Veröffentlicht am 2010-02-06 In Themen - Meinungen

Die Zeichen der Zeit wahrnehmen, sie deuten und eine prophetische Antwort darauf geben

Dr. Bern Biberger (mitte) bei einer Veranstaltung des JKImkf. Das Josef-Kentenich-Institut (JKI) wird in diesem Jahr vierzig Jahre alt. Es ist ein wissenschaftliches Institut, das sich besonders der Erforschung von Lehre, Werk und Person Pater Josef Kentenichs, des Gründers der Schönstatt-Bewegung, widmet. Ziel des JKI ist eine tiefere wissenschaftliche Durchdringung des Ansatzes von Josef Kentenich und das Hineintragen seiner Anliegen in die heutige Wissenschaft. Schoenstatt.de sprach mit dem Präsidenten des Josef-Kentenich-Instituts, Privatdozent Dr. Bernd Biberger, Mitglied des Instituts der Schönstatt-Diözesanpriester über die Geschichte und Zielsetzung des JKI, seine Rolle in Schönstatt und seinen Beitrag auf dem Weg nach 2014. Und nach dem Charisma Pater Kentenichs und seine Bedeutung für die Kirche heute.


Dr. Bern Biberger, Präsident des JKIDas Josef-Kentenich-Institut – kurz JKI – feiert am kommenden 13. Februar – was genau wird gefeiert und wie wird die Feier gestaltet?

Das Josef-Kentenich-Institut feiert in diesem Jahr sein vierzigjähriges Bestehen. Da der Gründungstag, der 8. Juli, in diesem Jahr auf den 100. Priesterweihetag Josef Kentenichs fällt, haben wir uns entschlossen, unser Jubiläum auf der diesjährigen Jahrestagung des JKI, die vom 11. bis 13. Februar stattfindet, aufzugreifen. Die Feier hat zwei Schwerpunkte: Am Freitag feiern wir zusammen mit Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Freiburg), dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, von dem wesentliche Impulse zur Gründung des JKI ausgegangen sind, einen festlichen Gottesdienst. Am Samstag gestalten wir ein halbtägiges Symposium zum Thema „Eingreifen ins Leben (JK).

Gesellschaft- Kirche -Wissenschaft“, zu dem wir nicht nur die Mitglieder des JKI, sondern auch Gäste aus dem wissenschaftlichen Bereich und aus den Führungskreisen der Schönstatt-Bewegung eingeladen haben. Das Symposium wird sich der Frage stellen, was Josef Kentenich heute seiner Bewegung im Hinblick auf die drei genannten Bereiche mit auf den Weg geben würde. Drei Statements von Erzbischof Dr. Zollitsch, Ordinariatsdirektorin Dr. Gertrud Pollak (Mainz) und Prof. Dr. Joachim Söder (Aachen) sollen Impulse setzen und zur Diskussion anregen.

Was war die leitende Idee bei der Gründung des JKI damals? Und hat sich diese Idee im Laufe der Jahre gewandelt?

Entstanden ist das JKI aus einem Mariologischen Seminar, zu dem sich 1969/1970 junge Theologiestudenten in Freiburg zusammengefunden hatten, weil die Mariologie in ihren Vorlesungen keine Rolle gespielt hat. Dr. Zollitsch vermittelte dem Kreis, wie wichtig Josef Kentenich die wissenschaftliche Durchdringung seines Gedankenguts war, ein Anliegen, das er bei einem Besuch des Gründers in Milwaukee tief in sich aufgenommen hatte. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Josef Kentenich ist nach wie vor die leitende Idee des JKI. Doch anders als in den ersten Jahren beschränkt sich das JKI nicht mehr nur auf die Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse in Büchern und Artikeln, wie zuletzt das von Dr. Peter Wolf herausgegebene Buch mit Texten Josef Kentenichs zu Paulus, sondern bietet auch Kurse und Fortbildungen an wie den Grundkurs Geistliche Begleitung, der von P. Günter Niehüser zusammen mit Barbara Stolzenberger und Pfr. Hans Stehle durchgeführt wird. Der Großteil der Teilnehmer dieses Kurses kommt inzwischen aus schönstatt-ferneren Kreisen.

