carta de la juventud

Veröffentlicht am 30. Dezember 2018 In Brief der Jugend - Dialog im Bündnis

Brief der chilenischen Jugend: Klartext reden und die Erneuerung sein, die Schönstatt braucht

BRIEF DER CHILENISCHEN JUGEND, Sebastián Pineda Oyarzun mit Maria Fischer •

„Unser Ziel mit diesen Worten ist es, den ‚den Volljährigkeitsausweis hervorzuholen‘, wie Papst Franziskus es uns bei seinem Besuch im Januar gesagt hat. Es war bei der gleichen Ansprache in Maipú, bei der er uns einludt, Klartext zu reden und die Erneuerung zu sein, die die Kirche braucht. Wir nehmen diese Herausforderung und ihre Konsequenzen an und übernehmen auch die Verantwortung für das, was wir hier sagen – Gutes und Schlechtes – und wissen uns voll und ganz verantwortlich für das, was wir auf diesen Seiten sagen.“ Am Vorabend des 18. Oktober haben die Verfasser des „Briefes der chilenischen Jugend“ und die Redaktion von schoenstatt.org einen lange und gut überlegten Schritt getan und diesem am 12. September verfassten Brief Veröffentlichung und Öffentlichkeit gegeben, einem Brief, den wir als Stimme der Erneuerung und Hoffnung wenige Tage vor dem 50. Jahrestag des Heimgangs von Pater Kentenich,  Die Veröffentlichung erfolgte zuerst im spanischen Original, einige Wochen später in einer portugiesischen Übersetzung und Ende November in Englisch und nun in Deutsch. des hundertsten Jahrestages des Lebensopfers Josef Englings für das Blühen Schönstatts sehen,  in einem Moment des Entsetzens angesichts des von Schönstättern (nicht nur) in Chile begangenen Missbrauchs. Die Veröffentlichung erfolgte zuerst im spanischen Original, einige Wochen später in einer portugiesischen Übersetzung, Ende November in Englisch und nun in Deutsch. —

Der Brief der Schönstatt-Jugend aus Chile für alle auf Schoenstatt.org

„Wie scho seit einiger Zeit besprochen, schicke ich Dir heute den Brief der Schönstattjugend von in Chile“, so Sebastián Pineda Oyarzun am 16. Oktober 2018.  „Ich weiß, dass du diesen Brief schon hast, aber um sicherzugehen, dass es sich um die neueste Version mit Unterschriften der Personen handelt, die dafür einstehen, und nach Klärung offener Punkte, schicke ich ihn dir erneut.

Wie wir am Telefon besprochen haben, denke auch ich, dass ein Nachdenken unserer Schönstattfamilie über die im Brief angesprochenen Punkte wichtig ist. Wenn dieses Dokument auch von der Jugend kommt, glaube ich, dass die beschriebene Situation der Kirche auf Weltebene keinem fremd ist.

In Chile zumindest war es jetzt eine sehr „besondere“ Zeit, als Kirche erleben wir eine Krise, wie zumindest ich sie, seit ich denken kann, so intensiv noch nie erlebt habe. Ich glaube, es sind solche Momente, die Reinigung anregen, aber auch ein Zusammenstehen und Stärken eines verwundeten Körpers, wie wir es im Moment sind. Darum wird das Miteinander auch stärker und bedeutungsvoller, denn wir alle, Laien und Priester und Ordensleute leiden Tag für Tag mit den Nachrichten und Skandalen von Missbrauch und Rücktritten von Priestern und Bischöfen.

Trotz allem kann diese Zeit jedoch aus Hoffnung und Neubeginn gelebt werden, indem wir die Linsen wechseln und den Blick weiten hin auf eine neue Kirche. In diesen Zeiten müssen wir uns dem Heiligen Geist öffnen, damit er in diese unsere Realität einbrechen kann und und uns in  der Dunkelheit, die wir erleben, erleuchtet und wir so das Licht Christi finden.

Das ist der Kontext, in dem dieser Brief entstanden ist. Als Jugendliche wollen wir damit wachrütteln und zum Nachdenken zu einigen Themen,  die wir in unserer Schönstattfamilie beobachten, aufrufen, Themen, die nach Lösungen schreien und zu denen wir einen Raum des Dialoges öffnen möchten. Es sind Anklagen auf der Grundlage dessen, was in Santiago de Chile in einem besonderen Zusammenhang und auf besondere Weise geschieht, also real und konkret, doch es gibt dabei Themen, die vielleicht über die Grenzen unserer Stadt und sogar unseres Landes hinaus gültig sind.

Die Idee dieses Briefes ist nicht, die aktuelle Situation auszunutzen, um Salz in die Wunde zu streuen; es sind vielmehr Ideen, die seit einigen Jahren schon in der Jugend aktuell sind und die jetzt, dank der Krise, konkreter in in einem einzigen Dokument formuliert wurden.

Der Redaktionsprozess war lang, komplex, voller Spannungen, die aber schließlich sehr kreativ waren. Wir denken, es ist ein guter Brief, nicht perfekt, aber gut diskutiert und klar in seinen  Ansätzen. Wir hoffen, dass er dazu dient, dass wir in vielen Teilen unserer Bewegung die Erneuerung erleben, zu der uns der Papst immer wieder aufgefordert hat und die unser Vater und Gründer von Schönstatt erwartet.

Wir bitten um das Feuer des Heiligen Geistes vom Coenaculum in [email protected]

 

Der Brief der Jugend von Chile auf Schoenstatt.org – und was nun?

In einem ersten Schritt wollen wir diesen Brief ganz Schönstatt zur Verfügung zu stellen. Offen für Kommentare (an die Jugend, an die Redaktion von Schoenstatt.org, an ganz Schönstatt).

