Veröffentlicht am 26. November 2014 In Jubiläum 2014

Alle Wege führen nach Rom

JUBILÄUM 2014 ROM, Federico Bauml. 24.-25.-26. Oktober 2014: Drei unvergessliche Tage lang war Rom der Gastgeber für den zweiten Teil des Jubiläums der Schönstattbewegung. „Alle Wege führen nach Rom“ heißt das bekannte italienische Sprichwort. Wörtlich stammt es von dem effizienten System der Konsularstraßen des antiken Rom – Aurelia, Cassia, Flaminia, Salaria, Tiburtina, Casilina und Appia –, die alle Provinzen des Reiches verbanden.

 

Aber „alle Wege führen nach Rom“ hat auch eine metaphorische Bedeutung, tief, faszinierend; es gibt immer einen Weg, der uns zu dem gewünschten Ziel führt.

Nun, in diesen drei Tagen waren beide Bedeutungen des Sprichwortes miteinander verbunden, überlagert, fast verschmolzen. Zur gleichen Zeit war Rom das Ziel, das die Pilger – ihre Herzen noch voll von dem außergewöhnlichen Jubiläum, das sie in Schönstatt erlebt hatten, – erreichen sollten, und der Ort, wo sie die Hundertjahrfeier beenden und den Gebeten des berühmtesten Römers durch Adoption anvertrauen  konnten: dem Papst.

Eine außergewöhnliche Mission

Alle Ereignisse dieser drei Tage zu beschreiben, ist eine unmögliche Aufgabe. Was wir vielleicht tun können, ist, sie aus der eigenen Perspektive zu beschreiben, in diesem Fall der Jugendlichen. Ohne die Überheblichkeit, einen Rekord aufzustellen, sondern mit dem Wunsch, die Erinnerung ein wenig länger aufrecht zu erhalten, nicht mit Traurigkeit über etwas, das  vergangen ist, sondern mit der  Begeisterung für etwas, das im Entstehen ist, eine Herausforderung in der Herausforderung; mit den Worten von Pater Kentenich, eine außergewöhnliche Mission.

Unser Programm begann am Freitag mit einer Messe in der Kirche San Carlo ai Catinari, vorbereitet von der portugiesischen Jugend. Flaggen, Lesungen, Singen, alles verlieh den Atem einer internationalen Atmosphäre und machte es noch einzigartiger. Das nächste war die stimmungsvolle Lichterprozession von der Kirche St. Vincent Pallotti hinauf zum Petersplatz. Zwei Punkte, die des Aufbruchs und der Ankunft, und sicherlich nicht zufällig, aber mit der Symbolik eines beinahe biographischen Weges, der die Geschichte der Bewegung mit der des Gründers verbindet, vom Kleinen zum Großen, vom kleinen Teil zum Universalen, von einer kleinen Kirche zu dem Symbol der Christenheit.

Am Samstagmorgen das am meisten erwartete Ereignis: die Audienz mit Papst Franziskus

Um neun Uhr, der Zeit, in der schätzungsweise die Tore geöffnet würden, reichte die Schlange schon bis zum Anfang der Kolonaden. Mehr als 7000 Menschen waren aus aller Welt gekommen, um Zeugen zu sein bei dem größten Augenblick in der jüngeren Schönstattgeschichte, und wenn wir uns nicht beeilten, uns anzustellen, riskierten wir die Gefahr draußen zu bleiben. Niemand wollte das verpassen, und bis zum letztmöglichen Augenblick waren wir bemüht, Tickets zu bekommen, um jedem Gelegenheit zu geben, dabei zu sein.

Papst Franziskus hat uns einfache Worte gegeben, und gleichzeitig Worte von größter Tiefe. Er lehrte uns, dass „die Kirche, ohne Maria, ein Waisenhaus sei“, und die Worte seines Vorgängers zitierend, wiederholte er, dass „die Kirche nicht Proselytismus, sondern Zeugnis braucht.“

Und dann das Erschaudern über den Rücken, ihn das Weihegebet sprechen zu hören, und alle Anwesenden taten dasselbe, jeder in seiner eigenen Sprache.

Eine Stadtmission

Nach der Audienz ging es für alle nach Trastevere,  genauer zur Pfarrei  Santi Patroni, die von den Schönstattpatres betreut wird, zu einem verkleinerten Weltjugendtag! Monatelang haben wir dieses Ereignis vorbereitet; möglicherweise 500 Jugendliche aus der ganzen Welt zu empfangen und mit ihnen etwas zu gestalten ist ja nicht etwas, was jeden Tag passiert.

Schnelles Mittagessen und dann los, nachdem wir uns in kleine Gruppen für eine kleine Stadtmission aufgeteilt haben. Und wen kümmert es, wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Wenn man gemeinsam etwas so Großes hat, wird man immer eine Möglichkeit der Verständigung finden.

Um 20.00 Uhr ist die Messe. Die Gemeinde ist so vollzählig, wie es selten zu sehen war, für den Anlass passend gekleidet. Hier kommen die Flaggen, und das Singen des „Misioneros“ steigt im Gleichklang an. Es ist so schön, dass es unwirklich scheint, als wäre zu erwarten, dass man jeden Moment aus einem Traum aufwacht. Aber nein, es ist alles wahr, was wir erträumt haben, und das, wofür wir unsere Zeit und Energie hingegeben haben, findet statt. Nebenbei, entschuldigen Sie die Abschweifung, aber das ist fällig: Dank all denen, die gearbeitet haben und dafür sorgten, dass alles reibungslos verlief.

Nach der Messe war Zeit, die Mahlzeit miteinander zu teilen, müde, lächelnd, glücklich.

Vom 24. bis zum 26. Oktober 2014 – alle Wege führen nach Rom

Sonntagmorgen, die letzte Anstrengung. Nach der Messe der Schönstatt-Bewegung im St. Petersdom war es Zeit, die Grüße unseres Gastgebers, des Heiligen Vaters, zu bekommen, der um 12 Uhr von seinem Fenster herabschauen wird, um den Angelus mit den Gläubigen zu beten.

Es scheint noch immer in unseren Ohren zu klingen, das Rauschen, das sich erhob, als Papst Franziskus mit diesem verständnisvollen und komplizenhaften Blick all die Pilger der Bewegung grüßte. Darüber hinaus wurde ein riesiges Bild der Gottesmutter in den Himmel gehoben, das den Schuss von allen Kameras und den Blick aller Anwesenden einforderte.

Julius Caesar hätte nichts dagegen, wenn wir uns für drei Tage das Wort angeeignet haben, das er mit vielen Schlachten erobert hat. Ja, vom 24. bis zum 26. Oktober 2014 führten alle Wege nach Rom, und wer immer auf ihnen gereist ist, hat etwas mitgenommen und uns auch etwas hinterlassen, das Vertrauen, bald wiederzukommen.

Original: Italienisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland