Veröffentlicht am 8. März 2018 In Projekte

Lernen an Projekten

URUGUAY, Juan Andrés Nopitsch •

Die Wahrscheinlichkeit errechnen, dass Uruguay die Fußballweltmeisterschaft gewinnt? Eine Politik-Beratung aufbauen? Auf den ersten Blick klingt das weder nach Schönstatt-Projekten noch nach Schule, doch es sind für die Kultur Uruguays typische Themen, die es möglich machen, Elemente des Projektlernens nach John Larner (Project based Learning, PBL, www.bie.org)  in das Curriculum des Bildungszentrums Providencia in Montevideo zu implementieren. Was ist das? Welche Vorteile bringt es? Und wie lässt es sich mit der Kentenich- Pädagogik verbinden? —

 

 

Das Bildungszentrum Providencia ist ein Projekt von Laien der Schönstatt-Bewegung in Montevideo, das „die Bildungsarbeit, die dort geleistet wird, kontinuierlich verbessern möchte und dafür Methoden sucht, welche schnell und unkompliziert die Motivation der Kinder und Jugendlichen steigern und so den Lernerfolg signifikant steigern“, so Luis Arocha, Direktor von Providencia.

Mitte 2017 nahmen die Lehrer und Lehrerinnen an drei Workshops von Dr. Rosina Pérez Aguirre teil, um die Lernprojekt-Methode kennenzulernen. „Im Grunde geht es darum, dass die Kinder und Jugendlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, die sie ihr Leben lang begleiten werden und die ihnen helfen, dauernd zu lernen, in jedem Kontext und in jeder Situation“, erklärt Patricia Orlando, die Koordinatorin des Kinderclubs.

In diesem Jahr erfolgte dann eine Vertiefung, ebenfalls von Dr. Rosina Pérez Aguirre und ihrem Team vermittelt, die außerdem während des gesamten Schuljahres die Implementierung der Projekte in den Schul- und Bildungsprozess verfolgen.

In diesem sozialen Brennpunkt sind 14 Schuljahre sehr lang …

„Wir haben hier in diesem Sozialen Brennpunkt große Klassen mit Kindern, die nicht gerade mit großer Motivation zum Weiterlernen in die Schule geschickt werden. In dem Umfeld, aus dem unsere Schüler kommen, liegt es nicht gerade auf der Hand, die kompletten 14 Schuljahre zu machen. Für uns ist es darum wichtig, so zu arbeiten, dass die Kindern Interesse bekommen und motiviert sind“, so Luis.

Im Gymnasium und im Kinderclub wurden 10 Projekte eingeführt, die von Trainern der Katholischen Universität begleitet werden; danach folgen weitere Projekte, die von den Koordinatoren der jeweiligen Programme begleitet werden.

„Bei den meisten Projekten haben sich die Lehrer zusammengesetzt und deren Gestaltung und Inhalt erarbeitet. Rosina Pérez Aguirre und ihr Team waren beeindruckt, weil wir, wie sie sagten, ein sehr kreatives Team haben“, so Luis Arocha.

In der Vorbereitung auf diese Arbeitsmethode haben die Lehrkräfte von Providencia die Arbeiten von Experten wie John Larner studiert, der sagt: „Die Lehrkräfte müssen ein Projekt planen, das sich auf wichtige Kenntnisse und relevante Konzepte stützt. Der Inhalt muss zugleich deutlich machen, was die Lehrkraft als wesentlich zum Thema betrachtet. Und die Schüler müssen den Inhalt auch wesentlich finden, sowohl für ihr Leben wie für ihre Interessen.“ (Elementos Esenciales para el ABP – John Larmer – Buck Institute for Education, 2014).