In einem zweiten Schritt wollen wir Absatz für Absatz, Anliegen für Anliegen veröffentlichen, möglicherweise mit weiteren Beiträgen verbunden, und so einen Raum des Dialogs anbieten – eines Dialogs „rund um den Tisch“, bei dem keiner Lehrmeinungen doziert und niemand nur Richtlinien empfängt. Ein Dialog also, wie ihn das II. Vatikanische Konzil für die ganze Kirche wünscht und wie ihn Pater Kentenich seit 1916 für Schönstatt etabliert hat. Dafür gibt es ein Modell: die Zeitschrift MTA. Alle bringen ein, alle hören, alle regen an und lassen sich anregen. Dialog im Bündnis. So nennen wir auch die neue Kategorie, in der wir eine Plattform für den Dialog ausgehend vom Brief der Jugend aufmachen.

Vollständiger Text des Briefes der Jugend als PDF

Fragen, Ergänzungen, Beobachtungen:

[email protected]

[email protected]

Oder am besten gleich unten als Kommentar für alle.

Brief der Jugend Chiles

 

Santiago, 12. September 2018

 

Liebe Familie der Schönstatt-Bewegung in Chile:

Nach einem Prozess intensiver und sehr tiefgründiger Überlegungen als Mädchen- und Mannesjugend von Santiago konnten wir den folgenden Brief verfassen, in dem einige Themen angesprochen werden sollen, die unserer Meinung nach für uns als Bewegung von grundlegender Bedeutung  sind und über die wir nachdenken, denen wir uns stellen und über die wir miteinander reden sollten.

In keinem dieser Themen beanspruchen wir, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein; es sind unsere Einschätzungen, die aus den Erfahrungen geboren werden, die wir in all den Jahren der Teilnahme an dieser Familie gemacht haben, die wir so sehr lieben. Ebenfalls sagen wir zuvor: Es sind Reflexionen aus Santiago und den konkreten Erfahrungen derer, die diesen Brief unterzeichnet haben,  und aus diesem Grund nicht unbedingt gültig oder gleichwertig für alle, die in Chile  zur Bewegung gehören. Aus genau diesem Grund laden wir jedes Heiligtum, jede Filiale und jedes Apostolat ein, ihre eigenen Dialoge, Vorschläge und Lösungen zu entwickeln, um neue Strukturen und Ideen vorzuschlagen, die in der Lage sind, auf die Zeit zu reagieren, in der wir als Land leben.

Unser Ziel mit diesen Worten ist es, den ‚den Volljährigkeitsausweis hervorzuholen‘, wie Papst Franziskus es uns bei seinem Besuch im Januar gesagt hat. Es war bei der gleichen Ansprache in Maipú, bei der er uns einludt, Klartext zu reden und die Erneuerung zu sein, die die Kirche braucht. Wir nehmen diese Herausforderung und ihre Konsequenzen an und übernehmen auch die Verantwortung für das, was wir hier sagen – Gutes und Schlechtes – und wissen uns voll und ganz verantwortlich für das, was wir auf diesen Seiten sagen.

Wir  weisen darauf hin,  dass der Brief mehrere Fußnoten enthält, die das, was wir gesagt haben, ergänzen, um besser zu verstehen, was wir meinen, und deshalb bitten wir Sie, sie mit dem gleichen Interesse wie die übrigen Abschnitte zu lesen.

1. Schönstatt, seine Erneuerung und die Stimmen der Welt.

a. Distanz zwischen den Idealen und der Realität

Eine Situation, die uns als Jugendgemeinschaften berührt, ist die Distanz, die zwischen den Idealen besteht, die uns führen, und ihrer Umsetzung im praktischen Leben, in unserem Alltag. Unter Ideal verstehen wir hier jede Formulierung (Satz, Motto, Zitat, Losung, Parole, Gruppen-, Gliederungsideal…), die zu einer bestimmten Haltung oder Lebensweise einlädt und antreibt, wie es Pater Kentenich mit „Idealpädagogik“ umgreift.

Es ist nicht so, dass sie an sich schlecht sind – sie sind es, die uns auf die Höhe treiben, zu großen Taten, Verrücktheiten und Heiligkeit -, aber leider haben wir es durch unsere Schuld und die anderer nicht verstanden, sie in konkrete Realität umzusetzen, und noch schlimmer, wir haben uns davon distanziert.

Es ist unsere Schuld, weil wir, wie gesagt, sie nicht zum Leben erweckt, die schönen Worte nicht in konkretes Tun übertragen haben.[1] Und es ist auch die Schuld von anderen, die darin besteht, dass unsere Ideale manchmal aus übernatürlichen, philosophischen oder metaphysischen Abstraktionen[2] formuliert wurden, die abstrakt, gut und heilig sind, aber weder den pädagogischen Prozessen noch der Originalität jeder Gliederung oder Jugendgemeinschaft[3] entsprechen.

Im Zusammenhang mit dem Vorstehenden ist festzustellen, dass viele Male die Situation entstanden ist, dass wir ein bestimmtes Ideal mit dessen sozialer Projektion verwechseln. Wenn wir zum Beispiel in der Mannesjugend davon sprechen, „starke, freie und apostolische neue Männer“ zu sein, denken wir oft an eine bestimmte Persönlichkeit, wie z.B. einen geselligen Typ, mit den Fähigkeiten eines Leiters, fröhlich, nachdenklich, tiefgründig, guter Freund und Gitarrenspieler: Das Ideal hat einen Vor- und Nachnamen! Dasselbe kann auch in der Mädchenjugend passieren. Natürlich ist dies kein Problem der Formulierung, sondern – wiederum – der praktischen Umsetzung.

Aus diesem Grund gibt es  dann Jugendliche, die sich ausgeschlossen gefühlt haben, weil sie nicht die Art von Frau oder Mann repräsentieren, die sie offenbar sein sollen, oder die sich innerlich oder äußerlich unter Druck gesetzt gefühlt haben, sich an eine Form anzupassen, die ihre eigene Originalität nicht erfasst. Das ist ganz offensichtlich nicht gut. Unter dieser Vision wird das Ideal, anstatt eine Einladung zu sein, das volle Potenzial jedes Einzelnen zu entfalten, zu einem Filter.

Wir glauben, dass die Essenz eines Ideals darin besteht, dass es in der Lage ist, die vielfältige Verschiedenheit, Originalität und das Wunder, das der Heilige Geist bei jedem Menschen, der an unserer Bewegung teilnimmt, weckt, zu erfassen[4]. In diesem Sinne können wir sagen, dass jeder Mensch das Ideal „neu interpretiert“, weil es das Verständnis des Ideals erweitert, sich für neue Ausdrucksformen öffnet und das Leben, das Gott uns geben will, breiter entdeckt.