Worin sehen Sie heute – am Ende des ersten Jahrhunderts der Geschichte Schönstatts – die Aufgabe des JKI?

Das JKI hat aus meiner Sicht gegenwärtig eine dreifache Aufgabe. Das JKI will einen Beitrag leisten, dass das Gedankengut Josef Kentenichs in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschung stärker wahrgenommen und rezipiert wird. Das geschieht noch viel zu wenig. Neben der eigenen wissenschaftlichen Erarbeitung ermutigt das JKI deshalb Studentinnen und Studenten aller Fachrichtungen, sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit Josef Kentenich zu befassen und ihn ins Gespräch mit Erkenntnissen ihrer Disziplin zu bringen. Das geschieht durch den jährlich vergebenen, mit 500 € dotierten JKI-Preis. Das JKI bietet ferner der Bewegung Studienmaterial zur Auseinandersetzung mit dem Gründer Schönstatts an, wie etwa das schon erwähnte Paulus-Buch oder davor die Textsammlung zum Kirchenverständnis Kentenichs. Und das JKI will helfen, Zugänge zum Denken Josef Kentenichs zu finden. Dazu hat das JKI in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Jungen Schönstatt zwei Kentenich-Akademien durchgeführt.

Welche konkreten Projekte des JKI laufen augenblicklich? Welches davon ist für Sie besonders zukunftsträchtig?

Gegenwärtig entsteht mit dem „Kurs Kentenich Pastoral“ ein Angebot, das sich den gegenwärtigen pastoralen Herausforderungen stellt, neue Perspektiven für die pastorale Arbeit aufzeigt und sich dabei an Josef Kentenich und dem von ihm angeregten praktischen Vorsehungsglauben orientiert. Der Kurs arbeitet prozesshaft, u.a. mit einer „pastoralen Schriftrolle“, auf der die Teilnehmer die Spuren, die sie in einem konkreten Arbeitsfeld wahrnehmen, aufzeichnen, zu deuten suchen und so entdecken, wie Gott sie in der pastoralen Arbeit führt. Nachdem Mitglieder des Priesterverbandes und des Priesterbundes damit in einem Pilotkurs äußerst positive Erfahrungen gemacht haben, die viel Leben geweckt haben, wird dieser Kurs, der vier Einheiten umfasst, ab Oktober 2010 offen für alle pastoralen Berufsgruppen angeboten. Näheres dazu (wie auch zu allen anderen Angeboten des JKI) kann man unserer Homepage (www.josef-kentenich-institut.de) entnehmen.

Zudem hat sich in den letzten Monaten eine Gruppe junger Erwachsener (bzw. wie wir sagen, eine Sektion) unter der Leitung von Prof. Dr. Joachim Söder und seiner Frau Uta zusammengefunden, die sich in regelmäßigen Abständen trifft, um sich ein Thema zu erarbeiten. Gegenwärtig ist das die soziale Frage. Das Spannende ist, dass die Teilnehmer aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen kommen, etwa den Ingenieurwissenschaften oder der Kunstwissenschaft, so dass sich der bisher vor allem auf die Theologie, die Philosophie und die Pädagogik ausgerichtete Blick des JKI deutlich weitert.

Im vergangenen Sommer boten P. Günter Niehüser und Subregens Dr. Michael Gerber einen Ausbildungskurs für Formationsleiter, die in Priesterseminaren tätig sind, an. Auch die Möglichkeit, auf das vom IKF herausgegebene Schönstatt-Lexikon im Internet zugreifen zu können, ist ein Projekt des JKI.

Wenn Sie an die Zeit denken, die Sie persönlich nun schon im JKI wirken: Was waren da die besonderen Höhepunkte?

