Veröffentlicht am 2014-11-26 In Jubiläum 2014

Wir sind diese lebendigen Heiligtümer, von denen aus SIE sich der Menschheit geben will

Pater Carlos Padilla. Wir sind am Ende des Gnadenjahres angekommen, ein Jahr des Lebens, ein Jahr der Hoffnung. Wir konnten das Jubiläum feiern in Schönstatt, in Rom, in Spanien. Diejenigen unter uns, die nach Schönstatt kommen konnten, versammelten sich von den Enden der Erde als eine Familie. Wir hielten inne vor dem Urheiligtum mit herzlicher Dankbarkeit. Es war notwendig, den Tag zu erleben. Einige von uns konnten dort sein. Andere waren anwesend in ihren Filialheiligtümern oder Hausheiligtümern. Aber wir alle wollten unser Liebesbündnis von Herzen erneuern, aus der Tiefe der Seele. Das Jubiläum wollte eine persönliche und intensive Begegnung mit Gott und mit Maria sein. Jetzt möchten wir danken für das, was wir erlebt haben. Sicherlich hat Gott mit seinem Anteil unsere Vorstellung von dem, was das Jubiläum sein würde, überboten. Welches, vielleicht verborgene, konkrete Geschenk hat Maria uns während dieser Jubiläumstage in Rom, in Schönstatt, in unserem Zuhause, gemacht? Was haben wir IHR an dem Tag gegeben, als wir unser Liebesbündnis erneuert haben?

An dem Tag hat Maria ihr Heiligtum verlassen und ging hinaus, um uns zu suchen.

Die Fruchtbarkeit dieses Jubiläums hängt von dem ab, was wir ihr gegeben haben, von dem, was in dem Heiligtum unter dem Blick Mariens begraben ist und von unserem persönlichen und konkreten „JA“. Es sind die Beiträge zum Gnadenschatz, angeboten in Stille, mit Demut, mit Freude und Schlichtheit. An diesem Tag verließ Maria ihr Heiligtum und ging hinaus, um uns zu suchen. Sie sagte „Ja“ zu uns und dass sie uns von ganzem Herzen liebt. Sie hat uns gesagt, dass das, was wichtig ist, in der Stille der Seele entsteht, wo Gott zu uns spricht. Maria kehrt in unser heiliges Land zurück, in unsere verliebten Herzen. Sie will mit unserem Lehm bauen, um den Grundstein für unser Leben zu erarbeiten. Sie zählt auf das, was da ist in unseren unmöglichen Träumen. Vor hundert Jahren sagte Pater Kentenich zu den ersten Sodalen: „Ich weiß, wenn wir auf das aufbauen, was wir bisher erreicht haben, werden wir große Fortschritte machen.“ So war er mit ihnen. So wird er mit uns sein. Womit haben wir das bisher erreicht, was wir in den Jahren des Liebesbündnisses erlebt haben? Maria will große Wunder wirken. Wieder sagen wir „JA“ zu ihr, dass wir bereit sind, dass wir sie lieben. Wieder geben wir ihr unser Herz. Wir haben die Schwelle dieses Jahrhunderts überschritten. Eine neue Zeit beginnt, ein neuer Tag, ein neues Jahr. Maria hat „Ja“ gesagt zu unserem Leben, so wie es ist, mit seinem Reichtum und seiner Armut, mit seinen Wunden und seinen Talenten. Wir haben „Ja“ zu ihr gesagt und „Ja“ zu unserer Geschichte, zu unserer Berufung und zu unseren Wunden, zu unseren Möglichkeiten und zu unseren Ängsten. Wir senken unsere Wurzeln in das heilige Land. Wir säen mit der Schlichtheit unseres Herzens, frei von Selbstsucht. Wir wurden Kinder, Sodalen und Erwachsene. Wir küssen das schwarze Kreuz, bereit unser Leben zu geben, weil wir wissen, dass das Leben, das man behält, verloren ist, und wir  übernehmen die Worte von Pater Kentenich: „Wir sollen an das Königreich Gottes glauben, an seine Verwirklichung im Himmel. Dennoch, haben wir nicht auch die Aufgabe, schon hier auf Erden mitzuhelfen beim Aufbau der idealen Stadt, durch die Errichtung von Gottes Königreich, helfen mit unserer ganzen Kraft auch in diesen schwierigen Zeiten, in denen wir leben?“ Wir sagen „Ja“ zum Bündnis mit Maria, „Ja“ zu unseren ungeschickten und mutigen Schritten, „Ja“ zu Maria, die unsere Mutter ist. Wir kommen an, erfüllt mit Leben. Wir werden erfüllt mit Hoffnung. Wir gehen mit einem Netzwerk, erfüllt mit Gesichtern. Wir bringen ein Netz, das uns als Familie vereint, symbolisiert im ‚Kreuz der Einheit‘.

In Rom haben wir Pater Kentenichs Einladung gelebt, unsere Kirche zu lieben. Er liebte die Kirche immer.