Nach all dem verstehen wir, dass sich jeder als Teil Schönstatts fühlen können sollte, indem wir die Türen öffnen und die große Vielfalt an Persönlichkeiten, Ideen, politischen, sozialen, sexuellen und kulturellen Orientierungen in unsere Familie aufnehmen, wie es der Traum Pater Kentenichs durch den Weltapostolatsverband war.

Schließlich möchten wir ein Thema hervorheben, das uns als junge Menschen umtreibt und auf das wir noch nicht vollständig eingehen konnten: Wie verbinden sich die Ideale unserer Jugend mit den sexuellen Realitäten unserer Zeit? Zum Beispiel, wie passen Starksein und Schwulsein zusammen[5], oder wie geht das Ideal der Reinheit mit dem Verlust der Jungfräulichkeit vor der Ehe zusammen?[6] Dies sind komplexe Fragen, bei denen eine Lösung dringend erforderlich ist. Wir bitten die ganze Familie, insbesondere unsere Berater (im deutschsprachigen Kontext = Standesleiter und Standesleiterinnen), um Hilfe, um durch tiefes Nachdenken und Gespräch Antworten zu geben.

b. Katholizismus „in den Wolken“ und reaktionärer Katholizismus.

Das ist ein Problem, das wir leider als chilenische Kirche leben, und als eine Bewegung, die Teil davon ist, teilen. Es ist eine Situation, die verschiedene Charismen, Glaubensgruppen, Pfarreien, Kapellen, Personen des geweihten Lebens, Laien, Jugendliche und Erwachsene umfasst. Nicht etwa, dass die angesprochene Haltung überall gleich stark auftreten würde, sondern sie erscheint an einigen Orten und bei einigen Personen stärker und ausgeprägter als woanders. Und wir finden, dass sie in manchen Gruppen der Gliederungen sowie bei den Instituten mit solcher Intensität in Erscheinung tritt, dass man es nicht übersehen kann.

Diese beiden Verformungen stehen im Zusammenhang mit dem Dialog, den unser Glaube mit der Realität führt. Ein Katholizismus „in den Wolken“ ist daher ein Katholizismus, der die Realität einfach ignoriert, weil man ausschließlich an sich selbst, an „unbeweglichen Wahrheiten“ festhält und deshalb die Möglichkeit, sich zu verändern oder mit neuen und vielfältigen Stimmen konfrontiert zu werden, gar nicht erst akzeptiert.

Ein reaktionärer Katholizismus ist hingegen ein Katholizismus, der die Welt als einen in der Ketzerei verlorenen Feind betrachtet,  gegen den man kämpfen muss, um die Werte eines „goldenen Zeitalters“ zu retten. Unter dieser Vision werden zum Beispiel sehr intensive Antworten gegeben, wenn etwa Gesetze diskutiert werden, die Werte berühren (und das ist sehr gut so), aber es gibt nur wenige, die sich hinsetzen, um zu reden oder nach Lösungen für die schmerzhafte Situation zu suchen, die sich hinter den Slogans verbirgt – Ausschluss, Einsamkeit, Sinnlosigkeit, Verlassenheit, Marginalität – und die verzweifelt nach einer einladenden und sachbezogenen Antwort der Kirche schreien.

Beide Formen sind Verzerrungen des wahren christlichen und schönstättischen Geistes[7]. Tatsächlich bekennt sich Papst Franziskus sehr stark gegen sie, denn er ruft uns auf, eine „offene“, „barmherzige“ und „willkommenheißende“ Kirche zu sein. Das heißt, eine Kirche – und in unserem Fall eine Erneuerungsbewegung -, die nicht die Welt verurteilt, sondern sie annimmt, sie tauft und rettet, wie Christus selbst es zu seiner Zeit getan hat.

Wegen all des vorher gesagten müssen wir als Familie und vor allem als Jugendliche daran arbeiten, einen gesunden Katholizismus zu rekultivieren, der in Dialog mit den Anliegen der Welt tritt[8] und im Lichte des Evangeliums darauf zu antworten sucht. Dabei folgen wir dem Beispiel unseres Vaters und Gründers, der nicht auf der Suche nach einem idealen Reich war, sondern nach dem, das tatsächlich existierte, mit all den Krämpfen, Ideen und Verwandlungen seiner Zeit, aus dem er viele Fragen der Familie ableitete[9].

   2.  Autorität in Schönstatt.

a. Die Rolle der Berater (Standesleiter) in der Jugend.

i. Sexueller, Gewissens- und Machtmissbrauch

Ein heikles Thema in dieser Zeit, das so sehr von den Skandalen des sexuellen Missbrauchs, des Missbrauchs des Gewissens und der Macht betroffen ist, die wir schmerzhaft auch innerhalb unserer Bewegung erleben,  ist die Rolle, die der Autorität innerhalb der Kirche entspricht, besonders in der Leitung von Kindern und Jugendlichen.[10] So schwer es auch sein mag, und auch wenn bestimmte Schritte zur Heilung von Wunden unternommen wurden, bleibt dies für uns ein Tabuthema: Wir unterlassen es, von den verurteilten Personen des geweihten Lebens zu sprechen, oder wir tun es „im Verborgenen“, die heute laufenden Untersuchungen zirkulieren als Gerüchte und werden nicht offen diskutiert,  und (um die Wunden nicht mehr zu öffnen?), vermeiden wir in mehreren Heiligtümern und Gliederungen der Bewegung konsequent das Thema Missbrauch in der Kirche und in Schönstatt.