Persönlich habe ich mich besonders in den von Dr. Wolf herausgegebenen Textsammlungen engagiert: das Buch über das Kirchenbild Josef Kentenichs, das Paulus-Buch und das Buch mit den Texten zum Priesterjahr. Eine besondere Freude war die Erarbeitung und die Durchführung der beiden Kentenich-Akademien und die Begleitung der daraus herausgewachsenen Fahrt nach Milwaukee (2008). Nicht zuletzt ist mir auch die Möglichkeit, mit Wissenschaftlern anderer Disziplinen (ich selbst bin Alttestamentler) zusammenzuarbeiten, wichtig.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre für das JKI?

Vor allem wünsche ich mir, dass das JKI seiner zentralen Aufgabe, der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt Josef Kentenichs und der Schönstatt-Bewegung, immer mehr gerecht wird. Diese Aufgabe kann das JKI nur erfüllen, wenn sich viele dafür einsetzen. Dazu braucht es Interessierte, die im JKI mitarbeiten, auch über den theologischen Bereich hinaus. Damit die Schönstatt-Bewegung sich zu brennenden Gegenwartsfragen äußern kann, braucht es Schönstätter, die ihre wissenschaftliche Kompetenz mit ihrer Kenntnis von Josef Kentenich verbinden und aus dieser Verbindung heraus Stellung beziehen. Es wäre schön, wenn noch mehr junge Leute diese wissenschaftliche Herausforderung angehen würden. Dazu braucht es aber auch die finanzielle Unterstützung. Das JKI wird getragen von einem gemeinnützigen Verein. Dessen Jahresbeiträge und Spenden ermöglichen erst die Durchführung so vieler unterschiedlicher Projekte. Durch die Mitgliedschaft in diesem Verein kann jeder die Arbeit des JKI unterstützen.

Die Schönstattfamilie hat für ihren Weg auf 2014 hin fünf strategische Felder des Apostolates definiert: Familie, Jugend, Kirche, Pädagogik, Gesellschaft im Sinne der Bündniskultur. Das JKI wirkt sicher am stärksten im Bereich Kirche – wo sehen Sie da den konkreten Beitrag?

Der konkrete Beitrag des JKI ist nicht auf den Bereich der Kirche beschränkt. Die wissenschaftliche Durchdringung Josef Kentenichs betrifft zunächst einmal jeden der genannten Bereiche. Gegenwärtig setzt sich eine unserer regionalen Gruppen mit den pädagogischen Vorträgen des Gründers aus den Anfangsjahren der Bewegung, die im Buch „Unter dem Schutze Mariens“ zusammengestellt sind, auseinander. Vielleicht gelingt es, die dort enthaltenen pädagogischen Grundzüge zu systematisieren. Erste Überlegungen gibt es auch zur Frage, wie die Bundestheologie, die ja die theologische Grundlage des Liebesbündnisses bildet, stärker in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht werden kann. Darüber hinaus nehmen zahlreiche Mitglieder des JKI am Zukunftsforum teil.

Eine letzte Frage: Was ist Ihre Vision von Schönstatt, an deren Verwirklichung Sie vom JKI aus mitarbeiten möchten?

Das Charisma Josef Kentenichs besteht in seiner Fähigkeit, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen, sie zu deuten und eine prophetische Antwort darauf zu geben. Diese prophetische Kraft und diesen prophetischen Mut braucht die Schönstatt-Bewegung, wenn sie die Sendung ihres Gründers weitertragen will. Das setzt einerseits eine gute Kenntnis der Gedankenwelt Kentenichs voraus, das bedeutet andererseits aber auch, dass diese Gedankenwelt nicht nur verwaltet wird, sondern dass sie in einen fruchtbaren Diskurs mit den Herausforderungen der heutigen und der künftigen Gesellschaft gebracht wird. Diese Gesellschaft beschäftigen Themen und Fragen, zu denen wir in den Aussagen Josef Kentenichs naturgemäß nichts finden. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Josef Kentenich dazu nichts zu sagen hätte. So wie er auf dem theologisch-philosophischen Fundament der Kirche originelle Antworten auf die Fragen seiner Zeit gegeben hat, so muss auch die Schönstatt-Bewegung aus seinem Erbe heraus Antworten auf die Fragen der heutigen und der künftigen Gesellschaft entwickeln und seine originäre Botschaft neu und zeitgemäß weitertragen.

JKI im Internet

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