Veröffentlicht am 2015-11-16 In Franziskus - Botschaft

Ich lade dazu ein, euch im Gebet mir anzuschließen: Vertrauen wir der Barmherzigkeit Gottes die unschuldigen Opfer diese Tragödie an.

FRANZISKUS IN ROM•

Es war der Angelus nach den Terroranschlägen von Paris, dieser Angelugs am 15. November, bei dem Papst Franziskus vom Fenster des Apostolischen Palastes zu den Menschen sprach und noch einmal sagte, eine solche Barbarei lasse „uns sprachlos zurück, und man fragt sich, wie das Herz des Menschen solche furchtbaren Dinge erdenken und umsetzen kann, die nicht nur Frankreich, sondern die ganze Welt erschüttert haben.“

Vollständiger Text der Botschaft von Papst Franziskus vor dem Angelus, 15.11.2015

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Tagesevangelium von heute, dem vorletzten Sonntag des liturgischen Jahres, konfrontiert uns mit einem Teil der Rede Jesu über die letzten Ereignisse der Menschheitsgeschichte, die auf die vollständige Erfüllung des Gottesreiches zusteuert (vgl. Mk 13,24-32). Diese Rede hielt Jesus in Jerusalem, kurz vor seinem letzten Passah-Fest. Sie enthält einige Hinweise auf apokalyptische Ereignisse: Kriege, Hungersnöte, kosmische Katastrophen: „In jenen Tagen […] wird sich die Sonne verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden“ (Mk 13,24-25). Trotzdem sind diese düsteren Ankündigungen nicht der Kern seiner Botschaft. Dieser Kern, um den sich die Rede Jesu dreht, ist er selber, das Geheimnis seiner Person, seines Todes und seiner Auferstehung, und auch seine Wiederkehr am Ende der Zeiten.

Unser letztes Ziel ist die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Und ich will euch fragen: Wie viele unter euch denken daran? Der Tag wird kommen, an dem ich dem Herrn von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen werde. Das ist das Ziel unserer Reise: diese Begegnung. Wir erwarten nicht einen Ort oder eine Zeit, sondern die Begegnung mit einer Person: Jesus. Deshalb ist die Frage nicht, „wann“ diese ankündigenden Vorzeichen sich ereignen werden, sondern ob wir bereit sind für diese Begegnung. Es ist auch nicht wichtig zu wissen, „wie“ diese Vorzeichen genau aussehen werden; wichtig ist allein, wie wir uns heute verhalten müssen, in Erwartung jener Begegnung. Wir sind berufen, in der Gegenwart zu leben, dabei aber unsere Zukunft in Frieden und Gottvertrauen aufzubauen. Das Gleichnis vom Feigenbaum, der austreibt und damit das Nahen des Sommers ankündigt (vgl. Mk 13,28-29) will uns sagen, dass die Aussicht auf das Ende uns nicht vom gegenwärtigen Leben ablenken darf, sondern unseren Tagen eine Perspektive der Hoffnung verleihen will. Diese Tugend ist so schwer zu leben: die Hoffnung, die kleinste aller Tugenden, zugleich aber auch die stärkste. Und unsere Hoffnung hat ein Gesicht: das Antlitz des auferstandenen Herrn, der „mit großer Macht und Herrlichkeit“ kommen wird (Mk 13,26), d.h., der seine gekreuzigte Liebe in der Auferstehung verklärt zeigt. Der endzeitliche Sieg Christi wird der Sieg des Kreuzes sein, der Beweis, dass das aus Nächstenliebe gebrachte Selbstopfer, in Nachahmung Christi, die einzige siegreiche Macht und der einzige feste Punkt inmitten der Katastrophen und Tragödien der Welt ist.

Unser Herr Jesus ist nicht nur das Ziel unserer irdischen Wallfahrt, sondern auch eine allgegenwärtige Konstante unseres Lebens: Er ist immer bei uns, begleitet uns überallhin; wenn er deshalb von der Zukunft spricht und uns in sie hineinprojiziert, dann geschieht das immer, um uns in die Gegenwart zurückzuführen. Er steht gegen alle falschen Propheten, gegen die Wahrsager, die das nahe Ende der Welt ankündigen, und gegen jeden Fatalismus. Er steht uns zur Seite, geht mit uns, liebt uns. Er will seine Jünger in allen Zeitaltern von der Neugier für angekündigte Weltuntergangstermine, Wahrsagerei und Horoskope befreien und unsere Aufmerksamkeit auf das Heute der Geschichte lenken. Ich würde euch gerne fragen – aber bitte antwortet mir nicht, jeder antworte für sich im Stillen –: Wie viele von euch lesen ihr Tageshoroskop? Ein jeder antworte für sich. Und wenn euch die Lust überkommt, euer Tageshoroskop zu lesen, dann blickt auf Jesus, der bei euch ist. Es wird euch gut tun. Diese Gegenwart Jesu ruft uns zu geduldiger Erwartung und Wachsamkeit auf; zwei Dinge, die sowohl der Ungeduld als auch dem Stumpfsinn entgegenwirken und uns sowohl von der Flucht nach vorne als auch von der Gefangenschaft im Jetzt und im Weltgeist bewahrt.

Auch unserer Zeit fehlt es nicht an natürlichen und menschgemachten Katastrophen; es fehlt uns nicht an Problemen und Schwierigkeiten aller Art. Doch alles geht vorbei – so ermahnt uns der Herr –; nur er und sein Wort bleiben als uns führendes Licht, das unseren Schritten Mut verleiht und uns immer Vergebung schenkt, weil er bei uns ist. Wir müssen ihn nur anblicken und er verändert unser Herz. Möge die Jungfrau Maria uns helfen, Vertrauen in Jesus zu haben, der die feste Grundlage unseres Lebens ist, und freudig in seiner Liebe zu verharren.

(Übersetzung: nach Zenit)

Worte nach dem Angelus zu den Terroranschlägen von Paris:

„Ich möchte meinen tiefen Schmerz über die Terrorakte am späten Freitagabend ausdrücken, bei dem so viel Blut in Frankreich vergossen wurde und die so viele Opfer gefordert haben. Dem Präsidenten der französischen Republik und allen Bürgern des Landes spreche ich mein brüderliches Beileid aus.

Besonders nahe bin ich den Familienangehörigen derer, die ihr Leben lassen mussten, und den Verletzten. So eine Barbarei lässt uns sprachlos zurück, und man fragt sich, wie das Herz des Menschen solche furchtbaren Dinge erdenken und umsetzen kann, die nicht nur Frankreich, sondern die ganze Welt erschüttert haben. Angesichts solcher nicht tolerierabler Akte muss dieser Angriff auf die Würde der menschlichen Person scharf verurteilt werden.

Ich möchte erneut deutlich festhalten, dass der Weg der Gewalt und des Hasses nicht die Probleme der Menschheit löst; den Namen Gottes für diesen Weg zu missbrauchen ist blasphemisch!

Ich lade dazu ein, euch im Gebet mir anzuschließen: Vertrauen wir der Barmherzigkeit Gottes die unschuldigen Opfer diese Tragödie an. Die Jungfrau Maria, Mutter der Barmherzigkeit, wecken in den Herzen aller Gedanken der Weisheit und den Willen zum Frieden. Wir bitten sie darum, die liebe französische Nation, die erste Tochter der Kirche, Europa und die Welt zu schützen und zu behüten.“

(Übersetzung von Radio Vatikan)

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