Als junge Menschen schmerzt uns das besonders. Wir fordern die ganze Familie auf, klarer, nachdrücklicher und transparenter zu sein in Bezug auf die Untersuchungen und Verurteilungen,  die heute unsere Bewegung betreffen. Lasst die Dinge direkt gesagt werden, lasst die Informationen keine Gerüchte sein.  Werden wir fähig, in jeder Gliederung, jedem Bund und jedem Institut [11] Protokolle zu etablieren, und zwar gemeinschaftlich; es sind doch unsere Gruppen, die davon betroffen waren. Warum haben wir das Gefühl, dass wir nicht Teil dieser Prozesse sind? Unser Ruf ist nach Mut und Offenheit, auch wenn es uns wehtut.

ii. Eine falsche Vorstellung davon, ein Berater (Standesleiter) zu sein.

Wir glauben, dass dies zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Rolle der priesterlichen oder laikalen Berater/Standesleiter – Frau von Schönstatt, Schwester oder Pater – in letzter Zeit vom Weg abgekommen ist oder falsch interpretiert wurde, was zu einer falschen Vorstellung davon geführt hat, was es bedeutet, mit unseren Gruppen, apostolischen und sozialen Initiativen zu arbeiten: Die Berater haben dazu tendiert, sich selbst oder bestimmte eigene Ideen in den Mittelpunkt zu stellen, und nicht das Leben, das Christus in jedem von uns weckt. Die Rollen sind verdreht worden: Es ist die Gliederung, die sich an den Berater anpassen und nicht der Berater, der ihr dienen muss.

Dies hat mehrmals dazu geführt, dass sich die pastoralen und geistlichen Entscheidungen auf ihn und nicht auf die diejenigen, für die er oder sie Verantwortung hatte[12] konzentrieren, was zu fragwürdigen oder zu Recht schlechten Maßnahmen[13] geführt hat, die erst mit der Einsetzung des nächsten Beraters korrigiert wurden. Was bei den Jüngsten – zwischen 7 und 18 Jahren – noch komplexer ist, denn wenn die Beziehung zum Verantwortlichen aus geweihten Lebens beschädigt ist, wird es in der Praxis sehr schwierig, in der Gruppe zu bleiben, da man nicht weiß, an wen man sich wenden soll.

Deshalb müssen wir alle daran arbeiten, diese Situationen zu heilen, die uns heute weh tun und die nicht nur Schönstatt, sondern die ganze Kirche betreffen. Wir selbst zuerst, indem wir die Führungsrolle einnehmen, zu der Pater Kentenich wie der Papst uns als Laien rufen, indem wir nicht alles Patres, Priestern und Schwestern überlassen, sondern selbst eine aktive, reife und handelnde Rolle übernehmen. Und zweitens rufen wir auch nach Beratern aus der Familienbewegung – Liga, Bund und Institut –[14], damit sie sich gegenseitig ergänzen und bei der Führung unserer Gemeinschaften unterstützen können. Auf diese Weise können wir, da es mehr Erwachsene mit ihren vielfältigen Visionen und Charismen gibt, ein gesundes Gleichgewicht erreichen, das einseitige Entscheidungen vermeidet, die später bereut werden können[15].

Letztendlich muss die Verpflichtung darin bestehen, jeden Tag mehr gesunde, geschützte Umgebungen zu schaffen, in denen sich die Originalität und Freiheit jedes Einzelnen optimal entfalten kann.

  b. Eine Familie mit Mauern.

An dieser Stelle wird deutlich, was wir in der Einleitung gesagt haben: Die Erfahrungen sind je nach Heiligtum sehr unterschiedlich, wir schreiben aus einer Realität, die sich in mehreren Heiligtümern von Santiago wiederholt, und einige Dinge, die für unsere Stadt gelten, sind an anderen Orten nicht relevant. Aus dem gleichen Grund bekräftigen wir die Forderung, dass jede Einrichtung und jedes Gebiet ihren eigenen Raum zu entsprechenden Überlegungen sucht.

Was wir hier anprangern wollen, hängt sehr stark mit der Tatsache zusammen, dass Schönstatt föderal ist, was unserer Meinung nach dazu geführt hat, dass wir derzeit in einer Situation einer „Familie mit Mauern“ leben. Denn um Probleme, Spannungen und komplexe Situationen zu vermeiden, errichten wir Wände oder eine Art Gebietsschutz[16], um uns nicht in die Themen des anderen einzumischen (oder gar Stellung zu beziehen).

Wir sind mit dieser Sichtweise nicht einverstanden, im Gegenteil, wir glauben, dass wir ernsthaft in Unterlassungsschuld stehen,  weil wir nicht gesprochen, nicht angeprangert oder nicht gewagt haben, uns dem zu stellen, was uns bei unseren Brüdern und Schwestern im Liebesbündnis als nicht richtig erschien. Wir müssen zugeben: Es fehlt uns an Mut, der heutzutage so notwendig ist. Wenn wir wirklich Familie sind, müssen wir die Fähigkeit haben, die Dinge ins Angesicht offen zu sagen,  ob sie gut sind oder nicht, aber mit dem Vertrauen, das dies immer aus der Liebe kommt. Uns gegenseitig korrigieren, denn die Liebe zu Schönstatt bringt uns zum Handeln. Natürlich müssen legitime Praktiken und Entscheidungen innerhalb jeder Organisation immer respektiert werden, aber das bedeutet nicht, dass wir in Angst, Feigheit oder Gleichgültigkeit gegenüber Themen verfallen dürfen, die uns alle betreffen[17].

Besonders heikel ist hier das Thema der Institute von Priestern, Patres, Frauen von Schönstatt und Schwestern, wo Spannungen, Konflikte und Probleme seit vielen Jahren nicht gelöst sind,  was uns als Familie schadet. Wir betonen hier ausdrücklich die Situation zwischen den Frauen von Schönstatt und den Schwestern, die die Mädchenjugend betrifft, wo die einen von den Aktivitäten der anderen ausgeschlossen und Konflikte und Probleme hervorgerufen werden, die meist nicht von den jungen Frauen verursacht werden, und einige ohne die Möglichkeit einer umfassenden und fruchtbaren Beratung und Begleitung lassen.[18] Wir laden Sie ein, halbherzige Lösungen beiseite zu lassen und endlich einen effektiven, aufrichtigen, heilenden und verpflichtenden Dialog zu führen.