 

Einige Projektbeispiele

„Wer gewinnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland 2018?“

Die Mathematiklehrer des Gymnasiums entwickelten für den dritten Jahrgang ein Projekt rund um die Fußballweltmeisterschaft. Dabei sollten die Jugendlichen begründen und zeigen, welche Mannschaft die größten Chancen hat, Weltmeister zu werden. Dafür mussten sie etwa nachforschen, welche Faktoren zum Sieg einer Mannschaft beitragen, mussten auch die Geschichte der Weltmeisterschaften und die jeweiligen Gewinner studieren. Dazu Russland als Land studieren, vom Wetter bis zur Politik. Während des Prozesses begleiten die Lehrer die Forschungen und arbeiten mit den verschiedenen Kontextvariablen. „Das ist ein Projekt, das Sabrina, die andere Mathematiklehrerin des dritten Jahres, und ich zusammen entwickelt haben“, erklärt Fiorella Aldabalde. „Es geht dabei, wie man leicht erkennt, um Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Schüler erforschen, wie hoch die mathematische Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Mannschaft das Turnier gewinnt, und sie studieren, welche anderen Einflüsse das Ergebnis modifizieren.“

„Eine Politikberatung für die Wahlen“

Ein anderes Projekt, diesmal im Kinderclub durchgeführt, kreist um Teilnahme am politischen Geschehen. „Die Kinder sollten eine Politikberatung aufbauen und im Rahmen der Wahlen der Delegierten für das Schulparlament und durch Umfragen sollten sie die Meinung der Wähler und die Programme der Kandidaten kennenlernen und analysieren“, so Luis.

Aus den Meinungen der Wähler stellten sie eine Information zusammen, die sie den Kandidaten präsentierten, damit diese so ihre politische Plattform ausarbeiten konnten; gleichzeitig analysierten sie die verschiedenen Vorschläge der Kandidaten für das Wählervolk. Im Projekt müssen sie dann Graphiken, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten präsentieren. Es geht dabei immer um die Idee der aktiven  Teilhabe sowie auch um Umfragemethoden“, so Luis.

Providencia versucht auf diese Weise, immer weiter fortzuschreiten auf dem Weg zu einer Bildung, bei der die Schüler wesentliche Inhalte lernen und gleichzeitig Freude an der Schule haben.

 

Bemerkung der Redaktion

Diese neuartige Lernmethode des 21. Jahrhunderts kennen wir doch schon irgendwoher, oder? Irgendwie klingt sie doch nach diesem großen Meister, Jesus, der seine Jünger, denen es so viel Freude macht, immer in seiner Nähe zu sein und von ihm zu hören, rausschickte in ein Apostolatsprojekt. Zu zweit schickte er sie los um zu predigen, Leute zu besuchen, zu heilen und Erfahrungen in der realen Welt zu machen. Müde kamen sie zurück und mit Dingen, die sie fürs Leben gelernt hatten.

Und da gab es doch auch jemand namens Josef Kentenich vor etwas mehr als 100 Jahren, der seine Schüler, denen es so viel Freude machte, immer in seiner Nähe zu sein und von ihm zu hören, herausschickte in Projekte. Erst einmal in die Stadt Koblenz auf der anderen Seite des Rheins, um dort von ihrem Einsatz für Jesus Zeugnis zu geben, und dann in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs, nicht, um dort zu überleben und dann später, in besseren Zeiten, weiterzulernen, sondern um zu verkünden, mit dem Leben zu predigen, um Leute zu besuchen, zu heilen, um die Erfahrung des Liebesbündnisses in der realen Welt und im Dienst am Menschen, am verängstigten, leidenden, zweifelnden, verletzten Menschen zu machen. Sie kamen müde zurück und mit vielen Dingen, die sie fürs Leben gelernt hatten.

Wir wissen das. So lernt man. Aber manchmal vergessen wir es. Als Kirche, als Bewegung. Schönstatt im Herausgehen ist kein Spaziergang in Worten; Bündniskultur ist nicht, einem anderen Schönstätter lieb zuzulächeln.

Danke, Providencia, für die Erinnerung daran, dass wir an Projekten Schönstatt lernen, genau jetzt.

 

Página oficial: www.providencia.org.uy

Bildungszentrum Providencia, Uruguay – Erziehen fürs Leben

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