Dort hat Papst Franziskus uns empfangen und hat uns eine vertraute und warme Begegnung mit einem Vater geschenkt. Er hat uns zugehört, hat uns umarmt und uns neue Horizonte eröffnet. Er hat uns an unsere marianische Berufung erinnert: Mutter. Eine Mutter, die uns nicht nur das Leben gibt, sondern uns im Glauben erzieht. Es ist etwas anderes, Wachstum im Glauben ohne Marias Hilfe zu suchen. Das ist ganz etwas anderes. Das ist wie ein Wachsen im Glauben, ja, schon in der Kirche, aber in einer verwaisten Kirche. Eine Kirche ohne Maria ist ein Waisenhaus (…)Maria ist es, die hilft, Jesus herunterzuziehen, im Heruntersteigen Jesu. Sie zieht ihn vom Himmel herunter, damit er unter uns lebt.“ Und sie hat uns eingeladen, unserer Berufung getreu Übermittler des Lebens zu sein. Wir sind berufen, eine neue Welt in Christus aufzubauen, eine neue Welt durch die Hände Mariens. Unser Leben im Liebesbündnis will eine Bündniskultur aufbauen, eine Kultur der Begegnung in diesem Land so vieler Enttäuschungen. Der Papst sagte zu uns: „ … Darum müssen wir für eine Kultur der Begegnung arbeiten. Eine Kultur, die uns hilft, einander als Familie zu begegnen, als Bewegung, als Kirche, als Pfarrei. Immer suchen, wie wir einander begegnen können.“  Es ist nicht leicht, in Einigkeit zu leben, Bindungen zu schaffen, zu vergeben, zu akzeptieren, zu integrieren. Oft weil wir glauben, besser zu sein, weil wir beladen sind mit Stolz, weil wir nichts verlieren wollen …am Ende schaffen wir Uneinigkeit. Maria ist Einheit. Sie hat immer vereint, sie vereint uns immer.

Selbstloser Dienst

Der Papst lädt uns ein, Brücken zu sein, Orte der Begegnung und ein Haus des Bündnisses. Der Papst hat uns aufgerufen, aus uns selbst herauszutreten; uns zu de-zentrieren, denn die Gefahr im Leben besteht darin, zu denken, wir wären im Zentrum, Schönstatt sei das Zentrum der Kirche, dass Dinge geschehen, weil wir da sind und sie möglich machen. Aber das ist nicht der Weg. Unsere Berufung ist selbstloser Dienst: arm und schlicht. Wir sind da zu vereinen, dem Leben zu dienen, bis zu den Peripherien zu gehen. Wir wollen nicht zufrieden sein, für das Leben zu sorgen, das Gott uns anvertraut hat. Wir gehen darüber hinaus. Wir suchen die Begegnung mit denen, die nicht nahe sind, mit jenen, die nicht glauben, und mit denen, die das Heiligtum nicht als Heimat kennen. Wir können den Schatz, den wir umsonst bekommen haben, nicht für uns selbst behalten. Unsere Mission beginnt. Maria sendet uns, weiterhin treu zu unserer Sendung in der Welt zu stehen.

Sie sendet mich

Als wir im Vatikan das riesige Bild Mariens betrachteten, waren wir uns unseres Kleinseins und der Größe unserer Mission bewusst. Da haben wir unser „JA“ zu Maria erneut gegeben. Eine Woche vorher sagten wir unser „Ja“ in ihrem kleinen Heiligtum. Wir sagten es erneut eine Woche später im Vatikan. Wir sagten ihr, wir seien bereit, unser Leben zu geben, alles aufzugeben, unser Herz zu übergeben. Wir wissen, dass Maria uns auf dem Weg niemals allein lässt. Sie sendet uns weiter und geht vor uns her. Sie öffnet die Türen, damit wir eintreten, und sie ist schon drinnen und wartet auf uns. Sie gibt uns Licht in der Dunkelheit, und es ist dasselbe Licht, das wir in unserer Seele tragen. Sie ermutigt uns, wenn wir mutlos sind, sie hebt uns auf, wenn wir fallen. Sie glaubt an uns, wenn wir nicht glauben. Wir bauen auf ihr auf – mit ihren Händen. Wir haben keine Angst. Wir sind nicht beladen mit Plänen und Projekten. Wir übergeben einfach in Schlichtheit, was wir haben. Die Schönheit des Heiligtums ist es, wo Maria uns eine neue Art zu leben schenkt. Wir binden uns an SIE. Wir lassen zu, dass wir in ihre Mutterhände verwandelt werden. Wir sind diese lebendigen Heiligtümer, von denen aus SIE sich selbst der Menschheit schenken will.

SIE baut mit meiner Armut, meiner Verlassenheit, meinem Wunsch zu wachsen und die Höhen zu erreichen. SIE sendet mich vorwärts und SIE sorgt für mich.

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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