Aus diesen Gründen glauben wir, dass wir noch sehr wachsen müssen, um wirklich eine Familie zu sein, deren Wege sich oft mit Spannungen und sogar heftigen Kämpfen kreuzen, deren Ziel aber immer darin besteht, für Offenheit des Herzens, Aufnahme, Dialog, Zuhören und Verstehen zu arbeiten… Wir sind Familie!  Es wäre seltsam, wenn wir nicht streiten würden oder Reibungen hätten wie jede natürliche Familie.

c. Unsere Beziehung zu Pater Kentenich.

All das ist auch in unserer Vision von Pater Kentenich tief verwurzelt. Leider hat es in einigen Bereichen der Familie aufgrund einer Reihe von Faktoren, die wir nicht erklären können, eine Tendenz zu einer etwas infantilen Beziehung zu ihm gegeben: Seine Person ist übermäßig idealisiert, manchmal bis hin zu dem Punkt, dass sie praktisch perfekt ist, oder sein Wort – gesagt für bestimmte Kontexte und Momente – wird als eine Wahrheit angesehen, die jedes unserer täglichen Probleme löst[19].

Es ist nicht so, dass wir den Gründer, seine Botschaft oder die Grundlagen der Bewegung in Frage stellen wollen, überhaupt nicht! Wir sind dankbar, in einem Charisma des Bündnisses, des Heiligtums, der Gottesmutter, der Föderalität, des praktischen Vorsehungsglaubens und des Apostolates zu leben. Wir können nicht auf ihn verzichten, denn es wäre der Verzicht auf das Charisma! Durch sein sehr heroisches Beispiel sind wir aufgerufen, zu versuchen, ihn nachzuahmen, uns nicht mit den Dingen zufrieden zu geben, wie sie sind, und auf die Probleme und Dringlichkeiten zu reagieren, denen die heutige Welt uns gegenüber stellt. Anstatt Pater Kentenich, seine Gestalt und Geschichte ständig anzubeten, müssen wir uns jeden Tag mehr darum bemühen, „Pater Kentenichs“ inmitten der Welt zu sein, die in der Lage sind, seine Lebens- und Handlungsweise zu verkörpern[20].

Diese letzte Sache, die wir gerade gesagt haben, hat mehrere Konsequenzen, die uns zu verschiedenen Maßnahmen auffordern: (a) den Vater tiefer kennenzulernen, nicht nur als statische Idealisierung, sondern als Mensch, in seinem Denken – sozial, kulturell, geistlich, psychologisch, pädagogisch, religiös -, um auf die heutigen Probleme so reagieren zu können, wie er es in seiner Zeit tat; (b) eine infantile Haltung Pater Kentenich gegenüber hinter uns zu lassen, um in eine reifere Beziehung zu ihm hineinzuwachsen; (c) frei und verantwortungsbewusst auf bestimmte Dinge reagieren zu können, die Pater Kentenich nicht vorhersehen konnte oder in unserer Bewegung nicht entfaltet hat, indem wir sein Denken entsprechend der Realität der heutigen Welt neu interpretierten[21]; (d) darüber nachzudenken, wie wir die Gestalt und Pädagogik von Pater Kentenich heute vermitteln.

    3. Unsere Beziehung zur Kirche.

a. Schönstatt ist Kirche.

Eine Unterscheidung, die manchmal an manchen Orten getroffen wird, ist die zwischen Schönstatt und der Kirche als zwei getrennten Welten[22], wobei sich die erste auf das bezieht, was innerhalb der Bewegung geschieht, und die zweite auf die Diözesankirche und die anderen Charismen. Diese mentale Trennung schadet uns sehr, lässt uns aus der Welt fliehen und die echte Kirche vergessen. Schönstatt ist Kirche, was mit der Kirche passiert, passiert mit Schönstatt und umgekehrt.[23]

Ist die aktuelle Krise nicht das beste Beispiel dafür? Deshalb ist es dringend notwendig, unser Verständnis von und unsere Rolle in der Kirche zu erneuern. Die grundlegende Frage dabei ist: Erschöpft sich die  Aufgabe der Bewegung in ihrer internen Organisation (Gliederungen, Bünde und Institute)?[24]

Wir finden, dass wir gerade heute  die Pflicht haben, herauszugehen und unsere beschädigte Kirche zu hüten und zu erneuern. Wir wissen, dass das Gleichgewicht zwischen dem Inneren und dem Äußeren schwierig zu erreichen sein kann, aber Schützengrabenmentalität und die sogenannte „Geschlossenheit“ haben unsere kreative, aktive und apostolische Fähigkeit massiv  beeinträchtigt.

b. Schönstatt ist keine exklusive Bewegung.

Wir haben mehrmals gehört, dass Schönstatt eine Bewegung ist, die Führerpersönlichkeiten erzieht. Es ist wahr und wir sind stolz auf unsere Führerschulen, Selbsterziehungskurse und Seminare; dass in unseren Heiligtümern Persönlichkeiten im Dienst der Bewegung und der Kirche geschmiedet werden. Aber das gibt uns auf keinen Fall das Recht, eine elitäre oder eine Elite-Bewegung, eine exklusive Bewegung zu sein.[25]

Wir sind aufgerufen, eine Antwort zu geben und zu sein auf Welt und Gesellschaft, und das bedeutet – in hohem Maße -, aus unseren Mauern herauszugehen, vom Sofa aufzustehen und die Türen der Bildungsstätten zu öffnen, um dieses wunderbare Charisma zu teilen. Der Papst hat sich nicht geirrt, als er 2014 in der Audienzhalle gesagt wurde, dass wir keine Bewegung von  „Schafkämmern“ oder „geistlichen Friseuren“ sein dürfen. Heute ist das Konzept eines Schönstatt im Herausgehen trotz der Bemühungen vieler mehr eine Grundsatzerklärung als eine wirksame Realität[26]

Der beste Weg, diese Realität zu fassen, sind die Pilger, die an unserer Bewegung teilnehmen. Aus historischen und kulturellen Gründen hat Schönstatt in Chile die Ausbildung und geistliche Vertiefung großer Führer mehr betont als die Volksfrömmigkeit oder die Seelsorge der Pilger. Wir beurteilen diese Situation nicht. Aber wenn diese Führungspersönlichkeiten – wir selbst! –  keine Antwort auf die Gesellschaft sind, Lichter, die vielen, die sie brauchen, neue Wege zeigen, wofür gibt es sie dann? [27] Pater Kentenich verstand unsere Heiligtümer als „Orte der Gnade, zu denen Tausende von Pilgern kommen können, um Christus und der Gottesmutter zu  begegnen“. Können wir sagen, dass sie das heute sind?[28]

Eine tiefe Reflexion und persönliche Konfrontation mit diesem Thema sind dringend notwendig.

c. „Eine arme Kirche und für die Armen“.

