, denen sie in Kranenburg, Niel, Wyler und Zyfflich begegnet sind, die Erfahrung machen, dass Gott und die Gottesmutter die Mühen des herbeigeschafften Wassers in kostbaren Wein verwandeln und die vielen gesäten Samenkörner reiche Früchte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe bringen – und alle ermutigen und bestärken, sich wie und mit Maria als „Apostel deiner Freude“ immer neu auf den Weg zu machen.

Christoph Scholten, Pfarrer von St. Peter und Paul, Kranenburg, St. Bonifatius, Niel, St. Johannes Baptist, Wyler und St. Martin, Zyfflich, Mitglied des Schönstatt-Priesterbundes

Fotos: Johannes Müller

[1] Papst Franziskus, Die Freude des Evangeliums. Das Apostolische Schreiben >Evangelii gaudium < über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute“, Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 2013, S. 304, Nr. 286.
[2] zitiert nach: http://www.schoenstattmjf.de/veranstaltungen/misionesglaubenleben/, aufgerufen am 01.10.2017.

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1 Responses

  1. Ausgezeichnet, ich freu mich sehr über diese Erfahrung und Ergebnisse. Ich gratuliere der „Misioneros“. Ich erinnere mich an den Worten von Pater Kentenich, als ich die Bilder sehe, wo die Kirche voll mit Menschen ist, die Worte, die er schrieb fürs Morgengebet: „Durch Schönstatt lasse neu sich füllen der heiligen Kirche weite Hallen, dein Lob zu deinem Throne schallen“. Vielen Dank und allen viel Segen, P Joselo

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