Wir können nicht leugnen, dass Schönstatt eine soziale Berufung hat. Viele Projekte, Aktionen und Missionen wurden und werden aus unseren Heiligtümern geboren, um der Welt der Armut, der Marginalisierten oder Ausgeschlossenen zu helfen. Wir sollten stolz auf sie sein. Trotzdem sind wir im Allgemeinen nicht wegen dieser Themen bekannt, wir verbrennen uns nicht unsere Hände, weil wir heiße Eisen anpacken und machen sie nicht schmutzig, weil wir hinausgehen, um dem Leidenden zu helfen und ihn zu begleiten. Wir helfen, ja, aber oft,  ohne uns zu sehr zu engagieren, bequem und entsprechend unseren eigenen Zeitfenstern: Sehen wir Christus wirklich in demjenigen, der leidet? Wir glauben, dass wir es bisher nicht verstanden haben, eine „Kirche für die Armen“ zu sein, wie uns Pater Kentenich eingeladen hat.

Und wir  haben bisher auch nicht wirklich verstanden, eine „arme Kirche“ zu sein. An einigen Stellen unserer Bewegung in Chile wurden in den letzten Jahren Ausgaben getätigt und Bauwerke hingestellt, die unverhältnismäßig erscheinen und für manche unserer Brüder und Schwestern im Liebesbündnis  ein Skandal sind.[29]

Es ist nicht so, dass wir gegen die Ausgaben an sich sind, wir verstehen, dass jede Familie oder jedes Institut einen Ort haben möchte, der einladend und würdig ist und dass sie für ihre Treffen ein Eigentum haben wollen. Aber wir lehnen den oft dahinterstehenden Geist der Annehmlichkeit und Verschlossenheit, fehlender Solidarität und Abgrenzung strikt ab.

Der Geist bürgerlichen Bequemlichkeit und der Verschlossenheit sind nur zwei Seiten derselben Medaille: weil wir nicht herausgehen, weil wir nicht auf der Suche nach der Lösung der Probleme der Welt sind, , sich nicht mit sozialen Belangen und der Seele zu „verbrennen“, enden wir als „spirituelle Friseure“, deren einziges Ziel ein ruhiges und ruhiges Leben, ein flaches Leben wird.

Und ein Geist der mangelnden Solidarität ist Ausdruck einer Spaltung: Wir denken, dass wir eigene Hochburgen sind, voneinander isolierte Inseln, während wir in Wirklichkeit eng miteinander verbunden sind. Was in Maipú passiert, betrifft auch Campanario, das Gleiche gilt auch für Valle de María und Nuevo Belén. Wir stecken da zusammen drin. Aus dem gleichen Grund können wir nicht in scheinbarer Ruhe bleiben, weil unsere materiellen Anliegen bereits gelöst sind, in einer seligen Nabelschau isoliert von der Realität. Nein, wir sind füreinander verantwortlich, und aus dem gleichen Grund müssen wir nicht nur geistig, sondern auch materiell füreinander sorgen.

Aus all den oben genannten Gründen glauben wir, dass wir an manchen Orten zu einer einfacheren, solidarischeren und aufgeschlosseneren Bewegung werden müssen: die mehr aus Notwendigkeit als aus Luxus ausgibt, die nicht nur ihre eigenen Anliegen, sondern auch die anderer in der Familie im Blick hat und die Güter großzügig nutzt, um herausgehen und Leben spenden zu können.

 

Schlussworte

Wichtiger als die Schlussfolgerungen dieses Briefes ist der Prozess der Reflexion. Wir rufen die ganze Bewegung in Chile und auch  diejenigen, die nicht aktiv an ihr teilnehmen und von einer neuen Kirche träumen, auf, unsere Strukturen, unsere pastoralen Methoden, unsere Formen und Praktiken zu überdenken, damit sie eine echte Antwort auf die herausfordernden Zeiten sein können, in denen wir heute leben. Wir hoffen, dass dieser Prozess mit den für jede Zone spezifischen Regionaltagen beginnt und mit der nationalen Tagung der Verantwortlichen endet, die wir im Mai 2019 haben werden, bei der wir all diese Überlegungen teilen können. Wir hoffen, dass jeder seine Stimme erheben kann, dass die Dinge von Angesicht zu Angesicht und mit Zuneigung gesagt werden, um Probleme und Schmerzen zu lösen, die manchmal seit Jahren nach Lösungen suchen.

Wir vertrauen darauf, dass die Gottesmutter den Heiligen Geist von ihrem Heiligtum aus anfleht, damit dies eine Zeit der Brüderlichkeit, des Mutes und der Hingabe wird.

Wir bleiben treu.

Dieser Brief ist von den Jugendgemeinschaften unterzeichnet, in denen die meisten von ihnen den Inhalt unterstützen. Es war auch möglich, dass einige einzeln unterschreiben, entweder weil ihre jeweiligen Gemeinschaften den Brief nicht unterstützten oder weil sie ihre Unterstützung persönlich und konkret ausdrücken möchten.

Mädchenjugend Bellavista

Mädchenjugend Providencia

Mädchenjugend Ermita de Maipú

Mädchenjugend Monte Schoenstatt

Mannesjugend Bellavista

Mannesjugend Nuevo Belén

Mannesjugend Providencia

Mannesjugend Campanario

Carolina Brito (Campanario)

Macarena Hernández (Bellavista)

Francisca Cortés Novoa (Campanario)

María Jesús Garnham (Campanario)

Pilar Riadi (Campanario)

Christian Calderón (Nuevo Belén)

Jose Cordova Fredes (Nuevo Belén)

Guillermo Rodríguez (Nuevo Belén)

Sofía Peró (Campanario)

Elisa Grez (Campanario)

Isidora Marambio (Campanario)

Francisca Villagra (Campanario)

Catalina Arriagada Ramos (Bellavista y Tierra Escogida) 

Víctor Pérez Mac Clure (Campanario)

Diego Irarrázaval (Campanario)

Sofía Valenzuela (Campanario)

Santiago Arze (Campanario)

Matías Rodríguez (Campanario)

Juan Miguel de la Fuente (Campanario)

Nicolás Garnham Opazo (Campanario)

Maximiliano Garnham (Campanario)

Sofía Cuevas (Campanario) 

Sofía Joanne (Valle Hermoso del Niño Jesús)

Teresita Jouanne (Valle Hermoso del Niño Jesús)

Julio Fuentes (Nuevo Belén)

Rodrigo Leiva (Nuevo Belén)

Javiera Villalon (Bustos)

Elisa de la Fuente (Campanario)

Natalia Casassas (Valle Hermoso del Niño Jesús)

María Paz Valdivia (Monte Schoenstatt)

Magdalena Latorre (Campanario)

Javiera Lorca (Bellavista)

Paula Castro (Bellavista)

Paloma Valdés (Bellavista)

Antonia Barahona (Bellavista)

Sabina Orellana (Bellavista)

Isidora Figueroa (Bellavista) 

Nicolás Parra Carrasco (Campanario)

Tomás Prieto Castelblanco (Valle Hermoso del Niño Jesús)

Manuel Lorca (Campanario)

Benjamín Rodríguez Doren (Campanario)

Lucas Apparcel (Campanario)

María Jesús Tocornal (Providencia)

Vicente Jaramillo Errázuriz (Campanario)

Blanca de la Fuente (Campanario)

Catalina Saavedra (Bellavista)

Felipe Flores (Nuevo Belén)

 

Der erste Entwurf dieses Briefes, der wegen eines unbeabsichtigten Lecks vorzeitig verbreitet wurde, war von 43 Personen unterzeichnet worden.

Im Falle von Fragen, Beobachtungen, Kommentaren, die Sie geben möchten, hier die Mail:

[email protected]

 

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

[1] Oder wie es unsere Schönstatt-Helden taten, wie etwa Mario Hiriart, der mit seinem heroisch gelebten Glauben  tatsächlich ein „lebendiger Kelch für die Kirche“ war.

[2]  Die leider manchmal nicht einmal auf der persönlichen Erfahrung beruhen, die jeder mit Jesus Christus macht, sondern auf moralischen Werten, Lebenseinstellungen usw. Darum sind sie auf Sand gebaut.

[3] Ein sehr relevantes Beispiel dafür sind die Ideale der Mädchenjugend in Bezug auf Reinheit, die oft mit „Jungfräulichkeit bis zur Ehe“ verwechselt und darauf reduziert wird, ein Thema, das an mehreren Stellen nichts mit der Praxis oder den gesellschaftlichen Erwartungen junger Frauen zu tun hat. Natürlich rufen wir nicht dazu auf, das Ideal aufzugeben, sondern in vollem Umfang zu leben, was es bedeutet, „rein“ zu sein, was sich nicht nur in der Sexualität erschöpft. Wir betonen und feiern es geradezu, dass die Mädchenjugend zusammen mit ihren Beratern und Beraterinnen seit einigen Monaten bereits auf nationaler Ebene mit der Arbeit an diesen Themen begonnen hat, und wir hoffen, dass dieser Prozess weiter vertieft und bedacht wird.

[4] Man muss sagen, dass dies eine besondere Erfahrung der Bewegung in Chile ist und nicht mit dem Kern Schönstatts zusammenhängt, wo so unterschiedliche Charismen wie z.B. Max Brunner und Josef Engling es verstanden haben, den Geist der Gründergeneration auf ihre je eigene Art zu verkörpern.

[5] Nur als ein Beleg:  40% der Befragten in einer Umfrage des Familienbundes unter ihren eigenen Kindern gaben an, dass sie „sehr stark zustimmen“  bei dem Punkt,  dass die homosexuelle Ehe ebenso gültig ist wie die heterosexuelle Ehe.

[6] Bei der gleichen Umfrage gaben nur 25% der Befragten an, dass sie „sehr stark zustimmen“ bei dem Punkt, dass Jungfräulichkeit vor der Ehe ein Wert sei.

[7] Besonders wenn man bedenkt, dass Pater Kentenich von den „Stimmen der Zeit“ als einem der drei Wege sprach, auf denen sich Gott uns gegenüber offenbart und uns herausfordert.

[8] Wie Feminismus, Homosexualität, Transsexualität, Scheidung, Euthanasie, Ursachen für Abtreibung, Gewalt, Migration, demografische Ausgrenzung, unter Hunderten von Themen, mit denen wir jeden Tag konfrontiert werden.

[9] Es genügt,  daran zu erinnern, dass Pater Kentenich Elemente des Nationalsozialismus und des Kommunismus für die Schaffung der Symbole der Bewegung aufgegriffen hat sowie einen Teil der Theorie von Freud, einem atheistischen Materialisten, in die psychologischen Grundlagen der Bewegung aufgenommen hat.

[10] So berichteten beispielsweise in der oben genannten Umfrage des Familienbundes nur 25 % der Jugendlichen, dass sie schwierige oder an die Grenzen gehende Fragen mit Lehrern, Priestern oder Ordensleuten diskutierten.

[11] Aufgrund der gegenwärtigen Situation und gemäß dem Aufruf des Papstes sollten alle Institutionen Missbrauchsprotokolle erstellen, gleich ob es bisher konkrete Fälle gegeben hat oder nicht. Wir sind uns nicht sicher, ob dies in der ganzen Familie effektiv geschieht.

[12] Es macht uns etwa Sorge, dass die Mannesjugend manchmal als eine Erweiterung des Instituts der Schönstatt-Patres gesehen wir und die Mädchenjugend als Erweiterung des Instituts der Marienschwestern bzw. der Frauen von Schönstatt. Dabei muss doch die die thematische, spirituelle und standesgemäße Autonomie und Unabhängigkeit, wie sie der Jugend entspricht, anerkannt werden.

[13] Um Partikularismus zu vermeiden, gehen wir nicht auf konkrete Fälle ein, aber es gibt bekannte Fälle von Standesleitern, die sich geweigert haben, Jugendliche in die Gliederung aufzunehmen, von aufgestülpten  Themen für Exerzitien, Ablehnung von Idealen oder Formulierungen, die von den Jugendlichen erarbeitet wurden, usw.

[14] Dafür reicht aber nicht bloße Begeisterung, sondern auch eine entsprechende Vorbereitung dieser Ehepaare, damit sie eine gesunde und konstruktive Begleitung gewährleisten können.

[15] Das bedeutet eine Öffnung der Schwestern, Frauen und Patres, dass „ihre“ Gliederungen auch von anderen Instituten mitberaten oder unterstützt werden können und sie diese eben nicht als „eigene Lehen“ behalten werden. Vorrang muss letztlich das haben, was dazu beiträgt, die ihnen anvertrauten Jugendlichen besser zu führen und zu fördern.

[16] Oder Heiligtümer, Stadtteile oder Orte nach sozialen Schichten

[17] Auch zu diesem Thema gibt es konkrete Beispiele wie z.B. Anfragen, die an das Generalsekretariat der Bewegung geschickt wurden, auf die geantwortet wurde, dass nichts dagegen unternommen werden könne; oder das Schweigen oder Wegschauen der Familie zu einigen Konflikten, die zwischen  Sektoren Schönstatts auftreten.

[18] Auch hier gibt es, ohne auf Einzelheiten einzugehen, Fälle von Jugendlichen, denen es nicht erlaubt war, sich in einem Heiligtum zu treffen, weil „sie von der anderen Jugend kommen“, ihnen die Zugehörigkeit zur Gliederung verweigert wurde, wenn sie das je andere Institut um Unterstützung gebeten hatten, oder ihnen nicht erlaubt wurde, jemanden aus dem anderen Institut als geistlichen Begleiter zu wählen.

[19] Als Beispiel für erstere: Da werden die Kritiken an den Haltungen Pater Kentenichs im Konzentrationslager Dachau oder im Brief vom 31. Mai oft einfach ignoriert. Zur zweiten Situation wissen wir von der Ablehnung von apostolischen Projekten und Laieninitiativen  aufgrund einer bestimmten Auslegung von Worten Pater Kentenichs

[20] Das ist nicht unsere Idee, sondern eine der Empfehlungen, die die Jesuiten Schönstatt anlässlich des 100. Jahrestages 2014 gegeben hat, wo sie uns sagten, dass zu den Erfahrungen, die wir in diesen nächsten hundert Jahren machen müssten, die immer größere Distanz zu denen, die den Gründer persönlich gekannt haben, gehöre, so dass es notwendig würde, seine Botschaft zu erneuern und lebendig zu verkörpern in Anpassung an diese neue Epoche der Geschichte.

[21] Nur als Beispiel können wir uns auf Themen wie Leben und Bewegung in Megastädten, Wirtschaftsimmigration, Homosexualität, politischer Feminismus, technologischer Missbrauch, Globalisierung, Klimawandel, das Verhältnis zu Ureinwohnern in der Kultur, die Suche nach lateinamerikanischer Identität usw. beziehen (kann beliebig ergänzt werden).

[22] Natürlich ist dies nicht etwas, das aus dem Wesen der Bewegung kommt, sondern eine soziale und kulturelle Situation, die in unserem Land entstanden ist. Es genügt, Pater Kentenich zu zitieren, der an ein „Alles für Schönstatt und Schönstatt für die Kirche“ glaubte.

[23] Wir legen besonderen Wert darauf, die oft vergessene dritte Zielgestalt Schönstatts zu leben: den Apostolischen Weltverband, der nach Pater Kentenich dazu da ist, die Zusammenarbeit und Koordination aller apostolischen Kräfte – auf diözesaner, nationaler und internationaler Ebene – in allen Bereichen des täglichen Lebens zu fördern.

[24] Dabei folgen wir exemplarisch den Erfahrungen, die in Maipú und Nuevo Belén gemacht werden, wo die Verbindung zu einer Pfarrei oder dem Nationalheiligtum ganz entscheidend zur Vielfalt, Offenheit und Vitalisierung der dortigen Schönstatt-Jugend beigetragen hat.

[25] Damit verbunden ist die Tatsache, dass wir manchmal eine Bewegung von „sozialen Klassen“ sind, in denen einige aufgrund ihres Alters relevanter sind als andere, oder in der Heiligtümer wie eine Art Lehen verstanden werden, das aufgrund von wirtschaftlichen oder kulturellen Zuwendungen zugeteilt wird.

[26] Wir sind uns der vielen apostolischen Werke bewusst, die von Personen der Bewegung ausgeführt werden, in denen aber manchmal aufgrund der oben genannten mentalen Trennung von Schönstatt und Kirche das ureigene Charisma Schönstatts nicht voll eingebracht, sondern für das „institutionelle“ Apostolat reserviert scheint.

[27] Ein großartiges Beispiel hierfür ist Hernán Alessandri, der aus Schönstatt heraus die großen Mängel seiner Zeit sehen konnte und mit  einem volkstümlichen und apostolischen Geist mehrere der Organisationen  schuf, die Schönstatt heute mit den Benachteiligten und Ausgeschlossenen verbinden.

[28] Um es auf den Punkt zu bringen: Es gibt Heiligtümer, wo es nicht einmal Schilder draußen gibt, die darauf hindeuten, dass sie ein Ort des Gebets sind, Heiligtümer, die in der Umgebung „der Park“ genannt werden, Heiligtümer, die nur betreten werden können, wenn man im Haus der Verantwortlichen um einen Schlüssel bittet.

[29] Wie zum Beispiel der Bau von Häusern aus sehr teuren Materialien und mit der besten Ausrüstung, aber auch fehlendes Sparen in unseren Heiligtümern

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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